Unter die Lupe genommen #7: Craigellachie

Der größte Teil der Produktion von Craigellachie landet in Blended Whisky. Doch gelegentlich kann man auch Single Malts von Craigellachie bei den Unabhängigen Abfüllern finden. Seit 2014 gibt es zudem eine eigene Serie als Original-Abfüllung. Aber lohnt es sich, nach ihnen Ausschau zu halten?


So richtig aus den Socken gehauen hat mich bis jetzt noch kein Craigellachie. Aber man soll die Hoffnung nie aufgeben, und als mir ein guter Freund vor kurzem drei verschiedene Craigellachie Abfüllungen vorbei gebracht hat, war ich schon recht gespannt.

Ein Blick auf die Farbe hat meinen ersten Hoffnungsschimmer zwar sehr schnell gedämpft, doch von solchen  Äußerlichkeiten wollen wir uns jetzt nicht ablenken lassen. Geben wir diesen drei Abfüllungen also eine Chance und verkosten sie erst einmal, statt gleich zu nörgeln. Vielleicht erleben wir ja eine angenehme Überraschung:


Craigellachie 1998, Signatory Vintage, 11 Jahre, 43% destilliert 3.2.1998, abgefüllt 23.3.2009, Hogshead, Fass-Nrn. 58+59, ungefärbt, Flasche 739 von 973

Farbe: sehr helles Gelb,

Aroma: sehr malzig, leicht stechend, alkoholisch-metallisch, viel Gras und Heu, Hefe, ein leicht "schwefeliger" Unterton, keinerlei Holzaromen

Geschmack: sehr ölig, malzig, leicht scharf, kräutrig-würzig, mit einem Anflug von Korriander und Lakritz, sehr viel kräftiger als erwartet.

Nachklang: lang, wärmend, kräftig


Craigellachie 1999, Signatory Vintage, 12 Jahre, 43% destilliert 30.8.1999, abgefüllt 13.12.2011, Ex-Bourbon Barrel, Fass-Nrn. 140+141, ungefärbt,  Flasche 362 von 633


Farbe: sehr helles Gelb

Aroma: einen Hauch süßer und milder als der 11jährige, mit einem leichten Vanille-Anflug und zarten Karamell-Noten, Kartoffeln, Heu, ein leicht "schwefeliger" Unterton, keinerlei Holzaromen

Geschmack: ölig, leicht scharf, würzig, kräutrig, kräftiger als erwartet

Nachklang: lang, wärmend, kräftig


Craigellachie, 23 Jahre, Batch No 67 KA23, 46%, Original-Abfüllung

Farbe: helles Gold-gelb

Aroma: Ahhh. Jetzt schlagen wir eine andere Saite an. Dieser wunderbare Geruch von knittriger Seide, der nur Whisky aus oft belegten Ex-Bourbon-Fässern entwickeln kann. Dazu der leicht muffige Geruch von schrumpeligen Lageräpfeln im Winter, Bananen, Nüsse, Wiesenblumen und süßer Puderzucker.

Geschmack: ölig, wachsig, kraftvoll, viel Leder, dunkle Schokolade, recht trocken.

Nachklang: lang, wärmend, kräftig


Fazit:

Fangen wir mit dem positiven an und reden zunächst über das, was diese Abfüllungen können. Bei den Signatory-Abfüllungen kommen in Ermangelung von deutlichen Fass-Aromen die Aromen des Destillates sehr viel stärker zur Geltung. Vor allem bei dem 11jährigen waren die Fässer extrem inaktiv, der Whisky wirkt dadurch noch sehr unreif, und in einer Blindverkostung hätte ich ihn zwischen 5 und 8 Jahren eingestuft. Die kräftigen, leicht schwefeligen Untertöne des Craigellachie, die angeblich auf die sogenannten Worm-Tubs zurückzuführen sind und die den Whisky aus dieser Brennerei auszeichnen, kommen dadurch sehr schön zur Geltung. Vorausgesetzt, man mag das.

Womit wir bei den negativen Aspekten wären. Das waren keinesfalls seine besten Fässer, die Signatory hier verwendet hat. Die Fässer waren zuvor schon mehrfach im Einsatz und haben kaum noch Aromen übrig, die sie an den Whisky abgeben könnten. Von einer additiven Reifung ist wenig zu spüren, der Whisky wirkt dadurch viel zu jung und wenig komplex.

Seine Stärke kann der Craigellachie erst in der 23jährigen Original-Abfüllung so richtig ausspielen. Auch hier waren die Fässer alles andere als neu, das Gros der Fässer war auch hier gewiß mehrfach belegt. Vielleicht hat sich auch das ein oder andere second-fill Fass hinein verirrt.

Das entscheidende ist jedoch das Alter. Denn diese alten, mehrfach belegten Ex-Bourbon-Fässer entwickeln jenseits der 20 Jahre eine ganz eigene, delikate Aromatik, die mit nichts zu vergleichen ist.  Gleichzeitig bleibt der kräftige, leicht schwefelige Grundcharakter des Destillats über all die Jahre hin erhalten und wird nicht durch Fassaromen überlagert.

Wer Lust auf Bildungstrinken hat, wird an diesen drei Abfüllungen gewiss seine Freude haben. Wer einfach nur Lust auf einen guten Dram mit kompexen Fruchtaromen hat, sollte vielleicht doch lieber eine andere Wahl treffen.

Whisky-Einsteigern würde ich sie auf keinen Fall empfehlen. Diese Craigellachies sind wohl eher was für bärtige Männer mit Hang zum Schöntrinken.




Vielen Dank an Peter für diese lehrreichen Samples.

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