Exklusiv: Interview mit Miho Kiuchi, Importabteilung Shinanoya

Sonderabfüllungen des japanischen Einzelhändlers Shinanoya sind in Deutschland begehrt, aber nur schwer zu bekommen. Doch vielleicht wird sich das bald ändern. Auf der Limburger Whisky-Fair habe ich Miho Kiuchi getroffen, einzige Frau am Stand von Shinanoya und Import-Expertin der Firma. Miho spricht fließend deutsch, und ihr Chef würde die Geschäftsverbindungen mit Deutschland gerne intensivieren. Ich habe die Gelegenheit genutzt, um einige der seltenen Shinanoya-Abfüllungen zu verkosten, und habe mit Miho auch über Shinanoya und japanischen Whisky geplaudert.


Miho Kiuchi (Bildmitte), Importabteilung Shinanoya, mit Kollegen. Foto: MM

MM: Miho, können Sie meinen Lesern zunächst erklären, wer oder was Shinanoya eigentlich ist?

Miho: Shinanoya ist einer der größten Whisky-Läden in Japan. Wir haben in Tokio und neben Yokohama insgesamt 16 Shops und drei Supermärkte.

MM: Shinanoya importiert aber auch Whisky?

Miho: Das ist meine Aufgabe, ich arbeite in der Importabteilung für Shinanoya. Shinanoya ist ein großer Einzelhändler, wir haben aber auch die Lizenz als Großhändler, um Whisky zu importieren und zu verkaufen, wir können beides.

MM: Welche Produkte fallen in ihren Verantwortungsbereich?

Miho: Überwiegend Wein, aus Frankreich, Italien, Spanien und Chile, aber auch Spirituosen. Die beziehen wir normalerweise über einen anderen Lieferanten, meistens über Rotterdam. Whisky macht ungefähr 60% von unseren Produkten aus.

MM: Sie sprechen sehr gut deutsch.

Miho: Danke schön. Ich habe acht Jahre in Deutschland gelebt, bei Duisburg.

MM: Sie leben jetzt wieder in Japan. Wie einfach oder wie schwierig ist es denn in Japan, als Frau in der Spirituosenbranche Karriere zu machen?

Sonderabfüllungen für Shinanoya. Foto: MM

Miho: Ich glaube, das ist sehr schwer. Wir denken immer noch, dass Whisky ein Männergetränk ist, weil er ein hochprozentiges Getränk ist. Die meisten Frauen mögen eher süße Liköre. Ich glaube, Frauen arbeiten in Japan nur selten in der Whiskybranche.

MM: Sie sind also eine der wenigen Frauen in der japanischen Whiskybranche.

Miho: Ja, das kann man so sagen.  Doch meine Arbeit ist ja nicht nur Whisky. Trotzdem ist Whisky ein wichtiger Bestandteil, und ich muss auch viel über Whisky lernen. Ich bin jetzt seit drei Jahren bei Shinanoya. Meine Deutschkenntnisse haben mir sehr geholfen. Es gibt viele Whisky-Spezialisten in unserer Firma, aber ich bin die einzige, die deutsch sprechen kann.

MM: Trinken Sie auch Whisky?

Miho: Ja, ich mag Whisky sehr gerne mit Eis. Aber ich mische ihn nicht mit Wasser oder Coca-Cola oder ähnlichem. In letzter Zeit ist in Japan der sogenannte Highball - Whisky mit Tonic Water - sehr beliebt. Aber ich denke, ein Whisky mit einer guten Qualität ist sehr teuer, und der ist eigentlich zu schade für einen Highball.

Perlen am Stand von Shinanoya: Whisky der Brennereien  Hanyu und Chichibu. Foto: MM

MM: Shinanoya füllt ja auch Whisky unter eigenem Label ab. Wird es in Zukunft möglich sein, auch in Deutschland Whisky von Shinanoya zu kaufen?

Miho: Deutschland ist eines unserer großen Ziele, und ebenso Italien. Die Whisky-Fair in Limburg ist eine der größten Whisky-Messen weltweit, und unsere Einkäufer kommen bereits seit 10 Jahren regelmäßig nach Limburg, um guten Whisky auszusuchen und nach Japan zu importieren. Dieses Jahr ist aber das erste Mal, dass wir einen Stand hier haben, das ist auch eine Ehre für uns.

MM: Sie haben sehr schöne Whiskys an ihrem Stand dabei. Haben Sie einen Lieblings-Whisky am Stand? 

Miho: Ja, das ist ein japanischer Single Malt Whisky. Er heißt Komagatake und ist in Fass-Stärke abgefüllt. Es war eine Einzelfass-Abfüllung speziell für Shinanoya. Er ist noch jung, aber sehr süffig, und nicht so stark rauchig. Das gefällt mir gut.

Tomagatake 2012-2015, Fass-Nr. 1485, Mars Shinshu Distillery, 58%, 234 Flaschen, exklusiv für Shinanoya. Foto: MM


MM: Es ist derzeit sehr schwierig, in Deutschland guten Whisky aus Japan zu bekommen. Ist das in Japan genau so? 

Miho: Ja, es ist im Augenblick sehr schwer. Für eine gute Qualität ist es besser, wenn der Whisky lange schläft. Mehr als zwanzig Jahre. Aber wir können jetzt nicht mehr so lange warten. Nachdem in China und Taiwan Whisky sehr populär geworden ist, haben wir nicht genug Single Malt mehr. Er ist sehr wenig geworden. Deswegen ist es sogar in Japan schwer geworden, alten japanischen Single Malt zu kaufen. Niemand weiß jedoch, ob in einigen Jahren Whisky noch immer so populär sein wird. Jetzt ist die gute Zeit für Whisky. Aber ausgerechnet jetzt gibt es nicht genug.

MM: Wie lange werden Sie noch in Deutschland bleiben?

Miho: Wir werden am Montag nach Saarbrücken fahren, und uns dort noch nach deutschem Wein umschauen. Dann geht es wieder zurück nach Japan.

MM: Ich wünsche Ihnen und Ihren Kollegen eine gute Heimreise! Vielen Dank für dieses Gespräch.

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