Special Releases 2018: Talisker 8

Die Special Releases sind fassstarke, ungefärbte und nicht-kühlfiltrierte Abfüllungen von ausgewählten schottischen Single Malt Brennereien. Talisker ist seit Beginn der jährlich erscheinenden Serie ein gerngesehener Stammgast. 



Special Releases, Talisker 8, 59.4% ABV, erstbefüllte Ex-Bourbon-Hogsheads aus amerikanischer Eiche. Limitierte Auflage.

Hintergrund:

Schon in den 1980er Jahren erschien bei Diageo die "Rare Malts" Selection, eine Auswahl an Single Malts von sechs verschiedenen schottischen Brennereien. Damals wurde Single Malt kaum getrunken, die Reihe war mutig, ambitioniert und unglaublich erfolgreich. Einer der sechs war Talisker. 1995, mit zunehmender Beliebtheit von Single Malt, wurde die Reihe erweitert. 2001 wurden  zum ersten Mal die Special Releases aufgelegt. Talisker war gleich zwei mal dabei: Als Talisker 28 und Talisker 25. 2006 gab es erstmalig auch einen dreißig Jahre alten Talisker, 2012 folgte Talisker 35. 

Und jetzt ein Talisker 8. Gereift in tief ausgebrannten amerikanischen First-Fill  Ex-Bourbon-Hogsheads (in denen zuvor Bulleit Bourbon reifte). Da fängt man schon an zu grübeln.

Für die Statistiker unter euch hier die genauen Daten:

2001: Talisker 28 (1973) / 43,3 % ABV
2001: Talisker 25 (1975) / 59,9 % ABV

2002: Talisker 20 (1981) / 62,0 % ABV

2003: Talisker 20 (1981) / 58,8 % ABV

2004: Talisker 25 (-----) / 57,8 % ABV

2005: Talisker 20 (-----) / 57,2 % ABV

2006: Talisker 25 (-----) / 56,9 % ABV
2006: Talisker 30 (-----) / 51,9 % ABV

2007: Talisker 25 (-----) / 58,1 % ABV
2007: Talisker 30 (-----) / 50,7 % ABV

2008: Talisker 25 (-----) / 54,2 % ABV
2008: Talisker 30 (-----) / 49,5 % ABV

2009: Talisker 25 (------) / 54,8 % ABV
2009: Talisker 30 (------) / 53,1 % ABV

2010: Talisker 30 (------) / 57,3 % ABV

2012: Talisker 35 (1977) / 51,2 % ABV

2013: Talisker 27 (1985) / 56,1 % ABV

2018: Talisker 8 (2009) / 59,4 % ABV


Was ich erwarten kann: 

Wenn man sich die bisherigen Abfüllungen von Talisker in den Special Releases anschaut, dann schluckt man in diesem Jahr auf den ersten Blick. Nach all den 20 bis 30 Jahre alten Abfüllungen jetzt also ein Talisker 8. Da erwarte ich verdammt noch mal aber das beste, was man mit einer so jungen Abfüllung bieten kann.

Tief ausgebrannte amerikanischen First-Fill  Ex-Bourbon-Hogsheads versprechen satte Vanille- und Karamell-Töne und ein volles Mundgefühl. Mir fällt da sofort der Ardbeg Alligator ein.  Trotzdem bleibt die Frage: wird er gut genug sein?



Meine Tasting Notes: 


Farbe: warmes Gelb-Gold

Aroma:Tiefes und sattes Aroma. Auf Anhieb üppige Süße. Die schwache Rauchnote wird überlagert von Vanille, Karamell, Zitronen, Mandarinen, Orangen, Mango,  frischer Minze und kräutriger Würze. Dazu kommt kernige Malzigkeit. Hinter den Früchten verbergen sich  die erdigen, warmen  Noten eines entfernten Lagerfeuers. Herrlich komplex für sein Alter.

Geschmack: Sanft und vollmundig. Zart ölig und wunderbar cremig. Leichter Rauch, der sich unaufdringlich, aber beharrlich über die Zunge ausbreitet und liegen bleibt.

Nachklang: warm und lang


Was bekomme ich für mein Geld:

Was man in der Statistik nicht erkennen kann: der Preis ist mit ca. 70 € UVP in diesem Jahr erschwinglich. Preislich liegt er damit deutlich über dem Talisker 10. Dafür bietet er deutlich mehr. Man hat sich hier alle erdenkliche Mühe gegeben, einen grandiosen 8 Jahre alten Talisker auf den Markt zu bringen.

Die Absicht dahinter ist nur allzu deutlich: man will junge Abfüllungen salon-fähig machen. Und da werde ich dann doch etwas mißtrauisch - kommen die Aromen tatsächlich nur aus den 8 Jahre alten Fässern? Oder hat man die Mischung noch mit etwas älterem abgerundet, damit das Ergebnis auch wirklich überzeugt? Dürfen täte man das, schließlich muss nur das jüngste Fass angegeben sein. Dagegen spricht, dass es sich angeblich  um eine Vintage-Abfüllung von 2009 handelt. Sei's drum - das Ergebnis ist toll!

Wenn alle 8 Jahre alten Whiskys in Zukunft so schmecken würden wie dieser, dann hätte ich nix zu meckern. Daumen hoch, den solltet ihr unbedingt einmal probieren. Die relativ geringe Auflage werden die Preise aber ziemlich schnell in die Höhe treiben.



Mehr zum Thema: Special Releases Tasting in Frankfurt

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