Online Tasting und Präsentation: Neues von Mars. Japanischer Whisky wird wieder spannend.

Japanischer Whisky ist tot??? - Das galt vorgestern. Whisky aus Japan hat das Nadelör der zu geringen Verfügbarkeit allmählich hinter sich. Vor ein paar Tagen hatte ich das besondere Vergnügen, an einem Online Tasting der japanischen Mars Brennereien teilnehmen zu können, das Gregor Haslinger von Whisky Spirits in Frankfurt zusammen mit Kirsch Whisky organisiert hatte. Besonderer Clou: die Brand Ambassadorin von Mars war live aus Japan zugeschaltet. Bei Mars ist man in den letzten Jahren sehr rührig gewesen. Die neuen Abfüllungen sind vielversprechend.

Whiskys der japanischen Mars Distillery sind bereits seit einigen Jahren in Deutschland erhältlich, doch so ein richtiger Publikums-Liebling ist die Brennerei bisher nicht gewesen. Und auch bei mir lief die Brennerei eher im unteren Bereich meines Whisky-Radars. 

Doch als mich vor ein paar Tagen Gregor Haslinger fragte, ob ich Lust auf ein Mars-Tasting hätte, wurde ich hellhörig. Gregor hat ein feines Näschen und viel Erfahrung, und als er mir erzählte, dass die Brennerei mittlerweile ein sehr spannendes Portfolio zu bieten hat, musste er mich nicht zweimal bitten. 

Und Gregor hatte nicht zuviel versprochen. Insgesamt wurden sechs verschiedene Whiskys im Tasting vorgestellt, und dazu gab es noch einen Cocktail und kleine Sushi-Köstlichkeiten, die speziell zu drei der Whiskys passend ausgewählt wurden. 



Die Mars Brennereien von Hombo Shuzo

Was die Sache besonders interessant machte, war die Live-Schaltung nach Japan, die Gregor zusammen mit dem deutschen Importeur bewerkstelligt hatte. Das gesamte Tasting wurde von der Brandambassadorin der Brennerei, Momoko Kato, live begleitet. Ein bißchen Mitleid hatte ich schon mit der sympathischen jungen Dame, denn während es bei uns abend  21.00 Uhr war, als das Tasting begann, war es in Japan fünf Uhr morgens.

Brennblasen Mars Tsunuki-Brennerei


Doch der Einsatz hat sich gelohnt, denn Momoko konnte uns viele sehr interessante Einblicke in die derzeitige Arbeitsweise der Brennerei geben. Momoko bezeichnete in ihrer Präsentation Mars als den aufsteigegenden Stern am japanischen Whisky-Himmel. Und damit hat sie nicht übertrieben, wie wir uns im Laufe des Tastings überzeugen konnten.

Da die Aktivitäten der Mars Distilleries bei uns noch nicht so bekannt sind, möchte ich euch deshalb auch einige Informationen aus der Präsentation geben. 

Zum Einstieg gab es den obligatorischen historischen Rückblick, der im Falle der Mars Distillery aber besonders reizvoll ist, da sie mit dem "Vater" des japanischen Whiskys, Masataka Taketsuru verknüpft ist, weshalb ich die Geschichte hier gerne wiedergebe.




Geschichte

Besitzer der Mars Brennereien ist die Firma Hombo Shuzo Ltd., die  1872 gegründet wurde. Man beschäftigte sich jedoch zunächst nur mit Baumwoll- und Rapsverarbeitung, ehe man 1909 auch die Spirituosenwelt entdeckte  und eine Brennlizenz beantragte, um Shoshu herzustellen. Vier Jahrzehnte später folgte die Lizenz zum Whisky-Brennen. Anfänglich hatten die Produkte nur wenig Ähnlichkeit mit schottischem Whisky, doch das sollte sich ab 1960 ändern. 

Brennblasen Mars Shinshu Brennerei. Bild Momoko Kato 


Damals war Kiichiro Iwai als Berater für Hombo Shuzo tätig, und seine Aufgabe war es, eine neue Whisky-Brennerei zu planen und einzurichten. Dass man ausgerechnet Iwai damit betraute, hatte einen guten Grund. Denn Iwai war 1920 für Settsu Shuzo tätig gewesen, und einer seiner Angestellten war damals Masataka Taketsuru, der im Auftrag von Settsu in Schottland das Destillieren erlernt hatte. 

