Samstag, 13. September 2014

Nachreifung im "Schnellen Brüter": Mortlach 1989 Octave, Duncan Taylor, PE

Die schottische Whisky Association (SWA) wacht sehr streng darüber, was mit Schottischem Whisky erlaubt ist, und was nicht. So ist es beispielsweise nicht zulässig, Single Malt mit fremden  Aromen anzureichern. 

Das mag auf den ersten Blick einfach erscheinen, doch ist die Grenze zwischen Erlaubt und Unzulässig nicht immer einfach zu ziehen. Denn ein Großteil der Aromen im Whisky entsteht durch das Holzfass, in dem das Destillat gelagert wird. 

Mit anderen Worten: Holz hat einen gewaltigen Einfluss auf den Geschmack von Whisky, und steuert strenggenommen "fremde" Aromen bei. Doch wieviel Holz ist im Whisky eigentlich erlaubt?
 

Traditionell wird schottischer Whisky in gebrauchten Fässern aus Eichenholz gelagert. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Die Zugabe von frischen, getoasteten Holzstücken oder Holzlatten, um den Geschmack zu verbessern, ist in Amerika erlaubt, und wird beispielsweise bei Maker's Mark 46 angewandt. In Schottland hingegen ist dies unzulässig. Die Firma Compass Box, die vor einigen Jahren bei einem ihrer Blended Malts  diese Methode anwandte, geriet in Konflikt mit der SWA und musste besagten Whisky vom Markt nehmen.

Nicht verboten ist jedoch das Umfüllen von Whisky in andere Fässer oder das Austauschen von Fassdeckeln, um dem Whisky noch einen zusätzlichen Aroma-Kick zu geben. Denn diese Methode wurde auch früher oft angewandt, wenn ein Fass undicht wurde oder die Deckel zerbrochen waren.

Die ersten Brennereien, die die Methode des Umfüllens gezielt zur Veränderung des Geschmacks einsetzten, waren vor mehr als 20 Jahren Glenmorangie und The Balvenie. Heute wird dieses Verfahren von fast allen Brennereien eingesetzt, und auch einige unabhängige Abfüller bedienen sich dieser Methode.

Fast schon Klassiker auf dem Gebiet des Wood-Finishing, also der Nachreifung in einem anderen Fass, sind neben den 12jährigen Abfüllungen von Glenmorangie auch der Auchentoshan Three Wood, die Distillers Edition bei den Classic Malts of Scotland  oder der Laphroaig Quarter Cask. 

Foto: MargareteMarie

Auch der unabhängige Abfüller Duncan Taylor hat vor einigen Jahren eine eigene Serie herausgebracht, bei der Single Malt und Grain Whiskys eine solche Nachreifung in einem zweiten Fass erhalten. Die Besonderheit hierbei: es handelt sich dabei um eine sogenannte Octave, also ein sehr  kleines Fass, das zuvor mit Sherry befüllt war.

Je kleiner das Fass, desto größer der Kontakt des Holzes mit seinem flüssigen Inhalt. Der Reifeprozess läuft folglich in einer kleinen Octave sehr viel schneller ab als in einem achtmal so großen "Sherry Butt", das etwa 500 Liter fasst.

Bei den Verbrauchern ist die Methode nicht unumstritten. Für viele Single Malt Fans stellen Wood Finishes eine zusätzliche Veredelung dar, die den Whisky deutlich aufwerten kann. Für echte Puristen hingegen bedeuten sie ein "nachträgliches" Verändern des ursprünglichen Geschmacks, eine Art "Schminke", mit der das eigentliche Produkt nur übertüncht wird.

Ein Wood-Finish ist tatsächlich nicht ganz unproblematisch, es muss zum Whisky passen und erfordert viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Und nicht immer ist das Ergebnis wirklich eine Bereicherung. Die hohe Kunst des guten Make-up will halt gelernt sein.

