Sonntag, 31. August 2014

Whisky-Blogger: Marcus Whiskycuse Weber

Auf meinen Entdeckungsreisen durch die wundersame weite Whiskywelt habe ich viele tolle Whiskys entdeckt. Aber vor allem habe ich viele, viele tolle Menschen kennengelernt, die meine Begeisterung für das schottische Lebenswasser teilen. 

Ein guter Freund ist mir dabei Marcus geworden, den ich sozusagen seit den Kindertagen meines Blogs kenne. Marcus ist ein echter Malt Maniac. Meine erste Begegnung mit ihm in seiner Berliner Wohnung gehört bis heute zu den Sternstunden in meinem Blogger-Dasein und zu meinen schönsten Erinnerungen.
 
Marcus Whiskycuse. Foto: margaretemarie


Wenn Marcus über Whisky redet, kann man sich seinem Enthusiasmus kaum entziehen. Denn Marcus kann einen Whisky in den schönsten Farben beschreiben. Und immer so, dass man am Ende genau weiß, ob er schmeckt,  wie er schmeckt, und warum er schmeckt. 

Ich war vom ersten Augenblick an begeistert von seinem Fachwissen, seiner Präzision, seiner Detail-Genauigkeit  und seiner schier unerschöpflichen Freude am Whisky. Und unser erster gemeinsamer Abend ist sehr sehr lang geworden. Seine Frau hat damals wirkliche Größe gezeigt und einen erstaunlichen Langmut bewiesen. Danke, Katja!

Foto: margaretemarie

Noch heute denke ich mit großem Vergnügen an das unglaubliche Line-up zurück, das Marcus damals aufgebaut hatte. Ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits einiges über Whisky gewusst, und auch schon viele getrunken. Aber mit seinen alten Whiskys, die er bei Auktionen ersteigert, hat Marcus damals eine ganz neue Tür für mich geöffnet. Wenn ich also wichtige Bausteine in meiner Blogger-Karriere nennen sollte, so würde Marcus einen der vordersten Plätze belegen.

Deshalb möchte ich ihn heute in meinem Blog auch vorstellen: Marcus Weber, im Netz bekannt als Whiskycuse. 

Name:                                Marcus Weber
Beruf:                                Gesundheits- und Krankenpfleger
Whisky-Fan seit:                 Ende der 90er Jahre
Whisky-Blogger seit:         April 2012
Blogname:                        Whiskycuse


Foto: margaretemarie

MM:      Wie und wann hat deine Leidenschaft für Whisky begonnen?

Marcus: Ich muß gestehen, ich weiß nicht mehr wie ich in den Besitz einer Ausgabe von Dave Brooms “Das Whisk(e)y-Handbuch” kam…aber beim Durchstöbern blieb ich immer wieder auf der Seite hängen, wo die Destillerie Cragganmore besprochen wurde und der 12 yo mehr als gut bewertet wurde.

Ehrlich gesagt gefiel mir das Etikett der Flasche von Anfang an so gut, dass ich mir einfach kurzentschlossen eine davon kaufte. Das war 1999 und die ersten Schlucke mußte ich mir schon ziemlich runterquälen, da ich am Anfang mit der Herbheit und Trockenheit dieses Malts nicht wirklich zurecht kam. Da mir aber wie gesagt das Etikett so gut gefiel, blieb ich dabei und lernte mit der Zeit diesen wirklich einzigartigen Malt zu schätzen.

Ich glaube im Jahr 2001 war ich dann auf einer Whiskymesse, wo ich viele Malts probieren und so einen Einblick in die verschiedensten Stilrichtungen bekommen konnte. Fruchtige, rauchige, nach geräuchertem Schinken riechende, süße, alles war dabei und machte mich neugierig auf mehr. Und wie das so mit der Neugierde ist, die will befriedigt werden, weshalb ich von da ab gezielt nach neuen Whiskys suchte, und sie auch fand.

Foto: margaretemarie

MM:      Was hat dich veranlasst, über Whisky zu bloggen?

Marcus: Ich war vor meiner Zeit als Whiskyblogger in einem Kaffee-Forum sehr aktiv. Dort gab es ein Off-Topic Thread zum Thema Whisky. Da war ziemlich viel los, und ich fing an die Whiskys zu beschreiben, die ich zu Hause probiert habe. Irgendwann fragte mich ein Mitschreiber (herzliche Grüße und vielen Dank bei der Gelegenheit an den Yeti), ob ich nicht eine eigene Seite zu dem Thema machen wollte. Und das hab ich dann kurz darauf getan.

MM:      Was waren bisher die wichtigsten Bausteine in deiner Blogger-Karriere?

Marcus: Als erstes natürlich der Impuls es überhaupt zu tun, aber dazu hatte ich ja in der Frage davor schon etwas geschrieben. Dann gibt es einen Menschen, der mich meine gesamte Whisky-Karriere schon begleitet und mir auch immer wieder kreatives Feedback zu meinem Blog gegeben hat. Markus Rosanowski, Inhaber des Whisky-Kabinetts in Steglitz, ist ein Whiskyenthusiast, der ein so umfangreiches Wissen und praktische Erfahrung mit Whisky hat, wie kaum ein anderer, den ich bisher kennen gelernt habe.

Von ihm habe ich einen Großteil meines Wissens über Whisky, und bei ihm habe ich auch immer wieder die Möglichkeit bekommen, Abfüllungen aus der alten Zeit zu probieren und sie dann entsprechend im Blog zu beschreiben. Mittlerweile sind wir gute Freunde geworden, und so ist er sicher der größte Baustein in meiner Whiskyblogger-Karriere.

