Tasting Notes: Ardbeg Traigh Bhan 19 Jahre

Im September soll er endlich kommen: Ardbeg 19. Und er soll bleiben. Zum ersten Mal seit 20 Jahren erweitert Ardbeg sein Portfolio um eine weitere Abfüllung mit Altersangabe. Ardbeg Traigh Bhan 19, ausgesprochen "Träi Wan", wird in einer jährlich wechselnden Kleinserie dauerhaft im Sortiment erhältlich sein. Ob er so gut ist wie weiland der Ardbeg 17?

 

Echte Ardbeg-Fans haben seit Jahren auf diesen Moment gewartet: Endlich gibt es wieder einen Ardbeg mit Altersangabe. Und was für ein Alter. Nicht bescheidene 12 oder 15 Jahre, sondern ganze 19 Jahre wird die neue Abfüllung haben. Und sie soll dauerhaft im Portfolio bleiben.

So groß die Freude darüber ist, man kommt doch nicht umhin, den "Neuen"  zu vergleichen. Die Fans unter euch kennen die Geschichte: vor mehr als zwei Jahrzehnten stand die Brennerei fast vor dem völligen Aus. Doch Ardbeg blieb das Schicksal von Port Ellen erspart. Der Erwerb durch die Glenmorangie Plc. machte einen Neustart möglich, und gleich zu Beginn brachte man einen Whisky heraus, der die Brennerei quasi über Nacht zu einem Star unter den Brennereien machte: den Ardbeg 17.
 

In den vergangenen Jahren hatte ich öfter das Vergnügen, Dr. Bill Lumsden zu treffen, den Director of Distilling, Whisky Creation and Whisky Stocks bei Ardbeg. Und natürlich habe ich ihn auch nach einer Neuauflage des legendären Ardbeg 17 gefragt. Dr. Bill ließ keinen Zweifel daran, dass es einen Ardbeg 17 nie wieder geben wird. Der Grund ist nachvollziebar: Die Fässer, die es damals im Lagerhaus von Ardbeg gab, und die in den Ardbeg 17 einflossen, gibt es nicht mehr. Und wird es in dieser Form auch nie wieder geben.

Jetzt ist also endlich ein Nachfolger da: Ardbeg 19. Ebenso wie beim Ardbeg 17 hat man auch diesmal eine ungewöhnliche, untypische Altersangabe gewählt.  Natürlich liegt ein Vergleich mit dem Ardbeg 17 nahe. Aber kann man die Abfüllungen überhaupt vergleichen? Immerhin liegen mehr als zwei Jahrzehnte dazwischen, und in der Whisky-Welt hat sich seither viel verändert.

 

Laut Pressemitteilung, die anlässlich der Markteinführung des Ardbeg 19 versandt wurde, wird der "Neue" in kleinen Batches abgefüllt werden, die jährlich wechseln. Damit sich die Batches auch unterscheiden lassen, wird jede Flasche auf dem unteren Etikett und auf dem Karton gekennzeichnet. Zudem ist geplant, auf der Website Ardbeg.com weitere Informationen bereitzustellen, um geringfügige Unterschiede in den Geschmacksprofilen der einzelnen Batches direkt vergleichen zu können.

Traigh Bhan bedeutet "Singender Strand". Benannt ist die neue Abfüllung nach einem Strand gleichen Namens, der für seinen weißen, weichen Sand bekannt ist.

Traigh Bhan reifte in ehemaligen Bourbon- und Oloroso-Sherry-Fässern, und ab September dauerhaft im Sortiment erhältlich sein. Abgefüllt wurde er mit 46,2%, die UVP liegt bei 199,00 Euro.

Die Marketing-Abteilung von Ardbeg hat mir dankenswerter Weise bereits vorab ein Sample geschickt. Hier meine Tasting Notes: 

Meine Tasting Notes:


Aroma: Der erste Eindruck ist schon gleich ein Brett. Asche, Asche und nochmals Asche. Dazu eine gute Ladung frischer Asphalt. Das wummt deutlich stärker, als ich erwartet hatte. Dann kommt ein süßer Früchtemix, Ananas, Birnen, Pfirsiche. Karamell und Mandelnuss. Darunter versteckt frische Minze mit Zitroneneis.

Geschmack: wunderbar mild, aber nicht lahm, sondern vollmundig und leicht ölig. Und wieder ganz viel Asche und Teer. Leder, Tabak, Tee und gesalzene Nüsse. Breites, kräftiges Mundgefühl. Die 46,2% lassen ihn rund und füllig erscheinen. Da trinkt man gerne ein zweites Glas.

Nachklang: warm und lang.

Fazit: Ein vollmundiger Ardbeg aus dem Bourbon-Fass mit üppigen Rauch- und Teernoten. Einige Sherry-Fässer geben den Extra-Kick. Eine absolute Bereicherung im Portfolio, die zwar ihren Preis hat, angesichts der Preisentwicklung der letzten Jahre aber durchaus ihm preislichen Rahmen geblieben ist.

Natürlich wird es reizvoll sein, den Traigh Bhan 19 in einem Tasting gegen Ardbeg 20something und Ardbeg 17 zu vergleichen. Doch der Ardbeg 19 steht auch alleine sehr gut da, und wirkt wie die erwachsene Ausgabe des Ardbeg 10. Fülliger, reifer, ergiebiger. Wer den Ten mag, sollte irgendwann auch mal den Nineteen probieren.


Vielen Dank an Ardbeg Germany für das Sample.


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