Tasting Notes: Ardbeg An Oa

Endlich sind in Deutschland die ersten Samples des neuen Ardbeg An Oa aufgetaucht, und auch mir hat der Postbote gestern eine dieser begehrten Mini-Flaschen gebracht. Zum ersten Mal seit über acht Jahren wird das Kernsortiment um eine Abfüllung erweitert, und dementsprechend war ich sehr gespannt, in welche Richtung Ardbeg sich weiter entwickeln will.  Weichgespülter Einsteiger-Whisky oder ernstzunehmde Ergänzung - was haben wir zu erwarten? Hier sind meine Tasting-Notes:


Bei der Namensgebung hat Ardbeg sich wieder einmal von den lokalen Gegebenheiten inspirieren lassen. "Ardbeg Uigeadail" (eingeführt 2003) wurde nach einem kleinen See benannt, "Ardbeg Corryvreckan" (eingeführt 2009) nach einer Meerenge. Diesmal wurde der Südzipfel der Insel Islay als Namensgeber ausgewählt. Ebenso wie die beiden genannten Vorgänger ist auch der Ardbeg An Oa ein sogenannter NAS-Whisky, also ein Whisky, dessen Alter nicht auf dem Etikett genannt wird. Vielmehr soll das Aromaprofil im Vordergrund stehen, und der Name soll den Schlüssel zum Verständnis bieten.

In der Pressemitteilung finden wir auch die nötige Erklärung dazu: 

"Der Mull of Oa, der südwestliche Ausläufer der schottischen Hebrideninsel Islay ist, genau wie der neue komplexe Ardbeg, deutlich gerundet: Hohe Felsenklippen trotzen wütenden Atlantikstürmen und bieten Islays Südküste und der seit über 200 Jahren angesiedelten Ardbeg Destillerie sicheren Schutz. Ardbeg An Oa ist Hommage an seine ungezähmte Herkunft, mit Kontrasten von mächtiger Intensität und süßer Seidigkeit. Es lässt den Ort aufleben, wo Sturm auf Ruhe stößt."
Laut Pressemitteilung wurde für den Ardbeg An Oa zudem eigens ein "Gathering Room" im ehemaligen Getreidespeicher eingerichtet. Hier befindet sich das sogenannte "Gathering Vat", ein großes Holzfass, das den Whisky aus drei  verschiedenen Fassarten aufnimmt, die für ein Batch des An Oa zusammengeführt werden: Pedro Ximenez Fässer, Virgin Oak Fässer und Ex-Bourbon-Fässer.

Leider habe ich diesen Gathering Room noch nicht gesehen, weder in echt noch auf Fotos, und ich habe keinerlei Informationen, wie groß dieses Fass denn sein soll. Mich hat diese Nachricht aber  sehr überrascht, denn mit einer Small-Batch-Abfüllung habe ich nicht gerechnet.



Bisher klingen die Informationen der Presse-Mitteilung also schon mal vielversprechend. Aber Papier ist bekanntlich geduldig. Was der Ardbeg An Oa wirklich kann, zeigt sich nur im Verkostungs-Test. Also her mit dem Glas :-)


Ardbeg An Oa, 46.6%, nicht kühlfiltriert


Aroma:

Dezenter Rauch, und viel Süße. Frische Äpfel, getrocknete Aprikosen, Zuckerwatte, Vanillepudding, Toffee, aber auch Pinien-Nadeln und Anispastillen. Insgesamt sehr voluminös und üppig, als hätte man von allem noch ein Löffelchen mehr dazu gegeben. Doch nach einer Weile taucht unter diesem üppigen Zucker-und-Obst-Dessert dann der typische Ardbeg-Geruch auf: Dieselöl, das in der Sonne auf Wasserwellen tanzt, und der trockene Geruch einer staubigen Asphalt-Straße.

Geschmack: 

Rund, ja, aber "lieblich" wäre das falsche Wort. Rauchig, teerig, herb, und überraschend trocken. Die 46.6% tun gut auf der Zunge.

Nachklang:

Mittellang, und noch immer sehr trocken. Der Zigarettenrauch ist dezent, und bleibt noch eine Weile liegen.

MargareteMarie meint:

Meine geheimen Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet. Der Ardbeg An Ao ist kein weichgespülter Schönling, der den amerikanischen Einsteiger-Markt erobern soll. Er ist eher ein gut genährter Wonneproppen, der einen üppigen Sommer hatte. Er bringt die Leichtigkeit des Seins mit sich, doch er hat auch eine ernste Seite. Er ist wie das vierte Kind, das von allen Geschwistern nur das beste mitbekommen hat. Mit einem Wort: Willkommen zuhause.




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