Nach seiner Rückkehr aus Schottland hatte Masataka einen ausführlichen Bericht angefertig, und Iwai kannte diesen Bericht. Nachdem Masataka sich geschäftlich von Settsu Shuzo getrennt hatte, gründete er zunächst die Brennerei Yamazaki (Suntory) und später auch Yoichi (Nikka). Viele Jahre danach entwickelte  Iwai auf der Grundlage von Masatakas alten Aufzeichnungen  die Brennblasen für Hombo Shuzo.  Der Whisky, der in der neuen Brennerei in Yamanashi entstand, war schwer und rauchig, so wie Masataka es bei Hazelburn in Campbeltown gelernt hatte. Streng genommen hat also auch die Mars Shinshu Brennerei ihre Wurzeln in der Reise von Masataka nach Campbeltown. 

Whisky-Konsum Japan. Bild Momoko Kato 


1985 wurde die Brennerei an ihren heutigen Standort in Shinshu verlagert. Aufgrund sinkender Nachfrage wurde die Brennerei von 1992 bis 2010 stillgelegt. Nach einer gewaltigen Renovierungs-Aktion wurden die Brennblasen 2011 wieder angefeuert, nach einem 19 Jahre dauernden Dornröschenschlaf. Drei Jahre später wurden die alten Kupfer-Brennblasen von Kiichiro Iwai originalgetreu nachgebaut und ersetzt. Lediglich einige kleinere Variationen zur leichteren technischen Bedienung der Brennblase wurden hinzugefügt. Die Whisky-Vorlieben der Konsumenten hatte sich jedoch im Laufe der Jahrzehnte verändert, und man passte sich in der Brennerei diesem Trend an. Heute ist der Whisky von Shinshu weniger schwer als er es noch in den Gründerjahren war.

Lage der Warehouses und Brennereien von Mars (Hombo Shuzo). Bild Momoko Kato  


Lagerorte und Brennereien

Mars verfügt derzeit über zwei Brennereien, in Shinshu und in Tsunuki (seit 2016) und drei Lagerstätten (in Shinshu, Tsunuki und Yakushima), was für die einzelnen Abfüllungen interessante Kombinationen erlaubt. Die drei Lagerorte unterscheiden sich deutlich in den herrschenden Klimabedingungen. 


Bei Hombo Shuzo liebt man offensichtlich die Extreme: 

1) Die Mars Shinshu Brennerei ist die höchst gelegene Brennerei in Japan. Sie ist von majestätischen Bergen umgeben, das Klima ist kühl, der Luftdruck niedrig. 

2) Tsunuki Distillery ist die südlichste Brennerei in Japan und liegt nur 7 km von der Küste entfernt, Temperatur und Luftdruck sind merklich höher als in Shinsu. Hier befindet sich auch das ehemalige Wohnhaus der Familie des Firmengründers, das heute als Visitor Center benutzt wird.

3) Das Klima der kleine Insel Yakushima ist besonders extrem. Die jährliche Niederschlagsmenge gehört mit zu den höchsten weltweit. Die Durchschnittstemperatur liegt mit 19°C deutlich höher als bei der Shinshu Distillery, wo sie nur 10° C beträgt. Entsprechend ist der  Angels' Share in Yakushima deutlich höher, die Reifung erfolgt merklich schneller.   

Es wird in den nächsten Jahren spannend sein, zu verfolgen, wie die unterschiedlichen Terroir-Bedingungen den Reifeprozess des Whiskys beeinflussen werden. Die folgende Grafik gibt eine kleine Übersicht über die derzeitigen verschiedenen Abfüllungen, ihre Herstellungs- sowie Lagerorte: 

Überblick Abfüllungen der Mars DistilleriesBild Momoko Kato  

Brennblasen

Auch bei den Brennereien gibt es Unterschiede, wobei der wichtigste Unterschied vermutlich die Brennblasen sind: die Wash-Still von Tsunuki ist runder als die von Shinshu, hat einen wesentlich längeren Lyne-Arm und ist mit Worm-Tubs ausgestattet. Der Whisky von Tsunuki ist dementsprechend schwerer und öliger als der von Shinshu. Auch die Spirit Stills unterscheiden sich deutlich, die Feinbrennblase von Shinshu ist sehr viel größer als die von Tsunuki. Interessanter weise ist die Spirit Still von Shinshu größer als die Wash Still, es werden immer drei Durchläufe der Wash Still kombiniert und dann gemeinsam in der Spirit Still gebrannt. 

Die  Abbildungen, die Momoko Kato uns zur Verfügung gestellt hat, zeigen die Unterschiede in den Brennblasen eindrucksvoll. 

