Unabhängige Abfüller: Whisky Warehouse No 8

Die Ursprünge von Whisky Warehouse No 8 reichen weit zurück, denn Firmenchef Thomas Klink ist ein Urgestein der deutschen Whisky-Szene. Seit 2007 bringt er unter dem Begriff der Warehouse Collection erstklassige Einzelfassabfüllungen aus den verschiedensten schottischen Regionen auf den Markt. Vor einiger Zeit hatte ich Gelegenheit, mit dem sympathischen Hanseaten ein längeres  Interview zu führen. Und trotz der Vorurteile, dass Norddeutsche wortkarg seien, erwies sich Thomas als durchaus gesprächig.




MM: Thomas, deine Whisky-Leidenschaft reicht weit zurück. Wann ist denn die Idee entstanden, mit Whisky zu handeln?

TK: Oh je, das ist eine lange Geschichte. Ausschlaggebend waren wohl zwei Ereignisse. Das erste war ein Schüleraustausch nach Durham in Nordengland. Das ist nicht weit von der schottischen Grenze entfernt, und mein Interesse an Großbritannien, Schottland und Whisky wurde damals geweckt. Bald danach bekam ich eine Flasche Glenfarclas geschenkt, und dann nahm das Schicksal seinen Lauf.

Durch die Verbindungen, die ich damals schon, als junger Kerl, mit Schottland hatte, bin ich dann immer wieder von Freunden und Bekannten gebeten worden, eine Flasche mitzubringen. Das war Ende der 70er, und ich schleppte immer Tüten und Taschen von der Insel runter. Das wurde immer mehr, und irgendwann sagte meine damalige Freundin, die heute meine Frau ist, naja, dann melden wir mal ein Gewerbe an.

Wir haben als "Thomas' Choice of Whisky" in Maschen-Seevetal, im Süden von Hamburg, angefangen. Das war im November 1989, und hatten unsere ersten Kontakte mit der Hanseatischen Weinhandelsgesellschaft geschlossen. Wir stellten sehr schnell fest, dass die Whisky-Szene in Deutschland doch eine übersichtliche Gruppe war.  Das hat sich im Wesentlichen nicht verändert. Klar sind in der zurückliegenden Zeit mehr Kollegen dazu gekommen. Es ist heute ein großes Netzwerk, und man kennt sich untereinander, was ich sehr zu schätzen weiß.

MM: Hat sich das durch den Whisky-Boom der letzten Jahre geändert?

TK: Jein. Die agierenden Personen sind schon noch die gleichen. Es gibt einige wenige, die noch als ernstzunehmende Kollegen neu dazu gekommen sind. Was aber festzustellen ist, ist die Tatsache, dass immer mehr Messegesellschaften diesen Wachstumstrend erkannt haben. Angefangen hatte das mit der Messegesellschaft in Nürnberg, mit dem "Whisky Village". Wir sind früher auf Verbrauchermessen gewesen, z.B. "Du und deine Welt" in Hamburg oder der INFA in Hannover. Das war aber sehr anstrengend, weil dort kein Publikum war, welches speziell nach Whisky Ausschau hielt. Das hat sich deutlich verändert.

Wir haben uns schon zu einer Nation von Whisky-Trinkern entwickelt, so dass dieses Potential von den Messegesellschaften als lukrativen Ansatz gesehen wird, eigene Whiskymessen anzubieten. Bremen und Hamburg sind dem Nürnberger Beispiel bereits gefolgt. Diese Entwicklung fördert das Interesse der Leute an hochwertigen Whiskys und letztlich auch den Konsum.
 
MM: Du bist am Messestand selten alleine zu finden, sondern hast tatkräftige Unterstützung.

TK: Ja, Michael ist eine besondere Fügung des Schicksals. Wir kennen uns schon sehr lange, noch aus der Zeit, als meine Frau und ich Tastings bei den Leuten zuhause anboten. Mickey hatte uns damals gebucht, und daraus hat sich im Laufe der Zeit eine enge Freundschaft entwickelt. Er unterstützt uns am Stand, ist aber auch Kritiker, der Samples verkostet, wenn es darum geht, welches Fass ausgewählt wird und was gut zu unserer Range passt.


MM: Da gibst du mir das passende Stichwort. Du bist seit einigen Jahren als unabhängiger Abfüller tätig. Kannst du uns ein bißchen genauer schildern, wie es dazu kam, wie ihr die Fässer auswählt und woher ihr sie bezieht?

