Verkostung The Quiet Man Irish Whiskey.

Seit mehr als 30 Jahren produziert die irische Niche Drinks Company Whisky-Liköre. Den nötigen Whisky kaufte man bislang woanders ein.

Jetzt will Ciaran Mulgrew, Managing Direktor bei Niche Drinks, seine eigene Brennerei bauen: die Quiet Man Craft Distillery.

Gleichzeitig  hat die Firma auch eine eigene Whiskymarke auf den Markt gebracht: The Quiet Man. Was steckt dahinter?

 
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Ciaran Mulgrew: The Quiet Man Irish Whiskey (Pressefoto)



Kleine Dinge haben mitunter große Auswirkungen. Oder auch umgekehrt. Als 2012 Jim Beam die irische Cooley-Brennerei erwarb, was das eine große Sache. Die Entscheidung, keinen Whiskey mehr an Dritte abzugeben, war Peanuts. Doch die Auswirkungen auf die Irische Getränke-Industrie war wiederum beachtlich. Denn Cooley hatte bis dahin so manchen unabhängigen Abfüller oder Getränkeproduzenten bedient. 

So auch den Getränkehersteller Niche Drinks Company, die bereits 1983 gegründet wurde. Sie stellt unter anderem St. Brendan’s Irish Cream Liqueur, Tipple's und Shannon’s Irish Coffee  her und beliefert viele Supermarkt-Ketten wie Tesco, Marks & Spencers, Sainsbury's, Aldi, Spar oder Carrefour unter hauseigenen Label. Außerdem gehören noch Premix-Cocktails zum vielfältigen Portfolio der Firma. Für viele ihrer Produkte benötigt die Niche Drinks Company Irischen Whisky – für den sie auch mit Cooley Lieferverträge hatte.

Die Übernahme durch Beam 2012 brachte die Erkenntnis, dass Abhängigkeit immer auch ein Risiko bedeutet. Noch im gleichen Jahr stellte Managing Director Ciaran Mulgrew bei den zuständigen Behörden den Antrag, eine Brennerei bauen zu dürfen.


Sherry-Fässer. Foto: Brennerei

Durch diverse Presse-Veröffentlichungen sind bereits einige Informationen über das 15 Millionen Euro teure Projekt bekannt. So soll die Anlage am Ebrington Square in Campsie/Derry entstehen und Ende 2016 in Betrieb gehen. Zu einem späteren Zeitpunkt soll auch die gesamte Getränke-Produktion der Firma an den neuen Standort verlagert werden.

Die Brennerei wird 1 Million Liter Alkohol pro Jahr produzieren, die vor allem für die diversen Irish Cream Liköre, die Vertragspartner der Firma  sowie die neue Whiskey-Marke "The Quiet Man" benötigt werden. Der Whisky wird dreifach destilliert.

Foto: Brennerei


Bereits seit 2010 hat die Firma Irischen Single Malt und Single Grain Whiskey gekauft, sowohl als New Make als auch gereift. Dadurch besitzen sie mittlerweile ein eigenes Fasslager, das die kommenden Jahre zum Aufbau ihrer eigenen Whisky-Marke "The Quiet Man" (in Gälisch "An Fear Ciúin") genutzt werden wird.

Die unabhängigen Abfüller geben immer nur sehr ungern ihre Bezugsquellen preis, und ich musste eine Weile recherchieren, um mehr zu erfahren.

Wie die Importeurin Mareike Spitzer von Irish Whiskeys bestätigte,  stammt der 8jährige Quiet Man Single Malt, der vor kurzem auf dem Markt erschienen ist, aus der Cooley-Brennerei. Er wurde bereits  2010 als drei Jahre alter Whisky gekauft und in First-Fill Bourbon-Fässern von Sazerac und Heaven Hill nachgereift.

 The Quiet Man - Irish Whiskey

Der Quiet Man Traditional, der ebenfalls vor wenigen Wochen neu erschienen ist, stammt hingegen aus zwei verschiedenen Quellen.

Beide Abfüllungen sind kälte-filtriert. Für die Zukunft sind jedoch auch nicht-kältefiltrierte Fassstärke-Abfüllungen geplant.

