Mittwoch, 27. Juli 2016

Wie der Kavalan Peaty Cask nach Deutschland kam

Die taiwanesische King Car Distillery muss man keinem Whisky-Fan mehr vorstellen. Vor allem ihre Einzelfass-Abfüllungen unter dem Namen "Solist" genießen einen ausgezeichneten Ruf und wurden mehrmals in Folge international hoch dekoriert.

2015 wurde die Abfüllung Kavalan Solist Vinho Barique bei den World Whiskies Awards zum "Weltbesten Single Malt" gekürt, 2016 gewann Kavalan mit seinem Solist Amontillado Sherry Cask die Auszeichnung als weltbeste Single Cask Abfüllung. Und erst vor wenigen Tagen gewann der Solist Ex-Bourbon Cask bei der ISC eine sogenannte "Trophy"  für herausragende Qualität.

In Limburg hat Kavalan in diesem Frühjahr offiziell eine weitere, preisverdächtige Abfüllung auf den Markt gebracht: den zart rauchigen Kavalan Solist Peaty Cask. Als ich ihn am Stand von Andrea Caminneci probieren konnte, war ich jedenfalls ganz hin und weg. Doch die Geschichte, wie es zu dieser ganz besonderen Abfüllung kam, ist fast noch besser als der Whisky selbst. Denn der Kavalan Peaty Cask ist eine Abfüllung, die es eigentlich gar nicht hätte geben sollen. 


Wann genau der Master Distiller von Kavalan, Ian Chang, die Idee mit den rauchigen Fässern von Islay hatte, lässt sich so genau wohl nicht mehr feststellen. Vielleicht gab den Ausschlag auch tatsächlich eine ungeplante Fehllieferung von rauchigen Fässern, wie mitunter gemunkelt wird. Und Ian Chang verrät auch nicht, woher die Fässer letztendlich kamen. Doch 2007 konnte er eine kleine Anzahl Fässer befüllen, die zuvor rauchigen Islay-Whisky enthalten hatten.

Sechs Jahre später wurde erstmals ein Kavalan peated cask abgefüllt. Und weil es nur so wenige Fässer gab, waren auch die Flaschen besonders klein: 300 ml enthielten sie nur. Wer ihn haben wollte, musste bis nach Taiwan fahren. Denn  für den internationalen Markt war dieser rauchige Kavalan nie vorgesehen. Er war nur als Distillery Reserve, als Distillery-Abfüllung von Ort erhältlich.


Jana Schneider, Sales Managerin Kavalan Deutschland

Dass es den Kavalan Peaty Cask vier Jahre später dann doch in Deutschland gibt, haben wir einem Urgestein der deutschen Whisky-Szene, "Whisky-Kanzler" Werner Hertwig aus Berlin, zu verdanken. Denn 2014 war Hertwig auf der Suche nach einer besonderen Messeabfüllung für den Berliner Whiskyherbst und fragte auch bei Kavalan nach. Sales Managerin Jana Schneider (damals noch Jana Schiewer) forderte die notwendigen Fass-Proben in Taiwan an. Auch ein peated-Cask Sample war dabei.

Als Hertwig dann genau dieses Fass erwerben wollte, machten die Taiwaner zunächst einen Rückzieher: die rauchigen Fässer seien nicht verkäuflich. Doch sie hatten nicht mit der Hartnäckigkeit und dem Verhandlungsgeschick von Jana gerechnet. Und am Ende wurde dann tatsächlich ein Fass des rauchigen Kavalan nach Berlin geschickt, und die dortigen  Messe-Besucher kamen in den Genuss einer Abfüllung, die es eigentlich gar nicht hätte geben sollen.

Der Whisky-Kanzler, ganz in seine Arbeit vertieft...

Jetzt wollten auch andere ein "peaty cask" haben, und 2015 erschienen dann Abfüllungen bei Whisky-Nerds, bei LMDW in Paris und vielleicht auch noch die ein oder andere Abfüllung, die mir noch nicht bekannt ist.

Bei Kavalan hatte man schließlich ein Einsehen: das peaty cask muss raus in die Welt. Im April wurde in Limburg dann endlich eine offizielle Abfüllung präsentiert. Ob es in Zukunft auch genügend Fässer geben wird, bleibt abzuwarten. Wollen wir es hoffen!