TK: Wir sind als Unabhängiger Abfüller noch gar nicht so lange auf dem Markt. Dieser Schritt entstand vor dem Hintergrund, dass der Markt zunehmend von immer größer werdenden Konzernen kontrolliert wird. Als wir 1989 als Einzelhändler anfingen, hatten wir Laphroaig 10, Glenmorangie 10, und andere Standards im Angebot. Aber zunehmend stellten wir fest, dass die Whisky-Pyramiden in den Supermärkten immer größer wurden, und die Abfüllungen dort zu einem Preis angeboten wurden, den wir nicht einmal im Einkauf erhielten. Da kam uns dann unsere Verbindung zu dem damaligen Sales Manager von Cadenhead zugute, so dass ich Kontakte zu Unabhängigen Abfüllern in Schottland knüpfen konnte. So hatten wir uns letztlich nach einigen schlaflosen Nächten entschieden, all unsere Ware zu verkaufen und die Warehouse Collection schufen. Das war 2007.

Das wichtigste sind die Kontakte, mit denen man auch nicht hausieren geht. So viele gibt es nämlich in Schottland nicht mehr. Wir haben schon früh Kontakte zu Gordon & MacPhail, Duncan Taylor oder Cadenhead gehabt, welches sich heute für uns auszahlt, denn wir konnten weitere Kontakte knüpfen. Wir fahren regelmäßig nach Schottland, um den Kontakt zu pflegen, das persönliche Gespräch zu führen.

Das eigentliche Geschäft läuft aber viel unromantischer ab. Meist erhält man per Anruf oder per Email eine Nachricht, und dann werden dir Fässer angeboten von den unterschiedlichsten Destillen. Die Qualität steht für uns immer im Vordergrund. Ist diese gegeben, wird man mit der nicht immer einfachen Geschäftsmentalität der Schotten konfrontiert. In Form eines Samples bekommt man dann die Qualität des Whiskys zum Verkosten, das finden wir dann toll, und erfahren irgendwann den Preis. Der ist aber oft so exorbitant hoch, dass die ganze Vorarbeit  hinfällig wird, und man wieder von vorne anfängt.

Es ist auch wichtig, wo die Fässer liegen. Liegen sie noch in den Destillen, oder sind sie schon in großen Zentren, im Gebiet der Clyde und der Forth-Senke. Bspw. hatte Murray McDavid alle Fässer zentral bei Bruichladdich auf Islay gelagert. Das bedeutete, das ein Highland oder Speyside Malt Fass plötzlich einem untypischen Seeklima ausgesetzt wurde. Naja, da kann man sich trefflich streiten, ob das dann noch so dem Original entspricht. Natürlich muss das Fass auch in unsere Range passen.

Wenn ich mich zum Kauf entschließe, ist die nächste Frage, wann wir  abfüllen lassen und wann wir die Ware abrufen. Durch die gestiegene Nachfrage wird es aber immer schwieriger, Nachschub zu bekommen, und je mehr Leute am Ärmel zupfen, desto schwieriger wird es, allen gerecht zu werden. Selbst Cadenhead hatte schon vor einigen Jahren die Zuweisungen für die Händler kontingentiert. Und vor diesem Punkt stehen wir jetzt auch. Wir haben uns gute Verbindungen bspw. in die Benelux-Länder, Schweden, die Schweiz oder Japan aufgebaut und alle Kollegen wollen beliefert werden.

MM: Bekommt ihr bessere Konditionen, wenn ihr eine größere Menge abnehmt?

Jein. Whisky-Broker war mal ein Berufsstand, der in Schottland sehr ausgedehnt war. Aber aufgrund der bereits erwähnten großen Konzerne sind sie fast ausgestorben. Es gibt nur noch sehr wenige, die einen bedienen können bzw. wollen. Es ist eine Mischung aus Brokern und großen Unabhängigen Abfüllern, die natürlich vorsichtig sind in dem was sie abgeben. Und zur Zeit will niemand etwas abgeben. Es ist ein bißchen wie mit der Sanduhr, wo es plötzlich ganz eng wird, und wir hoffen, dass das Angebot  irgendwann  wieder breiter wird. Die Gesamtsituation sieht derzeit so aus, dass in bestimmten Regionen der Whisky-Markt eingebrochen ist, z.B. in China, so dass wir davon ausgehen, dass in den kommenden Jahren wieder mehr Whisky auf dem freien Markt verfügbar sein wird.


