Gelungene Première: Barmaid Olympics 2014

Am vergangenen Sonntag fand in Berlin-Kreuzberg  in der Burlesque- Bar Prinzipal die Barmaid Olympics statt: die erste Cocktail-Competition nur für Frauen. 
Die Männer standen diesmal daneben und bewunderten die fantastischen Leistungen ihrer weiblichen Kolleginnen.

 
Bild: MargareteMarie


Als ich nachmittags im Prinzipal ankomme, ist die Cocktail-Bar bereits brechend voll. Freunde, Familie und Fans haben die 10 Finalistinnen begleitet, um sie während des Wettbewerbs dieser Charity-Veranstaltung  seelisch und moralisch zu unterstützen. Noch herrscht eine angespannt-aufgeregte Stimmung, und auch die beiden Veranstalterinnen, Cordula Langer und Julia Comu, sind sichtlich nervös. Doch schon bald zeigen die Cocktails, die von den Helfern hinter der Bar gemixt werden, ihre wohltuende Wirkung und die Laune wird von Stunde zu Stunde fröhlicher und ausgelassener.

Der ideale Cocktail für die moderne Frau des 21. Jahrhunderts war gesucht, und wir alle waren neugierig, mit welchen Besonderheiten die Teilnehmerinnen aufwarten würden, um den Wettbewerb für sich zu entscheiden. Was mich persönlich aber am meisten interessierte: würde eine der Barmaids mutig genug sein, einen Cocktail mit Single Malt zu präsentieren?

Mit großer Begeisterung und viel Einfallsreichtum haben die Teilnehmerinnen ihre Cocktails in den folgenden Stunden vorgestellt, doch ich musste lange auf den ersten Whisky-Cocktail warten.  Food Pairing scheint immer noch sehr beliebt zu sein, meist kam  zum Getränk auch noch ein kleines Häppchen dazu, natürlich geschmacklich genau auf den Cocktail abgestimmt. Und auch auf Accessoires wurde viel Wert gelegt, mal wurde ein Cocktail im gläsernen Teekesselchen serviert, mal im geschliffenen Kristallglas, mal mit Tupfen-Schürze, mal mit pinkfarbenem Zylinderhut.

Die schönste Darbietung der ersten Runde lieferte für meinen Geschmack Charlotte aus der Schwarzen Traube. Unterstützt von ihren Teamkollegen, entführte sie die Zuschauer nach Manhattan, und während unter ihren Händen der Cocktail mehr und mehr Gestalt annahm, ließ sie vor unserem inneren Auge Bilder und Stimmungen voll atmosphärischer Dichte entstehen.  Nebelwolken aus Zuckerwatte und Regentropfen aus duftenden Rosenblättern begleiteten ihr Getränk und boten Sinnliches für unsere Augen und Nasen. Auch die Ohren durften genießen: untermalt von der passenden Musik, tanzten wir gemeinsam mit Amy durch eine Nacht im Big Apple, bis uns schließlich die aufgehende Sonne freundlich begrüßte. Und so ungewöhnlich wie Charlottes multi-sensorische Erzählung war, so ungewöhnlich war auch ihr Cocktail, bei dem ein White Dog Single Malt, oder ein New Make, wie die Schotten sagen, die Hauptrolle spielte. Pur ist ein White Dog nicht unbedingt ein Genuss, aber in Charlottes Cocktail zeigte er sich in einem ganz neuen Licht. Der "Smoky Foggy White Manhattan" ist nichts für Anfänger und zaghafte Mädchen-Herzen, sondern verkörpert die pure, reine Lebenslust einer Frau, die das Träumen noch nicht verlernt hat.


