Blind Tasting mit Peter von FOSM
Werbung wegen Markennennung.
Blind Tastings können durchaus reizvoll sein, aber sie haben auch ihre Tücken. Denn blind zu sein, heißt ja auch, dass man Dinge nicht erkennt. Lustig ist es aber allemal, und deshalb habe ich vor kurzem Peter Moser zugesagt, eines seiner Blind Tastings mitzumachen. Vier Proben hat er mir darauf hin zugesandt, die alle aus der gleichen schottischen Brennerei stammen.
Blind Tastings können durchaus reizvoll sein, aber sie haben auch ihre Tücken. Denn blind zu sein, heißt ja auch, dass man Dinge nicht erkennt. Lustig ist es aber allemal, und deshalb habe ich vor kurzem Peter Moser zugesagt, eines seiner Blind Tastings mitzumachen. Vier Proben hat er mir darauf hin zugesandt, die alle aus der gleichen schottischen Brennerei stammen.
Na, dann schau’n wir mal:
Foto: MargareteMarie |
Der folgende Beitrag enthält unbezahlte Werbung im Sinne Der E-Commerce-Richtlinie 2000/31/EG.
Blind
Sample No 1:
Farbe: strohgelb
Aroma:
viele gelbe Früchte,
Apfel, Zitrusnoten, angenehme Süße, und etwas frisch Eiche. Dazu üppige
Vanille, in der Nase sehr mild und wunderbar seidig.
Geschmack: mild, weich und rund, frisch, aber
sanft.
Handrücken: viel Holz und Honig
Mit Wasser: dieses Sample verträgt Wasser gut,
er bleibt frisch und rund.
Nachklang: mittellang bis kurz
Gesamteindruck: Ich
empfinde diesen Whisky als insgesamt sehr mild und leicht, und würde auf 40-43%
tippen. Schöne Gelbfrucht- und Vanille-Aromen. Allzu alt wirkt er nicht auf
mich, ich würde 7-10 Jahre erwarten. Das Aromaprofil deutet auf
Ex-Bourbon-Fässer, von denen wahrscheinlich ein höherer Anteil an First-Fill- /
rejuvenated / recharred o.ä. Fässern dabei war bzw. zum Finish benutzt wurde.
Blind
Sample No 2:
Farbe: gold
Aroma:
Gleich auf Anhieb
ein sehr markanter Eigengeruch, die mich fast an Teer-Aromen erinnert. Die
behäbige Süße, die bereits bei Sample No. 1 auffiel, ist auch hier vorhanden,
wird aber durch diese frecheren Teer-Aromen abgedämpft. Hinzu kommen Blutorangen,
Mango, Kandiszucker, Anis, und Malz. Insgesamt sehr üppige, dunklere
Fruchtaromen, vielleicht sogar etwas Tabak und Leder. Nach einer Weile tauchen
jedoch auch deutliche Zitrusaromen auf und der Whisky wird seidiger.
Geschmack: Auch dieses Sample ist im
Geschmack sehr mild, aber überraschend wachsig und ölig. Das gibt ihm trotz
seiner Leichtigkeit ein rundes Mundgefühl. Dazu kommt etwas Eiche und ein
bisschen Tabak.
Handrücken: brauner Zucker, ein Hauch von Eiche
Mit Wasser: frische Zitrusnoten, cremig,
süffig und leicht
Nachklang: eher kurz und etwas
enttäuschend. Der Nachklang kommt über das Zäpfchen im Hals nicht hinaus. Die
Erwartungen, zuvor aufgebaut wurden, kann dieses Sample am Ende nicht ganz
erfüllen. Da bleibt man etwas unbefriedigt zurück.
