Do it yourself: Whisky Workshop auf Burg Brandenstein

Die meisten von euch wissen inzwischen, wie man Whisky richtig trinkt. Aber habt ihr auch schon mal einen Whisky selber gemacht? Bei einem Workshop auf Burg Brandenstein erfährt man nicht nur einiges über die Theorie. Man kann auch selber mit Hand anlegen, und seinen eigenen Whisky machen.

Burgvogt Uwe Kretschmann beim Befeuern der Destille
 
Brennerei-Besichtigungen in Schottland sind immer sehr spannend, und oft erfährt man auch viele Informationen über die Herstellung von Whisky. Aber selber brennen - das ist doch was ganz anderes. Allzu schwierig ist es eigentlich nicht, doch aufgrund der strengen Zollbestimmungen sind mir als Privatperson enge Grenzen gesetzt.

Am vergangenen Wochenende habe ich mich deshalb auf den Weg zur Burg Brandenstein-Zeppelin im hessischen Main-Kinzig-Kreis gemacht. Hier bietet "Burgvogt" Uwe Kretschmann neuerdings auch Whisky-Workshops an, und zu genau solch einem Work-Shop hatte ich mich angemeldet.


Als ich auf der Burg bei strahlend blauem Himmel ankam, herrschte im Burghof bereits ein buntes Treiben wie in einem Wimmelbild. Oder auch wie auf einem Mittelalter-Markt. Überall standen oder saßen kleine Teilnehmer-Grüppchen lässig und spaßend herum, eine bunte Tierschar von Hunden, Gänsen, Ziegen und Hühnern  vergnügte sich im Sonnenschein,  und das selbst gemachte Bier, das es zur Begrüßung gab, versetzte uns alle sehr schnell in eine entspannt-fröhliche Stimmung.

Schwarzbrenner-Romantik: kleine Haus-Destille

Dazwischen wirbelte und wuselte Burgvogt Uwe Kretschmann herum, der bereits alle Arbeitsschritte vorbereitet hatte: zunächst musste aus dem gemahlenen Gerstenmalz die Biermaische hergestellt werden. Unsere Malzmischung bestand aus Münchner Dunkel, dem auch etwas Karamel-Malz und Rauchmalz beigemischt wurde - natürlich alles in Bio-Qualität. Und damit wir auch ein bißchen Werbung für die Region machen, verrate ich jetzt auch den Lieferanten: das Malz stammt von der Firma Rhönmalz in der fränkischen Rhön.

Nachdem wir die Maische angesetzt hatten, war erst einmal einige Stunden Rühren angesagt. Ein bißchen habe ich auch gerührt, aber ich muss zugeben, dass mein Arbeitseifer bei der entspannten Stimmung sehr schnell verflogen war, und ich habe das gemacht, was ich am liebsten mache: mit den Leuten geplaudert und zugeschaut. 

Fleißig Rühren: Bei der Maischeherstellung ist Geduld angesagt

Uwe Kretschmann lebt seit über 20 Jahren auf Burg Brandenstein, und wurde noch von der inzwischen verstorbenen gräflichen Burgherrin offiziell zum Burgvogt ernannt. Seither ist es dem studierten Landschaftsokölogen ein wichtiges Anliegen, die Burg mit Leben zu füllen und ihre jahrhundertealte Verbindung mit der Landschaft und den Menschen der Region zu erhalten und zu pflegen.

Historische Landschaftspflege und Landschaftsentwicklung stehen im Mittelpunkt seiner Aktivitäten, die enorm weit gespannt sind und von einem Spaziergang mit der Ziegenherde bis hin zum Bierbrauen und Gin-Herstellung reichen. Seit sechs Jahren ist er Besitzer einer kleinen Destille, die natürlich auch vom Zollamt genehmigt wurde. Besonders beliebt in der Region ist sein Fenchel-Geist, den er aus Fenchel-Samen aus eigener Ernte herstellt. Auch Gin aus heimischem Wacholder wird in der Burgdestille produziert.


Gerstenmalz in Bio-Qualität: Burgvogt Uwe Kretschmann erklärt den Teilnehmern die unterschiedlichen Sorten


"Vom Bier zum Whisky" ist das jüngste Projekt des Landschaftsökologen, und soll in Zukunft noch weiter ausgebaut werden. Denn auch die Gerste und das Holz für die Fässer, die für die Whisky-Produktion benötigt werden, sind eng mit der Natur und der Landschaft verbunden. 

In  Zukunft sollen Gruppen oder Einzelpersonen ihren eigenen Whisky hier herstellen können. Zudem besteht die Möglichkeit, entweder ein fünf-Liter-Fässchen mit selbst gemachtem Whisky zu befüllen  oder Fassanteile zu erwerben, und dann in regelmäßigen Abständen das eigene Produkt auch gemeinsam zu verkosten.

ehemaliger Brennmeister bei Glengoyne: Ronnie Palmer und Ehefrau Birgit, Fulda

Doch so weit waren wir an diesem Nachmittag noch nicht. Damit uns die Zeit mit Rühren und Warten nicht zu lang wurde, hatte der ehemalige Brennmeister der schottischen Highland-Brennerei Glengoyne, Ronald Palmer, ein Tasting mit hochwertiger schottischen Whiskys vorbereitet. Ronald hat mir so einiges aus dem Whisky-Nähkästchen verraten, aber davon erzähle ich euch ein andermal. Und weil Alkohol und frische Luft hungrig machen, gabs danach  leckere Grillwürstchen für alle.

Nachdem unsere Maische endlich fertig war, wurde abgeläutert, und dann muss die Hefe erst mal ihre Wirkung tun. So lange konnten wir natürlich nicht warten, und deshalb hatte Uwe die kleine Brennblase bereits mit einem vorbereiteten Bier gefüllt. Streng genommen haben wir also einen Bierbrand an diesem Nachmittag gemacht, aber da wollen wir jetzt mal nicht so pingelig sein. Am Ende hatten wir eine halbe Milchkanne voll mit Rauhbrand gewonnen, der in einem zweiten Destillationsvorgang dann zum Feinbrand wird.

Auf das Maischen folgt das Läutern.

Inzwischen war es allmählich dunkel geworden, und nach und nach machten sich die Teilnehmer auf die Heimreise. Die Premiere für den Whisky-Workshop war durchaus gelungen, und es wird bestimmt nicht der letzte Whisky-Workshop auf der Burg gewesen sein.

Wenn ihr also Lust habt, mit euren Freunden oder eurem Verein ein eigenes Bier, einen eigenen Gin oder einen eigenen Whisky herzustellen, solltet ihr euch mit  Burgvogt Uwe Kretschmann in Verbindung setzen. Auch wenn es bis zum fertigen Whisky ein paar Jahre dauert, ein vergnügliches Wochenende ist euch gewiss.

Adresse:

Burg Brandenstein, 36381 Schlüchtern - Tel. 06661 3888 

oder info@burg-brandenstein.de

www.burg-brandenstein.de

 


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