Wash Stills der Mars Distilleries. Bild Momoko Kato 

Spirit Stills der Mars Distilleries. Bild Momoko Kato


Peat und Hefe 

Gemälztes Getreide wird von Schottland eingeführt. Man arbeitet mit vier veschiedenen Rauch-Graden: ohne Torfrauch, mit leichtem Torfrauch (3.5 ppm), starker Torfrauch (20 ppm) und super starker Torfrauch (50ppm). Außerdem hat man in den letzten Jahren mit drei verschiedenen Hefesorten experimentiert.  

Die Whiskys

Nach dieser kurzen Einführung konnte es dann losgehen mit dem Tasting. Zur Einstimmung hat uns Mr. Hashimoto zunächt einen sehr leckeren Negroni-Cocktail präsentiert, der als Pre-Mix bereits im Tasting-Paket enthalten war - natürlich ohne die Eiswürfel und Zitronenzeste. Die Rezeptur hat mir Herr Koichi Hashimoto liebenswürdiger weise zur Verfügung gestellt:

3 cl Mars Kasei Blended Whisky 

3 cl Martini Bitter Reserva Speciale

3 cl Martini Rubino

1,5 cl Combier Triple Sec

1 Löffel Monin Weißer Schokolade Sirup 

5 Tropfen Angostura Bitter

das ganze 20 mal rühren,  im Tumbler auf Eis servieren und mit einer Zitronenzeste garnieren 

Die ausgeklügelte Rezeptur mag dem ein oder anderen übertrieben erscheinen, aber die Mühe lohnt sich. Der Cocktail ist perfekt abgestimmt und die leichte Getreidenote des  Mars Kasei gibt ihm eine sehr schöne Tiefe.

Koichi Hashimoto

Dann folgten die Hauptdarsteller des Abends, die Whiskys von Mars:


1) Mars Kasei, blended Whisky, 40%

Nase: leichte Fruchtaromen, mti einer angenehmen Malzigkeit, deutlich florale Noten, und dunkler Waldhonig. 
Gaumen: gutes Mundgefühl, mit einer überraschend starken Getreidenote, und einer leichten Bitterkeit, die für Grains typisch ist.
Nachklang: kurz und leicht

Gesamteindruck: ein eher leichter, aber dennoch aromatischer Blended Whisky, der im Sommer, als Apperitif oder im Cocktail nicht zu verachten ist. Mit einem Preis von 38 Euro nicht unbedingt ein Schnäppchen, aber durchaus erschwinglich.

2) Mars Maltage Cosmo: Blended Malt Whisky, 43%

Ein blended Malt, bei dem Malt Whisky von Mars mit schottischem Malt Whisky verschnitten wird. 

Nase: Orange, Limetten und Äpfel sind dominant, dazu kommt Vanille, Orange, Chili und Malz. Aber auch florale, süße Blütendüfte sind verdeckt enthalten.
Gaumen: leicht ölig, mittelschwer, kräftig, kaum Holzaromen.
Nachklang: mittellang

Gesamteindruck: Ein paar Minuten Wartezeit tun ihm gut, damit er aufgeht. Die stärkere Betonung der Fruchtaromen ist wohl dem schottischen Whisky geschuldet. Fruchtig, relativ robust und malzig, dennoch "klassisch" im Gesamteindruck und relativ komplex, mit einem sehr schönen Mundgefühl. Bei mir weckt er Assoziationen an schottischen Küstenwhisky (ungetorft). Bei einem Preis von ca. 52 Euro durchaus eine Empfehlung. 

3) Mars Komagatake Tsuniki Aging 2019, 56%

Dieser Whisky stammt aus der Shinshu Distillery, wurde aber in den Lagerhäusern bei Tsunuki gereift. Dort reift der Whisky schneller als in Shinshu, und hat auch einen höheren Angels' Share. Vorrangig Bourbon Barrels, angeblich nur 4.000 Flaschen

Nase: starke Blumendüfte, Orangen, Nektarinen, Limetten, Vanille, weiche Karamellbonbons und Zuckersirup.  
Geschmack: kräftiger Antritt, vollmundig, mit getrockneten Aprikosenund leicht nussig, aber dennoch filigran. Pur ist er mir zu scharf, mit ein paar Tropfen Wasser wird er cremiger und ölig, dezente Holznoten kommen jetzt zum Vorschein. 
Nachklang: mittellang und wärmend.

Gesamteindruck: Ein komplettes Kontrastprogramm zu Whisky Nr. 2. Anstelle der eher eher herben, groben, malzbetonten Fruchtigkeit bei Nummer 2) tritt bei Nummer 3) eine helle, feingliedrige, floral-betonte und üppige Süße. Ungemein appart! Die Abfüllung ist noch von letztem Jahr, und war limitiert, das treibt die Preise leider in die Höhe. Ich finde den Duft umwerfend grandios, und mit Wasser gefällt er mir geschmacklich auch sehr gut, aber bei einem Preis von über 200 Euro ist er wohl eher was für Flaschenteilungen oder für Sammler. 