Davon abgesehen erhielt ich aber auch von vielen anderen Whiskyfans immer wieder Samples, die das Anwachsen des Blogs erst möglich gemacht haben. Ohne diesen Baustein wäre ich noch lange nicht soweit.Und zu guter letzt ist es sicher auch meiner eigenen Begeisterungsfähigkeit für das Thema und der Lust am Schreiben geschuldet, dass der Blog so angewachsen ist.

Foto: margaretemarie

MM:    Woher beziehst du für deinen Blog die Informationen?

Marcus: Nun, hauptsächlich aus dem Glas, die Whiskys sprechen für sich. Ansonsten bin ich aber stetig mit sehr erfahrenen Whiskyliebhabern im Kontakt, da lernt man immer etwas. Davon abgesehen lese ich in Büchern und im Internet sehr viel darüber.

MM:      Gibt es ein besonderes positives oder negatives Erlebnis, das du mit Bloggen oder Whisky verbindest?

Marcus: Die Kontakte, die im Laufe der Zeit zustande gekommen sind, und natürlich positives Feedback und die Kommentare auf meine Verkostungen sind (neben dem Getränk ansich) das schönste an der ganzen Sache. Das einzig negative Erlebnis, das ich mit Whisky verbinde ist, wenn das Tasting etwas zu lange gedauert hat und mir am nächsten Tag der Schädel brummt. Zum Glück passiert das nicht allzu oft.

MM:      Hast du besondere Vorlieben beim Whisky-Trinken? Ein besonderes Glas? Ein besonderer Platz oder eine bestimmte Zeit?

Marcus: Am liebsten genieße ich Whisky in Gesellschaft mit Gleichgesinnten, mit denen man sich dann auch wunderbar austauschen kann. Gemütlich sollte es sein, und ich brauche ein Glas mit Stiel, denn ich kann es absolut nicht ausstehen den Kelch zu berühren. Fingerabdrücke am Kelch, das geht für mich überhaupt nicht. Deshalb mag ich die Glencairn Gläser auch nicht so. Ich benutze die Spiegelau Snifter am liebsten.

MM:      Wie viele Whiskys hast du bis heute schätzungsweise verkostet?

Marcus: Im Blog sind es nun über 500, die ich beschrieben habe. Wenn ich die mitzähle, die ich auf Messen und bei Tastings probiert habe, dann werden es schätzungsweise um die 800 Whiskys im Gesamten sein.

Foto: margaretemarie

MM:      Wie bewertest du die rasanten Veränderungen, die wir derzeit in der Whisky-Industrie beobachten können?

Marcus: Es ist etwas schwierig da den Überblick zu behalten, wenn ich sehe, mit wievielen Abfüllungen der Markt zur Zeit überschwemmt wird, weil Whisky heute cool und in ist.  Die Mode, aus Whisky ein Marketingspektakel zu machen, finde ich persönlich abstoßend, und es lenkt mich zu sehr vom eigentlich wichtigen ab: dem Inhalt der Flasche.

Dieser ist heutzutage in der Regel zwar von recht hoher Qualität, wie ich finde, und doch fehlt mir immer wieder (besonders bei Standard-Originalabfüllungen) der individuelle Charakter, das unverwechselbare, was einen für den Whisky wirklich schwärmen lässt. Wer nach dem auf der Suche ist, der wird nicht drum herum kommen, sich mit Flaschen aus der alten Zeit (Abfüllungen aus den 1970 und 1980-er Jahren) zu beschäftigen, oder zu aktuellen Einzelfass-Abfüllungen (besonders von unabhängigen Abfüllern) zu wechseln, wo man so etwas noch finden kann.

Das Leben und die Bewegung im Whiskymarkt, die wachsende Szene finde ich ansich ansprechend, doch Whisky sollte getrunken und nicht gesammelt werden, weil sich die Flasche so schön im Regal neben den anderen macht. Dafür sind Gemälde oder Skulpturen da. Ich habe manchmal den Eindruck, dass es für einige wichtiger ist eine vollständige Sammlung von irgendwelchen Gottheiten zu besitzen, als einfach einen sehr guten Whisky.

Dieses "Verkulten", den in diese Richtung explodierten Markt finde ich daher etwas befremdlich, den Hype um besonders gestaltete Flaschen, Verpackungen oder Holzständer etwas am Thema vorbei. Das ist nichts für mich. Ich benötige nur eine Standard Liquor Bottle mit einem guten Whisky darin und ein Glas.

Und brauche ich ein Age Statement auf der Flasche? Nicht unbedingt, der Uigeadail beispielsweise ist für mich einer der besten Standards der heutigen Zeit. Solange der Inhalt stimmt, ist mir das egal. Und alter Whisky ist auch nur dann gut, wenn er seine Zeit in einem guten Fass verbracht hat, und ich weiß  nicht, ob es noch genügend davon gibt (das betrifft besonders die Sherryfässer), um den enormen Whiskybedarf unserer Zeit mit charaktervollem Stoff  zu decken.

Foto: margaretemarie

MM:      Glaubst du, dass Whisky-Blogger einen nachhaltigen Einfluss auf die Whisky-Branche nehmen können?

Marcus: Mit Sicherheit, je mehr es davon gibt, umso besser. Nur sollte die Qualität des gebloggten ein gewisses Niveau haben, und eine gewisse Unabhängigkeit darf nicht fehlen. Und da hoffe ich, dass die Whiskyindustrie mit verschickten Freisamples oder riesigen Pressetastings nicht zu viel Einfluss auf die Blogger nimmt.

MM:  Besitzt du eine Whisky-Sammlung?

