Zu Besuch in der Moonshine Distillery Limburg

Werbung wegen Markennennung.

Wer sich für Whisky interessiert, kennt auch Limburg. Die Stadt ist durch ihre Whisky-Messe seit vielen Jahren als deutsches Mekka der Whisky-Nerds bekannt. Jetzt wird Limburg eine weitere Whisky-Attraktion erhalten: vor kurzem hat hier die Moonshine Distillery eröffnet, in der schon bald Single Malt Whisky im klassischen Pot-Still-Verfahren gebrannt und gelagert werden wird. Ich habe mich vor ein paar Tagen in der neuen Brennerei umgesehen.

Moonshine Distillery, Limburg. ©MargareteMarie


Noch wirkt alles ein bißchen leer und provisorisch in der ehemaligen Kaffeerösterei am Rande der Limburger Altstadt, in die jetzt die neue Moonshine Distillery eingezogen ist. Sobald sich die Tür öffnet, steht man sogleich im geräumigen Verkostungs-Raum, in dem schon bald die Whisky-Fässer lagern sollen. Als ich ankomme, erwarten mich die Betreiber der Brennerei bereits. 

Natürlich will ich zu allererst das Herzstück der Brennerei sehen, und nur wenige Schritte um die raumtrennende Regalwand herum genügen, und schon stehe ich unmittelbar vor der Brennblase, die uns in leuchtendem Kupferrot anstrahlt. Und wie sich das für eine deutsche Verschlußbrennerei gehört, ist der hintere Teil der Anlage, wo der Alkohol kondensiert, auch unter Verschluß - Käfighaltung für deutsche Brennblasen, sozusagen.

Nun sind Brennblasen in unserem Land ja nicht unbedingt eine Rarität, im Jahr 2017 gab es immerhin offiziell 16.801 Brennereien in Deutschland, von denen ungefähr 240 sich auch in der Whisky-Produktion versuchen. Doch eine Alambic Brennblase aus Portugal, die im traditionellen Pot-Still-Verfahren arbeitet, sieht man bei uns nicht allzu oft.

Wie kommt man auf eine solche Idee? Und - hat das in unserem Land überhaupt eine Chance? Meine Neugier ist geweckt, und Christoph und Matthias Rosinski geben mir bereitwillig und geduldig Auskunft auf meine vielen Fragen.

Moonshine Distillery, Limburg. ©MargareteMarie

Christoph und Matthias, das sind Vater und Sohn, und die beiden sind die Betreiber der neuen Brennerei. In der Whisky-Szene sind sie keine Unbekannten, seit 2015 sind sie unter dem Namen "Saar-Whisky" auch als unabhängiger Abfüller für schottischen Single Malt Whisky tätig.

"Mein Sohn hatte damals Betriebswirtschaft studiert, und wie ein Betrieb funktioniert, lernt man am besten, wenn man selber eine Firma gründet," verrät mir Vater Christoph Rosinski augenzwinkernd. Der gebürtige Saarbrücker, der in Limburg lebt, hatte schon lange ein Faible für Whisky und auch die nötigen Kontakte. Sohn Matthias wurde Geschäftsführer, und diese Funktion hat er auch heute noch inne.

Jetzt, vier Jahre später, ist Matthias Rosinski mit seinem Studium fertig, darf sich Master of Science nennen und strebt den nächsten Schritt in seiner Karriere an. Whisky kaufen reicht ihm nicht mehr. Jetzt will er Whisky selber machen. Papa Christoph steht ihm dabei kenntnisreich zur Seite. Der studierte Ingenieur und Fachmann für Energiesysteme hat schon als Student für Party-Stimmung im Wohnheim gesorgt, indem er mit Hilfe von selbst konstruierten Apparaturen in der Wohnheimküche den Geheimnissen der Alkoholdestillation auf den Grund gegangen ist.

Beruflich hat sich Christoph Rosinski später dann mit anderen Energiequellen auseinander gesetzt, doch die Liebe zum Tüfteln hat ihn nie verlassen. Für die neue Moonshine Distillery hat er die Pläne für die neue Brennblase selbst entworfen und dann nach seinen Vorstellungen von der Firma Copper Smith in Portugal bauen lassen.

Moonshine Distillery, Limburg. ©MargareteMarie

Die Brennblase hat ein Fassungsvermögen von 350 Litern und hat den deutschen Zoll vor so manche Herausforderung gestellt. Denn diese individuell angefertigte Brennblase findet sich  in keinem deutschen Zolhandbuch, und die Zollbeamten haben Christoph Rosinski mit ihren seltsamen Vorschriften immer wieder zu neuen, kreativen Sonderlösungen angetrieben. Ergänzt werden wird die Anlage durch eine 100-Liter-Brennblase für den Feinbrand, die in den nächsten Tagen noch installiert werden wird.

Ebenfalls zur Ausstattung gehören noch vier kleinere Experimentier-Brennblasen: ein selbstgebautes Modell mit 35 Litern Kapazität, zwei Brennblasen à 40 Litern und eine besonders kleine mit 10 Litern Fassungsvermögen.

