Geheimtip Delitzsch: Indie-Whisky-Summer-Party Teil I

Aus der Musik-Branche kennen wir den Begriff der Indie-Label schon seit langem. Doch auch in der Whisky-Branche gibt es sie: die "independent whisky bottlers", die unabhängigen Abfüller. Noch gelten die meisten von ihnen als Geheimtip. Am vergangenen Wochenende traf sich die Haute-Volée der deutschen Whisky-Indie-Szene  in einem kleinen Städtchen in der Nähe von Leipzig.  
 

 
Abseits von den großen Messen und bekannten Veranstaltungen fand rund um die alte Stadtpfarrkirche in Delitzsch die erste "Independent Whisky Summer Party" statt, und einige der besten Whisky-Händler der Republik waren dem Ruf des Veranstalters gefolgt. Denn eingeladen hatte zu diesem ganz besonderen Whisky-Festival einer der alten Hasen der Szene. Oder vielleicht sollte ich lieber sagen: ein alter "Indianer" - Jens Fahr aus der Altstadtkneipe Nr. 2.

Seit über 20 Jahren wird in Delitzsch im Juni das Peter-und-Paul-Stadtfest gefeiert, und seit einigen Jahren gehört Jens Fahr auch zur Organisations-Gesellschaft. In diesem Jahr hat er sich einen ganz persönlichen Wunsch erfüllt: direkt vis-à-vis seiner Altstadtkneipe  stand während der Festtage auch ein kleines Whisky-Indie-Sommer-Zeltdorf.


Gleich am Eingang dieses Whisky-Dorfes hatte "Best Dram" seinen Stand aufgebaut. Erst im Februar diesen Jahres wurde die Firma gegründet, doch die beiden Köpfe dahinter sind keine Neulinge im Whisky-Geschäft. Mike Müller führt seit vielen Jahren erfolgreich die Saxo-Bar in Remscheid, die 2008 von einer Fachjury zur besten Whisky-Bar Deutschlands gewählt wurde. Und Michel Reick ist der Betreiber des Whisky Dungeon in Münster, das nicht nur über 500 verschiedene Whisky-Sorten, sondern auch exklusive Biere, Aktionstage und Musik-Events zu bieten hat. Bei den Abfüllungen von "Best Dram" handelt es sich überwiegend um Einzelfass-Abfüllungen in geringer Auflage. Seit drei Wochen ist die Firma auch General-Importeur der "Old Masters" Reihe.

Unterstützung am Stand in Delitzsch: Klaus Reupke
 
Speyside Mysteria. (K)ein Balvenie?
Besonders interessiert hat mich an diesem Abend der  Speyside Mysteria, denn laut Etikett handelt es sich dabei um einen 24jährigen Blended Malt aus dem Bourbon Cask, dessen Herkunft nicht genannt werden darf. Auf Nachfragen hat man mir bestätigt, dass es sich um einen "teaspooned" Malt handelt, also um einen  Single Malt, der mit einem Teelöffelchen bzw. einer kleinen Menge Whisky aus einer anderen Brennerei "verunreinigt" wurde. Mich hat das Teelöffelchen Glenfiddich oder was es sonst gewesen sein könnte nicht gestört, mir hat dieser fruchtig-samtige Speysider hervorragend geschmeckt.


Melanie Skowronek, Christian Priess
 
Auch Anam na h-Alba gehört noch zu den jungen, aufstrebenden Abfüllern in unserem Land.
Gegründet wurde die Firma 2012 von Thomas Skowronek, der seither schon einige Bestseller im Angebot hatte. Das Sortiment besteht überwiegend aus Einzelfass-Abfüllungen, viele davon in Fassstärke, und immer ohne Farbzusatz und nicht kühlgefiltert.
Bei Anam na h-Alba finde ich am Stand auch die Festival-Abfüllung, einen 19 Jahre alten Miltonduff aus dem Bourbon Hogshead  mit einem Amontillado-Finish. Die Nachreifung hat dem Whisky eine traumhafte, fast kupfer-orangene Farbe beschert. Auch der Geschmack überzeugt, die Flasche wandert in meine Einkaufstüte.
 

WM Spirits: Wagmüller + Meier. The Admiral's Cask.

 
Seit fast 6 Jahren betreibt Uwe Wagmüller sein Geschäft "Finest Whisky" in Berlin. Zusammen mit seinem Partner Jan Meier hat er in Lüneburg auch "MW Spirits" gegründet. In Delitzsch hat er die Abfüllungen der Serie "The Admiral's Cask" am Stand dabei. Dass die Whiskys überdurchschnittlich gut sind, versteht sich von selbst. Doch das eigentlich Besondere sind in diesem Fall die Label: jede Flasche trägt ein individuelles Etikett, das aus einer alten Seemanns-Karte herausgeschnitten wurde.
Für jedes Fass gibt es eine eigene Karte, und auf der Internet-Präsenz von WM Spirits kann man nachschauen, welches Stückcken der Karte auf welcher Flasche gelandet ist. Individueller geht's wohl kaum noch.

Und auch die nächste Sonderserie haben Uwe und Jan bereits mit nach Delitzsch gebracht: die Lunar Series. 12 Abfüllungen sind geplant, das Etikett wird jeweils ein chinesisches Tierkreiszeichen tragen. Den Anfang wird wohl ein 29 Jahre alter Tamdhu von 1984 machen. Die Auflage des Prototyps war ausgesprochen klein: nur 8 Flaschen wurden abgefüllt.

 

Neben seinen eigenen Abfüllungen hatte Uwe auch die Abfüllungen eines weiteren Berliners dabei: Lars Göran Wiebers. Unter dem Namen Jack Wiebers Whisky World  bringt er seit 1999 immer wieder erfolgreich eigene Serien auf den Markt. Berühmt wurde er zunächsst mit der Reihe der "Scottish Castles", aber auch die Reihen "Old Train Line"  oder "Great Ocean Liners" sind bei Sammlern mittlerweile sehr begehrt.

 
Kultstatus haben inzwischen die Serie "Wanted", die bekannten Persönlichkeiten der (deutschen) Whiskyszene gewidmet ist, sowie seine rauchige Islay-Abfüllung "Jack's Pirate Whisky".
Besonderes Kennzeichen der Piraten-Serie ist der Jack-Russel-Pirat, der jedes Etikett ziert. "Das gestohlene Schiff Teil V" ist eine Single-Malt Abfüllung mit einem Finish im Port-Ellen-Sherry-Fass und gehört zu meinen Lieblingen aus dieser Serie.

Teil II folgt in Kürze




Kommentare

  1. Hi, und viele Grüße aus Delitzsch,
    Sag mal wolltest Du nicht mal einen zweiten Teil über die "Party" schreiben?
    VG Thilo

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    1. Upps! Thilo, du hast recht! Ich bin den zweiten Teil bis heute schuldig geblieben. Ich werde es noch vor der Interwhisky nachholen!

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