Gesamteindruck: Auch dieses Sample empfinde ich als
insgesamt sehr mild, und
würde wieder auf 40-43% tippen. Die Nase vermag
dieser Whisky mit einer schönen Mischung von verschiedenen, dunkeltönigen
Aromen zu betören, und die etwas schräge, unterschwellige „Teer“-Note gibt ihm
einen markanten Kick. Allzu alt wirkt er nicht auf mich, ich würde auch hier
7-10 Jahre vermuten. An Fässern würde ich auch hier als Grundlage
Ex-Bourbon-Fässer erwarten, die durch geschicktes Mischen mit Sherry- oder sogar
Wein-Fässern - oder möglicherweise auch mit Hilfe eines kurzes und heftiges
Finish - verfeinert wurden. Der Gesamteindruck ist sehr beeindruckend, aber der
extrem kurze Abgang am Ende irritiert und verdirbt die Freude.
Blind
Sample No 3:
Farbe: gold-gelb
Aroma: satte und dunkle Töne,
schwere Süße, und deutlich mehr Volumen als die beiden Vorgänger. Flavoured
Coffee, brauner Zucker, kandierte Orangen, Liebstöckel, kräutrige Würze, und
zarte Schokolade.
Geschmack: vollmundig, würzig, zarte Eichentöne,
cremiges Mundgefühl.
Handrücken: viel
Holz, ein Hauch von Süße
Mit Wasser: Wasser
tut ihm nicht gut, er wird furchtbar blass
Nachklang: satt
und ausreichend lang
Gesamteindruck: Die Grundstruktur ist ähnlich wie bei
Sample Nr. 2, aber hier haben wir deutlich mehr Volumen, ich würde 48-52 %
erwarten. Er kann die Aromen deutlich länger halten als seine Vorgänger, ich
könnte mir vorstellen, dass er tatsächlich zwischen 15 und 18 Jahren alt ist.
Auch hier glaube ich, dass die Basis Ex-Bourbon-Fässer sind, die durch eine
sehr schöne Auswahl an Sherry- und Wein-Fässern ergänzt wurden und insgesamt
eine sehr ansprechende Mischung bieten.
Blind Sample No 4:
Farbe: mitteldunkler Bernstein
Aroma:
Viel Süße, leicht,
mit frischen Früchten, frische Minze, im Untergrund ein Hauch Torfrauch,
Geschmack: Räucherschinken, Kaffee-Aromen,
frische Minze, pfeffrig,
Handrücken: warme
Asche, verbrannte Balken, Honigsüße
Mit
Wasser: Die Zugabe von
Wasser bringt frische Zitrusnoten zu Tage und betont die Minze, gleichzeitig
wird der Whisky jedoch etwas zu dünn. Nicht unbedingt empfehlenswert.
Nachklang: trocken und mittellang, mit einer
langen Verweildauer auf der Zunge.
Gesamteindruck: Der
ist richtig lecker. Sehr harmonisch und ausbalanciert, mit zarten Rauchnoten,
die deutlich wahrnehmbar sind, ohne zu polarisieren. Ein guter Einstieg in die
Welt der rauchigen Whiskys. Maximal 46%, Fassauswahl wahrscheinlich im
Standard-Bereich, vor allem Ex-Bourbon.
Mein Fazit:
Sherry-Monster oder andere Granaten habe ich hier nicht
gefunden, dennoch ist diese Range gut gelungen und bietet durchaus Abwechslung.
No 1 und 2 sind sauber gemachte, angenehme Trinkwhiskys, von denen No 2
aufgrund seiner ausgeprägten Dunkel-Tönigkeit im Geschmack wahrscheinlich deutlich
mehr Liebhaber finden wird. Mir sind beide jedoch etwas zu leicht.
No 2 kann zudem mit einer tollen Öligkeit und intensiven
Aromen punkten, aber leider wird er am
Ende den geweckten Erwartungen nicht gerecht, und wirkt deshalb auf mich ein
bisschen wie ein Blender. Sample No 3 hat mir besser gefallen, dieser Whisky
hat deutlich mehr Volumen und auch mehr Prozente, und hält den Spannungsbogen
bis zum Schluss. No 4 ist ein schöner Einstieg in die Welt der rauchigen
Whiskys.
