Interwhisky Frankfurt 2015

Drei Tage lang drehte sich im Gesellschaftshaus des Frankfurter Palmengarten alles um Whisky. Die Frankfurter Interwhisky war in diesem Jahr von ihrem alten Standort im Palais an diesen neuen Ort gezogen. Aber konnte sie auch den damit verbundenen hohen Erwartungen gerecht werden?



Die Interwhisky Frankfurt ist Deutschlands älteste Whiskymesse, und die wichtigste. Bis jetzt jedenfalls. Denn Messe-Ausrichter Christian H. Rosenberg verfügt als Master Keeper of the Quaich über beste Verbindungen  zu den Top Leuten der schottischen Whisky-Industrie. Auch in diesem Jahr waren die Großen Namen in der Branche wieder vertreten: Richard Paterson (Dalmore), Andy MacDonald (Glenmorangie), John Campbell (Laphroaig), Kirstie MacCallum (Bunnahabhain), Ian Allan (Glen Moray) und Ronny Cox (Glenrothes) begeisterten die Gäste in den vier Tasting-Räumen und am Stand. Auch Stephen Teeling (Teeling), Peter Wills (Kilchoman), Harry Tayler (Wolfburn), Sayumi Oyama (Nikka), Keita Minari (Suntory) und viele bekannte Gesichter aus der deutschen Whisky-Szene waren da.



Keine andere Whisky-Messe bietet so viele Gelegenheiten, Brennereibesitzer, Manager und Master Blender hautnah und persönlich zu erleben. Wobei hautnah beinahe wörtlich genommen werden kann: zeitweise war es - wie auch in den Jahren zuvor - wieder einmal brechend voll. Über 8.600 Besucher zog die Interwhisyk an diesem Wochenende an. Besonders am Samstag wurde es recht eng, und nachmittags mussten die Besucher mit Wartezeiten von über einer halben Stunde rechnen, ehe man überhaupt Einlass fand. Ganz egal, ob  man schon ein Ticket hatte oder nicht. Selbst ein Presse-Ticket half nicht immer weiter, wie ein Kollege von mir frustriert feststellen musste. Es passten einfach nicht mehr Leute hinein.  Ganz besonders ärgerlich war es natürlich, wenn man deshalb eine gebuchte Master Class verpasste.  Da konnte auch der Whisky, der den Wartenden vor dem Palmengartenhaus kostenlos angeboten wurde, nicht mehr trösten.

Besser war bedient, wer Freitags oder Sonntags kam. An diesen Tagen war es nicht ganz so voll, die Wartezeiten waren recht kurz und die Besucher  konnten die Schönheit des Gesellschaftshauses im Palmengarten auch genießen. Der historische Festsaal aus der Zeit des Spätklassizismus ist überaus prachtvoll und lichtdurchflutet und gewährt zudem durch riesige Glasfronten Einbick in den Frankfurter Palmengarten. Die rundum verlaufende Empore lud ein zum Schlendern und bot einen wunderbaren Überblick über die Aussteller. Da blieb kein Stand unentdeckt.



Knapp 60 Tastings wurden von den hochkarätigen Referenten angeboten, und über 20 davon sogar kostenlos.  Insgesamt standen vier Tasting-Räume zur Verfügung, außerdem eine Raucherlounge, ein Bar- und Catering-Bereich sowie eine geräumige Außenterrasse. Neu war in diesem Jahr der "Neuheiten-Raum" des Whisky-Botschafters, der rege in Anspruch genommen wurde.

Und natürlich gab es jede Menge Whisky, über 500  Abfüllungen standen den Besuchern an den drei Tagen zur Verfügung.  Auch seltene oder besondere Flaschen konnte man beim Herumschlendern entdecken, wie etwa den Yamazaki Sherry Cask 2013, den Jim Murray 2014 zum besten Whisky des Jahres ernannt hatte, oder einen Glen Grant von 1959, Glenmorangie Quarter Century, Kininvie 23, Wolfburn New Make, Dalmore 21, Hibiki 17 oder auch der Laphroaig 32, um nur ein paar zu nennen.

Schon Freitags war im Rahmen eines kleines Festaktes der "Whisky-Guide Deutschland 2016" vorgestellt und die "Germany's Best Whisky Awards" verliehen worden, über die ich ja schon berichtet habe - [hier] nochmal der Link.



Einige Wermutstropfen gab es aber auch. An die überdurchschnittlich hohen Preise in Frankfurt hat man sich ja schon gewöhnt. Dass aber wichtige Brennereien nicht vertreten sind, ist weniger schön. So suchte ein Pärchen am Tisch neben mir verzweifelt seinen Lieblingswhisky im Ausstellungskatalog. Doch der Caol Ila war nicht gelistet,  Diageo hatte in diesem Jahr keinen Stand auf der Messe. Die "Classic Malts of Scotland", Mortlach, Brora und Clynelish, sie  alle fehlten in Frankfurt! Und auch Kavalan habe ich schmerzlich vermisst. Ich hoffe, dass sie im nächsten Jahr wieder dabei sein werden.

MargareteMarie meint:

Im Vergleich zu den letzten Jahren hat der Ortswechsel eine deutliche Verbesserung gebracht. Das historische Gesellschaftshaus im Palmengarten ist luftig, lichtdurchflutet und  wunderschön. Endlich gibt es wieder kurze Wege zu den Catering- und Tasting-Räumen und auf  der Empore hat man einen wunderbaren Überblick - allerdings nur zu Randzeiten. Am Samstag waren die Räumlichkeiten wieder einmal hoffnungslos überfüllt, wie die vergangenen Jahre auch. 

Eine Messe, die den Anspruch hat, die wichtigste Whisky-Messe der Republik zu sein, muss sich auch den Anforderungen an die entsprechende Größe stellen. Andere Whisky-Messen mieten eine komplette Stadthalle oder ein ganzes Museum, um optimale Bedingungen bieten zu können  - nicht nur für das Publikum, sondern auch für die Aussteller. 

Kostenloses Wlan in ausreichender Kapazität für all die vielen Blogger, Facebooker, Instagramer, Twitterer und Pinterest-Nutzer, die die Interwhisky anzieht, wäre für Deutschlands wichtigste Whisky-Messe wegweisend und zeitgemäß. 

So schön das Palmengartenhaus auch ist - es konnte nicht alle Probleme lösen. Die Suche nach einer geeigneten Location für die Frankfurter Interwhisky wird wohl weiter gehen.

Hier noch ein paar Foto-Impressionen.


























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