Ein Dram für die Götter. Das Geheimnis des Prometheus 26.

Der geheimnisvolle Whisky Prometheus 26 hat vor wenigen Tagen bei den Editor's Choice Awards eine der begehrten Goldmedaillen des Whisky Magazines gewonnen und beeindruckende 94 von 100 Punkten erzielt. 

Seit seiner Markteinführung zu Beginn dieses Jahres hat es immer wieder Gerüchte über die Herkunft dieser Small-Batch-Abfüllung der Glasgow Distillery Company gegeben, die ungewöhnlich streng geheim gehalten wird. 

Doch wer den diversen Hinweisen folgt, erkennt schnell: ein möglicher Weg führt zu der renomiertesten Brennerei in der schottischen Speyside. Handelt es sich beim Prometheus 26 tatsächlich um einen alten - und äußerst ungewöhnlichen - Macallan?

 

Auf der Aquavitae in Mülheim hatte ich die Gelegenheit, diesen Titan, der sich mit den Göttern messen will, zu verkosten.

Besondere Tage brauchen einen besonderen Dram. Eigentlich war ich wegen dem neuen Dalwhinnie Winter's Gold an den Stand von Diageo gekommen. Aber Charly, der Mann hinter der Theke, hat es an diesem Tag besonders gut mit mir gemeint und mir kurzerhand einen Dram am Nachbarstand von "Wee Taste of Scotland" organisiert, wo sich zu diesem Zeitpunkt auch Buchautor Charles MacLean und Spirituosen-Experte Jürgen Deibel eingefunden hatten. Denn dort gab es tatsächlich etwas ganz besonderes: den 26-jährigen Prometheus.

Seit dieser Single Malt-Whisky zu Beginn des Jahres auf dem Markt erschienen ist, erregt er immer wieder sehr großes Interesse bei Präsentationen. Denn das Geheimnis, das ihn umgibt, ist mehr als spannend.


von links: Charles MacLean, Jürgen Deibel, Raymond und Franziska von "Wee Taste of Scotland"

Herausgebracht hat den Prometheus 26 die neu gegründete Glasgow Distillery Company (GDC), deren Brennblasen erstmals im Februar 2015 in Betrieb gingen. Um die Wartezeit bis zum Verkaufsstart des eigenen Whiskys zu verkürzen, ist die GDC auch als unabhängiger Abfüller aktiv geworden und hat dazu knapp 80 Fässer (76 Butts und 13 Hogsheads) aus dem Jahr 1988 bei einer Speyside Brennerei eingekauft, um sie unter eigenem Label abzufüllen.

Bis dahin ist die Geschichte noch nicht sehr ungewöhnlich. Alte Whiskys von unabhängigen Abfüllern gibt es viele. Doch nur wenige wurden mit so viel Liebe zum Detail, mit einer so exquisiten Verpackung und mit einem so hohen Preisschild auf den Markt gebracht: knapp 600,-- Euro muss ein Käufer für eine Flasche des Prometheus investieren.

Ein solcher Preis mag so manchen Interessenten abschrecken. Aber er macht auch neugierig: ist der Prometheus so viel Geld wirklich wert? Das aber wiederum hängt ganz entscheidend davon ab, aus welcher Brennerei der Whisky denn nun eigentlich stammt. Doch genau das wollen die Besitzer auf keinen Fall verraten.

Viel Informationen hatte die offizielle Pressemitteilung zum Prometheus dann auch nicht geboten. Wie so oft ist die Marketing-Geschichte zu dieser Abfüllung blumig und einfallsreich, eine markige Geschichte von Titanen, Göttern und der Ankunft des Feuers durch den griechischen Sagenheld wird erzählt. Doch hinter all den schönen und nichtssagenden Phrasen stecken auch einige interessante Hinweise, die durchaus helfen könnten, wie einstmals Prometheus etwas Licht ins Dunkel zu bringen:

 "Twenty-six years ago, one of the Olympians of Speyside created a new form of malt: a whisky that combined the peaty fire of the Islands with the rich, bright complexity of the Highlands. Like all great malts, time was needed for this new Titan to build character and maturity. But as the young whisky lay sleeping, hidden from expectant eyes, the heavens shifted. The whisky´s creator departed and a malt that was both sophisticated and powerful was seen by some as a threat.
Protectors of the orphan Titan kept him solitary and hidden for a total of twenty-six years until, in the summer of 2014, they met in secret to arrange his release. Prometheus could walk free on two conditions: he could never reveal from whence he came and he would be mortal, destined to live a short, but glorious life."

Insel-Torf wurde also benutzt, um das Malz für diesen Festland-Whisky zu trocknen - was damals neu und ungewöhnlich war. Später jedoch, so die Geschichte, kam es zu einem personellen Wechsel und der seltsame Whisky mit Insel-Rauch-Aroma fiel in Ungnade.

Eine große Anzahl von Speyside-Brennereien scheidet durch diese Geschichte von vornherein aus. Doch in den Annnalen der Macallan-Brennerei läßt sich eine passende Parallele durchaus finden: Zwei Jahre zuvor, 1986, war es der japanischen Suntory gelungen, 25% der Aktien an Macallan zu erwerben, neue Experimente mit rauchigem Malz sind in dieser Phase durchaus vorstellbar. Als sich Suntory drei Jahre später bei Bowmore einkauft, mag das Interesse an rauchigem Macallan nachgelassen haben, es blieb womöglich bei einer kleinen Anzahl experimenteller Fässer. 1996 kam es dann zu einem Eigentümer-Wechsel bei der Brennerei an der Speyside, Macallan wurde zunächst von Highland Distilleries und bald darauf von Edrington übernommen. Für einen rauchigen Whisky hatten die neuen Besitzer wohl nur wenig übrig.

