Armorik Vertikal-Tasting.

Wer über Single Malt spricht, denkt zumeist an Schottland. Doch auch in anderen Ländern wird Single Malt produziert. Und manchmal sogar ein richtig guter. Wie etwa der Armorik aus der Bretagne.  Bei ihrer  jüngsten Tasting Tour in Deutschland  stellte die Brennerei  ihre neuesten Abfüllungen vor. 


Armorik. Foto: MargareteMarie


Wenn ich über Armorik rede, muss ich auch über Alba-Import reden, den deutschen Importeur. Denn ohne das unermüdliche Engagement von "Didi" und "Corry", den Geschäftsführern von Alba-Import, würde es vielen Single Malt Fans in Deutschland wahrscheinlich so gehen wie mir selbst: wir würden Armorik gar nicht kennen. An Frankreich denkt man nicht unbedingt, wenn es um Single Malt Whisky geht.

Alba "Breton"


Und auch Corinna Schwarz und Dietmar Schulz hatten die Franzosen zunächst gar nicht auf dem Plan, wie Corinna an diesem Tasting-Abend in Wiesbaden freimütig erzählt. Als sie 2006 ihre Firma gründeten, hatten sie zunächst nur Schottland im Blick. Und so nannten sie ihre Firma auch "Alba", nach dem gälischen Namen für Englands nördliches Nachbarland.

Sie waren zunächst auch nicht sonderlich interessiert, als ihnen ein damals noch gänzlich unbekannter Herr David Roussier ein paar Whisky-Samples aus der Bretagne präsentierte. Die beiden wollten nicht unhöflich sein, und ließen sich auf ein Tasting ein. Eine Stunde später warfen sie alle Einwände über Bord - der Whisky war einfach zu gut, um ignoriert zu werden.

Armorik Tasting im Gewölbekeller von Le Bonheur. Foto: MargareteMarie

Corry und Didi waren sich einig, der französische Armorik durfte mit  ins Portfolio des schottland-begeisterten Alba-Teams. Corinna muss schmunzeln, als sie diese Geschichte erzählt. Bereut haben sie ihre Entscheidung nicht, und seither sorgen sie unermüdlich und mit großem Einsatz dafür, dass Armorik auch in Deutschland bekannter wird.

Im vergangenen Jahr hatte ich die Armorik Tasting Tour aus Zeitgründen leider verpasst, doch diesmal passte es und ich fuhr nach Wiesbaden, wo mit Unterstützung von Tom Zemann (Whisky in Wiesbaden) eines der fünf Armorik Tastings in Deutschland stattfand.

Die Neuen


Ganz besonders gespannt war ich auf die drei neuen Abfüllungen der Brennerei: der "Millesime", der seit 2012 jährlich erscheint und die älteste Abfüllung der Brennerei darstellt, ein neuer "Maître de Chai" und zwei  Einzelfass-Abfüllungen speziell für den deutschen Markt.


Armorik Vertical Tasting. Foto: MargareteMarie

Acht verschiedene Samples standen für uns in den wunderschönen Gewölbekellern von "Le Bonheur" bereit. Normalerweise lagert Andreas Gölitzer hier seine edlen Weinflaschen, aber für ein Whisky-Tasting war immer noch Platz genug - bei großzügigen 860 mq  kommt so schnell kein Gefühl der Enge auf.

Diesmal führte Clémence Vedrenne, die Managerin des Besucherzentrums, durch den Abend und stellte in perfektem Deutsch die Brennerei vor.

Die Brennerei


Gebrannt wird der Single Malt  von Armorik  in zwei typischen Potstill-Brennblasen. Die Wash Still kann 6.000 l Wash fassen, die Spirit Still hat eine Kapazität von 3.600 Litern. Die Jahresproduktion liegt derzeit bei etwa 100.000 Litern Alkohol.

Und noch eine interessante Information hatte Clémence parat: die Gerste, die benötigt wird, stammt aus der Bretagne. Doch das Malz muss aus Belgien bezogen werden, da es in ihrer Region keine französische Mälzerei gibt, die genügend große Kapazitäten hätte.

