Donnerstag, 2. Juli 2015

"Whisky Breton" in Zukunft ohne "Glann ar Mor"

In der bretonischen Whisky-Szene brodelt es schon länger.  Jean Donnay, Inhaber der Celtic Whisky Company in Pleubian, zieht jetzt die Konsequenzen aus dem Streit. Am 15. August wird er seine Brennerei Glann ar Mor nach über 18 Jahren schließen. Und wirft dabei die Tür laut krachend hinter sich zu.
 
"whisky breton"              Foto: wbbolin

Hintergrund des Streits sind unterschiedliche Auffassungen über das bretonischen Gütesiegel  für Whisky, die sogenannte "Indication Géographique Protégée (IGP)". Ähnlich der Gütesiegel für französischen Wein ist seit dem 14. Januar auch die IGP "Whisky Breton" eine gesetzlich geschützte Bezeichnung für Whiskys aus der Region. Ein starker Befürworter der IGP ist dabei David Roussier, Geschäftsführer der Brennerei Warenghem (Armorik). Auch die Distillerie de Menhirs (Eddu Silver) unterstützt mittlerweile die IGP, während Fabien Mueller von der Brennerei Kaerelis ihr eher skeptisch gegenübersteht.

Starke Kritik kam zu Beginn des Jahres jedoch vor allem von Jean und Martine Donnay, die seit mehr als 18 Jahren die Brennerei Glann ar Mor an der bretonischen Küste betreiben. Laut Pressemitteilung befürchten die beiden, dass die IGP "Whisky Breton" in ihrer derzeitigen Form vor allem den kleinen Betrieben schadet, die großen Wert auf  handwerklich traditionell produzierten Whisky legen (Whisky artisanal), während  Betriebe mit industriellen Produktionsmethoden bevorzugt würden: "Seine Modalitäten begünstigen ein standardisiertes Produkt, das einem Wirtschaftsmodell industriellen Typs entspricht. ... Um neben industriellen Produzenten zu existieren, müssen die Handwerker die Unterschiedlichkeit ihrer Produkte und ihre Kreativität ausdrücken können", so die Pressemitteilung.

Dieser Mitteilung waren in den vergangenen Wochen heftige öffentliche Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Parteien vorausgegangen. Die Entscheidung, die Brennerei Glann ar Mor bereits im August zu schließen, kam zwar überraschend, aber dennoch nicht ganz unerwartet.

Wer die Arbeitsweise von Jean Donnay kennt, kann die Entscheidung wohl durchaus nachvollziehen.  Traditionelle Handwerksmethoden und ungewöhnliche Ideen sind sein Markenzeichen. Eine Besonderheit ist beispielsweise die Reihe "Celtic Connexion", für die der Whisky auf Islay destilliert wurde und anschließend eine doppelte Reifung, zunächst in Schottland und danach noch einmal in der Bretagne, erhält. Da verwundert es nicht, dass sich das kreative Ehepaar mit einem restriktiven IGP-Korsett nur schwerlich anfreunden kann.

Jean und Martine Donnay werden der Whisky-Welt dennoch nicht abhanden kommen. Denn die beiden verfügen noch immer über ausgezeichnete "celtique connexion", über "keltische Verbindungen". Im Herbst wollen sie nach inoffiziellen Informationen auf der Insel Islay mit dem Ausbau der Brennerei Gartbreck beginnen.

Foto: wbbolin






Freitag, 19. Juni 2015

Nikka-Hype

Für echte Nikka-Fans wird ihre Vorliebe für diesen japanischen Whisky ab heute teuer werden. Nachdem gestern einige deutsche online-Seiten meldeten, dass Nikka seine Produktpalette ab September umstellen wird, brach in unserem Land sofort der Hamster-Einkaufs-Hype los. Bei diversen online-Händlern waren innerhalb weniger Stunden Nikka-Whiskys mit Altersangabe komplett vergriffen.
 
Preissteigerung bei Nikka
Wer die Meldung bisher verschlafen hat, sollte sich schnellstens aufmachen: Nikka wird in den kommenden Wochen die noch bestehenden Bestände an Whiskys mit Altersangabe abverkaufen, doch sie werden nicht mehr neu aufgelegt und durch neue Abfüllungen ohne Altersangabe ersetzt.

Betroffen sind vor allem Yoichi 10, 12, 15 und 20 Jahre, Miyagiko 10, 12, und 15 Jahre, sowie Nikka Pure White, Tsuru 17 und Nikka Black 8 Jahre.

Nicht betroffen sind u.a. die "Coffey Grain" Serie, Super Nikka, Nikka from the Barrel sowie die Taketsuru-Reihe (NAS, 17, 21). Sie werden jedoch zukünftig deutlich teurer werden. Zudem soll im Herbst ein Taketsuru 25 years erscheinen.

Als Grund gab die japanische Brennerei an, dass ihre Vorräte an alten Whiskys derzeit schneller aufgebraucht werden als die neue Produktion nachreifen kann.

