Der neue Strathearn: Whisky nach alter Tradition

Vor genau drei Jahren, am 23. August 2013, erhielt die Strathearn Distillery in den schottischen Highlands die Genehmigung, Whisky zu brennen. Seither haben Besitzer Tony Reeman-Clark und seine Crew  viele Fässer gefüllt. In Limburg konnte ich bereits den New Make testen. In wenigen Wochen werden die ersten Flaschen auf den Markt kommen - und werden in einer online Auktion meistbietend versteigert. 


Noch weiß niemand, wie der fertige Whisky tatsächlich schmecken wird, denn es dauert noch ein paar Wochen, ehe er abgefüllt werden darf. Doch ich hatte das große Glück, in Limburg bereits den New Make am Stand des deutschen Importeurs Anam na h-Alba probieren zu können. Und das Rohprodukt ist äußerst  vielversprechend! Drei Varianten hatte Tom Skowronek zur Verkostung dabei, New Make Standard, New Make triple distilled (dreifach gebrannt) und New Make peated (rauchig).


Tom und Melanie Skowronek. Foto: MargareteMarie

Strathearn ist eine der kleinsten Brennereien in Schottland, mit einer Jahreskapazität von nur 30.000 Litern. Dass hier keine Massenproduktion stattfindet, versteht sich von selbst. Die Brennerei will nach eigenen Angaben vielmehr zeigen, wie Whisky wohl urspünglich geschmeckt haben mag, und experimentiert viel mit traditionellen Mitteln und Methoden.  Bei der Gerste setzt man deshalb auf ältere Sorten, wie Maris Otter, die vor allem in den 70er und 80er Jahren populär war und noch immer bei Haus- und Hobby-Brauern sehr beliebt ist, oder auch  Bere Barley, die schon im 19. Jahrhundert bekannt war.

Gebrannt wird in kleinen Alambic Brennblasen, die aus Portugal stammen. Zur Lagerung verwendet Strathearn vor allem kleine Oktave-Fässer (50 Liter) aus Eichenholz. Um herauszufinden, wie Whisky vor zweihundert Jahren geschmeckt haben könnte, experimentiert die Brennerei auch mit 30-Liter-Fässern aus anderen Holzarten, z.B. Kastanie, Kirsche und Maulbeerbaum. Whisky dürfen sie das Resultat dann leider nicht mehr nennen, denn andere Holzarten außer Eiche sind in der modernen Whisky-Produktion nicht (mehr) zulässig.

Die ersten hundert Flaschen ihres eichefass-gereiften Whiskys werden derzeit in einer Online-Auktion bei Whisky-Auctioneers versteigert, und dürften vor allem für Sammler von großem Interesse sein. Die Auktion läuft noch bis zum 1. Dezember. Hier der Link:   Strathearn Inaugural Auction

Meine Tastings-Notes



Strathearn New Make (Standard), 50%:



Aroma: wunderbar frisch, Birne und Banane, ein Eimer voller Hühnerfutter, gedämpfte Kartoffelschalen, trockenes Heu und Apfelmus, mit viel Wasser auch eine leicht metallische Note

Geschmack: nach diesem tollen Aroma überraschend schwach, da hätte ich viel mehr erwartet.

Nachklang: angenehm mild

Strathearn New Make triple distilled, 50%


Aroma: alles was der Standard auch hat, aber viel schwächer

Geschmack: wieder eine große Überraschung. Der triple distilled ist deutlich stärker im Geschmack als der Standard, er ist kernig, mit Anklängen von Leder, Tabak, Teeblättern und Milchschokolade.

Nachklang: sehr pfeffrig


Strathearn New Make peated, zweifach destilliert, 35 ppm, 50%


Aroma: wie der Standard, doch mit deutlicher Rauchnote, die die übrigen Aromen leicht überdeckt und etwas schwächer wirken lässt

Geschmack: auch hier große Ähnlichkeit mit dem Standard, doch deutlich kerniger, mit angenehmer, leichter Asche auf der Zunge

Nachklang: mittellang, rauchig


MargareteMarie meint:

Die große Überraschung für mich war, dass der Standard (zweifach destilliert) im Aroma viel kräftiger ist als der Triple distilled (dreifach destilliert), aber im Geschmack sich die Situation genau umgekehrt darstellt. Beide Varianten haben ihre Stärken, und ich hoffe, dass irgendwann auch beide Varianten nach einer angemessenen Reifezeit auf den Markt kommen, damit man sie auch als fertigen Whisky vergleichen kann. Die Experimentierfreudigkeit von Strathearn scheint noch so manche weitere Überraschung zu versprechen.

Ob man unbedingt eine Flasche aus dem allerersten Fass haben muss, sollte jeder für sich selbst entscheiden. Die Preise sind schon jetzt recht beachtlich, und sie werden noch weiter steigen. Andererseits wird man nicht allzu oft die Gelegenheit haben, den allerersten Whisky einer schottischen Brennerei zu besitzen. Den Sammlern wird es in den Fingern jucken.

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