Tasting Notes: Glenmorangie Allta

Spielt die Hefe bei der Aromabildung von Whisky eine bedeutsame Rolle oder nicht? Über diese Frage kann man sich vortrefflich theoretisch streiten. Oder man probiert es einfach aus. Die Whisky-Macher von Glenmorangie wollten es genauer wissen und mit dem Glenmorangie Allta die Antwort auf diese Frage geben.



Hintergrund:

Seit Anfang des Monats ist die neue - und nunmehr zehnte - Sonderedition von Glenmorangie aus der Reihe der "Private Edition" erhältlich. Das besondere Merkmal des Glenmorangie Allta ist die spezielle  Hefe, die zur Fermentierung benutzt wurde. Dabei handelt es sich um einen wilden Hefestamm, der sich natürlich auf der sogenannten Cadboll-Gerste ansiedelt, die regional um die Brennerei herum angebaut wird.

Wie mir Global Brand Ambassadorin Karen Fullerton bereits im November verraten hat, entdeckte das Team von Glenmorangie auf den Gerstenfeldern in der Nähe der Glenmorangie Brennerei vor einigen Jahren einen bislang nicht bekannten Wildhefe-Stamm und gaben ihm den Namen Saccharomyces diaemath. Es gelang ihnen schließlich, die Wildhefe in ausreichender Menge zu vermehren und zusammen mit der Cadboll-Gerste zur Whisky-Produktion einzusetzen.

Hat sich der Aufwand gelohnt? Dann schau'n wir doch mal....

Erwartungen: 

Ehrlich gesagt, diesmal habe ich keine Erwartungen. Ich habe nicht die leisteste Ahnung, was Wildhefe bewirken kann. Gereift wurde der Whisky in Ex-Bourbon-Fässern, überwiegend Second-Fill, was auf eine eher längere Reifezeit deutet. Das Alter des Whiskys wurde - wie üblich - nicht kommuniziert. 


Meine Tasting Notes: 

Glenmorangie Allta, Private Edition, limitierte Auflage, NAS, 51,2% Vol.

Farbe: leuchtendes gelb

Aroma: Uiii. Der beeindruckt schon beim Einschenken ins Glas mit satten Aromen. Beim Verkosten  steigt zunächst ein zarter Duft von Eichenholzspänen und Vanille-Schoten in die Nase, begleitet vom Duft nach frischen Äpfeln, Mandarinen und vielen Pfirsichen. Dazu kommt eine leichte Note nach Ethanol, die jedoch rasch verfliegt. Doch darüber liegen auch grasige, florale Aromen. Süße Honignoten mischen sich mit dem Duft von trockenen Lederschuhen und frischen, schweren Brotkrumen.

Geschmack: Leicht grasig, angenehm ölig, und unglaublich mild. Die 51,2 % Vol. Alkohol brennen kein bißchen, doch sie geben dem Whisky eine üppige Fülle mit auf den Weg. Der Glenmorangie Allta legt sich kräftig und rund über die Zunge, mit einer deutlichen Malzigkeit im hinteren Gaumenbereich. Ein sehr sattes und kräftiges Mundgefühl. Am Ende kommen die Holzaromen deutlich zum Vorschein.

Nachklang: Mittellang und wärmend.

Fazit: Der Glenmorangie Allta ist ein beeindruckender Whisky abseits vom gegenwärtigen Zeitgeist, der in jüngster Vergangenheit immer lauter und lauter nach süßen, molligen Wein-Finishings schreit. Der Glenmorangie Allta kann damit nicht dienen. Aber er besticht mit einer unglaublichen Üppigkeit und einem beeindruckend robusten, malzigen und grasig-fruchtigen Charakter.

Ob dieses üppig-robuste Aromenpaket nun tatsächlich an der Wildhefe liegt, oder ob hier die 51,2% Vol. Alkohol zum Tragen kommen, vermag ich nicht zu beurteilen. Dafür kenne ich mich mit Hefen zu wenig aus. Aber der Glenmorangie Allta hinterläßt beim Trinken ein wunderbar üppig-robustes Wohlbehagen. Definitiv kein "Mädel-Whisky" und nix für Mainstream-Trinker, sondern eher was für alte Hasen.


Vielen Dank an Tobias für das Verkostungspaket.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Ein Hauch von Luxus für die Massen: Single Cask Abfüllungen bei Aldi

Von Wildhefen beeinflußt: Glenmorangie Allta

Tasting Notes: Caol Ila, Murray McDavid, 2011-2018, Rotweinfinish

Whisky-Messe Schloss Trebsen 2019

Whisky von Kingsbarns endlich erhältlich