Raritäten-Tasting in Siedenbüssow. Teil II

Alter Whisky aus den 50er, 60er und 70er Jahren hat seinen ganz besonderen Reiz. Denn damals waren die Produktions-Methoden und Herstellungsprozesse ganze andere als sie es heute sind.

Uwe Wagmüller, Besitzer von Finest Whisky in Berlin, hat beim diesjährigen Raritäten-Tasting in Siedenbüssow gleich neun dieser begehrten und gesuchten Flaschen aufgemacht. 

Zweiter Teil.

Foto: MargareteMarie

Whisky am Samstag Abend: Raritäten aus den 60er und 70 Jahren


Und dann war es endlich Samstag Abend. Neun verschiedene Abfüllungen, vorrangig aus den 60er und 70er Jahren, hatte Uwe ausgewählt. Seit Freitag standen sie zum allgemeinen Bestaunen und zum Nase lang machen bereits in der Bar neben dem Tasting-Raum. Aber jetzt wurden sie endlich aufgetischt.


Foto: MargareteMarie

Bert hat dann sein großartiges Whisky-Wissen mit uns geteilt und die Aufgabe übernommen, uns interessante Informationen  zu den einzelnen Abfüllungen  zu erzählen. Leicht haben wir es ihm allerdings nicht gemacht. Denn unser Bedürfnis, mit den Tischnachbarn zu reden, wuchs exponentiell mit der Anzahl der verkosteten Whiskys. Und ich habe gestaunt, wie gesprächig selbst Männer werden können.

Alt und anders


Einer der Gründe, warum diese alten Abfüllungen so gesucht sind, liegt an den veränderten Herstellungs-Methoden. Denn heute arbeiten die meisten Brennereien mit hochmoderner Technologie, die Arbeitsprozesse sind computergesteuert und optimal austariert.

Damals hingegen gab es noch keine Computer, und das Wort "Wood-Managment" existierte auch noch nicht. Die meisten Arbeitsschritte wurden noch von Hand ausgeführt, die Brennereien hatten oft noch ihre eigenen Mälzereien und wie gut oder wie schlecht ein Whisky wurde, hing stark vom Geschick und der Erfahrung der Arbeiter in der Brennerei ab.

Zudem wurde Sherry damals noch fassweise nach Großbritannien exportiert, so dass die  schottischen Brennereien auf eine große Menge an leeren Sherry-Fässern zugreifen konnten. Ab1981 änderten sich jedoch die Exportbestimmungen. Sherry wurde nur noch in Flaschen abgefüllt nach England exportiert.

Foto: MargareteMarie

Nun wurden die leeren Fässer nach Schottland zum Befüllen mit Whisky geschickt. Lange Transportzeiten und das warme, feuchte spanische Klima führten dazu, dass diese leeren Fässer schnell schimmelten. Ein einfaches Mittel zur Desinfektion war der Einsatz von sogenannten Sulphur-Kerzen. Der Geruch dieser Sulphur-Kerzen prägt seit den frühen 90er Jahren folglich auch viele Whiskys, die in diesen ausgeschwefelten Sherry-Fässern heranreiften.

Auch die Praxis, ausgelaugte Sherry-Fässer mit sogenanntem Pajarete-Sherry wieder aufzufrischen, fand zu Beginn der 80er Jahre durch entsprechende Vorschriften ein Ende. Zudem waren die Ergebnisse auch nicht sehr überzeugend. Whiskys aus solchermaßen behandelten Fässern hatten  angeblich zwar ein süßes, aber eher flaches und schwefeliges Aroma.

Die derzeitigen Veränderungen, die wir in der Whisky-Produktion erleben, sind also eigentlich gar nicht so ungewöhnlich. Schon in den 80er und 90er Jahren fanden große Veränderungen statt.

Foto: MargareteMarie


Aber sind die alten wirkich besser? Oder sind sie nur anders? Neun Abfüllungen warteten auf unser Urteil:

Das Raritäten-Line-Up


1. Islay Mist, 8 Jahre, OA von D. Johnston, Blended Whisky mit Anteil von Laphroaig, Bottle Code SC295, 75 cl, 43%, Anfang der 80er Jahre

2. Glenlivet 1965/1977, 12 Jahre, OA für Peter Dominic LTD., 75.7 cl, 40%

3. Highland Park, G&M, 8 Jahre, Bottle Code SC 295, Distillery Label, Ende der 70er Jahre

4. Macallan 1965, 25 Jahre, The Anniversary Malt, bottled 1991, 43%, Giovinette Import

5. Springbank 1972, 30 Jahre, Chieftains Choice, Sherry Butt No. 410, 576 Flaschen, 57.8%

6. Glen Brora, Blended Whisky, ohne Altersangabe, 40%, Carradale Blending Company Glasgow, Bottle Code SC803, Mitte der 70er Jahre

7. Longmorn, 12 Jahre, Bottlecode SC295, Distillery Label, Ende 70er Jahre

8. Bunnahabhain, 1969, 25 Jahre, Signatory Dumpy, Sherry Cask No 2015, 140 Flaschen, 53.3%

9. Ardbeg 1974, 28 Jahre, Douglas Laing, OMC, bottled 2003, 264 Flaschen, 50%


Foto: MargareteMarie

Das Ergebnis:


Alte Whiskys sind tatsächlich anders. Sie sind dichter, komprimierter. Aber auch nicht immer. Manche sind ein Traum. Andere hingegen kann man gerne in der Vitrine verschlossen stehen lassen. 

Unser Ergebnis war eindeutig. Die beiden Blends landeten weit abgeschlagen am Ende der Skala. Aber auch Glenlivet und Highland Park konnten an diesem Abend nicht wirklich punkten.

Die Sieger waren:

Platz 5: Springbank

Platz 4: The Macallan

Platz 3: Longmorn

Platz 2: Bunnahabhain

Platz 1: Ardbeg

Foto: MargareteMarie


Die Flaschenreste konnten dann von den Teilnehmern noch meistbietend ersteigert werden. Das kleine Restchen Macallan ging für 80€ weg, der Bunnahabhain wechselte für 75 € den Besitzer, und für den Longmorn wurden sogar 95€ geboten. Schnäppchenpreise, wie man mir sagte.

Die Spitzenposition belegte auch diesmal Ardbeg: stolze 120 € war der Flaschenrest am Ende noch wert. Womit wieder einmal bewiesen wäre: Es gibt keinen Hype um Ardbeg. Er ist einfach so gut, dass ihn jeder haben will.

Zum Abschluss gab es dann tatsächlich noch ein Feuerwerk im kleinen Park hinter dem Gutshof.  Als hätten wir immer noch nicht genügend Höhepunkte erlebt. Nils und Uwe, ihr beide seid echt die Wucht!

Der nächste Termin steht übrigens schon fest: 27.-29. März 2015. Wird bestimmt wieder toll:-)


Foto: MargareteMarie

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