Armorik. Foto: MargareteMarie

Seit über 30 Jahren wird bereits in der Brennerei Warenghem Whisky gebrannt, 1998 brachte man den ersten Single Malt heraus. Vor fünf Jahren übernahm David Roussier die Geschäftsführung. Sein Whisky-Wissen hat David auch jenseits des Ärmelkanals erworben: er hat unter anderem  in Schottland bei Bruichladdich und Kilchoman das Destillieren gelernt.

Vor allem seine Zeit bei Kilchoman sollte großen Einfluss auf den Whisky von Armorik haben. Denn dort kam er in Kontakt mit dem schottischen Whisky-Experten Dr. Jim Swan, den er auch als Berater für Armorik gewinnen konnte. In der Folgezeit wurden viele kleine Verbesserungen in der Produktion und in der Lagerung des Whiskys durchgeführt, und 2011 konnte David Roussier zwei neue Abfüllungen präsentieren: Den Armorik Classis und Armorik Double Maturation. Beide Abfüllungen sind nicht-kältegefiltert und in 46% Trinkstärke abgefüllt.


Corinna Schwarz, AlbaImport, mit Armorik. Foto: MargareteMarie

Der Whisky


Und das waren die Whiskys, die Corinna uns an diesem Abend in die Gläser einschenkte:

1. New Make, 74.4%

Sehr malzig und unglaublich fruchtig, mit Mirabellen- und Bananen-Aroma. die Zugabe von Wasser bringt die Öligkeit deutlicher heraus.

2. Breizh, Pure Pot Still Blend, 42%

Ein blended Whisky, der zu 50% aus Malz (Malt) und zu 50% aus Weizen (Grain) besteht. Anders als normalerweise üblich, wird der Grain-Whisky für den Breizh nicht in Säulenkolonnen gebrannt, sondern zweifach in Pot Stills destilliert. Ein Blend der gehobenen Kategorie.

3. Armorik Classic, 46%

Für den Classik werden 70% Whisky aus Ex-Bourbon-Fässern und 30% Whisky aus Ex-Sherry-Fässern gemischt. Da der Bourbonfass-gereifte Whisky 4 Jahre alt und der Sherryfass-gereifte Whisky 8 Jahre alt ist, ergibt sich rein rechnerisch ein Durchschnittsalter von 5,2 Jahren. Allerdings nur rein rechnerisch - laut Regularien der schottischen Whisky-Association darf immer nur das Alter des jüngstenWhiskys angegeben werden. Das wäre in diesem Fall 4 Jahre - weshalb die Brennerei auf eine Altersangabe verzichtet und ihn als sogenannten NAS-Whisky (No Age Statement) herausbringt.

Wer dem Geheimnis eines NAS-Whiskys einmal auf die Spur kommen möchte, sollte unbedingt einen Classic probieren. Denn nur selten geben die Brennereien so bereitwillig Auskunft über die Zusammensetzung der verschiedenen Fässer.

Auch im Geschmack ergeben 4 plus 8 im Durchschnitt nämlich nicht 6. Und auch nicht 5.2. Die Bourbon-Fässer bringen Süße, Vanille und Karamell, die Sherry-Fässer fügen die weinigen Noten und die nötige Reife dazu. Das Ergebnis ist ein ausgewogener, harmonischer Einstiegswhisky, dem man sein "Durchschnittsalter" nicht anmerkt.


Corinna mit Armorik und Gastgeber Tom. Foto: MargareteMarie



4. Armorik “Breton Oak”, Single Cask pour L'Allemagne, 2005/2014, Single Cask No 3134, Cask Strength, 9 Jahre, ca. 300 Flaschen, 54.6%

Eine Besonderheit der Brennerei sind ihre Fässer aus bretonischer Eiche, die langsamer wächst als amerikanische Eiche, sehr viel feinporiger ist und den Whisky feingliedrig und delikat werden lässt. Die Fässer werden speziell für Warenghem hergestellt und getoastet. Für AlbaImport wurde ein 400-Liter Fass abgefüllt.