Marcus: Nein, lediglich einen kleinen Privatvorrat, der mich hoffentlich auch die nächsten Jahre zuverlässig mit Whisky versorgt. Ich lege mir dabei immer ein bis zwei Flaschen von dem zurück, was mir bei meinen Blogbeschreibungen besonders gut gefallen hat. Dabei ist es mir auch völlig egal, welche Destille es gerade ist, hauptsache der Whisky berührt mich am Gaumen, der Nase und der Seele. Und gerade das letzte wird nicht immer berührt, das schaffen nur wenige. Und diese versuche ich mir dann zurückzulegen.

MM:  Wie haben Familie und Freunde auf deine Leidenschaft für Whisky reagiert?

Marcus: Von Begeisterung bis hin zur Angst, ich könnte Alkoholiker werden. Da war von allem etwas dabei.

MM:  Was können wir bezüglich Whisky demnächst und in Zukunft noch von dir erwarten?

Marcus: Sofern mir nicht die Samples ausgehen, noch eine Menge Tasting Notes.

Foto: margaretemarie

MM: Marcus, vielen Dank für dieses Interview. Ich freu mich schon auf die nächsten 500 Tasting Notes von Dir!

Die Verkostungsnotizen zu den abgebildeten Whiskys findet ihr natürlich in seinem Blog: www.whiskycuse.wordpress.com

Freitag, 29. August 2014

Ardbeg Supernova kehrt zurück

Vor drei Jahren wurde eine kleine Ampulle mit Whisky aus der schottischen Islay-Brennerei Ardbeg ins Weltall geschossen. Am 12. September 2014 kehrt sie zur Erde zurück. 

Um dieses spacige Ereignis  würdig feiern zu können, wird Ardbeg am gleichen Tag auch eine limitierte Auflage seines besonders rauchigen Whiskys auf den Markt bringen: 

Die Supernova kehrt  zurück.
 
Foto: Pressebild
Selbst der britischen BBC war die Rückkehr des Space-Whiskys eine Meldung auf ihrer Website am heutigen Freitag wert. Einen Whisky im Weltall gab es schließlich noch nie. Naja, jedenfalls nicht offiziell. Was die Kosmonauten so heimlich alles an Bord schmuggeln, ist ja wieder eine ganz andere Geschichte...

Die Details sind jedenfalls sehr interessant: Eintausendfünfundvierzig Tage lang hat die speziell für diesen Zweck geschaffene Probe, die mit Eichenholzpartikeln versetzt wurde, auf der Raumstation ISS die Erde umkreist. Eine weitere Whisky-Ampulle, ebenfalls mit Eichenholzpartikeln versetzt, wurde im Warehouse No 3 der Brennerei auf der schottischen Insel Islay gelagert.

Am 12. September werden beide Proben nach Houston, Texas, gebracht. Dort wird in den Labors des Forschungsunternehmen NanoRacks LLC die Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf den Reifeprozess von Whisky untersucht.

Dr. Bill Lumsden, Ardbeg.      Foto: MargareteMarie

Geleitet wird das Projekt auf schottischer Seite von Dr. Bill Lumsden, Head of Distilling and Whisky-Creation bei Ardbeg. Im kommenden Jahr wird der Abschlussbericht erwartet, an den Dr. Lumsden offensichtlich große Erwartungen verknüpft. Seine Aussage in der Pressemitteilung liest sich jedenfalls beeindruckend:

"Ardbeg ist bekannt dafür, bei der Entwicklung seiner Whiskys keine Risiken zu scheuen. Folgerichtig ist Ardbeg auch der erste Whisky im All. Wir stehen kurz vor Abschluss der Mission und werden bald einige höchst interessante Fragen zur Whiskyreifung in der Schwerelosigkeit beantworten können. Dies ist zwar ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer für die Whiskyforschung. Unser Team hofft, herauszufinden, wie sich die Geschmacksnuancen unter unterschiedlichen Gravitationsbedingungen entwickeln. Die Ergebnisse können den Reifungsprozess für Whisky von Grund auf revolutionieren."

Wer den schottischen Humor kennt, wird an dieser Stelle wohl kaum ein Schmunzeln unterdrücken können. Ob wir in Zukunft tatsächlich mit Whisky rechnen dürfen, der unter Weltraumbedingungen heranreifte, sei mal dahingestellt. Auch wenn die Ergebnisse durchaus spannend sein können, so sollte man bei Ardbeg nie den Spaß aus den Augen verlieren;-)

Damit kein Missverständnis aufkommt: die neue Sonderabfüllung hat den Weltraum nie gesehen, ebenso wenig wie vor drei Jahren der "Galileo", dessen Markteinführung den Beginn des Experimentes markierte.

Es ist bereits das dritte Mal, dass Ardbeg eine extrem rauchige Ausgabe herausbringt. 2009 wurde zum ersten Mal eine "Supernova" abgefüllt, 2010 folgte der Nachfolger mit gleichem Namen. Der Phenolgehalt wurde damals mit über 100 ppm angegeben. Und auch die neue Supernova dürfte sich wieder in diesen hohen Phenol-Bereichen bewegen.

Mit Whisky-Bloggerin Petra von MeinWhisky habe ich gestern parallel bei Facebook die neue Supernova unter ganz irdischen Bedingungen verkostet, und wir haben sehr viel Spaß dabei gehabt. Für all die Leser, die uns bei Facebook nicht folgen können oder wollen, gibt es hier die ausfühlichen Verkostungsnotizen:
Foto: Pressebild
Ardbeg Supernova. Committee Release 2014.  Nicht kühlfiltriert. 55%, 50ml

Farbe:

Sattes Weizengelb.