Eine liebe Seele aus Wien hat mir kürzlich ein Sample des Mortlach 1989 Octave zukommen lassen. Zusammen mit Peter, dem ich so manche Rarität zu verdanken habe (wie etwa den Mosstowie), habe ich ihn vor ein paar Tagen verkostet.  Wie hat uns also der alte Mortlach mit einem Finish aus dem "Schnellen Brüter" geschmeckt? Hier unsere Tasting Notes:

Foto: margaretemarie

Mortlach 1989, Duncan Taylor Octave, Fass Nr. 794088, 53.4%, Potstill Edition,  62 Flaschen.



Farbe:

sattes goldgelb

Aroma:

Schon der erste Eindruck ist zwiespältig. Einerseits wunderbare Süße und Honignoten, die jedoch durchwoben sind von dunkleren Gerüchen nach altem Schrank und Omas Speisekammer. Mal sind die hellen Düfte oben, mal die dunkleren, mal treten die jungen Aromen nach vorne, mal wirkt er abgestanden und alt. Reife Birnen, Rosinen und Vanille wechseln sich ab mit muffiger Erde, Waldpilzen, Essiggurken und Gewürzpotpourri. Es ist ein Wellengang der Aromen, wir fahren regelrecht Achterbahn. Darüber hinaus ist es ein typischer Mortlach, schwer und ölig.

Geschmack:

Die süßen Fruchtnoten sind jetzt völlig verschwunden, was bleibt, ist die dunkle Seite. Sehr ölig, würzig, eher bitter, ein bißchen Grapefruit, keine Spur mehr von einer "Birne Helene", stattdessen grüne Blätter, und die Zunge trocknet aus. Am Ende nur noch  Ohrenschmalz und alter Lappen. Schokolade schmeckt anders. Und dann, nach einer kurzen Weile, fließt der Speichel wieder, doch ein Hallelujah ist es nicht.

Nachklang:

Er bleibt dunkel auf der Zunge liegen,  in der Kehle kommt schon nichts mehr an.

MargareteMarie meint:

Der Mortlach 1989 Octave lässt uns etwas ratlos zurück. Die Aromen im Glas gleichen einer wilden Achterbahnfahrt, als könne er sich nicht entscheiden, wohin er denn nun will. Vielleicht haben sich das junge und das alte Fass auch nicht so ganz vertragen.
Die Zugabe von Wasser lässt ihn frischer und fruchtiger wirken und betont die süßere Seite, Holz und Karamell treten stärker zutage.

Auf der Zunge zeigt sich die ganze ölige Schwere des Alters, aber ehrlich gesagt, hätte er für mich etwas früher aus dem Fass gedurft.

Für Mortlach-Fans ein Muss. Für alle anderen eine interessante Option.

Punkte: 7.8 (von 10)

Donnerstag, 11. September 2014

Whisky-Blogger: Stefan Völkner (Whisky-Journal)

Whisky-Blogs gibt es viele, aber nur wenige schaffen es auf meine regelmäßige Blog-Lese-Liste. Whisky-Journal ist einer davon. 

Neben den Tasting-Notes lohnt sich hier vor allem ein Blick in die umfangreichen Datenbanken zu den verschiedenen Brennereien. Nicht nur solche wenig bekannten Destillerien wie Moffat oder Mosstowie finden sich hier verzeichnet. Auch über dänische, schwedische oder südafrikanische Brennereien gibt die Seite einen schnellen und aktuellen Überblick. 

Richtig beeindruckt bin ich aber immer wieder von der Liste seiner eigenen Sammlung. 1.022 Einträge sind derzeit zu sehen. Da kann ich nur sagen: Slainte, Stefan!

Montag, 8. September 2014

Small Batch, Big Business und die Suche nach der Zeit. Oder: warum wir Ardbeg so lieben.

Kaum ist die Sommerzeit vorbei, erfreuen uns die Whisky-Produzenten wieder mit besonderen Abfüllungen. 