Im Herbst steht uns ein weiteres Fass-Wunder von Kavalan ins Haus: eine Abfüllung aus dem Brandy-Fass. Ich bin schon sehr gespannt.

Hier meine Tasting-Notes:

 Sample 1: Fassnummer R070409010,  52,4% Vol

Aroma:

Der Kavalan Peaty Cask entfaltet sofort eine unglaublich starke Präsenz im Glas und erinnert im ersten Augenblick an eine Kreuzung aus Bourbon und Bowmore. Intensive Fruchtaromen und Blütenduft steigen sofort in die Nase: reife Äpfel, süße Birnen, Mandarinen, Mango, Fanta und Orchideen.  Süß und schwer. Vanille-Duft und Honigsyrup verraten das ehemalige Bourbon-Fass.

Geschmack: 

Schon beim ersten Schluck spürt man deutlich dezenten Asche-Geschmack auf der Zunge. Dunkle Früchte, Leder, Erdnüsse. Kein Holz. Vollmundig und süffig, leicht trocken, insgesamt sehr gut ausbalanciert.

Nachklang: 

lang und intensiv


  
Sample Nr. 2: Fassnummer G070716098,  50,8% Vol

Allzu große Unterschiede lassen sich zwischen den beiden Abfüllungen nicht feststellen. Im Aroma geben sich beide Sample kaum etwas, wobei Sample Nr. 1 vielleicht noch eine Idee intensiver riecht, was am höheren Alkoholgehalt liegen könnte. Sample 1 ist trockener, Sample 2 ist pudrig-süßer.

Auch im Geschmack unterscheiden sie sich nur wenig: Sample Nr. 1 wirkt trotz des höheren Alkoholgehaltes etwas milder und runder, Sample 2 ist pfeffriger und schärfer, aber auch öliger und wachsiger. Welchem Fass man den Vorzug geben sollte, ist wohl eine Frage des persönlichen Geschmacks. 

MargareteMarie meint:

Ein schweres, vollmundiges Aromen-Paket, das  Nase und Gaumen sofort überwältigt. Nichts zum Philosophieren, sondern ein schöner Whisky zum Schwelgen und Genießen.

Wer auch im Sommer einen rauchigen Whisky sucht, sollte unbedingt den Kavalan Peaty Cask versuchen. Seine fruchtig-schwere Aromenfülle passt wunderbar zu heißen Tagen, die Asche bleibt dezent im Hintergrund. Wer sich mit Bourbon schwer tut, sollte jedoch vorsichtig sein und erst einmal probieren, ehe er eine ganze Flasche kauft.


















Sonntag, 24. Juli 2016

Hinter die Kulissen geschaut: Sansibar Whisky

Sansibar Whisky gehört zu den Newcomern im Bereich der Unabhängigen Abfüller. Erst 2012 ging die Firma an den Start und wurde anfänglich kritisch beäugt. Doch die Einzelfass-Abfüllungen mit dem Logo von Deutschlands berühmtestem Strandrestaurant haben in kürzester Zeit eine große Fan-Gemeinde gewonnen. 

Dieser Erfolg hat einen guten Grund: die Köpfe hinter der Marke sind alte Hasen im Whisky-Geschäft. Letzte Woche hatte ich Gelegenheit, mit dem Geschäftsführer der Firma,  Jens Drewitz, über das Erfolgsgeheimnis von Sansibar Whisky zu plaudern. Und ich habe dabei so ganz nebenbei noch eine aufregende Neuigkeit  erfahren....

Großer Andrang am Stand von Sansibar-Whisky auf der Whisky-Fair Limburg 2016
MM: Jens, wie kommt man auf die Idee, unter dem Namen der Sylter Sansibar Whisky-Abfüllungen herauszubringen? Du hattest ja ursprünglich gar nichts mit dem Kult-Restaurant zu tun.

Samstag, 23. Juli 2016

Looking Behind the Scenes: Sansibar Whisky

Sansibar Whisky is a very recent newcomer among independent bottlers. It was in 2012 when the company commenced their business and initially they were eyed with critical distrust. However, single-cask bottlings with the logo of Germany's most famous beach restaurant have won a large community of devoted fans within a very short time. 

