TASTING NOTES: Ardbeg Scorch

Die Committee Abfüllungen von Ardbeg enttäuschen  selten. Man kann sie eigentlich blind kaufen. Und genau das ist das Problem.


In diesem Jahr kann das Fèis Ìle, das jährliche Inselfest auf Islay, leider nicht stattfinden. Die dazu gehörige Committee-Abfüllung von Ardbeg ist trotzdem erschienen, und in den Sozialen Netzwerken ardbegelt es derzeit wieder mal gewaltig.

Eigentlich ist es jedes Jahr das gleiche Spiel: man geht mit niedrigen Erwartungen ran, denn man denkt, "es kann im Vergleich zum Vorjahr doch nur schlechter werden, bei all diesem Hype". Und natürlich will man in diesem Jahr den Hype keinesfalls mitmachen. 

Mal ehrlich, genau so denken doch die meisten von euch. Und ich auch. Gestern also kam mein Sample von der deutschen Marketing-Abteilung von Ardbeg, worüber ich mich natürlich freue, aber ach, so gut wie früher kann es doch gar nicht mehr sein. 

Doch die Neugier hat gegen die Skepsis gesiegt, ich habe mein Sample also gestern abend gleich noch probiert. Der erste Gedanke dann - och, nett. Der zweite Gedanke - ach, sehr süffig... Und der dritte Gedanke - wowowowow!!!!!!!! Da hat mich dann ganz ohne Vorwarnung plötzlich eine absolut heftige Ruß-und-Asche-Welle überrollt, auf die ich nicht vorbereitet war, und die mir schlagartig die sprichwörtlichen Socken ausgezogen hat.


Die Marketing-Texte haben nicht zu viel versprochen mit ihrer Behauptung, der Ardbeg Scorch sei "ein Füllhorn an Aromen aus unseren schwärzesten Fässern. Wir haben die feuerspeiende Abfüllung schlechthin erschaffen!"

Zum Einsatz kamen extra stark gekohlte Ex-Bourbon-Fässer aus Warehouse No 3. 

Heute morgen um 10 Uhr war in Deutschland der online Verkaufsstart. Und innerhalb einer Stunde war alles vorbei. Die wenigsten Personen hatten wie ich das Glück, dass sie den Scorch vorher probieren konnten. Trotzdem haben die Leute gekauft wie die Irren.  Offiziell ist nur eine Flasche pro Kunde erlaubt, doch die echten Flipper-Profis haben gleich mehrere Kundenkonten. Auch diesmal werden etliche Flaschen in den Versteigerungsportalen zum überhöhten Preis angeboten. Wer geschickt ist, erhält beim Verkauf von zwei Flaschen die dritte zum Null-Tarif. Fair ist es nicht. 

Vielleicht sollte man bei Ardbeg endlich mal anfangen, schlechten Whisky zu machen, damit die Leute aufhören, so viel Ardbeg zu kaufen. Denn die Committee-Abfüllungen enttäuschen nicht, sie sind eine Bank, auf die man blind setzen kann. Wer eine Abfüllung ergattern kann, jubelt. Wer keine hat, heult. 

Der Scorch macht da keine Ausnahme. 



Meine Tasting Notes: Ardbeg Scorch, Committee Release 2021, 51,7%, nicht kühlgefiltert, natürliche  Farbe

Farbe: 1.0 kupfergold

Aroma: satte Karamell- und Apfelsaftnoten, eine leichte Erdigkeit,  Anis und starker Zigaretten-Rauch. Nicht übermäßig komplex, aber sehr voluminös und üppig. 

Geschmack: leicht süß, süffig, vollmundig, kräftiger Körper. 

Nachklang: Holla- jetzt geht die Post ab! Eine Welle von heftigen Ruß- und Asche-Aromen überrollt meine Zunge förmlich - und rollt, und rollt, und rollt.

Gesamteindruck: Der Ardbeg Scorch ist mehr als Peat. Das rußt und raucht gewaltigt. Kennt ihr noch den Spruch: "Wenn er zu stark ist, bist du zu schwach"? ... Genau so.  

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