Aroma:

Frisch, fruchtig, rauchig. Oder auch in umgekehrter Reihenfolge. Der Rauch ist stark, aber er schlägt nicht alles andere tot. Vanille, Zitrus, Minze, wunderbar eingebunden in den Geruch von warmer Asche. Dezente Süße. Allmählich wird er dunkler im Gerucht,  kräftiger, malzig, aber immer noch spritzig. Ananas und  gelbes Obst aus der Dose. Schließlich  treten salzige, erdige Noten hervor.

Die Pressemitteilung spricht von Feuerstein und Granit. Und tatsächlich erinnert er an das Straßenplaster in meinem Heimatort an einem heißen, staubigen Nachmittag und an den frischen Lehm aus dem Töpferkurs vor vielen Jahren.

Bei 55% verträgt er durchaus etwas Zugabe von Wasser, und plötzlich fühlt man sich an die Küste versetzt, eine frische Brise salziger Meeresluft weht einem um die Nase, er wird schärfer.

Geschmack:

Viel Kraft. Typisch Ardbeg. Würzig, pfeffrig, auch bei Wasserzugabe. Die Süße ist sehr dezent, es dominieren Teer, Leder, Tabak, Eiche, nochmal Teer, Rauch  und dunkle Schokolade. Nur leicht ölig.
Eleganter und dunkler als der Ardbeg 10, der im Vergleich jünger, ungestümer und rauer wirkt.

Nachklang:

Rauch. Warm. Lang. Länger. Und noch länger....Liegt lange warm auf der Zunge und gleitet dann sanft den Rachen hinunter.  Der Rauch wird einen noch den ganzen Abend begleiten.

Foto: MargareteMarie

MargareteMarie meint

Ein Ardbeg 17 ist es auch diesmal nicht. Aber ein sehr, sehr rauchiger Ardbeg. Der Phenol-Gehalt wird in der Pressemitteilung nicht angegeben, dürfte aber ähnlich hoch liegen wie beim Supernova 2010. Dabei sind die Rauchtöne sehr angenehm eingebunden. Der warme Rauch ist vor allem auf der Zunge dominant, aber ohne die anderen Aromen zu unterdrücken. Die Supernova beginnt im Glas hell und frisch, wird dann aber immer dunkler und erdiger, kommt ungestüm und kräftig mit einem warmen Ascheregen auf die Zunge, um am Ende in einem  traumhaft langen Finish einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.
Angeblich wurden Sherry-Fässer benutzt. Wer starke Sherry-Noten mag, sollte jedoch lieber zum Ardbog greifen. Wer hingegen ein richtig gutes Rauchmonster sucht, wird die Supernova lieben. 

8.6 Punkte (von 10)

Ab 12. September 2014 exklusiv für Ardbeg Committee Mitglieder unter www.ArdbegSpace.de und in Ardbeg Embassies erhältlich, solange der Vorrat reicht.Voraussichtlich 120,--Euro.

Mehr zum Thema:

Interview mit Dr. Bill Lumsden, Ardbeg

Im Portrait: Dr. Bill, Ardbeg und Ardbog 

Ardbeg-Day 2014

Mittwoch, 27. August 2014

„Verkosten wie die Profis“. Neuer Spirituosen-Wettbewerb für Verbraucher


Welcher Whisky-Freund hat noch nicht davon geträumt: einmal an einem Spirituosen-Wettbewerb teilnehmen, unzählige Whiskys verkosten, und am Ende dann die Spreu vom Weizen trennen und die besten der besten finden! Für viele Whisky-Freunde könnte dieser Traum jetzt in Erfüllung gehen.

Im September und Oktober wird erstmalig in Deutschland der C2C SpiritsCup, ein reiner Verbraucher-Wettbewerb stattfinden, bei dem nicht die „Profis“, sondern die Konsumenten aufgefordert sind, den besten Whisky zu finden und zu prämieren.
 
Aus der Taufe gehoben hat diesen neuartigen Wettbewerb Julia Nourney, Spirituosen-Expertin und selbst seit vielen Jahren Jury-Mitglied bei unzähligen Wettbewerben im In- und Ausland. Vor ein paar Tagen habe ich die erfahrende Fachfrau in ihrem Zuhause in Oberursel besucht und mit ihr über dieses neue Projekt gesprochen:

MM: Julia, wie kommt man auf die Idee, einen Verbraucher-Wettbewerb für Spirituosen ins Leben zu rufen?

Julia: Weil ich sehr häufig gemerkt habe, das Spirituosen von Fachleuten und Konsumenten unterschiedlich eingeschätzt werden. Außerdem habe ich festgestellt, dass viele Abfüllungen erst durch den Meinungsaustausch in Foren und Blogs so richtig gehypt werden. Genießer vertrauen also offensichtlich ihren Freunden und Kollegen mehr als manchen prominenten Verkoster-Gruppen altehrwürdiger Wettbewerbe. Was liegt also näher, als genau diese Whisky-Liebhaber jetzt hochoffiziell und öffentlich mit den Ergebnissen eines Verbraucher-Wettbewerbs zu Wort kommen zu lassen? Ich denke genau das ist die Stärke eines echten C2C-, eines consumer to consumer Wettbewerbs.

Julia Nourney. Vorbereitung auf den Wettbewerb.        Foto: margaretemarie


MM: Spirituosen-Wettbewerbe gibt es viele. Wodurch soll sich dieser Wettbewerb von anderen Wettbewerben unterscheiden?

Julia: Einerseits natürlich durch die Auswahl der Juroren, die 100%-ige Konsumenten sein müssen und auch nicht nebenberuflich in der Spirituosen-Branche arbeiten dürfen. Das ist ein absolutes Novum.
Andererseits unterscheidet sich dieser Wettbewerb natürlich auch wegen der großen Transparenz, denn jeder, der mitmacht, kann erleben und somit auch selber nachvollziehen, wie Medaillen entstehen.