There is good reason for such a success: the people behind the company are old hands in the whisky business. Last week I had the opportunity to chat with the company's CEO, Jens Drewitz, about the secrets behind the success of Sansibar whisky. And besides a lot of interesting information, I also found out some quite exciting news ....
 
Crowd of Sansibar fans at the Whisky Fair Limburg

MargareteMarie: Jens, how did you get the idea to launch an independent Whisky bottling company for Germany’s most popular beach restaurant? It sounds a bit weird, doesn’t it? 

Dienstag, 19. Juli 2016

Gute und weniger gute Bourbon

Diesen Sommer hatte ich mir anders vorgestellt. Nach Schottland wollte ich, in die Highlands, und nach Berlin und Hannover. Stattdessen sitze ich mit gebrochenem Bein zuhause herum. Doch es gibt auch eine positive Seite: Ich habe jetzt mehr Zeit zum Bloggen übrig. 

Und da es in dieser Woche wieder warm werden soll, möchte ich euch heute einige Bourbon vorstellen. Denn die schmecken mir im Sommer am besten - auch ohne Eis. Vor etwa einem Jahr hatte ich deshalb zusammen mit Achim vom Cocktail and Dreams Forum einige Bourbon im Blind Tasting probiert. Und dabei ein paar Highlights, aber auch die ein oder andere Enttäuschung erlebt.



Hier die Ergebnisse unseres Blind Tastings:

Montag, 30. Mai 2016

Ardbeg Dark Cove: Interview mit Gillian Macdonald

Wenn Ardbeg feiert, lässt sich die Firma nicht lumpen: Ardbeg hatte seine deutschen Fans für die diesjährige Ardbeg Night an Bord der Cap San Diego im Hamburger Hafen geladen. Mit einer gelungenen Mischung aus Gala-Buffet, Live-Musik und Whisky-Event wurde die diesjährige Sonderabfüllung "Dark Cove" erstmals offiziell präsentiert. 

Aus Schottland kam zu diesem Anlass ein besonderer Gast: Gillian Macdonald ist die Frau, die derzeit für die Whiskys von Ardbeg und Glenmorangie verantwortlich ist. In Hamburg hat sie ihre neueste Creation "Dark Cove" erstmals öffentlich präsentiert und mir im Interview die Hintergründe dazu verraten.


MM: Gillian, lass uns mit dir selbst beginnen. Kannst du meinen Lesern zunächst etwas zu deiner Person und zu deiner Funktion bei Ardbeg sagen?

Samstag, 14. Mai 2016

Tasting Notes: Oban Little Bay

Oban ist eine der kleinsten Brennereien in Schottland, und gehört zu den ursprünglich sechs "Classic Malts of Scotland" von Diageo. Vor allem in den USA erfreut sich der Single Malt von Oban großer Beliebtheit, und im vergangenen Jahr wurde zusätzlich zum Klassiker Oban 14  eine NAS-Abfüllung auf den Markt gebracht: Oban Little Bay.  Jetzt hat Diageo die "Kleine Bucht"  nach Deutschland gebracht. 


Zum Einsatz kommen laut offiziellen Angaben zunächst drei verschiedene Fassarten, refill Hogsheads aus amerikanischer Eiche, refill ex-Bourbon-Fässer mit neuen Fassdeckeln und europäische Sherry-Fässer. Danach erhält er noch ein halbes bis dreiviertel Jahr ein Finish in kleinen, wenig aktiven Fässern. Die Produktpalette von Oban umfasst derzeit vier Varianten: neben Oban Little Bay und Oban 14 gibt es noch die Distiller's Edition sowie eine 18jährige Abfüllung, die offiziell nur in den USA erhältlich ist. 2013 wurde eine 21 Jahre alte Abfüllung als Teil der jährlichen "Special Release" herausgebracht.