Doch auch auf einige andere Speyside-Brennereien trifft dies zu, etwa Glenlivet oder auch Glenturret.

Eine weitaus deutlichere Spur zeigt sich jedoch, wenn man einen Blick auf die Männer wirft, die diesen Whisky auf den Weg gebracht haben: Die Besitzer der GDC, Liam Hughes und Ian McDougal, konnten als Berater für Design und Bau ihrer Destillerie sowie als Mentor für den Brennmeister Jack Mayo einen Mann gewinnen, der durchaus über beste Kontakte in die Speyside verfügt: David Robertson. Eben jenen David Robertson, der viele Jahre lang Master Distiller und später auch Distillery Manager bei Macallan war.

David Robertson kennt jedes alte Fass bei Macallan und wäre aufgrund seiner persönlichen Kontakte durchaus in der Lage, einen solch spektakulären Deal einzufädeln. Und er ist später als Rare Malts Manager von The Dalmore auch imstande gewesen, einen Highland Whisky zum Elite-Getränk für sammelwütige Millionäre zu puschen. Macallan ist nicht die einzige Brennerei, die als Ursprung für den Prometheus in Frage kommt. Doch die Möglichkeit, dass sich hinter dem Prometheus 26 tatsächlich ein alter, rauchiger und damit extrem seltener Macallan verbirgt, ist groß. Der Wunsch, dass es tatsächlich so sein möge, auch.

Nur 3.000 Flaschen wurden bisher abgefüllt, lediglich 1.100 Flaschen waren für den europäischen Markt bestimmt. Weitere Batches sollen in den nächsten drei Jahren folgen. Das nächste Batch steht schon in den Startlöchern und soll Anfang 2016 erscheinen. Der geheimnisvolle Whisky wird dann ein Jahr älter sein. Vielleicht sogar noch besser, obwohl er jetzt schon wunderbar perfekt erscheint. Aber eins wird er ganz gewiss nicht werden: billiger.


MargareteMarie meint:

David Robertson ist ein Meister seines Faches und hat es in der Vergangenheit immer wieder ausgezeichnet verstanden, alte Whiskys mit Wertsteigerungs-Potential perfekt in Szene zu setzen. Der Prometheus 26 trägt eindeutig seine Handschrift. Für den Anleger ist diese Abfüllung eine Hop-oder-Top-Geschichte: wenn sich eines Tages bewahrheiten sollte, dass der Whisky tatsächlich aus der Brennerei Macallan stammte, wird sein Preis unter Sammlern in schwindelerregende Höhen schnellen. Wenn es aber doch nur ein Glenturret oder Glenlivet sein sollte - dann bleibt zumindest der Trost, einen ausgezeichneten Dram im Glas zu haben.

(PS: den Dalwhinnie Winter's Gold habe ich dann auch noch verkostet und für das erste online-tasting der Sharing Angles ausgewählt. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.)

Hier meine Tasting Notes:



Prometheus 26, 47%, First Fill Sherry Fässer,  ungefärbt, nicht kältefiltriert:

Farbe:
bernstein-gold 

Aroma:
Schon auf den ersten Eindruck wirkt er unglaublich mild, elegant und dicht. Die weinigen Noten der Sherry-Fässer dominieren. Er zeigt auf Anhieb eine starke Präsenz, doch wer die feinen Nuancen entdecken will, muss warten. Es braucht seine Zeit, ehe die süßen Honignoten erscheinen, sowie Feige, Rosinen, und Kumquat. Und dann kommen auch endlich die wunderbaren Orangennoten, die die offiziellen Tasting-Notes versprechen.

Der Prometheus blüht regelrecht auf im Glas, und zarte Vanille- und Karamell-Aromen verleihen ihm eine weitere Dimension. Mit etwas Wasser werden Orange, Ingwer und Zimt noch deutlicher. Dennoch würde ich auf die Zugabe von Wasser komplett verzichten, denn er verliert dabei an Schwere.

Mit den Rauchnoten tue ich mich hingegen schwer, wenn überhaupt, dann sind sie nur sehr verhalten vorhanden. Möglicherweise war die Flasche schon eine Weile geöffnet.

Geschmack:
Die hohen Erwartungen werden nicht enttäuscht. Der Prometheus kommt nussig, würzig und cremig auf die Zunge und beeindruckt durch seine kompakte Eleganz.

Fazit:
Dieses geheimnisvolle Titanen-Kind  präsentiert sich unglaublich ausgewogen, dicht, rund, harmonisch, und komplex. Trotz seiner 26 Jahre bleiben die Holzaromen wunderbar dezent im Hintergrund. Er stammt noch aus einer Zeit, als der Whisky nach Destillat und nicht nach Fass schmecken sollte. Alte Whiskys können oft heikel sein und etwas "over the top" rutschen. Der Prometheus 26 zeigt keinerlei Altersschwächen und ist perfekt ausbalanciert. Ein hoher Genuß vom ersten bis zum letzten Schluck.


Und hier noch ein Hinweis zum Code auf dem Etikett:
Cache 1: Erste Abfüllung
3.000: die Anzahl der Flaschen weltweit
SP1 (Speyside 1): der Referenzcode der Glasgow Distillery Company für die Originaldestillerie
0488: destilliert im April 1988
0115: abgefüllt im Januar 2015
V: Vatted (small Batch)
76b: 76 Sherry Butts
13h: 13 Hogshead Casks


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