St. Kilian feiert Geburtstag - und läßt Whiskyträume wahr werden

Endlich. Auf diesen Tag haben die Whisky-Fans in Deutschland seit Monaten gewartet: der erste richtige Whisky der St. Kilian Distillers ist auf dem Markt. Und dieser besondere Tag wurde in der Brennerei in Rüdenau mit einer gewaltigen Party gefeiert.


Geburtstage sind immer etwas schönes. Schließlich geben sie Anlass, das zu feiern, was man im vergangenen Jahr erreicht hat. Das trifft ganz besonders auf Whiskybrennereien zu. Vor allem, wenn zum allerersten Mal der eigene Whisky abgefüllt werden darf. Immerhin hat man mindestens drei Jahre auf diesen Tag warten müssen.


Da können Fans und Produzenten schon mal etwas ungeduldig werden. Und so gab es in den letzten Monaten unter dem Namen "The Spirit of St. Kilian" verschiedene Abfüllungen der erst 2015 gegründeten St. Kilian Brennerei, die eigentlich noch gar keinen "echten" Whisky enthalten haben, und die schon mal einen Vorgeschmack geben sollten.

Seit diesem Wochenende ist es endlich vorbei mit Testlauf und Vorgeschmack. Jetzt kommt die Nagelprobe: wie schmeckt der erste Whisky von St. Kilian? Und was können wir für die Zukunft erwarten?

Mit einer gigantischen Party wurde das besondere Ereignis dann auch würdig gefeiert, und vorab gab es noch einen kurzen Rundgang für die Presse, bei dem uns der Master Distiller der Brennerei, Mario Rudolf, dann alle Besonderheiten der Brennerei erklärt hat.



Wenn man die Brennerei betritt, wartet schon gleich hinter dem Eingang die erste große Überraschung: hier stehen vier große, hölzerne Washbacks aus Oregon-Kiefer, und man fühlt sich unvermittelt in eine schottische Brennerei versetzt. Mein erster Gedanke war: wo solche Washbacks stehen, kann die Pot Still dann auch nicht mehr weit sein.

Und, sure enough, man muss nur ein paar Treppenstufen nach oben erklimmen, und schon steht man vor ihr. In leuchtendem Kupfergelb strahlt die traditionelle Brennblase der schottischen Firma Forsyths die  Besucher an, und spätestens jetzt weiß man, dass man es hier mit einem besonderen Schmuckstück der deutschen Whisky-Produktion zu tun hat.


Ein paar technische Daten haben wir natürlich auch erfahren, und für die Zahlen-Freaks unter euch gebe ich die Infos weiter: die kupferne Mash-Tun, also der Maische-Bottich, fasst 12.000 Liter, und der Maische-Vorgang beginnt bei einer Temperatur von 63,5° C.

Als Rohstoff dient dabei für den ungetorften Whisky Pilsener Malz der Firma Weihermann, das besonders fruchtige und süße Noten ergibt. Für den getorften Whisky wird das Malz aus Schottland importiert.

In den vier Wash-Backs mit jeweils 10.800 Litern Fassungsvermögen darf die beim Maischen entstandene (hopfenfreie!) Bierwürze drei bis vier Tage gären, bis sie einen Alkoholgehalt von 8% erreicht hat.



Dann geht es weiter in den beiden Brennblasen, die jeweils 6.000 Liter fassen. In der Low Wine Still wird auf ca. 20% Alkoholgehalt gebrannt, in der Spirit Still auf bis zu 75 Volumenprozent. Das ist übrigens einer der Hauptunterschiede zum deutschen Korn, der sehr viel höher gebrannt wird. In die Fässer gefüllt wird dann nur der sogenannte Mittellauf, der "Heart of the Run".

In die Fässer eingefüllt wird mit 63,5%Vol. Alkohol. Mehr als 90 verschiedene Fass-Arten stehen der Brennerei inzwischen zur Verfügung, um ihr Destillat anschließend zu lagern.


Im beeindruckenden Fasslager, das inzwischen mehr als 4.000 Fässer beherbergt, konnten wir dann endlich den heißbegehrten Anlass für diesen Fest-Tag bewundern: Mario Rudolf stellte die erste Abfüllung der sogenannten Signature Edition vor, die knapp und bündig "One" heißt.

Über Flaschendesign und Geschmack kann man bekanntlich wunderbar streiten, und die Flaschenform mag nicht unbedingt jedem gefallen. Auffällig ist sie allemal, und die Idee dahinter ist eigentich ganz nett: die Flasche wurde der Form der Pot-Still von St. Kilian nachempfunden.

Ich selbst bin jetzt nicht unbedingt ein Fan von solchem Design-Realismus, aber auf die inneren Werte kommt es ja bekanntlich an. Und die sind bei "One" ganz ausführlich auf dem Etikett aufgelistet. Die Abfüllung setzt sich aus Whisky zusammen, der zu jeweils 37% in Ex-Bourbon- und Ex-Martinique-Rum-Fässern reifen durfte. Dazu kommen noch 18% Ex-PX-Sherry-Fässer, 3% Ex-Bourbon-Quarter-Cask-Fässer der texanischen Garrison Distillery und als krönendes i-Tüpfelchen noch 5% Fässer aus Kastanien-Holz. Falls ihr euch jetzt wundert - Nein, die Schotten dürfen das nicht. Ja, die Deutschen dürfen das.