Meine Tasting Notes:

Oban Little Bay, 43%, gefärbt

Neues bei Diageo. Interview mit Thomas Plaue, Master of Whisky

Gleich drei neue Abfüllungen hat Diageo in diesem Frühjahr auf den Markt gebracht, und sie könnten unterschiedlicher nicht sein. Oban Little Bay gehört ins Lager der viel geschmähten NAS-Whiskys,  Lagavulin 8 trägt ein überraschend junges Alter und mit Johnnie Walker Green Label ist eine lang vermisste Blended-Malt-Abfüllung wieder zurück gekehrt. Will sich der multinationale Konzern in Zukunft von seinen Classic Malts verabschieden? In Limburg hatte ich Gelegenheit mit Thomas Plaue, Master of Whisky bei Diageo, über die neuen Abfüllungen und die Strategien des Konzern zu reden.


MM: Thomas, wodurch unterscheidet sich der neue Oban Little Bay vom Oban 14, den wir seit Jahren als Teil der Classic-Malts-Collection kennen?

Donnerstag, 12. Mai 2016

Medaillen-Regen für Bremer Spirituosen Contor

Bei den diesjährigen ISW Spirits Awards des Meininger Getränke-Fachverlages in Neustadt wurde der Masterson's 10-Year-Old Straight Rye zum  "Whisky des Jahres 2016" gewählt.  Doch das war nur einer der Gründe, warum Markting-Chef Timo Lambrecht allen Grund zum Jubeln hat: für das Bremer Spirituosen-Contor hat es diesmal beim ISW einen wahren Medaillen-Regen gegeben.



Gleich drei der Whiskys aus dem Portfolio des BSC haben "Großes Gold" gewonnen: neben dem Masterson's Rye auch Scallywag und Ledaig 10 Years Old aus der Reihe Douglas Laing's Old Particular. Weitere  Gold-Medaillen gab es unter anderem auch für Writer's Tears Cask Strenght 2015, Tomintoul Peaty Tang, Akashi Blend  und den Kirk & Sweeney Rum. Insgesamt wurden 27 Produkte des BSC mit Medaillen prämiert und das BSC wurde als Importeur des Jahres ausgezeichnet. Da hat wohl jemand ein besonders glückliches Händchen bei der Zusammenstellung seines Portfolios gehabt! MargareteMarie gratuliert recht herzlich!

Weitere Infos gibt es auf der Website des ISW und in der Pressemitteilung des BSC:

Sonntag, 1. Mai 2016

Interview: Jason Stubbs, Barr an Uisce Irish Whiskey

Irischer Whiskey erlebt derzeit eine fantastische Renaissance. Der jüngste Neuzugang in diesem Segment heißt Barr an Uisce und wurde in Limburg erstmals einem internationalen Publikum vorgestellt. Jason Stubbs, Mit-Eigentürmer der Marke, war dazu eigens von der grünen Insel angereist und hatte die Sharing Angels zu einem kleinen, privaten Tasting am Stand von Irish-Whiskey geladen. In einem Gespräch hat er mir mehr über die Hintergründe seiner Marke verraten - und am Ende für eine wunderbare Überraschung gesorgt.

Jason Stubbs (links), Barr an Uisce. foto: margaretemarie

MM: Jason,  eure Firma besitzt einen Whiskey, aber keine eigene Brennerei. Habt ihr vor, eine zu bauen?

JS: Das ist eine gute Frage. Wir haben vor, ein Fasslager aufzubauen. Für eine Brennerei braucht man eine beachtliche Kapitalmenge. Wir wollen das nicht ausschließen, aber zum jetzigen Zeitpunkt ist es nicht unsere oberste Priorität.

MM: Dann lass uns über den Whiskey reden, den du neu auf den Markt gebracht hast.


Freitag, 22. April 2016

Unabhängige Abfüller: Whisky Warehouse No 8

Die Ursprünge von Whisky Warehouse No 8 reichen weit zurück, denn Firmenchef Thomas Klink ist ein Urgestein der deutschen Whisky-Szene. Seit 2007 bringt er unter dem Begriff der Warehouse Collection erstklassige Einzelfassabfüllungen aus den verschiedensten schottischen Regionen auf den Markt. Vor einiger Zeit hatte ich Gelegenheit, mit dem sympathischen Hanseaten ein längeres  Interview zu führen. Und trotz der Vorurteile, dass Norddeutsche wortkarg seien, erwies sich Thomas als durchaus gesprächig.