Talisker 1865

Beim Whisky-Geschmack sind der Vielfalt kaum noch Grenzen gesetzt, und die Auswahl ist heutzutage schier unerschöpflich. Doch an Talisker kommt man einfach nicht vorbei. Das war schon 1865 so. 


Ja, ich weiß, alte Talisker sind inzwischen eigentlich viel zu teuer. Und die preiswerten NAS-Abfüllungen sind zwar gut gemacht, aber nicht unbedingt die besten. Trotzdem kommt man an Talisker nach wie vor nicht vorbei. Und ich bin sicher, dass kaum einer von euch noch nie einen Talisker getrunken hat.

Talisker ist ein Phänomen, das nur schwer zu erklären ist. Vielleicht liegt es an der Schönheit der Insel Skye. Vielleicht liegt es an den besonderen Potstills. Vielleicht liegt es einfach nur am Klang des Namens, oder vielleicht auch an allem zusammen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass dieser Whisky schon seit über 150 Jahren die Menschen zum Schwärmen bringt. 

Anzeige für Talisker Malt Whisky von 1869, in Süd-England

Die Zeiten waren nicht immer rosig für die Brennerei, die vermutlich um 1830 gegründet wurde.  Das genaue Datum der Gründung ist heute nicht mehr bekannt, doch stand der Bau der Brennerei  im Zusammenhang mit den sogenannten Clearances auf Skye. Damals wurden viele der Pächter von der Insel vertrieben, und ihre Bauernhöfe in Weideland für Schafe umgewandelt. 

1863 steckte der damalige Besitzer der Brennerei, Donald McLennan, in einer wirtschaftlichen Krise. Zwei Jahre später befand er sich wieder im Aufwind, sein Whisky wurde nun landesweit von Glasgow bis London über Agenturen verkauft. 

1865 engagierte er einen gewissen John Anderson in Glasgow als Agent. Im gleichen Jahr erschien ein Buch mit dem Titel "Highland Sketches" von einem unbekannten Autor, in dem der Whisky von Talisker über alle Maßen gelobt wird. Sogar ein Vergleich mit Brandy wird nicht gescheut. Ein echter Highlander trinkt schließlich keinen Brandy, sondern Talisker. Und irgendwie beschleicht mich der Verdacht, dass Produkt-Placement schon damals eine besonders effiziente Werbe-Methode war. 

Hier können wir schwarz auf weiß lesen, was uns ein alter Viehtreiber aus den Highlands zu sagen hat: "Ich habe nichts gegen Brandy.... aber ehrlich gesagt, trinke ich lieber Whisky; und ein echter Talisker ist ganz mein Ding. Das ist ein feiner Brand, der Talisker... Es gibt keinen Besseren."  Seine Zuhörer applaudieren bei so viel Lobpreisgesang, und bestellen dann auch gleich eine Runde Talisker. Und ganz gewiss hat sich dieser Satz tief in die Herzen der damaligen Leser eingegraben. 

Auszug aus "Highland Sketches", erschienen 1865

Anderson muss mit seinem Marketing überaus erfolgreich gewesen sein. Schon zwei Jahre später konnte er die Talisker Brennerei übernehmen. Die Nachfrage nach Talisker war dank seiner fleißigen Werbekampagnen enorm. Und zwar so enorm, dass Anderson mehr Talisker-Fässer verkaufen konnte, als tatsächlich in der Brennerei gebrannt wurden. 

Blick auf die Talisker Distillery 1935

1879 flog der Schwindel auf und Anderson wanderte in den Knast. Die Talisker Distillery wurde von Alexander Grigor Allan und Roderik Kemp übernommen. 

Der Erfolgsgeschichte von Talisker hat das keinen Abbruch getan. Talisker blieb auch in den folgenden Jahrzehnten einer der erfolgreichsten Whisky-Marken Schottlands. Und das hat sich bis heute nicht geändert. 

Die Tasting-Notes für den Talisker 25 spare ich mir heute. Viel ist ohnehin nicht mehr in der Flasche. Ich finde ihn einfach saulecker. Und ich stimme aus vollem Herzen dem unbekannten Autor von 1865 zu: "Das ist ein feiner Brand, der Talisker...."

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