Small Batch, Limited Release, Single Cask, Distillery Only - die Abfüllungen mit Sammel-Potential kommen schneller, als wir trinken können. 
 
Zeitlose Momente  des Glücks.     Foto: margaretemarie.
Und so taumeln wir glückselig von einer Whisky-Verkostung  zur nächsten, immer auf der Suche nach dem besonderen Schluck, nach dem ultimativen Dram. Dabei  könnte das Leben für uns doch viel gemütlicher, viel stressfreier sein.

Tasting Notes: Ardbeg Auriverdes


Ardbeg Auriverdes, 49.9%


Ardbeg Auriverdes wurde in Fässern aus amerikanischer Eiche gereift, die mit speziell angerösteten, eigens für diese Whiskykreation gefertigten Fassdeckeln ausgestattet wurden. Das Zusammenspiel dieser beiden unterschiedlichen Holztypen verleiht dem Whisky ein ganz besonderes, doppeltes Aroma-Profil.

Farbe: 

helles gold

Aroma:

Die Rauchnote ist überraschend dezent, aber Holzduft stömt unverkennbar entgegen, harmonisch verbunden mit dem Aroma von gekochtem Obst  und süßer Vanille-Soße.  Bilder entstehen im Kopf von einer alten Schreinerei an einem sonnigen Morgen im Frühsommer, die Maschinen laufen schon, die Sonne scheint, und frische Hobelspäne fliegen durch die Luft. Von draußen ziehen Duftschwaden von frisch gebackenem Stachelbeerkuchen durch das offene Fenster herein. Leichtigkeit erfasst uns, die kalten Stürme sind vorbei, es ist Frühsommer, und wir freuen uns auf die warmen Tage.

Geschmack:

Überraschend süß, überraschend mild, aber mit einem starken Antritt und sehr viel dunkler und würziger als erwartet. Die Obstaromen sind verschwunden, stattdessen finden sich Mokka, Schokolade, Holz-  und Ledernoten. Ausgewogen, rund und harmonisch.  Warm und  ölig bleibt  er lange auf der Zunge liegen. Trotz seiner 49.9% beißt er nicht im geringsten, weder in der Nase noch auf der Zunge. Ein unglaublich eleganter Ardbeg.

Nachklang:

Warm und sanft gleitet er die Kehle hinab, langsam und sehr sehr lang. Ein wunderbares Finish!



MargareteMarie meint:


Ardbeg hat in diesem Jahr gleich zwei Sonderabfüllungen herausgebracht. Supernova überrascht durch unglaublich viel Rauch. Auriverdes überrascht durch sehr wenig Rauch und Eleganz. Wer sich bisher nicht an die Torfmonster herangewagt hat, wird hier einen wunderbaren Einstieg finden. Auriverdes ist einer der mildesten, sanftesten Ardbeg, die ich kenne, aber keineswegs schwach. Trotz seiner jugendlichen Frische und Leichtigkeit ist er intensiv, vielschichtig  und sehr elegant.

Die ideale Jahreszeit, um seine Flasche zu öffnen, ist von Mai bis Juni. Der Auriverdes ist nichts für frostige Wintertage. Er schmeckt am besten an einem warmen Frühsommertag.

Punkte: 8.5 (von 10)


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Ardbeg Day 2014: Interview mit Bryony MacIntyre

Und hier  noch ein Video mit ganz viele Foto-Impressionen und das Interview mit Bryony MacIntyre zum neuen Ardbeg Auriverdes.


Samstag, 6. September 2014

Bourbon and Rye. Whiskey im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Über Amerikanischen Whiskey zu schreiben ist weitaus schwieriger als ihn zu trinken. Die Fallgruben, in die man als Blogger geraten kann, sind heimtückisch. 

Schuld daran sind die fantasievollen Angaben auf den Flaschenetiketten, die oft genauso wenig mit der Realität zu tun haben wie die Geschichten, die dazu erzählt werden. 
 