Danach ging dann die Party so richtig los, und eingeladen waren all jene Freunde und Fans der Brennerei, die vor geraumer Zeit eine Flasche der längst ausverkauften, offiziellen Sonder-Erst-Abfüllung erworben hatten.  Jetzt endlich konnten die 760 Flaschen abgefüllt werden, und wer sich damals getraut hatte, für rund 200 Euro die sprichwörtliche Katze im Sack zu kaufen, der hatte den richtigen Riecher gehabt.


Kurzweilig und unterhaltsam wurde die neue Abfüllung den Gästen in einem "Deconstruction-Tasting", vorgestellt, bei dem fünf Experten die einzelnen Bestandteile der Abfüllung verkostet und beschrieben haben. Mit im Experten-Panel saßen - oder besser gesagt standen - neben St. Kilians Master Distiller Mario Rudolf auch Fass-Spezialist Markus Eder, Uli Ferstl von Weihermann Malt, der Whisky-Blender der Brennerei Pat Hock und Bernhard Rems von den Whisky-Experts. Moderator war Alexander Thürer, Chefredakteur der Zeitschrift Brannt, der humorvoll durch das Programm führte.

Nachdem man uns lange genug mit allen möglichen Aromen-Beschreibungen die Nase lang gemacht hatte, gab es dann gottseidank auch für die Gäste den neuen Whisky zu verkosten.



Der eigentliche Höhepunkt vom Höhepunkt des Abends war dann aber die Präsentation der limitierten Sonderabfüllung, die von Brennerei-Besitzer Andreas Thümmler und seinem Freund und Brennerei-Berater David F. Hymes aus Irland perönlich vorgenommen wurde.

David Hymes ist in der Whisky-Welt schon eine halbe Legende. Er ist nicht nur der "Spiritus Rector" der St. Kilian Brennerei, sondern war bis 2012 Managing Director der Cooley Distillery und ist heute Distilling Director der Great Northern Distillery in Irland.



Natürlich hat Andreas Thümmler dann zur allgemeinen Erheiterung die amüsante Geschichte zum besten gegeben, wie er eigentlich dazu gekommen ist, eine Brennerei zu gründen. Vielleicht wird er euch die Geschichte selbst erzählen, wenn ihr ihn irgendwann einmal trefft. Ich will hier nur die vier wesentlichen Bestandteile dieser Geschichte verraten: die Freundschaft zwischen zwei Männern, die gemeinsame Leidenschaft zum Whisky, ein paar Drams zu viel und der Mut, seine whisky-trunkenen  Träume auch zu verwirklichen.



Es musste natürlich noch das ein oder andere passende Element dazu kommen, damit am Ende dann tatsächlich eine solche Brennerei wie die St. Kilian Brennerei in Rüdenau Wirklichkeit werden konnte. Auch die Lage inmitten einer idyllischen Landschaft, ein altes Fabrikgebäude und ein enthusiastisches Mitarbeiter-Team gehören zum Erfolgs-Cocktail dazu. Und ein bißchen überschüssiges Kleingeld kann auch nicht schaden.


Die anschließende Party hat dann gezeigt: es geht auch ohne Dudelsack und Haggis. Meine Ohren waren jedenfalls überaus dankbar, dass sie von den durchdringenden Klängen dieses urtypischen schottischen Kriegsinstruments verschont geblieben sind.


Neben den derzeitig verfügbaren Abfüllungen wie getorften und ungetorften New Make (White Dog und Turf Dog) und einem traumhaft guten getorften Waldbeerlikör (Turf Berry Dog) kann man derzeit auch ganze Fässer bei St. Kilian kaufen. 12 verschiedene Fassarten stehen zur Auswahl. Wer sich dafür interessiert, kann sich gerne direkt an die Brennerei wenden.



Und somit bin ich jetzt endlich beim Whisky selbst angekommen. Denn selbst die schönste Brennerei ist am Ende des Tages nicht mehr wert als das, was in die Flasche kommt. Es ist die Qualität des Whiskys, die darüber entscheiden wird, ob eine Brennerei schlußendlich nur eine Cafeterie mit Brennblasen ist oder ein ernstzunehmender Faktor im deutschen und internationalen Whisky-Universum sein wird. Die Voraussetzungen sind die besten.

Der dreijährige Einstieg hat mir supergut gefallen. Im Vordergrund steht wie eine helle Glocke eine überraschend deutliche Fruchigkeit im Glas, die von den dumpferen Tönen einer feucht-erdigen Champignon-Zucht untermalt wird. Am Ende rundet dann ein trocken-würziger Abgang das Trinkerlebnis ab.



Der Abend hat mir gezeigt, dass St. Kilian Distillers für den Whisky in Deutschland neue Maßstäbe gesetzt hat. Daran werden sich alle anderen in Zukunft messen lassen müssen.

Als ich schließlich zu später Stunde nach Hause fahre, habe ich nicht nur eine Flasche St. Kilian "One" im Gepäck, sondern auch die Erkenntnis, dass deutscher Whisky einen neuen Meilenstein erreicht hat. Und das fühlt sich gut an.


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