Während die Bourbon-Fässer im Lagerhaus in 6 Etagen stehend gelagert werden, lagern die besonderen Fässer liegend.

Aroma: Süß und karamellig, aber auch sehr floral. Feinstes, trockenes Sägemehl.
Geschmack: Würzig, weniger süß, leicht ölig.
Nachklang: Lang und warm.

Der gefällt mir richtig gut. Mit ein paar Tropfen Wasser kommt die unglaubliche feine Holznote stärker zum Vorschein. Ich bin sicher, dass die Abfüllung sehr schnell ausverkauft sein wird. Hoffentlich wird es zukünftig noch öfter Abfüllungen aus "Breton Oak"-Fässern geben. Das könnte ein Geheimtip werden.


5. Armorik “Double Maturation”, 46%

Zunächst drei Jahre in Fässern aus Bretonischer Eiche gereift, dann noch drei weitere Jahre in Sherry-Oloroso-Fässern. Fruchtig, vollmundig und recht elegant. Preisgekrönt.


Armorik. Foto: MargareteMarie


6. Armorik Maître du Chai, 46%,

Der "Maître du Chai", auf deutsch der "Kellermeister", erschien erstmalig im vergangenen Jahr und ist nur einem Zufall zu verdanken, wie Clémence erzählt. Eines Tages kam der Kellermeister der Brennerei mit einem Glas in der Hand in das Büro, in dem er Whisky aus zwei verschiedenen Ex-Oloroso-Fässern gemischt hatte. Doch niemand, der diesen Whisky probierte, erkannte, dass es Oloroso-Fässer waren. Man war von diesen sehr ungewöhnlichen Fässern so beeindruckt, dass man beschloss, diese beiden Fässer als limitierte Sonderabfüllung herauszubringen.

Auch in diesem Jahr gibt es einen "Maître du Chai" aus zwei first fill Oloroso Sherryfässer (No. 2325 + No. 2328), die ein sehr ungewöhnliches Aroma-Profil haben.

Aroma: starke Frucht- und Eiche-Noten, aber die dunklen Noten fehlen irgendwie. Als hätte man die Trockenfrüchte vergessen.
Geschmack: unglaublich cremig, würzig, trocken
Nachklang: lang, ewas trocken

Eine interessante und ungewöhnliche Variante.

Armorik. Foto: MargareteMarie

7. Armorik Port, Single Cask pour l'Allemagne, Cask No 8041,  55.2%,   

7 Jahre lang reifte dieser Whisky ausschließlich im Portwein-Fass - und hier sind endlich die Trockenfrüchte, die beim Maître du Chai verloren gegangen waren. 300 Flaschen wurden aus diesem Single Cask für Deutschland abgefüllt.

Als Corinna und Dietmar vor ungefähr zwei Jahren dieses Fass zusammen mit vier weiteren Fässern (2x Sauternes, 1x Chardonnay, 1x Breton Oak, 1x Port Pipe) auswählten, haben sie ein tolles Näschen bewiesen. Ich mag dieses Aroma-Monster auf Anhieb. Und wünsche mir mehr davon.

Aroma: würzig, kräftig, malzig, wunderschöne Fruchtnoten, Stachelbeeren, Feigen, helle Rosinen
Geschmack: würzige Röstnoten, cremig, süß, saftig, vollmundig. Ein Hauch Schokolade.
Nachklang: mittellang

Dieser Armorik Single Port Cask ist mein persönlicher Liebling des Abends. Mit ca. 75 Euro ist er leider auch die teuerste Abfüllung in diesem Tasting.



Armorik. Foto: MargareteMarie


8. Armorik Millésime 2002/2015, Sherry cask, 55.5%

Bei dem Millésime handelt es sich um eine jährliche, limitierte Vintage-Abfüllung. Zum ersten Mal wurde er 2012 als damals 10jähriger Whisky abgefüllt. Inzwischen liegt bereits die vierte Auflage des Millésime vor. Wie seine Vorgänger stammt er aus dem Jahr 2002  und ist mit 13 Jahren die bisher älteste Abfüllung der Destillerie.