Als ich das erste Fass bei einem Schotten kaufte, der mich damals nicht persönlich kannte, fragte er mich etwas, das ganz entscheidend fürs Geschäft ist: "Wenn ich Sie beliefere, wen in Deutschland beliefere ich dann nicht mehr"? Hinter dieser Frage verbirgt sich eine elementare Geschichte, nämlich der Gedanke der Nachhaltigkeit. Wenn man im Whisky-Bereich Geschäfte macht, will man Kontinuität und keine Eintagsfliegen. Und das kommt mir sehr entgegen. Wir müssen dafür sorgen, dass ich meine Fachhändler so bedienen kann, dass sie ausreichend Ware erhalten. Gleichzeitig wollen die Verbraucher auf den Messen den besonderen Tropfen verkosten und kaufen. Wenn ich dort einen Glenmorangie 10 anbieten würde, könnte ich damit niemanden hinter dem Ofen hervorlocken. Das ist ein toller Whisky, aber es gibt ihn überall.


MM: Nach welchen Kriterien stellst du deine Range zusammen? Einfach das kaufen, was du kriegen kannst?

TK: Wir sagen viel häufiger "Nein" als "Ja" zu Fässern, die man uns anbietet. Die oberste Maxime ist die Qualität, und deshalb ist die Warehouse Collection auch so erfolgreich. Wir reichen unsere Produkte auch bei der International Wine and Spirits Competition in London ein - übrigens auf Anraten von Julia Nourney, die immer gesagt hat, 'Jungs, ihr müsst da mitmachen'. Und wir haben dort auch jedesmal Medaillen gewonnen. Insofern kann das, was wir haben, ja auch nicht so schlecht sein.
Ich wollte eine Kollektion haben, die mit Einzelfassabfüllungen Schottland repräsentiert. Die Range sollte möglichst alles das zeigen, was schottischer Whisky geschmacklich zu bieten hat. Wenn die Qualität stimmt, will ich also schon alles, was ich kriegen kann - aber der Teufel steckt im Detail. Wenn ich eine Range aufbaue, darf ich nicht nur nach meinen eigenen Vorlieben gehen. Da braucht man kritische Stimmen, die dafür sorgen, dass keine Redundanzen entstehen. U.a. ist Julia  da eine sehr geschätzte Beraterin, und wir sind oft der gleichen Meinung. Manchmal sage ich aber auch einfach, nee, den will ich aber trotzdem haben.

Die Warehouse Collection ist eine Einzelfass-Kollektion in Fassstärke. Der Whisky soll so sein, wie er aus dem Fass kommt, ungefärbt, nicht kühlfiltriert, unverdünnt. 2007 haben wir das alles geplant, und auch für die Label professionelle Unterstützung gehabt. Professionalität ist mir wichtig. Wenn ein Kunde eine Flasche für 100 oder 120 Euro kauft, dann ist das ein Luxus-Produkt, und das soll angemessen verpackt sein, so wie ein Geschenk. Deswegen kommt die Collection auch in einer Holzkiste daher.

2013 hat uns in neue Sphären geführt. Wir haben erkannt, dass wir uns mit der Ausrichtung der Warehouse Collection ein Stück weit beschränkt haben. Der Whisky-Markt hat sich in den letzten Jahren ja deutlich verändert. Es drängen europäische und asiatische Länder - Stichwort Kavalan - mit hervorragenden Whiskys auf den Markt. So kam mir die Idee, vor dem Hintergrund der Qualität und Exklusivität eine zweite Collection aufzubauen. Die sollte nicht billiger sein, tendenziell aber preiswerter und vor allem anders.

Das Ergebnis war die Reihe "Warehouse Dram". Dort werden Single Malt Whiskys in Trinkstärke, Blended Malt Whiskys, die selteneren Single Grain Whiskys oder internationale Whiskys präsentiert. Wir haben jetzt den ersten Iren bekommen, einen Teeling, und dürfen unter unserem eigenen Label diesen Teeling vermarkten. Wir haben in diesem Label, das die Silhouette des Glencairn Glases darstellt  das Alter des Whiskys und die Irische Fahne integriert. Auch Säntis Malt aus der Schweiz und Mackmyra aus Schweden sollen in dieser Collection angeboten werden. Mein Herz schlägt aber nicht nur für Whisky, sondern auch für Rum. Und wir haben deshalb auch die Warehouse Rum Kollektion ins Leben gerufen. Das wollte ich eigentlich schon vor 25 Jahren machen, aber kein Mensch in Deutschland hat sich damals für hochwertigen Rum interessiert.