Mit Heaven Híll und Sazerac hat man durch das Likör-Geschäft gute Geschäftsbeziehungen, so dass der Nachschub an frischen First-Fill Bourbon Fässern auch in Zukunft gewährleistet ist. Eine Zweitbefüllung ist derzeit wohl nicht geplant, man wolle die Fässer nach der einmaligen Benutzung weiterverkaufen.

Außerdem hat die Firma noch eine kleine Anzahl Sherry-Fässer in ihrem Whiskey-Lager liegen, die mit 4-, 5- und  8-jährigem Whiskey befüllt wurden und deren Inhalt als 10jähriger Whiskey in die Flasche soll.

Als Master Blender konnte der Schotte Billy Mitchell gewonnen werden, vier weitere Angestellte besuchen derzeit einen Destillier-Kurs der renomierten Heriot Watt University in Schottland.

Beim diesjährigen C2C-Spirits Cup haben die neuen Abfüllungen gut abgeschnitten: für den Quiet Man Traditional gab es eine Bronzemedaille, für den Quiet Man Single Malt sogar Silber. 

Ach ja, natürlich gibt es auch eine nette Geschichte zum Namen des Whiskeys, der sich angeblich auf den Vater des Firmenbesitzers bezieht. Aber das habt ihr bestimmt schon irgendwo gehört.



Meine Tasting Notes:


The Quiet Man Traditional, Blended Whiskey, Ireland, 40%, chill-filtered, nachgereift in First-Fill Bourbon-Fässern


Aroma:

Die Fruchtaromen dominieren, mit einer schönen Süße und zarten Zitrusaromen. Dann kommen leichte Vanille, Honigaromen und  frische Holzspäne. Erst ein kräfiger Schuss Wasser bringt die floralen Aromen zu tage, allen voran angenehm dezenter Veilchenduft. Auf Eis verliert er allerdings, die Süße verschwindet und läßt zu viel Raum für Holz und Tannine.

Geschmack:

Weniger süß und mild als erwartet, trockene Gewürze und Lösungsmittel. Insgesamt mild und ausgewogen.

Nachklang:

mittellang




The Quiet Man 8 Years Single Malt, 40%, chill-filtered, nachgereift in First-Fill Bourbon Fässern


Aroma:

So wunderbar fruchtig, wie ich es von einem Irischen Whiskey erwarte: satte Pfirsich-Aromen, auch Mandarinen, ein bißchen Banane und Zitrone. Vanille und darunter kräftiges Malz. Einer von jenen Whiskys, die sich sofort öffnen und leicht zugänglich sind. Doch man darf sich auch gerne Zeit lassen: die Fruchtaromen sind so überwältigend, dass sie auch nach langer Wartezeit einfach nicht verschwinden wollen.

Geschmack:

Würzig, kräftig, leicht ölig. Ein bißchen Pfeffer, eine Prise Muskat, ein Hauch Ingwer. Liegt satt und malzig auf der Zunge.

Nachklang:

mittellang

 

MargareteMarie meint:


Der Quiet Man Traditional ist solide, fruchtig und mild. Er wird gewiss viele Freunde finden. Mir persönlich ist er fast schon zu brav. Auf Eis würde ich diesen Blend allerdings nicht empfehlen, denn dann wird er sehr tanninlastig und bitter.

Der Quiet Man 8 Jahre gefällt mir sehr gut. Mich erinnert er stark an einige der Teeling Whiskeys, die ich in letzter Zeit probieren konnte, und die ebenfalls aus der Cooley-Brennerei stammten. Wer Teeling mag, sollte unbedingt auch den Single Malt von Quiet Man probieren!


Silber für den Quiet Man Single Malt 8 beim C2C-Cup. Julia Nourney (links), Importeurin Mareike Spitzer. Foto: MargareteMarie

Kommentare

  1. Wunderbar! Wie das mal wieder passt. Beide Abfüllungen stellen wir diesen Sonntag bei unserem Tasting im Klimperkasten in Frankenberg vor.
    Deinen Bericht lassen wir gern mit einfließen, wenn wir dürfen :)

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  2. Aber natürlich, Silke! Da habt ihr zwei sehr schöne Iren ausgewählt. Wünsche euch viel Spaß beim Tasting:-)

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