Die Idee zur eigenen Brennerei haben Vater und Sohn sozusagen direkt vor der eigenen Haustür gefunden: die beiden wohnen unmittelbar neben der alten Kaffeerösterei. Vom eigenwilligen Charme der alten Manufakturanlage waren sie schon immer angetan, und da das Gebäude auch alle Brandschutzauflagen erfüllte, lag es auf der Hand, hier eine eigene Brennerei einzurichten. Zudem befindet sich im Keller des Gebäudes noch ein alter Brunnen, den Christoph renovieren will und der in Zukunft das Brauchwasser für die Brennerei liefern wird.

Über ein Jahr haben die Vorarbeiten gedauert, und in der Zwischenzeit haben die beiden allerlei hochprozentige Geister produziert. Besonders gut gefallen hat mir ihre neue Reihe an verschiedenen Absinthen, die alle eine enge Verwandtschaft zu Pastis aufweisen. Und da ich als echtes Kind von der Saar sozusagen mit Pastis aufgewachsen bin, hat mir das Verkosten dieser neuen  Absinth-Sorten besonders viel Vergnügen bereitet.

Besonders beeindruckt hat mich dabei, dass das Aroma-Profil des jeweiligen Absinth tatsächlich in den von Matthias entworfenen Flaschen-Etiketten seinen Widerhall gefunden hat. Ein Blick auf die Flasche genügt, und ihr wisst, was euch im Glas erwarten wird. 

Absinth. Moonshine Distillery, Limburg. ©MargareteMarie

Der besondere Clou der Brennerei ist derzeit ein ganz besonders ungewöhnliches Schnäppschen: der sogenannte "Dibbelabbes-Dibbeschnappes". Hierzu wird pfannenweise das saarländische Nationalgericht - der Dibbelabbes - in der Brennblase mit gekocht, und die schweren Aromen von Lauch, Räucherspeck und gebratenem Kartoffelteig reichern sich üppig und nachhaltig in dem Destillat an. Am ehesten ist der Dibbelabbes-Dibbeschnappes noch mit einem Mezcal vergleichbar. Auf jeden Fall ist diese unkonventionelle Schnappskreation schräg und  eigenwillig - und im Saarland bei Stadtfesten derzeit der absolute Sommerhit.

In den nächsten Tagen wird es in Limburg aber auch mit Single Malt losgehen. Die Reinigungsbrände für die Brennblasen sind bereits abgeschlossen, und sobald der Zoll sein Ok gibt, darf gebrannt werden. Die Rezeptur für den New Make wird nicht verraten, aber immerhin erfahre ich, dass die Hefe von Weihenstefan und das Malz von der schottischen Crisp Malt Group mit Sitz in Stirling stammt, die in der Nähe von Frankfurt auch ein Lager unterhält.

Für 1.500 Euro können Whisky-Fans auch ihr eigenes 30-Liter-Fässchen erwerben, inklusive drei Jahre Lagerung, Abfüllung und Etikettierung. Wer selbst Hand anlegen will, kann ab September auch einen Drei-Tages-Kurs belegen. Der Preis für den kompletten Destillier-Kurs wird voraussichtlich bei 2.500 Euro liegen, inklusive ein 30-Liter-Fässchen, das man am Ende mit dem selbst hergestellten Gerstenbrand befüllen kann.

Christoph und Matthias sind überzeugt davon, dass ihre Whisky-Manufaktur in Deutschland viele Freunde finden wird. Vielleicht haben sie sich ein bißchen von der Erfolgsgeschichte der dänischen  Stauning-Distillery beflügeln lassen, die ebenfalls mit Alamic-Brennblasen arbeitet. Die Pläne für eine Erweiterung der Brennerei sind schon gemacht.

Doch vorerst will man zunächst das erste Etappenziel erreichen: noch in diesem Jahr sollen 50 kleine Fässer befüllt werden. Bei soviel Vorplanung, Kreativität und Einsatzwillen kann der Erfolg eigentlich nicht lange auf sich warten lassen. Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie es weiter geht.

Den New Make gab es natürlich noch nicht zu probieren, aber ein paar neue Whiskys und ein neuer Rum von Saarwhisky, die schon in den Startlöchern stehen, konnte ich schon verkosten. Meine Tasting Notes dazu findet ihr demnächst hier im Blog.


Moonshine Distillery, Limburg. ©MargareteMarie

Moonshine Distillery, Limburg. ©MargareteMarie

Die neuen Abfüllungen von Saarwhisky.  ©MargareteMarie

Moonshine Distillery, Limburg. ©MargareteMarie

Moonshine Distillery, Limburg. ©MargareteMarie

Moonshine Distillery, Limburg. ©MargareteMarie

Moonshine Distillery, Limburg. ©MargareteMarie


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Interview: MM im Gespräch mit Christoph Kirsch, Kirsch Import

Terroir matters - Waterford und die Mission des Mark Reynier

Whisky-Wanderung: mit Rhönschotte Gerson durch das Land der offenen Fernen

Tasting Notes: Waterford Distillery, Single Farm Sample Bottlings

Sommerwhisky: Penderyn, Einzelfass, German Selection by Schlumberger, gereift in einem White Rum Cask, 50%

Neuer Abfüller: Feingeist Project One, 8 Jahre, ungenannte deutsche Brennerei, Laphroaig-Cask-Finish, 57,8%