Inzwischen gibt es einige Brennereien, die sowohl
rauchigen als auch nicht-rauchigen Whisky herstellen, beispielsweise Tomintoul,
Benriach, Benromach, Arran, Wolfburn oder Tomatin. Dennoch ist eine Kombination von rauchigem und nicht-rauchigem Whisky bei ein und der selben Brennerei eher die Ausnahme. Das schränkt die Auswahl an
Möglichkeiten für unsere Tasting-Kandidaten natürlich gewaltig ein.
Dennoch finde ich es nicht ganz einfach, hier einen Namen zu
nennen. Aber das gehört zur Aufgabe dazu. Also – Augen zu und durch. Welche
Brennerei könnte es sein? Ich entscheide mich für ....... tata: Loch Lomond.
Und jetzt hoffe ich, dass ich mit meinen Vermutungen nicht ganz daneben lag.
Das Blind Tasting hat großen Spaß gemacht, und an dieser
Stelle vielen Dank an Peter für die Zusammenstellung und die Samples.
Die Auflösung werde ich in diesem Post veröffentlichen, sobald Peter das Ergebnis bekannt gegeben hat.
Update: und hier die Auflösung
- Name: mit der Brennerei lag ich richtig. Sampe 2-4 haben alle eine leicht schräge Unternote, die mich an Teer erinnert. Speyside und Arran hatte ich aus dem Grund schon sehr früh ausgeschlossen. Für einen Tomatin war der Whisky zu sanft. Da blieb eigentlich nur Loch Lomond übrig.
- Typ: den Single Grain habe ich tatsächlich nicht erkannt. Merde. Lag wohl daran, dass er zu 100% aus Malz gebrannt wird. Wieder was gelernt.
- Prozent: Die Alkoholprozente liegen insgesamt höher, als ich erwartet hatte. Entweder ist der Whisky von Loch Lomond besonders mild, oder ich habe in letzter Zeit zuviel Fassstärken getrunken.
- Fassart: Hier war ich immer auf der richtigen Spur, die Bourbon-Fässer machen sich bei allen vier Samples früher oder später bemerkbar. Allerdings fällt es mir immer noch schwer, ein Oloroso-Finish von einem Manzanilla-Finish zu unterscheiden.
- Beim Alter lag ich völlig daneben. Da wurde ich wohl Opfer meiner eigenen Vorurteile.
- Bei Sample No 3 hat Peter mich an der Nase herumgeführt. Ich hatte aufgrund des Aromaprofils eine schöne Sonderabfüllung vor Augen. Wer rechnet denn auch damit, dass eine Einzelfass-Abfüllung ein Finish bekommen hat...
Gesamteindruck:
Den letzten Loch Lomond hatte ich wahrscheinlich vor etwa vier Jahren im Glas, und sie seither doch eher verdrängt. Dieses Blind Tasting hat mir diese Brennerei wieder stärker ins Bewußtsein gerufen.
Loch Lomond gibt sich derzeit große Mühe, mit einem sorgfältig angelegten Fass-Management und ausgewogenen Nachreifungen ordentliche Whiskys zu vernünftigen Preisen auf den Markt zu bringen. Wer auf sein Budget achten muss und diese typische, leicht schräge Unternote des Inchmurrin mag, der wird hier gute Qualität zu vernünftigem Preis finden.
Besonders reizvoll ist es natürlich, mit den verschiedenen Abfüllungen auch mal etwas zu "spielen" und beispielsweise den Single Grain mit dem Inchmurrin 12 zu blenden, oder auch noch etwas von dem Inchmoan dazu zugeben. Hier bietet sich mit drei Flaschen und knapp 100,-- Euro die wunderbare Gelegenheit, sein eigener Whisky-Blender zu werden und jeden Tag etwas anderes im Glas zu haben. Für kreative Whisky-Trinker eröffnet sich hier eine unendliche Spielwiese.