Wirklich überraschend kommt diese Meldung nicht. Schon seit geraumer Zeit klagen Brennereien weltweit, dass ihre Vorräte an alten Whiskys zusehends schrumpfen.

Die schottische Brennerei "The Macallan" war vor zwei Jahren die erste, die eine radikale Abkehr von Whiskys mit Altersangaben vollzog und dafür viel herbe Kritik einstecken musste.

Ob die neuen Abfüllungen von Nikka weiterhin die Fans begeistern können, bleibt abzuwarten. Es wird für die Japaner ein spannender Herbst.

Mehr Details finden sich bei nonjatta.com oder whiskycast.com

Dienstag, 16. Juni 2015

A Star is born: Kavalan Solist

Als im März diesen Jahres der "Kavalan Solist Vinho Barrique" zum besten Single Malt Whisky der Welt gewählt wurde, mussten Schottlands Brennereien viel Spott und auch Kritik ertragen. Die Asiaten haben diesen Triumph über die Altmeister gefeiert: im Frankfurter Club Zenzakan stieg vor ein paar Tagen eine grandiose Siegerparty. Selbst CEO und Junior-Chef Yu-Ting Lee sowie Master Blender Ian Chang waren zu diesem Anlass aus dem fernen Taiwan angereist. Und hatten einige Neuigkeiten mit im Gepäck.
 
 


Freitag, 5. Juni 2015

Ardbeg Perpetuum, Ardbeg 1815 und ein Ardbeg Day zum Jubilieren - auf dass es rauche ewiglich!

 
Mit Spannung wird jedes Jahr am letzten Samstag im Mai rund um den Globus die neue Sonderabfüllung von Ardbeg erwartet. Dabei waren die Erwartungen der Fans diesmal besonders hoch, denn die Brennerei an der Südküste der schottischen Insel Islay feierte gleichzeitig ihr 200jähriges Bestehen. Am traditionellen Ardbeg-Day Ende Mai wollte man endlich mal wieder einen richtigen Knaller im Glas haben. Der Knaller kam - doch anders als erwartet.


Dienstag, 3. Februar 2015

Neu im Februar:




Glenmorangie präsentiert zum Jahresbeginn die sechste Edition der limitierten “Private Edition”, Glenmorangie Tusail. Im Mittelpunkt steht diesmal ein seltenes Getreide. Die Wintergerste „Maris Otter“ ist eine seltene,  fast vergessene Gerstensorte Schottlands. Für Glenmorangie Tùsail“ wurde eine kleine Menge dieser Gerste traditionell gemälzt, die Reifung erfolgte anschließend in Ex-Bourbon-Fässern. Das Ergebnis sind laut Pressemitteilung  „rustikale, reiche Aromen von Nusskaramell, süßem Gerstenmalz, Ingwer, Zimt, Melasse und Datteln,ergänzt von typischen Glenmorangie-Noten wie Pfirsiche, Orangen und geräucherten Birnen.
Glenmorangie Tùsail wird mit 46%Vol. Alkohol abgefüllt, ist nicht kühlgefiltert  und wird ab dem 19. Februar 2015 für ca. 80 Euro erhältlich sein.  Detaillierte Verkostungsnotizen folgen noch. 

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Bacardi bringt in diesen Tagen einen Aultmore 25 auf den Markt.  Nach Aultmore 12 und Aultmore 21 ist es bereits die dritte Abfüllung aus der Reihe “The Last Great Malts“.  Während der letztgenannte dem Travel Retail vorbehalten ist, werden der 12jährige sowie der 25jährige Aultmore zusätzlich auch in Kanada, Frankreich, Deutschland, Japan, Russland, Schweden, Taiwan, Großbritannien, den und den USA im Fachhandel erhältlich sein.
Abgefüllt wurde  jeweils mit 46%. Der Ausgabepreis liegt derzeit bei etwa 300 GBP.
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Woodford Reserve Rye ist die neueste Kreation aus der traditionsreichen Brennerei in Kentucky. Master Distiller Chris Morris verwendete eine Rezeptur mit 55% Roggen, um die natürlichen, würzigen Aromen des klassischen Woodford Reserve zu betonen.
Dieser 7-8 Jahre alte Kentucky Straight Rye wird mit 45.2% Vol. Alkohol abgefüllt und ist vorerst nur auf dem amerikanischen Markt erhältlich.
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Aus der irischen Brennerei Cooley stammt der Kilbeggan 21. Der 21 Jahre alte Blended Pot Still Whisky reifte in ehemaligen Bourbon-, Port-, Madeira-, und Sherry-Fässern heran.
Abgefüllt wurde er mit 40%Vol., der Vertrieb erfolg über Beam-Suntory. Der Preis liegt bei etwa 100 Euro.
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Die Glasgow Distilling  Company kündigte im Januar eine  limitierten Serie von sehr alten  „Super-Premium-Whiskies“ an, die der griechischen Mythologie gewidmet sind. Den Auftakt macht „Prometheus“, ein 26 Jahre alter Speyside Single Malt, dessen genaue Herkunft nicht verraten wird. Sein Kennzeichen sind rauchige Aromen von getorftem Malz und florale Noten wie sie typisch sind für die Region. Liam Hughes, CEO der Glasgow Distillery Company, sagte dazu: “Prometheus 26 Year Old ist eine fantastische Erweiterung unseres Portfolios. Wir haben das Große Glück gehabt, solche besonderen Fässer erwerben zu können. Wir werden eine kleine Menge Anfang des Jahres 2015 herausbringen und den Rest zurückhalten und noch etwas weiter reifen lassen“. Offizielle Deutschland-Premiere wird während der Hanse-Spirit Hamburg sein. Abgefüllt wird mit 47%, die Preisempfehlung liegt bei ca. 480,-- Euro. 
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Gleich zwei neue Abfüllungen wird es bei Springbank geben: Der Springbank 17  Sherry Wood wird mit 52.3% abgefüllt. Die Ausgabe ist auf  9120 Flaschen limitiert. Der 12jährige Cask Strength Batch #10 ist mit 53.2% abgefüllt und in Sherry Casks und Bourbon Casks gelagert worden.

