Tasting Notes: Vier Jahrzehnte der Whisky Agency (TWA)

Mit alten Whiskys ist es wie mit Geld: man spricht nicht darüber, sondern man hat es. Über die Abfüllungen der Limburger Whisky Agency wird in den Sozialen Medien kaum gesprochen. Bei Whisky-Kennern sind sie dennoch äußerst begehrt, und immer in Windeseile ausverkauft.


Die Abfüllungen der Whiky Agency sind nicht gerade billig, man muss mitunter recht tief in die Geldbörse greifen, wenn man eine haben will. Sofern man überhaupt eine bekommt, denn die Abfüllungen sind immer sehr schnell ausverkauft. Im Gegensatz zu so manch anderem Abfüller hat sich die Agency vor allem auf Whiskys mit hohen Altersangaben spezialisiert. Und die werden immer begehrter, und deshalb auch teurer.

Zumeist umfassen die Releases der TWA mehrere Jahrzehnte, die preislich ein weites Feld abdecken. Heute möchte ich euch vier Abfüllungen aus vier verschiedenen Jahrzehnten vorstellen, die im Winter 2020 von TWA herausgebracht wurden:

TWA "Keep Going" Secret Speyside Distillery 1973

TWA "Keep Going" Tormore 1988

TWA "Keep Going" Benriach 1997

TWA "Keep Going" Longmorn 2005

Doch ist der älteste Whisky auch automatisch der Beste? Und wie unterscheiden sich Whiskys aus den 1970er oder 1980er Jahren eigentlich von Whiskys aus unserem Jahrtausend? 


1. TWA Winter Release 2020, "Keep Going", Secret Speyside Distillery 1973, 47 Jahre alt, Hogshead, 338 Flaschen, 45.0%


Aroma: Wow! Der Duft von frischem Apfelsaft strömt mir als erstes entgegen. Dann kommen alte Bücher und süße Früchte - Birnen, Orangen, Mandarinen, unreife Bananen. Die Gewürznoten sind dominiert von Ingwer und Zimt, untermalt von einer leichten Nussigkeit.

Geschmack: Volles Mundgefühl. Kräftig, wachsig, leicht ranzig, mit Orangenschalen und grünem Tee.

Finish: lang, weich, ergiebig

Gesamteindruck: einer dieser "Secret Speyside" Abfüllungen der TWA, die einem mit ihrer überbordenden Fruchtigkeit die Sprache verschlagen. Vermutlich ein Sherry-Hogshead, mit einer Aromenfülle, die betörend ist. Eine Offenbarung.


2. TWA Winter Release 2020, "Keep Going", Tormore 1988, 32 Jahre, Hogshead, 187 Flaschen, 47.1%

Aroma: zart und delikat, mit intensiven Duftnoten von Bienenhonig, Bohnerwachs, Blütenduft und Stachelbeeren. Dazu Holundersirup, Pinienholz und Mandelbaiser. Je länger er im Glas verweilt, desto mehr öffnet er sich. 

Geschmack: sanft, mit vollem Mundgefühlt und sehr ölig. Der läuft wie geschmiert die Kehle hinunter.

Nachklang: sanft, warm und lang.

Gesamteindruck: Filigran, süß, intensiv und elegant. Vermutlich Bourbon-Hogshead. Gegen den Secret Speyside von 1973 kann er nicht ganz mithalten, aber dennoch ein sehr profunder und erstaunlich frischer Malt. Genau das richtige, um an einem lauen Sommerabend auf der Terrasse zu sitzen und langsam in die Nacht zu gleiten. 


3. TWA Winter Release 2020, "Keep Going" Benriach 1997,  23 Jahre, Sherry Butt, 427 Flaschen, 50.7%

Aroma: Aprikosenmarmelade und etwas Orange. Wirkt verschlossen und braucht etwas Zeit. 

Geschmack: sattes Mundgefühl, mit Tabak- und Walnuss-Noten, auch grüne Töne und leicht bitter. 

Nachklang: mittellang, etwas blass.

Gesamteindruck: Ein delikater Benriach. Das war wohl kein 1st-fill-Fass. In der Nase für mich etwas zu schwach, auf der Zunge kann er dann besser punkten. In dieser Vierer-Reihe der Schwächste.


4. TWA Winter Release 2005, "Keep Going", Longmorn, 15 Jahre, Sherry But, 323 Flaschen, 49.2%

Aroma: Wonneproppen! Reichhaltige Sherry-Aromen, mit roten Beeren, Pflaumen, Rosinen, Nüssen, Milchschokolade und ganz viel Toffee-Duft.

Geschmack: üppiges Mundgefühl, mit einem leichten Holzeinschlag, Rosinen, Leder, Tannine und Orangen.

Nachklang: lang, mit leichten Tanninen

Gesamteindruck: Die Abfüllung beweist wieder einmal, wie toll Longmorn sein kann.


FAZIT:

Whiskys im Alter von 30-50 Jahren sind eine Klasse für sich. Sie sind hoch intensiv, die Aromen sind dicht und komprimiert. Ob das nun einfach nur an der langen Reifezeit liegt, oder ob die Whiskys in den 1970 und 1980er Jahren grundsätzlich besser waren als heute, ist ein heiß diskutiertes Thema. 

Dass auch jüngere Whiskys dennoch mithalten können, belegt der Longmorn eindrucksvoll. Während der Secret Speyside und der Tormore durch ihre lange Reifezeit brillieren können, kann der Longmorn durch eine gute Fasswahl punkten. 

Da es sich um vier TWA-Abfüllungen aus dem letzten Winter handelt, dürfte es trotz der hohen Preise  schwierig sein, noch eine Flasche zu ergattern. 


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