Die Einzelfass-Abfüllung hat mir besonders gut gefallen, das Finish im Manzanilla-Fass ist sehr gelungen. Aber vorsicht: bei Wasserzugabe fallen die Aromen sehr schnell in sich zusammen.
Und hier geht's zu der Gesamtauswertung des Blind Tastings bei fosm.de
Update: und hier die Auflösung
- Loch Lomond, Single Grain, 46%, ca. 25,-- Euro
- Inchmurrin, 12yo, Island Collection, 46%, ncf, ca. 40,-- Euro
- Inchmurrin, Single Cask, Cask #16/588-58, 2009, 56.2%, 696 Flaschen, ausgewählt von Kammer-Kirsch, 8 Jahre, Bourbonfass-Reifung mit Manzanilla-Finish, ca. 60,-- Euro
- Inchmoan, 12yo, Island Collection, Peated, 46%, ca. 45,-- Euro
- Name: mit der Brennerei lag ich richtig. Sampe 2-4 haben alle eine leicht schräge Unternote, die mich an Teer erinnert. Speyside und Arran hatte ich aus dem Grund schon sehr früh ausgeschlossen. Für einen Tomatin war der Whisky zu sanft. Da blieb eigentlich nur Loch Lomond übrig.
- Typ: den Single Grain habe ich tatsächlich nicht erkannt. Merde. Lag wohl daran, dass er zu 100% aus Malz gebrannt wird. Wieder was gelernt.
- Prozent: Die Alkoholprozente liegen insgesamt höher, als ich erwartet hatte. Entweder ist der Whisky von Loch Lomond besonders mild, oder ich habe in letzter Zeit zuviel Fassstärken getrunken.
- Fassart: Hier war ich immer auf der richtigen Spur, die Bourbon-Fässer machen sich bei allen vier Samples früher oder später bemerkbar. Allerdings fällt es mir immer noch schwer, ein Oloroso-Finish von einem Manzanilla-Finish zu unterscheiden.
- Beim Alter lag ich völlig daneben. Da wurde ich wohl Opfer meiner eigenen Vorurteile.
- Bei Sample No 3 hat Peter mich an der Nase herumgeführt. Ich hatte aufgrund des Aromaprofils eine schöne Sonderabfüllung vor Augen. Wer rechnet denn auch damit, dass eine Einzelfass-Abfüllung ein Finish bekommen hat...
Gesamteindruck:
Den letzten Loch Lomond hatte ich wahrscheinlich vor etwa vier Jahren im Glas, und sie seither doch eher verdrängt. Dieses Blind Tasting hat mir diese Brennerei wieder stärker ins Bewußtsein gerufen.
Loch Lomond gibt sich derzeit große Mühe, mit einem sorgfältig angelegten Fass-Management und ausgewogenen Nachreifungen ordentliche Whiskys zu vernünftigen Preisen auf den Markt zu bringen. Wer auf sein Budget achten muss und diese typische, leicht schräge Unternote des Inchmurrin mag, der wird hier gute Qualität zu vernünftigem Preis finden.
Besonders reizvoll ist es natürlich, mit den verschiedenen Abfüllungen auch mal etwas zu "spielen" und beispielsweise den Single Grain mit dem Inchmurrin 12 zu blenden, oder auch noch etwas von dem Inchmoan dazu zugeben. Hier bietet sich mit drei Flaschen und knapp 100,-- Euro die wunderbare Gelegenheit, sein eigener Whisky-Blender zu werden und jeden Tag etwas anderes im Glas zu haben. Für kreative Whisky-Trinker eröffnet sich hier eine unendliche Spielwiese.
Die Einzelfass-Abfüllung hat mir besonders gut gefallen, das Finish im Manzanilla-Fass ist sehr gelungen. Aber vorsicht: bei Wasserzugabe fallen die Aromen sehr schnell in sich zusammen.
Und hier geht's zu der Gesamtauswertung des Blind Tastings bei fosm.de
Foto: Peter Moser |
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