Sonntag, 1. Februar 2015

Whisky-Women: Das Tagebuch der Agnes Heatley Robertson


Die schottische Whisky-Geschichte ist oft die Geschichte von Männern. Heldenhaft, heroisch, mutig, ehrlich, weitsichtig, visionär. Die Geschichten von Frauen muss man hingegen meist erst mühsam suchen. 

Diese Geschichte handelt von Agnes Heatley Robertson. Wäre sie ein Mann gewesen, sie hätte gewiß viel erreicht. Doch 1859 sind für Frauen die meisten Türen noch verschlossen.  


Foto: MargareteMarie
Agnes heiratet den Wein- und Spirituosenhändler William Alexander Robertson. Frauen sollen damals ihre Unsterblichkeit in der Familie finden.  Ihre Enkelinnen werden einen anderen Weg gehen: sie gründen viele Jahrzehnte später die berühmte Firma Edrington.


Donnerstag, 29. Januar 2015

Tasting Notes: Ein Hauch von Rauch. Glen Keith, 21.

Glen Keith wurde erst 1958 gegründet, doch von 1999 bis 2013 ruhte die Produktion. 

Vor zwei Jahren wurde die Speyside-Brennerei  im Besitz von Chivas Brothers Ltd. wieder eröffnet. Unabhängige Abfüllungen tauchen seither immer wieder auf.

Diesen 21 Jahre alten Glen Keith habe ich vor einiger Zeit  bei Wajos gefunden. Und dabei eine Besonderheit entdeckt...

 



Mittwoch, 28. Januar 2015

The Macallan: Whisky zwischen Kunst, Kultur und Kommerz. Letzter Teil.

Innerhalb weniger Jahre hat die schottische Edrington Group den Single Malt von  The Macallan mit spektakulären  Marketing-Kampagnen zu einer Luxus-Marke ausgebaut, die vor allem auf  den asiatischen und nordamerikanischen Märkten großartige Erfolge feiert.

Gleichzeitig hat sich der Konzern von einer kleinen, familiengeführten Firma zu einem selbstbewußten, mächtigen Global Player entwickelt. 

Die Fans in Deutschland sehen die Entwicklung eher mit Sorge. Wie soll es weitergehen mit der Vorzeige-Brennerei in der schottischen Speyside?
 
"ice-ball maker"    Foto: MargareteMarie


Montag, 26. Januar 2015

The Macallan. Whisky zwischen Kunst, Kultur und Kommerz. Teil III

Teure Flaschen. Schicke Labels. Hippe Events. Wenn The Macallan eine neue Abfüllung auf den Markt bringt, rauscht und raunt es gewaltig in der Whisky-Szene. Und überschwängliche Begeisterung prallt auf bösen Spott und harte Kritik.

Keine andere Brennerei hat so radikal die Wandlung zur Luxus-Marke vollzogen wie The Macallan. 

Der Blick auf den Kern des Unternehmens bleibt jedoch für die meisten verborgen. Denn die Entscheidungsträger agieren meist fernab vom Rampenlicht.


Samstag, 24. Januar 2015

The Macallan: Whisky zwischen Kunst, Kultur und Kommerz. Teil II.

The Macallan ist in vielerlei Hinsicht eine Ausnahme-Erscheinung, und die Marketing-Abteilung der Brennerei wirft lautstark mit allerlei Superlativen um sich. 

Die kleinsten Brennblasen. Die besten Rohstoffe. Die teuersten Fässer. Die schönsten Flaschen. Die höchsten Preise.

Doch der Weg an die Spitze war lang und nicht immer  einfach.

Teil II
 
Farb-Lehre bei  Macallan.      Bild: margaretemarie