Food Pairing: Hierzu gab es dann das erste Sushi, eine Kimpira Gobo - gebratene Klettenwurzel, in dünne Streifen geschnitten und mit Zucker, Sesamkörnern und Sojasauce mariniert. Die Sushis waren eingeschweißt und in einer Styroporpackung mit Kühlpad geliefert worden, so dass sie auch lange genug frisch und kühl geblieben sind. 

Die herzhaft-gemüsigen und süßen Aromen des Kimpira Gobo haben eine fantastische Ergänzung zu den floralen, süßen Aromen des Whiskys dargestellt. Daumen hoch - Das war Super lecker!!! 

Japanische Häppchen, sogenannte Otsumami, geliefert von Kabuki, Frankfurt


4) Mars Komagatake Yakushima Aging 2020, 53%

Destilliert in der Shinshu Brennerei, gelagert und gereift in den Lagerhäusern der Yakushima-Insel. Zum großen Teil Bourbon-Barrels, mit einem geringen Anteil an Sherry-Fässern. 

Nase: süße Früchte, Aprikosen, Äpfel, Limetten dominieren, dazu dezente Blütenaromen. Schöne Komplexität, eher auf der filigranen Seite, ein bißchen Vanille, ein bißchen Karamell, gepart mit einer sehr dezenten, kräutrigen Würze
Gaumen: Chili und scharf. Da brauche ich unbedingt etwas Wasser.  Etwas verdünnt präsentiert sich der Whisky angenehm cremig und leicht trocken. 
Nachklang: mittellang

Gesamteindruck: Die hohe Schärfe hat mich überrascht, dem hätte ich deutlich mehr gegeben als 53%. Weniger Süße und mehr Würze als Nr. 3).   Filigran, harmonisch, und komplex.



Food-Pairing: Das dazu passende Sushi war Hotate-Kaibashira. Dazu werden Jakobsmuscheln in Sojasauce und Mirin eingetrunkt und anschließend getrocknet, was ihnen eine schinkenartige Konsistenz verleiht. Wobei man hier wohl nicht von Sushi reden sollte, es handelt sich vielmehr um ein Otsumami, also eine kleine Beilage, die traditionell zu Sake serviert wird.

Die Kombination kam bei den Teilnehmern insgesamt gut an. Mir war bei dieser Kombination das starke Meerwasser-Fisch-Schinken-Aroma der getrockneten Jakobsmuschel zu intensiv, der Whisky ging da ein bißchen unter. Ich habe gemogelt und die Jakobsmuschel mit dem Rest des Blended Malts (Nummer 2) kombiniert, dessen robustere Grundstruktur hat mir als Partner besser gefallen.


Gregor war mittlerweile ganz schön flott unterwegs, vielleicht hat auch er Mitleid mit unserer netten Moderatorin aus Japan gehabt, und wollte sie in den frühen Morgenstunden nicht über Gebühr strapazieren. Wir waren nach eineinviertel Stunde bereits beim fünften Whisky angekommen, und ich habe mich dann so mit Otsumami probieren und Whisky verkosten beeilen müssen, dasss ich keine Zeit mehr hatte, von der nächsten Flasche einen Screen-Shot anzufertigen. Ich hoffe, ihr seht es mir nach.

5) Mars Shinshu Komagatake Single Malt Limited Edition, 2020, 50%

Gebrannt, gelagert und gereift in Shinshu. Limitierte Abfüllung 2020. 

Nase: Dunkle Karamell-Noten, Pflaumen, und Milchkaffee. Wunderbar. Die floralen Noten treten etwas zurück, dunklere Noten von Kaffee und Schokolade kommen jetzt stärker heraus. 
Gaumen: delikat, cremig, vollmundig, und leicht ölig. Mit 50% optimal, trotz leichter Schärfe. 
Nachklang: lang und wärmend.

Gesamteindruck: sehr gelungen. Wunderbar komplex, mit warmen, tiefen, cremigen  Aromen und weich wie Samt. 


Das passende Otsumami war ein Ooba-Miso, dessen (fermentierte) Grundzutaten Perillen-Blätter, Gerste, Soja, Reis, Mongobohne, Hirse, Sesam, Ingwer und Chilipulver sind. Unser Ooba-Miso war etwas schärfer zubereitet  als die Standard-Version und war ein absoluter Gaumenschmaus. Das schmeckt schon pur ganz fantastisch und kann auch mit Reis kombiniert werden. Die Kombination mit dem Whisky war eine Geschmacksexplosion auf meinem Gaumen, die ich so nicht erwartet hatte. Einmalig gut, und ein Daumen hoch!