Roggen, Gerste, Mais.              Foto: margaretemarie

Mittwoch, 3. September 2014

Whiskygedanken: Über Jäger und Sammler

Bowmore Devil's Casks, Balvenie Tun 1401,  Ardbeg Supernova - so unterschiedlich diese Whiskys auch sein mögen, sie haben alle etwas gemeinsam: Sie lassen das Herz der Fans höher schlagen, sie sind heiß begehrt, nur schwer zu bekommen und verschwinden zum großen Teil in den Vitrinen von Whisky-Sammlern.

Sehr zum Leidwesen all jener, die sie gerne trinken würden und den Sammlern die Schuld an den astronomischen Preisen geben, die oft  für diese Abfüllungen bezahlt werden müssen. Wer in Whisky-Kreisen öffentlich zugibt, dass er eine Flasche nicht zum trinken, sondern zum Sammeln erworben hat, muss mit Zorn und Häme rechnen, wird als Kapital-Maximierer und Preis-Zerstörer beschimpft.  
 
Bekennender Sammler: Bernhard Rems.    Foto: MargareteMarie

Doch ist es wirklich so verwerflich, wenn man Whisky nicht nur trinkt, sondern auch sammelt? Bernhard Rems von den Whisky Experts wagt als Gastschreiber heute ein „Coming-out“ und bricht eine Lanze für die oft Geschmähten. 

Sonntag, 31. August 2014

Whisky-Blogger: Marcus Whiskycuse Weber

Auf meinen Entdeckungsreisen durch die wundersame weite Whiskywelt habe ich viele tolle Whiskys entdeckt. Aber vor allem habe ich viele, viele tolle Menschen kennengelernt, die meine Begeisterung für das schottische Lebenswasser teilen. 

Ein guter Freund ist mir dabei Marcus geworden, den ich sozusagen seit den Kindertagen meines Blogs kenne. Marcus ist ein echter Malt Maniac. Meine erste Begegnung mit ihm in seiner Berliner Wohnung gehört bis heute zu den Sternstunden in meinem Blogger-Dasein und zu meinen schönsten Erinnerungen.
 
Marcus Whiskycuse. Foto: margaretemarie

Freitag, 29. August 2014

Tasting Notes: Ardbeg Supernova kehrt zurück

Vor drei Jahren wurde eine kleine Ampulle mit Whisky aus der schottischen Islay-Brennerei Ardbeg ins Weltall geschossen. Am 12. September 2014 kehrt sie zur Erde zurück. 

Um dieses spacige Ereignis  würdig feiern zu können, wird Ardbeg am gleichen Tag auch eine limitierte Auflage seines besonders rauchigen Whiskys auf den Markt bringen: 

Die Supernova kehrt  zurück.
 
Foto: Pressebild

Mittwoch, 27. August 2014

„Verkosten wie die Profis“. Neuer Spirituosen-Wettbewerb für Verbraucher


Welcher Whisky-Freund hat noch nicht davon geträumt: einmal an einem Spirituosen-Wettbewerb teilnehmen, unzählige Whiskys verkosten, und am Ende dann die Spreu vom Weizen trennen und die besten der besten finden! Für viele Whisky-Freunde könnte dieser Traum jetzt in Erfüllung gehen.

Im September und Oktober wird erstmalig in Deutschland der C2C SpiritsCup, ein reiner Verbraucher-Wettbewerb stattfinden, bei dem nicht die „Profis“, sondern die Konsumenten aufgefordert sind, den besten Whisky zu finden und zu prämieren.
 
Aus der Taufe gehoben hat diesen neuartigen Wettbewerb Julia Nourney, Spirituosen-Expertin und selbst seit vielen Jahren Jury-Mitglied bei unzähligen Wettbewerben im In- und Ausland. Vor ein paar Tagen habe ich die erfahrende Fachfrau in ihrem Zuhause in Oberursel besucht und mit ihr über dieses neue Projekt gesprochen: