Rum oder Whisky - was ist besser? "Extrem-Tasting" mit Rum-Festival-Gründer Dirk Becker

Rum und Whisky gelten als sehr unterschiedliche Spirituosen und man sollte sie eigentlich nicht im gleichen Line-up mischen. Dirk Becker und ich haben es trotzdem gemacht - und das Ergebnis brachte jede Menge Spaß und eine große Überraschung für uns beide.


Fleißige Leser meines Blogs werden wissen, dass ich Anfang des Sommers eine kleine Reihe über die besonderen Brennblasen und den Rum von Jamaica gepostet hatte. Diese Reihe sollte Folgen haben!

Meine lapidare Bemerkung, dass die Ultra-High-Ester-Rums von Jamaica gar nicht zum Pur Trinken gedacht sind, sondern zum Blenden, hat Dirk Becker, Organisator und Gründer des Rum Festivals in Berlin, zum Anlass genommen, mich zu einem "Extrem-Tasting" nach Berlin einzuladen.

Dirk Becker, Gründer und Organisator des German Rum Festivals in Berlin


Den Fedehandschuh, den mir "Rumperador" Dirk zugeworfen hatte, musste ich natürlich aufgreifen. In Erwartung, dass Dirk mich mit einer High-Ester-Armada bombardieren würde, hatte ich mich mit drei besonders schlagkräftigen Whiskys bewaffnet. Und natürlich mussten auch zwei Whiksys aus Islay in meinen Koffer - wohlwissend, dass Dirk rauchige Whiskys nicht ausstehen kann. Aber ich war entschlossen, ihn nicht zu schonen! 

Natürlich kam es dann ganz anders als gedacht, und am Ende des Tastings gab es für uns beide eine Riesen-Überraschung. 

Dirk hatte den großen Vorteil, dass er ein riesiges Arsenal an Rums um sich herum stehen hatte, mit denen er meine "Whisky-Attacken" geschickt kontern konnte.

1. Tasting Paar

1. Tasting Paar: Fettercairn 16 Batch 1 gegen S.B.S. Jamaica 2020 mit PX-Sherry-Finish

Zum Einstieg hatte ich einen Fettercairn 16 gewählt, der mit Chocolate Malted Barley und einem Finish in Sherry-und Portweinfässern einen abwechslungsreicher und facettenreichen Whisky bietet, und gleichzeitig sehr harmonisch und rund ist. Dirk konterte mit einer Single Barrel Abfüllung Jamaica C<>H 2020-2022, die in diesem Jahr als Sonderabfüllung zum 11. German Rumfestival abgefüllt worden war und ein Finish in einem PX-Fass erhalten hatte. Ebenso wie der Fettercairn 16 war auch der Rum sehr üppig in seinen Aromen, dazu aber gleichzeitig sehr rund und harmonisch, und durch das PX-Finish stellten sich für Whisky-Trinker vertraute Aromen ein. Trotz seines jungen Alters konnte der S.B.S. Rum dem Fettercairn durchaus Paroli bieten.


2. Tasting Paar.

2. Tasting Paar: Bowmore Devil's Cask gegen Rum Club Private Selection Edition 1995-2022

Für die zweite Runde hatte ich mit dem Bowmore 10 Devil's Casks Batch 1 ein etwas stärkeres Geschütz aufgefahren. Mit einer Vollreifung in reinen 1st Fill Sherry-Fässern, einem dezenten Rauchton und einem Alkohol-Gehalt von 56,9% fordert dieser äußerst dunkle Bowmore mit Noten von Espresso, Tabak und Tanninen unsere Geschmacksnerven heraus. Dirk setzte gegen dieses dunkle Teufelchen ein jamaikanisches Schwergewicht und forderte den Höllenfürst von Islay mit einem 26 Jahre alten Jamaica-Rum mit starken 67,1% vol heraus: RumClub Private Selection Edition 27 Jamaica EMB 1995-2022.

Im Aroma trumpfte der Jamaica Rum mit einem enormen tropischen Fruchtkorb auf, der mich als Whisky-Trinker sehr begeisterte. Auf der Zunge kam dann die große Überraschung - der Rum prunkte mit einer großen Komplexität, aber auch vielen Aromen, die mir vollkommen fremd waren. Auch diesmal konnte der Rum problemlos gegen den Bowmore bestehen, hat mich aber mit seiner bizarren Mischung aus klirrend hellen Esternoten, Minze, Holz und Teer in unbekannte  Geschmacksbezirke geführt. Ähnlich wie manch alter Whisky setzt auch dieser alte Rum eine gewisse Kennerschaft voraus, um die ungewöhnlichen Aromen auch würdigen zu können. 

Blick hinter die Kulissen


Mich als Rum-Novizen hat diese Abfüllung gleichzeitig fasziniert und an meine Grenzen geführt. Auch Dirk hatte mit dem Bowmore-Rauch bereits an seinen geschmacklichen Grenzen gekratzt, und verriet uns dabei, dass er bei zuviel Rauch schon mal ins Spucken kommt. 

Da waren wir natürlich alle sehr gespannt, was die letzte Runde bringen würde.

3. Tasting Paar.

3. Tasting Paar: Ardbeg Grooves gegen Lost-Distillery Rum von Shinanoya.

Für die dritte Tasting Runde hatte ich mir mit dem Ardbeg Grooves Committee Edition (51,6%) einen Champion aus Islay eingepackt, den Dirk ursprünglich mit einem S.B.S. Rum aus Guyana von 2006 mit 56,4% bezwingen wollte. 

Doch die Mitglieder der Rum-Community, die den Live-Stream vor ihrem PC verfolgten, schlugen einen Single Cask Rum des japanischen Abfüllers Shinanoya vor, der aus einer Lost Distillery stammte und mit starken 68,1% in die Flasche kam. 

Um welche Brennerei es sich gehandelt hat, könnt ihr euch jetzt sicher schon denken. 

Wie die letzte Tasting-Runde ausgegangen ist, verrate ich euch jetzt nicht, aber es gab tatsächlich eine ganz große Überraschung für Dirk und für mich das ganz große Rum-Kino. 

Dirks Living Bottle wird demnächst versteigert.



Natürlich haben wir vor der Kamera nicht nur getrunken, sondern auch ganz viel geplaudert über Brennblasen, alte und neue Trends, Dirks Fasslager und viele andere Dinge aus der Welt von Whisky und Rum. 

Wenn ihr jetzt Lust auf unser Whisky-und-Rum-Extrem-Tasting bekommen habt, dann könnt ihr euch gerne die Aufzeichnung anschauen, das Video findet ihr hier:



Und ganz herzlichen Dank an Dirk für dieses unbeschreibliche Tasting-Vergnügen.

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