Tasting Notes: Laphroaig Highgrove

Dass der schottische Duke of Rothesay ein großer Fan von Laphroaig ist, ist kein Geheimnis mehr. Für sein Landgut "Highgrove House" in Doughton, Tetbury, läßt er bei Laphroaig auch Einzelfässer abfüllen, die über das Besucherzentrum und den online-Shop von Highgrove  verkauft werden. Gelegentlich verirrt sich eine Flasche Highgrove  nach Deutschland.




Was kann ich erwarten:

Einzelfass-Abfüllungen von Laphroaig finden sich des öfteren im Angebot der unabhängigen Abfüller,  jedoch zumeist unter anderem Namen. Mit einem Volumen von über 3 Millionen Liter Alkohol im Jahr ist Laphroaig ja nicht unbedingt eine kleine Brennerei, und bei einer solch großen Menge bleibt auch immer was für den freien Markt übrig.

Einzelfass-Abfüllungen von Highgrove sind dennoch reizvoll, denn der Whisky wird für den Duke of  Rothesay direkt von der Brennerei selbst abgefüllt, und man könnte die Abfüllung also quasi als halb-offiziell bezeichnen.

Die Fassart wird leider nicht angegeben. Aber ich habe den Verdacht, dass es sich um Hogsheads oder Ex-Bourbon-Fässer handeln wird, die im Besucher-Shop landen. Denn Abfüllungen aus dem Sherry-Fass trinkt der Duke mit Sicherheit selber.

Da alle Abfüllungen aber mindestens 12 Jahre alt sind, kann ich einerseits schöne, gelbe Fruchtnoten erwarten, und andererseits ein gewisses Maß an Reife und Komplexität, die die  typischen Rauchnoten von Laphroaig milder und zahmer werden lassen.

Meine Tasting-Notes:


Highgrove, Islay Single Malt, 12 Jahre, dest. 28.10.2003, abgef. April 2016, Fass-Nr. 6384, Flasche Nr. 17, 46%


Farbe: schönes goldgelb, wie ein kräftiger Weißwein

Aroma: schöne Vanille-Noten und Puderzucker, Citrusaromen, saftige Mirabellen, reife Stachelbeeren, süße Birnen und etwas Banane. Weihrauch, Ingwer, Zigarettenrauch und Jod.

Geschmack: schönes Mundgefühl, aber etwas schwächer als erwartet. Erdige Aromen, frische Asche, salzige Töne, dezente Benzin- und Asphaltnoten, Krankenhaus.

Nachklang: mittellang, trocken,



Highgrove, Islay Single Malt, 12 Jahre, dest. 17.08.2004, abgef. Januar 2017, Fass-Nr. 3009, Flasche Nr. 53, 46%

Farbe: goldgelb, wie eine heller Weißwein

Aroma: süßes Apfelkompott, frische Zitrusnoten, Malz, Zigarettenrauch. Insgesamt eher verschlossen und schwächer als die Vergleichsprobe.

Geschmack: ölig, kräftig, würzig.  Kräftiger Antritt. Hätte ich so nicht erwartet. Frische Asche, dezente Benzin- und Asphaltnoten, Krankenhaus.

Nachklang: mittellang, trocken


Was ich für mein Geld bekomme:

Beide Highgrove-Abfüllungen zeigen die typischen Laphroaig-Noten von Jod, Krankenhaus, Seeluft, Benzin und Asche. Doch trotz vieler Ähnlichkeit  unterscheiden sie sich deutlich. Während Fass Nr. 6384 vor allem durch seine wunderschönen, reifen und saftigen Fruchtnoten besticht, gefällt mir bei Fass Nr. 3009 der kräftige, ölige Geschmack. Vielleicht sollte man beide Flaschen mischen für ein optimales Ergebnis? Im Vergleich zum Quarter Cask sind beide Abfüllungen deutlich eleganter und milder.

Highgrove-Abfüllungen sind derzeit für ca. 70 Britische Pfund vor Ort erhältlich. In deutschen Online-Shops können die Preise für eine Abfüllung durchaus bis 100 Euro betragen. Das ist nicht unbedingt ein Schnäppchen für eine Abfüllung, die zwar sehr ansprechend, aber auch nicht der absolute Überflieger ist.  Andererseits haben Einzelfass-Abfüllungen von Laphroaig ihren Preis, man sollte diesbezüglich keine überzogenen Erwartungen haben.

Abfüllungen von Highgrove haben aber noch einen ganz anderen Reiz: denn der Duke of Rothesay ist niemand anderer als Prince Charles, der britische Thronfolger. Und als solcher ist er auch der Erbe des  uralten Titel "Lord of the Isles". Oder anders gesagt: Highgrove wird von der Brennerei direkt für den heutigen "Lord of the Isles" abgefüllt, und sie trägt auch das königliche Wappen auf dem Etikett. Auf den Geschmack hat das keine Auswirkung. Aber ganz ehrlich: es ist schon cool, eine Flasche des "Lord of the Isles" mal auf dem Tisch zu haben. 


Vielen Dank an Peter für die Samples.

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