MM: Wer darf mitmachen?

Julia: Im Prinzip Jeder, der gern einmal wie ein Profi verkosten möchte und der sich für einen der vier diesjährigen Standorte bei mir angemeldet und mit den Teilnahmebedingungen einverstanden erklärt hat.
Na gut, der Bewerber sollte schon volljährig sein! Sonst gibt es gesetzliche Probleme.

MM: Entstehen Kosten für die Teilnehmer?

Julia: Ja, pro Teilnehmer kostet das € 28,-, die schon vor dem Termin überwiesen werden sollten.

MM: Was erwartet mich, wenn ich als Jury-Mitglied zur Teilnahme am Wettbewerb ausgewählt wurde?

Julia: Zunächst gibt es eine Sensorik-und Verkoster-Schulung als Einweisung, das dauert rund eine Stunde. Danach wird Jeder für sich alleine mehrere Gruppen mit Whisk(e)ys verkosten, insgesamt rund 20 bis 30 Produkte. An dieser Stelle muss ich unbedingt auf die Einhaltung der Teilnahmebedingungen drängen, denn diese Proben dürfen nicht geschluckt werden. Dafür bekommt am Ende jeder Juror als Belohnung für seinen Einsatz bis zu vier Whisk(e)ys eingeschenkt, die ihm während der Verkostung besonders gut geschmeckt haben.

MM: Welche besonderen Vorkenntnisse muss ich haben, wenn ich mich als Jury-Mitglied bewerben möchte? 

Julia: Eigentlich keine! Ich denke, es wird sich eh keiner als Juror bewerben, der Whisky nicht grundsätzlich mag. Aber man braucht keine besondere Erfahrung mit dem Wasser des Lebens und man muss auch nicht nachweisen, wie lange und intensiv man sich schon damit beschäftigt.

MM: Hast du keine Angst, dass am Ende alle Teilnehmer betrunken sind und keine sinnvolle Bewertungen mehr zustande kommen?

Julia: An dieser Stelle muss ich nochmal auf die Einhaltung der Teilnahme-Bedingungen hinweisen. Wenn ich während der Verkostung feststelle, dass jemand seinen Spittoon nicht benutzt und die Proben runterschluckt, muss ich ihn leider von der restlichen Verkostung ausschließen. Es geht nicht, dass die ersten Proben ernsthaft bewertet werden und spätere Proben einer alkoholisierten Verzückung „zum Opfer“ fallen. 

MM: Handelt es sich beim C2C Spirits Cup um eine einmalige Aktion?

Nein, dieser Wettbewerb soll ein jährlich wiederkehrendes Event im Spritituosen-Kalender mit einer kontinuierlichen Entwicklung werden. Dieses Jahr "übe" ich noch, deshalb gibt es auch nur vier Verkostungen in Deutschland, nächstes Jahr möchte ich das auf mindestens 10 Standorte ausdehnen. Dann möchte ich auch nicht nur Whisk(e)y in der Bewertung anbieten, sondern eventuell noch Rum oder Gin. 

MM: Da hast du dir ja große Ziele gesteckt. Wie sieht es denn mit dem Interesse auf Seiten der Whisky-Firmen aus? Finden die den Spirits Cup gut?

Julia: Über mangelndes Interesse kann ich mich wirklich nicht beklagen. Alle Firmen, Importeure sowie Produzenten, mit denen ich bislang gesprochen habe, finden das Konzept gut. Inzwischen treffen auch schon die ersten Flaschen für die Verkostungen bei mir ein und ich denke, die Juroren können sich auf interessante Vergleiche freuen.

MM: Warum glaubst du, dass Verbraucher eine Spirituose anders bewerten als Profis?

Julia: Verbraucher gehen völlig unvoreingenommen an Spirituosen heran. Sie machen sich keinen Kopf um bestimmte Aromen, bei denen sich ein Profi oft viel zu viele Gedanken über die Ursache macht. Ein Verbraucher sieht das rein vom Genuss-Standpunkt und von seinen persönlichen Vorlieben.
Mit Julia Nourney am heimischen Küchentisch.           Foto: margaretemarie

MM: Dürfen auch Männer an diesem Wettbewerb teilnehmen?

Julia: Aber selbstverständlich! Ich vermute sogar, dass wieder viel mehr Männer unter den Juroren sein werden als Frauen. So wie das eben auch bei vielen anderen Spirituosen-Veranstaltungen ist.

MM: Wie und wo kann ich mich bewerben, wenn ich Jury-Mitglied bei diesem Spirituosen-Wettbewerb sein möchte?

Julia: Am einfachsten ist es, mir eine E-Mail an info@spirits-cup.org zu schicken und sich für einen der vier Standorte in Deutschland zu bewerben.
Da ich aus organisatorischen Gründen nur rund 25 Teilnehmer je Standort zulassen kann, sollte man bei Interesse nicht zu lange mit der Anmeldung zögern.

MM: Wann ist Bewerbungs-Schluss?

Julia: Sofern noch Plätze frei sind, bis eine Woche vor der jeweiligen Veranstaltung. 

MM: Ich wünsche Dir und den zukünftigen Juroren viel Erfolg und vor allem viel Spass!  


Wer jetzt Lust bekommen hat, einmal Whisky zu verkosten wie die Profis, sollte sich die folgenden Termine merken und sich möglichst bald bewerben:

C2C Spirits Cup


21.9.2014: Frankfurt

28.9.2014: Kressbronn/Bodensee

3.10.2014: Hamburg

12.10.2014: Essen

Die Prämierung und Bekanntgabe der Sieger-Whiskys wird dann am 18.10.2014 auf der Aquavitae in Mülheim a.d.R. stattfinden.
A true Whisky Whisky Woman.      Foto: margaretemarie

Sonntag, 24. August 2014

Grüße aus der Vergangenheit: Mosstowie 1979.