6) Mars Komagatake Tsunuki 2017-2020 Single Cask, abgefüllt für Kirsch Whisky, 3 Jahre, Ex-Bourbon-Fass, leicht gepeated, 61%

Das weltweit erste Einzelfass, das von der neuen Tsunuki Brennerei abgefüllt wurde. Es ist inzwischen ausverkauft. Fass Nummer 5108, drei Jahre, Ex-Bourbon-Fass. Leichte Rauchnote, Torfrauch 3,5 ppm. 



Nase: Junger Torfrauch ist nicht so mein Ding. Obwohl für der Whisky nur sehr schwach getrorftes Malz zum Einsatz kam, ist dieser typische Kuhstallgeruch sofort im Vordergrund. Nach einer Weile wird er zum Glück etwas schwächer, grüne Banane und Äpfel treten in den Vordergrund. Danach auch die fast schon obligatorischen  Karamell- und Vanillearomen aus neuen Boubon-Fässern, leicht süß, mit Schwerpunkt auf dem Karamell. Insgesamt eher fruchtbetont, und jetzt kommen auch die mineralischeTöne hervor, die ihm eine breitere Struktur verleihen. Trotz seiner drei Jahre schon sehr komplex und voluminös.
Gaumen: starker Antritt und vollmundig, trotz der 61% immer noch im erträglichen Rahmen. Der leichte Torfrauch macht sich auch auf der Zunge bemerkbar, jetzt aber positiv. Insgesamt cremig und vollmundig. 
Nachklang: lang und cremig. Wer will, kann Wasser zugeben, aber man muss nicht. 

Gesamteindruck: tolles Einzelfass, das die mineralische Seite des Whiskys betont. In Tsunuki reift der Whisky schneller als in Shinshu, für seine drei Jahre ist der Whisky erstaunlich komplex. Trotzdem ist der Einfluß von Holz relativ gering, die Holznote, die andere, "schnelle" Abfüllungen aus warmen Klimaten oft aufzeigen, fehlt hier. Diese fehlenden Holzaromen mit gleichzeitiger Betonung der Mineralischen Seite finde ich außerordentlich spannend. Auf den "Kuhstall" hätte ich allerdings lieber verzichtet, er schmälert etwas mein persönliches Vergnügen. Aber das ist letztendlich Geschmacksache. 

Zum Abschluss hat Mokomo dann noch einen kleinen Ausblick auf die limitierten Sonder-Abfüllungen gegeben, die für den Rest des Jahres geplant sind. Hier die kleine Sneak-Preview:


Der Tsunuki Peated wird wohl nicht so ganz mein Ding, aus den oben bereits genannten Gründen. Aber auf den Komagatake Tsunuki Aging 2020 bin ich sehr gespannt. Und auch die anderen geplanten Abfüllungen wecken extremst meine Neugier. 

Resümee: Das Tasting hat mich wirklich begeistert. Japanischer Whisky scheint die schlimmsten Engpässe bezüglich Verfügbarkeit inzwischen hinter sich zu  haben. 

Was Mars derzeit bietet, ist beachtenswert. Mit zwei Brennereien, drei Lagerorten, und drei verschiedenen Hefesorten bieten sich unglaubliche viele und spannende Möglichkeiten der Kombination. 

Das Portfolio ist entsprechend umfangreich und interessant, das Aromaprofil durchweg ansprechend und gut. Man sollte die Brennerei unbedingt die nächsten Jahre auf dem Schirm haben. 

Im Vergleich zu den derzeitigen Abfüllungen aus Schottland präsentiert sich Mars insgesamt weniger fruchtbetont mit einem stärkeren Anteil an floralen und mineralischen Anteilen und weniger Fass-Dominanz. 

Die Brennerei ist auf einem sehr guten Weg, einen einmaligen, eigenen Charakter zu entwickeln. Einziger Wermutstropfen sind die Preise, die durch die höheren Produktionskosten über dem schottischen Durchschnitt liegen. Doch die Mars Distillery ist auf einem sehr guten Weg. So macht Whisky wieder Spaß. 

Wenn ihr das Tasting nachbauen wollt: die Whiskys gibt es bei eurem Lokal Dealer, die japanischen Häppchen kann man sich von Kabuki in Frankfurt a.M., Kaiserstraße 42, bundesweit liefern lassen (Tel: 069234353).  

Vielen Dank an Gregor für die Einladung, das war ein besonderer Genuss. 

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