 Bild: MargareteMarie
"Die Sonne geht auf". Charlotte Fedtke, Schwarze Traube, Berlin


Single Malt ist extrem komplex und gilt als sehr kompliziert. Vielleicht ist das der Grund, dass er auf Cocktail-Karten eine eher untergeordnete Rolle spielt. Denn man muss seine Malts genau kennen, wenn man mit ihren spielen will. Auch an diesem Abend hat sich nur eine Teilnehmerin an einen echten Single-Malt Cocktail gewagt: Suzanne aus der Karl-May-Bar im Taschenbergpalais, Dresden.
Zur Karl-May-Bar habe ich eine ganz besondere Beziehung: denn dort habe ich vor einigen Jahren meinen ersten guten Whisky getrunken. Der damalige Bartender hat uns mit so viel Begeisterung eine Einführung in die Aromenwelt der verschiedenen Whiskys gegeben, dass ich am Ende infiziert war, und bis heute bin ich den Whisky-Virus nicht mehr losgeworden.
Schon damals, lange vor dem derzeitigen Boom,  hat mich die umfangreiche Whisky-Karte in der Karl-May-Bar beeindruckt. Und auch Suzanne kennt ihre Single Malts genau. Souverän vermählt sie in ihrem Cocktail zwei große Klassiker der schottischen Brennereien und akzentuiert mit Thymian-, Pfeffer- und Rauchnoten.

 Bild: MargareteMarie
WhiskyWoman Suzanne Fiebiger, Karl-May-Bar im Taschenberg-Palais, Dresden


Begeistert hat mich auch Nina mit ihrem frechen Pink Drink, dem "Gina (Nina) Carpone", der sehr viel frischer und fruchtiger schmeckt als er aussieht und ganz gewiß kein Girly-Getränk ist.
Zwar basiert er nicht auf Whisky, sondern auf Gin, aber Nina hat mit diesem Cocktail  die Farbe "pink" neu interpretiert und bewiesen, dass Weiblichkeit auch voller Überraschungen stecken kann. 

 Bild: MargareteMarie
Nina Zett, Bruegge Bar Berlin

Und noch einen rosa-roten Single-Malt-Cocktail gab es an diesem Abend, allerdings nicht im Wettbewerb. Hedvig Johansson war  kurzfristig eingesprungen, um den Thekendienst eines freiwilligen Helfers zu übernehmen, der ausgefallen war. 
Für mich hat sie an diesem Abend eine Bloody Mary mit Ardbeg 10, frischem Zitronensaft und Tabasco gemischt, der mich richtig begeistert hat. Wer sagt denn, dass rosa immer süß und klebrig sein muss?

 Bild: MargareteMarie
 Hedvig Johansson, Ritz-Carlton, Berlin

 Bild: MargareteMarie
Bloody Hedvig:-)

Auch die anderen Cocktails waren fantastisch- zumindest die, die den Weg ins Publikum gefunden hatten. Leider musste ich viel zu früh nach hause gehen, und Lea, Nadine und die Siegerehrung habe ich zu meinem großen Bedauern nicht mehr erlebt.
Eine Medaille verdient hätten alle an diesem Abend, denn jede der Teilnehmerinnen hat einen  Cocktail präsentiert, der ihre Persönlichkeit auf beeindruckende Weise reflektiert hat. Und genau das hat für mich einen besonderen Reiz dieser Benefiz-Veranstaltung ausgemacht. Denn, um mit den Worten von Moderatorin Beate Hindermann zu sprechen, der Erfolg hängt nicht ab vom Geschlecht, von der Religion oder von der Hautfarbe, sondern vom Charakter und der eigenen Persönlichkeit. Ich habe an diesem Tag  sehr viele wunderbare Persönlichkeiten gesehen.

 Bild: MargareteMarie
Moderatorin Beate Hindermann, Viktoria-Bar, Berlin

Gewonnen haben am Ende eines langen Abends und nach mehreren Runden schließlich Rike aus Harry's New York Bar, Frankfurt (Gold), Nina aus der Bruegge Bar, Berlin (Silber) und Lea aus Köln, die ich leider (ebenso wie Nadine aus Hamburg) nicht mehr erleben konnte, weil ich vorzeitig gehen musste. Meine besten Glückwünsche an die Gewinnerinnen!
Und auch Cordula und Julia haben gewonnen: die Veranstaltung war ein voller Erfolg und am Ende konnten dank des charmanten Einsatzes von Miss Amaro 1.725,-- Euro für das Frauenprojekt Bora e.V. in Berlin eingenommen werden. 