Die meisten Single Malt Whiskys werden in sogenannten Pot Stills gebrannt, deren Anblick das Herz jedes Fans höher schlagen lässt und die alljährlich tausende von  Photos und Kalenderblätter zieren. 
Weit weniger  bekannt ist, dass es noch eine andere Art der Brennblase gibt: die Lomond Still. Entwickelt wurde diese seltene und wenig elegante Brennblase 1955 für die Destillerien von Hiram Walker. 
 
Mosstowie 1979, Signatory.        Foto: margaretemarie


Not macht erfinderisch, und die Whisky-Industrie befand sich während der Nachkriegsjahre in einer ähnlichen Situation wie heute: nach der Mangelwirtschaft während der 30er und 40er Jahre ging es den Menschen nun zunehmend besser und die Nachfrage nach Whisky stieg gewaltig an. Damals waren vor allem Blended Whiskys gefragt, und bei Hiram Walker suchte man nach Möglichkeiten, in den eigenen Brennereien verschiedene Whisky-Stile zu produzieren, die dann im hauseigenen Blend Ballantine's Verwendung finden sollten.

Ende der 50er und Anfang der 60er Jahre wurde die Lomond Still  in allen Brennereien von Hiram Walker eingesetzt: Inverleven Distillery in Dumbarton (ab 1955, unter dem Namen Lomond), Glenburgie (ab1958, unter dem Namen Glencraig), Miltonduff (ab 1964, unter dem Namen Mosstowie) und schließlich Scapa auf den Orkney-Inseln. Deutliches Erkennungszeichen einer Lomond Still ist der seltsam gebogene "Hals", der an die lange Schnute einer alten Kaffeekanne erinnert.

Ein interessanter Bericht über die Hintergründe dieser Entwicklung findet ihr [hier] auf der Seite der SMWS.

Doch schon zu Beginn der 80er Jahre war es vorbei mit der Lomond Still, in Inverleven wurde sie 1985 stillgelegt, in Miltonduff und Glenburgie wurde sie 1981 sogar demontiert. Lediglich in Scapa kommt sie immer noch zum Einsatz.

Heute gehören diese Brennereien zum Konzern Pernot Ricard. Originalabfüllungen mit Whisky aus der Lomond Still hat es in der Vergangenheit kaum gegeben, sie wurden vor allem als Bestandteil von Ballantine's eingesetzt, der damals immerhin aus 42 verschiedenen Single Malts komponiert wurde.

Bei den unabhängigen Abfüllern hingegen tauchen immer wieder Einzelfässer aus der Lomond Still auf, und gelten heute als Rarität.


Mosstowie 1979-2011, 32 Jahre, Signatory, Cask Strength Collection, Bourbon Barrel, Fass Nr. 12760, Fl.-Nr. 108 von 145, 45.6%, ohne Farbzusatz



Aroma:

Vanille, Fudge, ganz viel Honig, Malz, aber auch Dieselöl und Salamibrot, frischer Blumenduft, Anis, Rosinen, Orangen, rund, wunderbar seidig, mehr floral als fruchtig, ist sehr schnell präsent und ändert sich dann kaum noch.

Geschmack:

süß, aber auch sehr bitter, schwer, ölig, würzig, Eiche, Tannine, Grapefruitschale

Nachklang:

mittellang, angenehm warm, zunächst leicht trocken, dann aber fließt plötzlich der Speichel

Fazit:

Ein fantastischer Duft und ein interessanter  Geschmack, aber nichts für jeden Tag. Ein anspruchsvoller Whisky für den, der schon alles kennt.  Für mich aber etwas zu schwer und zu viele Bitternoten. 

8 Punkte (von 10)

Und ein ganz großes Dankeschön an Peter für diese wunderbare Gelegenheit, einmal einen Mosstowie zu verkosten.

Freitag, 22. August 2014

Glenfiddich 15 Solera Vat

Vor einigen Tagen habe ich euch eine Whiskymarinade für verschiedene Fleischsorten vorgestellt, die auf der Basis des Glenfiddich 15 Solera Vat beruht.
Doch dieser Single Malt ist viel zu schade, um ihn nur für eine Marinade zu nutzen.
Er ist auch ein toller Allrounder und sollte in keiner Whisky-Bar fehlen.
 

Glenfiddich ist für mich ein wahres Phänomen. Einerseits rümpfen viele Single Malt Fans etwas verächtlich die Nase über den Whisky aus dem "Tal der Hirsche", wie der gälische Name auf deutsch übersetzt wird. Andererseits gehört Glenfiddich seit Jahrzehnten zu den meistverkaufen Single Malts der Welt.

Vielleicht liegt es daran, dass Glenfiddich 12 in jeder Hotelbar der Welt zu Hause ist, warum man diesen gefälligen Speysider so wenig schätzt.

Brennblasen bei Glenfiddich.            Foto: margaretemarie

Glenfiddich ist für mich aus noch einem anderen Grund eine Ausnahme-Brennerei: nach außen hin wirkt diese Firma wie ein riesiger, internationaler Konzern.  In Wirklichkeit jedoch befindet sich  die Brennerei, die seit Jahrzehnten marktbeherrschend ist,  bis heute in Familienbesitz. Wenn man bedenkt, dass es mittlerweile nur noch ganz wenige Destillerien in Schottland gibt, die nicht von einem Konzern erworben wurden, ist dies doch schon sehr bemerkenswert.

