Tasting Notes: Glenallachie 2011/2022 Cuvée

Nach dem großen Erfolg des Cuvées im vergangenen Jahr hat GlenAllachie nun erneut ein Cuvée auf den Markt gebracht, exklusiv abgefüllt für Kirsch Import. Die Farbe ist vielversprechend - das Auge lacht, und die Zunge frohlockt. 



Für seine Sonderabfüllungen hat das Team von Kirsch Import bisher immer ein sehr gutes Händchen bewiesen, und das GlenAllachie Cuvée hat mich im vergangenen Jahr absolut begeistert. 

Vor ein paar Tagen habe ich das neue Cuvée von Kirsch Import erhalten, und entsprechend gespannt war ich natürlich.

 "Cuvée" ist eigentlich kein Begriff, der aus der Whisky-Branche stammt, sondern ist der Weinwelt entnommen, und kann unterschiedliche Bedeutungen haben. In Frankreich bezeichnet man damit eine Abfüllung, die aus nur einem Weingut stammt, aber Weine aus verschiedenen Lagen oder aus verschiedenen Rebsorten beinhaltet. Ziel eines Cuvées ist, durch diese Zusammenstellung zu einem besonderen Geschmackserlebnis zu kommen - und genau das will man bei GlenAllachie mit diesem Cuvée erreichen. 

GlenAllachie gehört zu meinen derzeitigen persönlichen Lieblingen, da hier seit einigen Jahren fantastische Dinge in den Lagerhallen passieren. Wie viele von euch ja wissen, ist der neue Besitzer der Brennerei, Billy Walker, eifrig damit beschäftigt, das einstige Arbeits-Tier des Pernod Ricard-Konzerns in eine kleine, feine Single-Malt-Perle umzuwandeln. 

Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg war die Absenkung der Produktionsmenge und Verlängerung der Fermentationszeit. Klasse und Masse gehen halt nur selten gut zusammen. Ein Großteil der Bestände, die bisher in durchschnittlichen Ex-Bourbon-Fässer lagerten, wurde in den letzten Jahren bereits umgefüllt in erstklassige Sherry- und Süßweinfässer. Vollreifungen in Sherry- und Weinfässern brauchen allerdings noch ein paar Jahre, bis dahin dürfen wir uns mit Finish-Abfüllungen vergnügen.

Für die Cuvée-Abfüllung wurden Whiskys ausgewählt, die 2011 gebrannt und zunächst in Ex-Bourbon-Fässern gelagert wurden, ehe sie dann in Sherry-Puncheons, Madeira-Barrique-Fässer und Port-Pipes umgefüllt wurden. 

Der erste Blick verrät bereits, dass die Mischung farblich absolut gelungen ist. Doch wie die Briten so schön sagen: "The proof of the pudding is in the eating...." Testen wir also, wie er tatsächlich schmeckt:

Hier meine Tasting Notes:

GlenAllachie 2011/2022  Cuvee, Madeira-, PX- und Port-Fass-Finish, destilliert 2011, abgefüllt 2022, 11 Jahre, Exklusiv-Abfüllung für Kirsch Import, nicht kühlgefiltert, natürliche Farbe, 54,9%

Farbe: tiefes mahagoni-Rot

Aroma: die Weinaromen dominieren das Glas und drängen nach oben als wollte jedes Fass beweisen, dass es das bessere ist. Dieses Cuvée erinnert mich an einen Pfau, der sein ganzes Gefieder demonstrativ im Rad aufschlägt um zu zeigen, dass er der schönste Kerl im Universum ist. Und so, wie mich ein Pfau immer wieder mit der unendlichen Farbenpracht seines Federkleids beeindrucken kann, so kann mich auch dieses Cuvée mit seinen unglaublich vielfältigen, kräftigen und zur Schau gestellten Aromen-Facetten für sich gewinnen. 

Kräftige Malznoten, Rosinen, Haselnüsse, Mocca-Noten, Orangen, dunkle Trauben, Kirschen, Mandelsirup, Zimt, Anis und Waldhonig - alles dick aufgetragen, welch eine Pracht! Die leichte Holzstaubnote im Untergrund gerät da fast in Vergessenheit.

Geschmack: süß, kräftig, süffig, saftig - ein mittelschweres Mundgefühl, bei dem der Whisky von GlenAllachie schon fast erdrückt wird von den Weinfass-Aromen. 

Nachklang: mittellang, mild, und leicht trocken, mit einer dezenten Holznote.

Fazit: Gelungene und wohl ausbalancierte Geschmacksbombe. Da haben sich alle guten Geister des Sherry-, Madeira- und Portweinfasses vereinigt, um mir eine Freude zu machen. Schöner kann ein Whisky in dieser Alters- und Preisklasse heutzutage gar nicht mehr sein. (UVP ca. 70 Euro)


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