Wir haben jetzt also drei Standbeine, die wir auch sukzessive ausbauen wollen.


MM: Und ihr habt noch ein "Goldkind" neu in eurer Range, den Sieger aus dem C2C Spirits Cup.

TK: Ja, unser Braon Peat. Das ist ein klassisch-torfiger Whisky, von Islay, und als ich einen Namen suchte, habe ich mal im gälischen Diktionary nachgeschaut, und stellte fest, dass Braon "Tröpfchen" heißt, und das fand ich gut, "torfiges Tröpfchen". Aber die Autokorrektur hat da immer Baron daraus gemacht, und so hat er jetzt in den Whisky-Foren noch den Spitznamen "Baron Peat" bekommen. Der Braon Peat ist ein Single Malt, ein Small Batch.

 Ich hatte schon lange den Wunsch nach einem Islay-Whisky, den ich auch als Eigenmarke vertreibe, aber das Problem war die Nachhaltigkeit. Es macht wenig Sinn, einen Whisky im Markt einzuführen, und man bekommt in der Folge keinen Nachschub. Da haben wir sehr lange dran gearbeitet, fast zweieinhalb Jahre, bis wir jemanden fanden, der uns den Nachschub garantieren konnte. Das hängt natürlich auch mit der allgemeinen Situation zusammen, die ich vorhin schon beschrieben habe. Ich brauche dazu vertrauensbildende Maßnahmen, und Verlässlichkeit. Ich darf beispielsweise nicht den Namen der Destille preisgeben, das ist nun mal der Deal.

Die Idee war, drei Fässer zu nehmen, zwei Bourbon-Hogsheads, plus ein junges Sherry-Fass, auch als Hoggy, also ein 250-l-Fass, und diese drei Fässer als Small Batch anzubieten. Vier Flaschen aus Batch 2 sind dann nach Oberursel geschickt worden, zum C2C Spirits Cup, und er hat den Cup gewonnen. Unseren Rum hatten wir nicht eingereicht, weil wir ihn zeitgleich nach London zum IWSC geschickt hatten, und der hat dort ein Silver Outstandig gewonnen. Das aktuelle Batch 4 vom Braon Peat soll 2016 beim IWSC in London antreten.

Der Braon Peat hat natürlich vor allem Torfaromen, aber er hat auch noch all das, was ich heute bei vielen Abfüllungen von Islay vermisse, nämlich alles das was das Atlantikklima noch so zu bieten hat, wie beispielsweise Salz. Ich habe die Zusage, dass zukünftige Fässer immer der Qualität entsprechen, was wir bislang haben. Batch 3 war vielleicht etwas torfiger und ist bereits ausverkauft. Aktuell haben wir Batch 4 und es besteht aus 5 Fässern, damit ich nicht so oft neue Etiketten drucken muss.

MM: Was sagt denn deine Frau dazu, dass du immer so viele Wochenenden unterwegs bist?

TK: Also, wir haben in diesem Jahr unsere Silberhochzeit, ganz so negativ kann es also nicht sein;-) Sie ist natürlich diejenige, die Haus und Hof zusammenhält, und auch das Geschäft vor Ort. Denn in dem Moment, wo Mickey und ich unterwegs sind, muss sie sich um die Bestellungen kümmern. Mit zum Team gehört noch Timmy, der unser Lager verwaltet, unsere „Labelqueen“ Ute, die für jegliche Verpackungsfragen zuständig ist und last but not least unsere Sensorikerin Anja. Das entlastet natürlich auch.

MM: Macht es aus deiner Erfahrung einen Unterschied, ob Frauen oder Männer beim Whisky hinter der Verkaufstheke stehen?

TK: Nein, ich sehe da keinen Unterschied. Aber ich beobachte bei Tastings immer wieder, dass Frauen die besseren Sensorikerinnen sind.

MM: Thomas, vielen Dank für dieses Gespräch.







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