St. Kilian Signature Edition No. 5 Virgin Oak - eine Vorstufe zum Brennerei-Standard?

Dieser Beitrag enthält unbezahlte Werbung aufgrund von Markennennung.

Die fünfte Abfüllung der Signature Edition von St. Kilian ist ganz und gar "jungfräulichen" Fässern gewidmet - oder "Virgin Oak", wie die Schotten sagen. Die Melange aus fünf verschiedenen Fassarten haut diesmal kräftig auf die Pauke. Denn Virgin Oak bringt die Aromen ungezähmt und ungezügelt in das Destillat. Wird das die Vorstufe zur kommenden Standard-Abfüllung sein?



Die  Abfüllungsreihe "Signature Edition" der deutschen St. Kilian-Brennerei macht richtig Laune. Hier präsentieren die experimentierfreudigen Macher aus Rüdenau verschiedene Ausprägungen, die ihr Whisky je nach Fassreifung oder Malzsorte aufzeigen kann. Ewig wird es diese Reihe nicht geben, sie ist eher als eine Zwischenstation zu verstehen auf dem Weg zur Standard-Range.

Nachdem Nr. 1 eine Mischung aus Ex-Bourbon- und Rhum-Argricole-Fässern war, Nr. 2 den süßen Amaronefässern und Nr. 3 + 4 dem Thema Rauch gewidmet waren, führt uns St. Kilian diesmal mit der Nr. 5 in die urgewaltige Aromenpracht der noch unberührten Virgin-Oak-Fässer.

Neue Fässer, die zuvor noch nicht befüllt waren, werden bei der Whisky-Reifung vor allem eingesetzt, weil sie eine dunkle Farbe und starke Holzaromen liefern. Da sich die Holzaromen schnell in den Vordergrund spielen und mitunter auch die Überhand gewinnen können, werden sie meist mit First- oder Second-Fill-Fässern kombiniert. Abfüllungen, die nur auf Virgin-Oak-Fässer basieren, sind entsprechend selten.

Für den St. Kilian Signature Edition No 5 kamen ausschließlich Virgin-Oak-Fässer zum Einsatz, die sich jedoch in ihrer Holzart unterscheiden. Die genaue Zusammensetzung wurde wie folgt angegeben:

- Amerikanische Weißeiche, 190-l-Fass, 34%
- Europäische Eiche, 190-l-Fass, 26%
- Hybridfass, 200 l, Fasskörper Amerikanische Eiche, Fassdeckel Französische Eiche, 20%
- Pfälzer Eiche, 50-l-Fass, 13%
- Ungarische Eiche, 100-l-Fass, 7%



Leider konnte ich bei der offiziellen Vorstellung der neuen Abfüllung am Tag des Deutschen Whisky nicht dabei sein, aber die Brennerei hat mir dankenswerter Weise ein Sample-Paket geschickt, das Fass-Proben aus den unterschiedlichen Fässern beinhaltet, aus denen der Five dann komponiert wurde.

Im Detail unterschieden sich die einzelnen Virgin-Oak-Fässer deutlich:

a) Amerikanische Weißeiche: Mild und weich, mit deutlicher Vanille. Am Gaumen ölig, und tanninlastig.

b) Europäische Eiche: malzig, kräftig und würzig, dezente Orangenoten. Am Gaumen kräftig, würzig, mit viel Holz.

c) Hybridfass: gefällt mir am besten von den fünf. Rund und ausgewogen, ein bißchen Vanille, ein bißchen Orange, und mit dezenter Würze. Am Gaumen vollmundig, ein bißchen Schokolade und viele Sägespäne.

d) Pfälzer Eiche: malzig, süß und würzig, mit Orangen- und Kirscharoma. Am Gaumen kratzig, bitter und unreif. Grünes Holz. Schöner Geruch, aber enttäuschender Geschmack. Hat mir am wenigsten gefallen. Das Holz hat in diesem kleinen Fass zu viel Oberhand gewonnen.

e) Ungarische Eiche: Orangensaft, dunkle Brotkruste und Blütenduft. Kräftig, mit zu vielen Tanninen.

Und hier meine Tasting Notes für die neue Abfüllung:


St. Kilian Signature Edition No 5, Virgin Oak, 3 Jahre, 52,5% vol.

Farbe: dunkles rot-gold

Nase:  Der erste Eindruck ist geprägt von intensiv-würzigen Holz-Aromen, was bei einer reinen Virgin-Oak-Abfüllung keine wirkliche Überraschung ist. Dazu kommt der Duft von dunklem Honig, Kirschsaft, Orangenmarmelade, saure Drops, verhaltenen Vanille-Aromen und Blütenduft. Die Zugabe von Wasser bringt Zitrusaromen zum Vorschein.

Gaumen: würzig-kräftig Antritt, ölig, recht vollmundig und mit viel Tannin.

Nachklang: sehr trocken, am Ende sogar leicht pelzig.


Fazit: 

Der Signature Edition No 5 drückt ganz schön auf die Tube. Die 52,5% vol. sorgen dafür, dass die Aromen dicht und kompakt bleiben. Der starke Holzeinschlag und die stark-würzigen Noten verleiht ihm Wucht, doch insgesamt stürmt der Whisky noch etwas ungeschlacht durchs Glas.

Im Netz wurde die vergangenen Tage viel darüber spekuliert, ob dies vielleicht ein Vorgeschmack auf die kommende Standard-Abfüllung sein könnte, und die Abfüllung erhielt viel Beifall.

So ganz kann ich mich dem allgemeinen Tenor nicht anschließen. Eine reine Virgin-Oak-Abfüllung hat ihren Reiz, und die ungestüme Kraft macht als besondere Abfüllung auch Spaß. Als Standard wäre er mir jedoch zu derb und ungeschliffen, da fehlen mir noch Eleganz und Finesse.




Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

TASTING NOTES: Ben Bracken 40 - gefärbt, gefiltert und bieder.

Lost Distilleries: Elizabeth Harvie and the Paisley Connection. Schluss

THEMA: Tips für ein gelungenes Whisky-Tasting - die 10 besten Formate und was ihr dabei beachten solltet

Warum "Blend" ein gefährliches Wort ist und was man darüber wissen sollte - Teil 1.

Welche Whiskey-Brennereien gibt es in Irland

Hier stinkt was: Die Schattenseiten des Irischen Whiskey-Wunders