Weniger verbreitet als der 12jährige Glenfiddich ist der Glenfiddich 15 Solera Vat, der in einem einzigartigen Verfahren hergestellt wird. Zunächst reift der Whisky mindestens 15 Jahre lang in verschiedenen Ex-Sherry- und Ex-Bourbon Fässern aus europäischer bzw. amerikanischer Eiche sowie in unbenutzten Fässern aus neuer, amerikanischer Eiche. Danach wird der Inhalt dieser Fässer in einem riesigen Holzbottich aus Oregon-Pinie, dem sogenannten Solera-Fass, vermählt. Zum Abfüllen wird maximal die Hälfte des Inhalts aus diesem Bottich entnommen, der Rest verbleibt im Solera-Fass und wird wieder mit 15jährigem Whisky aufgefüllt.

Brennerei Glenfiddich.             Foto: margaretemarie

Die entnommene Menge wird anschließend für kurze Zeit in Fässer aus portugiesischer Eiche gelagert, ehe sie dann in Flaschen abgefüllt wird. Durch dieses besondere Verfahren, das in der Whisky-Industrie wohl einmalig ist, erhält der Whisky eine große Konsistenz im Geschmack.

Wie hoch der Anteil der jeweiligen Fass-Arten ist, wird nicht verraten. Doch im Aroma dominieren die Vanille-, Frucht- und Karamell-Noten der amerikanischen Fässer derzeit gewaltig. Ich hatte den Solera Vat von meiner letzten Verkostung weniger süß und weniger fruchtig in Erinnerung. Entweder hatte ich damals einen schlechten Tag. Oder der Solera Vat wird mittlerweile vollmundiger und mit einem höheren Anteil an Süße und Fruchtigkeit ausgebaut. Die Abfüllung von 2014 hat mir jedenfalls ausgezeichnet gefallen.

Glenfiddich. Das Tal der Hirsche.       Foto: margaretemarie

Glenfiddich 15, Solera Vat,  40%.


Aroma:

Süß. Noch süßer. Honigsüß. Vanille, Karamell. Fruchtig:  Birne, Aprikosen, Rosinen, Papaya. Seidenweich und dicht gewebt.

Geschmack:

Überraschend kräftig und würzig. Dennoch sehr elegant. Eiche, Ingwer, Kirschen und Mandeln.

Nachklang:

vollmundig, lang, süß

Fazit:

Die Fässer aus amerikanischer Eiche sind in der Überzahl. Süße, Vanille- und gelbe, reife Fruchtaromen dominieren. Auch das Alter macht sich bemerkbar: er ist nicht nur vollmundig, sondern auch seidenweich. Ein Whisky, der Freude macht. Bei ca. 35 Euro mit einem derzeit fantastischen Preis-Leistungs-Verhältnis.

8 Punkte (von 10)

Leider durfte ich bei meinem Besuch im Solera-Lagerhaus nicht fotografieren. Doch auf der Webseite von Glenfiddich gibt es einen sehr netten Video-Clip vom Solera-Fass:

Das Solera-Fass (Video-Clip)

 

Mehr zum Thema:


Whiskymarinade mit Glenfiddich 15 (Video)



Mittwoch, 20. August 2014

Whiskymarinade - MargareteMarie grillt

Der Sommer ist derzeit lausig. Doch das ist noch lange kein Grund, sich den Spaß verderben zu lassen. Grillen kann man schließlich bei jedem Wetter. Und für einen echten Malt-Geek sollte der Whisky dabei nicht fehlen. 

Aber Whisky und Grillen, passt das auch zusammen? 

Campari hat in diesem Sommer eine Grill-Marinade mit und zum Glenfiddich 15 entwickelt. Wie gut diese Whisky-Marinade schmeckt, habe ich gemeinsam mit zwei Profi-Köchen an drei verschiedenen Fleischsorten getestet. 
 
Der Einfachheit halber haben wir die marinierten Fleischstücke nicht auf einem Grill, sondern in einer Grillpfanne gebraten. Selbstverständlich ist die Marinade genau so gut für einen Holzkohle- oder Elektro-Grill geeignet.

 Das Ergebnis unserer Versuchsreihe und das Rezept für die Marinade gibt es diesmal nicht als Text, sondern zur besseren Anschaulichkeit als Video.

Viel Spaß beim Zuschauen!



Highland Park: Dark Origins

Die schottische Brennerei Highland Park hat in der jüngeren Vergangenheit einige neue Whiskys ohne Altersangabe auf den Markt gebracht, die nordischen Göttern und Legendengestalten gewidmet waren. Von den Fans wurden sie mit unterschiedlicher Resonanz aufgenommen. 

Im September wird ein weiterer "Themen-Whisky" die Core-Range dauerhaft ergänzen: "Dark Origins". Mit ihm sollen die Ursprünge der Brennerei auf den Orkney-Inseln beschworen werden. Die Idee ist reizvoll. Doch kann er auch im Geschmack überzeugen? 
 
Pressefoto
Wie so häufig bei NAS-Whiskys, also Whiskys ohne Altersangabe, gibt die Pressemitteilung interessante Hinweise auf die Fässerauswahl: Dark Origins wird  "aus doppelt so vielen neuen, first-fill Sherry-Fässern abgefüllt wie der Klassiker Highland Park12 Jahre".

Nun mag diese Mengenangabe zwar nicht allzu präzise sein, doch die dunklen, schweren, würzigen Aromen werden beim Dark Origins ganz bewußt in den Vordergrund geschoben. Und mit einer netten Geschichte aus den dunklen Gründertagen der Brennerei verbunden:  gegen Ende des 18. Jahrhunderts gelang es Magnus "Mansie" Eunson, der als Begründer von Highland Park gilt,  den Steuereintreibern der damaligen Zeit immer wieder zu entgehen, indem er seinen illegal gebrannten Whisky unter der Kanzlei seiner Kirche versteckte. Ob der gute Mansie bereits die wohltuende Wirkung von First-Fill-Sherry-Fässern kannte, liegt jedoch im Dunkeln der Geschichte verborgen...