2011 hatt man dazu neunjährigen Whisky aus Ex-Bourbon Fässer in Oloroso-Fässer umgefüllt. Der Millésime 2015 stammt aus  Olorosofass Nr. 3260, in dem er vier weitere Jahre nachreifen konnte. Insgesamt ergab das Fass 739 Flaschen, doch nur 180 Flaschen sind für den deutschen Markt bestimmt.

Der Millésime soll auch in Zukunft regelmäßig erscheinen, doch leider sind nur noch 10 jener Sherry-Fässer übrig, die 2011 mit 9jährigem Whisky befüllt wurden. Wahrscheinlich wird jedes Jahr nur ein Fass abgefüllt werden.

Der Millésime ist nicht nur für Sammler interessant, er bietet auch eine wunderbare Gelegenheit, den Reifeprozess des Armorik über einige Jahre hin verfolgen zu können.


Aroma: süße Honignoten, schöne Fruchtnoten, Birne, Stachelbeere, zarte Vanille

Geschmack: Röstaromen, nussig, auch etwas Bitter-Schokolade, Sherry-Töne, sehr ausgewogen. Unglaublich weich. Trotz seiner 55.5% verträgt er Wasser  nicht besonders - also Vorsicht mit der Pipette. Mir hat er unverdünnnt am besten geschmeckt.

Nachklang: mittellang

Der Millésime ist nicht ganz so vollmundig wie der Single Port Cask, aber reifer, runder, komplexer. Das Oloroso-Fass beginnt allmählich, die Aromen aus dem Bourbon-Fass in den Hintergrund zu drängen. Der Millésime 2015 macht Lust auf die kommenden Abfüllungen, wenn sich das Oloroso-Fass immer weiter ausbreiten wird.

Armorik. Foto: MargareteMarie

MargareteMarie meint:

Ein tolles Vertikal-Tasting, das Corry und Didi hier zusammen mit Clémence Vedrenne gegeben haben. Der Vortrag von Clémence war äußerst informativ, und die Auswahl der verschiedenen Whisky-Expressionen war sehr gekonnt. 

Wir wurden dabei vom New Make über den Blend, die Standards, einer ungewöhnlichen Variante, zwei verschiedenen Einzelfassabfüllungen bis hin zum derzeit ältesten erhältlichen Whisky geführt und haben auf diese Weise einen sehr umfassenden Einblick in die Möglichkeiten bekommen, die der Armorik zu bieten hat. 

Obwohl der Whisky noch recht jung ist, ist er jetzt schon richtig gut - und er wird von Jahr zu Jahr besser werden. Mich hat der Armorik überzeugen können, und ich bin gespannt, wie er sich in Zukunft weiter entwickelt.


Ach, übrigens...

... an dem Abend waren zu meiner Überraschung auch viele Sharing Angels Mitglieder da, die wohl alle mit Tom Zemann seinen runden Geburtstag feiern wollten. Es gab dann in der Pause und nach dem Tasting viel Leckeres zu Essen, und die Stimmung war an diesem Abend einfach fantastisch. 

Ich bin viel zu spät nach Hause gefahren. Aber es hat so verdammt viel Spaß gemacht;-) 

Nochmals ein großes Dankeschön an Corinna Schwarz und Dietmar Schulz von AlbaImport für dieses Tasting, an Clémence Vedrenne für die vielen Informationen und an Tom und Diana Zemann für die tolle Organisation und das Büffet.

Clémence, Corinna. Armorik. Foto: MargareteMarie

 Whisky-Autor E. Scheiner. Armorik. Foto: MargareteMarie

Leckeres Büffet. Armorik. Foto: MargareteMarie

Was hat der Tom der Silke da wohl ins Ohr geflüstert?


Sharing Angels Corry, Silke, Clémence, Gastgeberin Diana.


Und auch Clémence bekommt ihren Button:-) Armorik. Foto: MargareteMarie

Ganz viele Sharing Angels. Und ein Supporter. Armorik. Foto: MargareteMarie







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