 Hier die Rezepte:



Bild: MargareteMarie

 "Egalité" von Suzanne, Karl-May-Bar im Taschenbergpalais, Dresden

4 cl Glenfiddich 15 Jahre
1 Barlöffel Bowmore 12 Jahre
1 cl homemade Thymiansirup
12-14 Körner Kubebenpfeffer
2 dash The Bitter Truth Aromatic Bitters
3 cl Thomas Henry Spicy Ginger
Garnitur: Orangenzeste, Thymiansträußchen


Bild: MargareteMarie

Smoky Foggy White Manhattan, von Charlotte, Schwarze Traube, Berlin

5 cl White Dog Single Malt
2 cl Lillet Blanc
Dashes Orange Bitters
 Garnitur: Zuckerwatte, Zitronenzeste
Dekoration: weiße Rosenblätter und Rauch im Glas


Bild: MargareteMarie


 "Gina Carpone" von Nina, Luna Bar, Berlin

6 cl Tanqeray Gin
1,5Barlöffel Mascarpone(Doppelrahmstufe)
2 Barlöffel Erdbeermarmelade (Mövenpick)
2 cl frischer Zitronensaft
6 Minzblätter
frisch geschroteter roter Pfeffer

 Bild: MargareteMarie

Barmaid Olympics: 
Julia Comu, Prinzipal Kreuzberg, Berlin; Cordula Langer, Lebensstern-Bar im Einstein, Berlin

Und hier noch ein paar Foto-Impressionen:

 Bild: MargareteMarie
Rike Kurrle, Harry's New York Bar, Frankfurt

 Bild: MargareteMarie

 Bild: MargareteMarie
Alexandra, Reingold, Berlin

 Bild: MargareteMarie

Jeannine, Zürich-Berlin,
  
Bild: MargareteMarie
mmmh, Zuckerwatte!
Bild: MargareteMarie

Bild: MargareteMarie
 Bild: MargareteMarie
Sabrina Mohr, Berlin

 Bild: MargareteMarie
 Bild: MargareteMarie
 Bild: MargareteMarie
 Bild: MargareteMarie
 Atalay, Schwarze Traube; Filip, Hefner Bar

 Bild: MargareteMarie
Meike Zimmermann, Meerbusch

 Bild: MargareteMarie

 Bild: MargareteMarie

Die Jury (von links nach rechts):
  Constanze Geissler - Ellington Hotel Berlin
Christian Kopp - Mixology
Franziska Altenberger  - Franzis Cocktailservice
Barbara Ettel aka Piri - VOIMA Berlin
Uta Kirchner - Geschäftsführerin Frauenprojekte BORA e.V.


Bild: MargareteMarie
... und ein Löffelchen Bowmore!

 Bild: MargareteMarie
Aromatest. Franziska Altenberger

 Bild: MargareteMarie
Miss Amaro Wonder

 Bild: MargareteMarie
Constanze Geissler, Duke Bar, Ellington Hotel

 Bild: MargareteMarie
Jan, Cordula, Eva,

 Bild: MargareteMarie

 Bild: MargareteMarie
 Bild: MargareteMarie
Cordula Langer, Lebensstern-Bar im Einstein, Berlin

 Bild: MargareteMarie

Bar Prinzipal Kreuzberg


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Kommentare

  1. Hallo MargareteMarie,
    vielen Dank, wieder mal ein super Bericht. Und wo du dich überall herumtreibst... :-) Na, ist ja schön für uns, wir reisen gerne mit dir durch ganz Deutschland.
    Was mich aber beim Thema Barmaid Olympics noch interessiert: Wie war denn das Publikum so zusammengesetzt? Waren überwiegend Frauen da oder hat auch die Männer interessiert, was die Damen da so leisten?

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    1. Ich gehe halt gerne auf Entdeckungsreise:-) Und es waren auch viele Männer da. Mein Eindruck war, dass der Wettbewerb von den anwesenden Männern sehr positiv und mit ernsthaftem Interesse aufgenommen wurde. Zumindest von den jüngeren;-)

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