Dark Origins, Highland Park, NAS, nicht kältefiltriert, 46.8%



Highland Park. Dark Origins.        Foto: MargareteMarie

Aroma:
Wow. Dark Origins kommt sofort wuchtig und nachdrücklich in der Nase an. Zarte Rauchnoten nach kalter Asche harmonieren angenehm mit dunklen Sherry-Tönen, die den Whisky dominieren. Dark Origins hat kaum Süße, und es dauert mehr als eine Viertel Stunde, ehe auch leichte Vanille und Honig-Noten wahrnehmbar werden. In Vordergrund stehen vielmehr würzige, kräftige, weinige Noten, auch dunkle Trockenfrüchte, die von frischen und nussigen Aromen begleitet werden. Wenig Holz, viel frisches Ozon. Man mag die Nase gar nicht mehr aus dem Glas nehmen.

Geschmack:
Kräftig. Zarter Rauch legt sich sofort auf die Zunge, dazu kommen Leder, Tabak, Schokolade, und geröstete Nüsse.

Fazit:
Dark Origins kann die Erwartungen, die sein Name weckt, auch erfüllen. Er ist insgesamt sehr ausgewogen, mit kräftigen, intensiven Sherry- und Rauch-Aromen, die Assoziationen wecken an ein wärmendes Herdfeuer der letzten Nacht, an rauen Seegang und an schweigsame, starke Kerle aus vergangener Zeit. Eine sehr gelungene Komposition.




MargareteMarie meint:

Der Hinweis in der Pressemitteilung legt den Vergleich mit dem 12jährigen nahe. Und in der Tat, der Dark Origins fällt deutlich intensiver und fülliger im Aroma und im Geschmack aus als der Highland Park 12, den er locker in den Schatten stellt.

Die jugendliche Frische, die ihm anhaftet, legt jedoch die Vermutung nahe, dass er überwiegend aus jüngeren Fässern besteht, vielleicht durchschnittlich zwischen 8 und 10 Jahren. Doch das fehlende Alter wird durch die gesteigerte Aromenfülle mehr als wettgemacht.

Ich bin mir sicher, dass in einer Blindverkostung die Mehrzahl der Teilnehmer dem Dark Origins den Vorzug geben würden. Auch mich und meinen Mit-Tester hat er überzeugen können. Obwohl er vermutlich insgesamt jünger ist als der 12jährige, hat er uns deutlich besser geschmeckt.

Dark Origins entwickelt im Glas und auf der Zunge eine wunderbare Präsenz und Ausgewogenheit und  gehört ganz klar  in die Reihe jener NAS-Whiskys, die durch ihre Wucht und ihre Fülle begeistern können.

Dark Origins  übertrumpft den 12jährigen allerdings auch deutlich im Preis: die offizielle Preisempfehlung liegt bei 80 Euro. Geschmack hat scheinbar seinen Preis.

9 Punkte (von 10)

Highland Park. Dark Origins.             Foto: MargareteMarie

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News Box: Bacardi plant neue Single Malt Abfüllungen

Die Single Malt Whiskys der schottischen Brennereien Aberfeldy, Aultmore, Craigellachie, Macduff und  Royal Brackla waren bisher nur in geringen Mengen  erhältlich, denn Bacardi, in dessen Besitz sich diese Brennereien befinden, hat sich bisher nicht sonderlich für den Single Malt Markt interessiert.

Der größte Teil der Produktion wurde von Bacardi für ihre Blended Whiskys benutzt, vor allem John Dewar's und der bei uns weniger bekannte William Lawson's.

Das soll jetzt anders werden: Bacardi will endlich auf den Single-Malt-Zug aufspringen, der seit geraumer Zeit gehörig an Fahrt aufgenommen hat.


Donnerstag, 14. August 2014

A Lady of Taste. Lady of the Glen.

Der Whiskyboom der vergangenen Jahre hat nicht nur den Brennereien Auftrieb gegeben, sondern auch einige neue unabhängige Abfüller hervorgebracht. 

In Deutschland haben beispielsweise Anam na h-Alba, Best Dram oder Tasting Fellows in kurzer Zeit viele Fans gewonnen. 

Auch in Großbritannien und den USA hat es einige neue Firmen gegeben, etwa Alison Patel und ihr Brenne Whisky oder John Glaser und Compass Box, der sich mit ungewöhnlichen Blended Malts einen Namen gemacht hat. 

Ein noch recht junger unabhängiger Abfüller aus Schottland ist Lady of the Glen. 2012 wurde die Firma von Gregor Hannah gegründet.

 
Seither hat Hannah einige interessante Einzelfassabfüllungen in Fassstärke auf den Markt gebracht, die alle in kurzer Zeit ausverkauft waren.

Mittwoch, 13. August 2014

Zeit für neue Freunde: Kavalan.

Alles im Leben hat seine Zeit. Es gibt Zeit für die Liebe, Zeit für Trauer, Zeit für Freude. 
Es gibt Zeit für schottischen Whisky, für Bourbon und für Whisky aus Fernost. 
Und es gibt Zeit für Freundschaft. Letztes Wochenende war es für mich an der Zeit, die traurigen Gefühle hinter mir zu lassen, fröhlich zu sein und neue Freundschaften zu schließen. 
 
Und es war auch endlich Zeit, mich einem Thema zu widmen, das schon lange auf meiner Wunschliste steht: Kavalan. Der Whisky aus Taiwan.