Adventskalender: Bowmore 10 The Devil's Casks, very small batch

Das Tasting mit Bowmore Master Blenderin Rachel Barrie auf der Interwhisky in Frankfurt fand zu meiner großen Enttäuschung in diesem Jahr nicht statt, Rachel musste aus familiären Gründen absagen. 
Als Trost hatte sie ihre jüngste Schöpfung geschickt: die Fässer des Teufels, „the Devil’s Casks“.
 
Für Rachel Barrie gibt es keinen Ersatz. Das wußte auch Jörn Brinkmann vom Team Campari, der uns die traurige Botschaft überbringen musste. Um die enttäuschten Teilnehmer der Grand Master Class wieder aufzumuntern, hatte er deshalb den Whisky aus den Fässer des Teufels mitgebracht und reichlich unter uns verteilt. 

Ich gebe zu, im ersten Augenblick hat er mich damit nicht sonderlich beeindruckt. Ein oder zwei Gläschen eines zehnjähriger Bowmore als Ersatz für ein entgangenes Tasting mit der Master Blenderin läßt mich nicht unbedingt in Jubel ausbrechen. Doch als ich dann mein erstes Glas in der Hand hielt, war ich schlagartig hellwach. Was soll ich sagen - dieser Bowmore ist sündhaft gut! 


Die Kirschen aus Nachbars Garten


Süß muss ein Teufel sein, vollmundig, verlockend und verführerisch, sonst macht die Sünde keinen Spaß. Der Devil's Casks schmeckt betörend gut, und riecht nach verbotenen Kirschen aus Nachbars Garten, nach Seidenwäsche und schwarzer Spitze, nach sündigen  Nächten in verrauchten Spelunken... Leider konnte ich Rachel nicht fragen, welche Bilder sie im Sinn hatte, als sie diesen Whisky komponierte, doch ich bin mir sicher, puritanisch-spartanisch waren ihre Gedanken nicht;-)

Nur 6.000 Flaschen gibt es weltweit, ganze 360 davon sind für Deutschland bestimmt. Offizielle Markteinführung in Deutschland war erst vor wenigen Tagen, und auf der Interwhisky wurde der Teufels-Whisky dann auch mit dem üblichen Marketing-Tamtam an alle Fans von Bowmore verteilt, die mit einem roten Bowmore-T-Shirt bekleidet am Stand auftauchten. 


Immer wieder bin ich den Rest des Tages an roten T-Shirts vorbeigelaufen, gefühlte 200 der 360 Flaschen müssen alleine auf der Messe verkostet worden sein. Die restlichen Flaschen wurden am folgenden Montag von Teufels-Austreibern vom Markt gefegt. Wie sonst wäre zu erklären, dass am Montag abend der Preis im online-Handel schon auf stolze 300 Britische Pfund angestiegen war!



Ob er einen solch sündhaften Preis wert ist, muss jeder selbst entscheiden. Doch für einen 10jährigen sind Aroma und Geschmack  gewaltig. Auch die Einwohner des Örtchens Bowmore hatten mit dem Teufel ja so ihre Probleme, der einer alten Geschichte zufolge in der runden Dorfkirche keinen Winkel fand, wo er sich verstecken konnte. Die Einheimischen trieben ihn darauf hin aus der Kirche hinaus, so dass er in ein Lagerhaus der nahegelegenen Brennerei flüchtete. Angeblich hat ihn seither niemand mehr gesehen. 

Vielleicht hat er sich aber auch nur besonders gut hinter einem der vielen Fässer versteckt und sorgt jetzt dafür, dass der Nachschub kommt...  Im Netz kursieren bereits Gerüchte, dass ein zweites Batch folgen soll.




Und hier meine Tasting-Notes:

Farbe: Wow! Dunkler Bernstein. Und dicke, fette Beinchen, die sich nach dem Swirlen am Glas nach unten ziehen...

Aroma: Wow! eine zarte, edle Rauchnote, ein üppiger Früchtekuchen, Sherry, Vanille, Pflaume, Rosinen, Kirschen, süße Gewürze, nach einer Weile auch Orangenschale. Reichhaltig, satt und schwer. Sehr  komplex, dunkel und intensiv!

Geschmack: Wow! Unglaublich ölig, schwer und cremig, mit Mandeln ,  Salz und Tabak. Feinste Leder-Möbel und teure Zigarren im edlen Herrensalon!

Nachklang:  Wow! warm, lang und rauchig.

Mein Tip:
Der Teufel liebt Bowmore! 10 Jahre lang reifte dieser Whisky ausschließlich in first-fill Sherry-Fässern und wurde mit 56,9 %vol. in die Flasche gefüllt. Man sollte sich von dem jugendlichen Alter nicht täuschen lassen. Der "Devil's Casks" ist ein Bowmore, für den man seine Seele an den Teufel verkaufen kann. Er wäre eigentlich ein tolles Geschenk für IHN oder SIE zum Weihnachtsfest, aber dieser Whisky ist so verführerisch gut, dass man ihn nur  ungern teilen möchte und ihn auch  nur dann verschenken sollte, wenn es sich wirklich lohnt.  Falls man ihn noch irgendwo ergattern kann.... Er schmeckt so lecker, zum Sammeln ist er viel zu schade!




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