Unter die Lupe genommen # 1: Finishing (Tomatin 14 Port Casks)

Ein gutes Fass-Finish kann einen Whisky deutlich verbessern, und in den letzten Jahren ist es in der Whisky-Branche zu einem beliebten Element der Veredelung geworden. Puristen treibt ein Finish jedoch die Zornesröte ins Gesicht. Warum eigentlich? Der Tomatin 14 Port Wood Finish kann hier etwas Licht ins Dunkel bringen.


Wein-Finishing ist seit einigen Jahren ebenso beliebt wie umstritten. Unser Wissen über Wood-Finishing ist in der jüngeren Vergangenheit dank der Aufklärungsarbeit der schottischen Produzenten gewaltig gewachsen, und immer häufiger kommen Whisky-Fans auf die Idee, einem gekauften Whisky noch selbst ein Finish im eigenen Fässchen anzutun.

Finishes können zu wunderbaren Ergebnissen führen. Können. Doch wie immer, gibt es auch in diesem Bereich viel Licht und viel Schatten. Echten Whisky-Puristen sind sie ein Dorn im Auge, und sie machen um Finishes einen großen Bogen. Doch warum eigentlich?

Um das Für und Wider besser zu verstehen, habe ich diesen Tomatin 14 Port Casks ausgewählt. Er gehört derzeit zu den Best-Sellern im unteren Preissegment, und ist bei vielen Whisky-Trinkern sehr beliebt. Dennoch gibt es hier einiges zu kritisieren. Wie so oft, liegt der Teufel im Detail verborgen.

Nehmen wir also die Lupe in die Hand und schauen uns die Abfüllung einmal genauer an.

Der Ärger geht schon mit dem Etikett los: "Tomatin, Aged 14 Years, Port Casks" steht da. Wunderbar, denkt der Laie, ein Whisky im Portwein-Fass gereift. Genau mein Geschmack! Ein Blick auf die Umverpackung belehrt uns jedoch eines besseren: der Tomatin 14 wurde keinesfalls 14 Jahre im Portweinfass gereift. Er wurde lediglich gefinished. Doch das steht nur im Kleingedruckten auf der Umverpackung: "Final Maturation in Tawny Port Pipes". Immerhin, sie geben es noch an. Zwingend notwendig wäre das nicht. Sie hätten das Wort "Final" auch weglassen können.



Wie macht er sich im Glas?


Aroma: 

die Port-Aromen kommen als erstes heraus, sie stehen ganz dominant im Glas, gefolgt von einer sehr intensiven Waldhonig-Süße. Der Port steht sehr stark im Vordergrund, er schwebt regelrecht über allen anderen Aromen. Dann kommen Pecan- und Haselnußaromen, der Whisky ist sehr nussig, und auch getrocknete Früchte, wie z.B. Rosinen und getrocknete Beeren, finde ich. Keine Karamellnoten, und nur ganz schwache Vanille im Hintergrund. Zimt und Liebstöckl. Es dauert unglaublich lange, ehe auch noch etwas Malzigkeit nachschiebt. Die Portnote ist extrem dominant, und nicht wirklich gut eingebunden.

Geschmack:

weinig, eher grasig, nett, aber nicht allzu komplex, Grapefruitweiß, etwas wachsig, leicht trocken. Mit seinen 46% recht mild und angenehm.

Nachklang:

eher kurz


Ergebnis:

Die Aromen, die ich gefunden habe, verraten einiges. Aber noch mehr verraten jene Aromen, die ich NICHT gefunden habe.

Nach inoffiziellen Angaben wurde der Tomatin 14 Port Casks 18 Monate lang in Portwein-Fässern nachgereift. Auf der Umverpackung ist die Rede davon, dass diese Fässer zuvor 50 Jahre lang Portwein enthalten haben. Doch hier werde ich misstrauisch, die Port-Aromen waren im Tasting extrem "vorstehend". 

Die Abfüllung ist 2014 erstmals auf dem Markt erschienen, und es ist davon auszugehen, dass diese alten Portwein-Fässer damals auch zum ersten Mal für ein Finish eingesetzt wurden. Solche alten Fässer sind mittlerweile sehr gesucht, und wenn sie bei einem preiswerten Whisky eingesetzt werden, dann können wir vermuten, dass sie mehrmals wiederverwendet werden.

Die Bourbon-Fässer, in denen der Whisky zuvor 12 Jahre reifen durfte, haben kaum Spuren hinterlassen. Hierbei handelt es sich ganz zweifelsfrei überwiegend um mehrfach belegte Fässer, die früher in der Herstellung von Blended Whiskys ihre Verwendung fanden. Besonders qualitätsvoll waren diese Fässer nicht, und auch die Portwein-Fässer scheinen sich in der  Phase der Wiederbelegung zu befinden. Offensichtlich hat man bei Tomatin erkannt, dass man solche ausgelaugten Bourbon-Fässer zu einem sehr viel höheren Preis verkaufen kann, wenn man sie mit einem frischen Finish aufpoliert. Und das ist auch genau der Grund, warum viele Whisky-Nerds um Wood-Finishes oft einen Bogen machen.

 Was läßt sich also als Fazit zu diesem Tomatin Port Casks sagen? 

Es ist angenehmer Every-Day Dram, der recht süffig ist und durch die starken Aromen aus dem  Portwein-Finish sehr gut über die Schwächen der vorhergehenden bescheidenen Fassreifung hinweg täuschen kann. Die 15 Jahre merkt man ihm nicht an, er würde auch problemlos als ein 10- oder 12jähriger Whisky durchgehen. Das Preis-Leistungsverhältnis geht in Ordnung. Vielleicht war die Abfüllung bei Neu-Erscheinung besser, inzwischen ist sie bestenfalls durchschnittlich. Mir ist die Portwein-Note zu dominant, die übrigen Aromen sind zu schwach oder nicht vorhanden, ich empfinde ihn als nicht wirklich ausgewogen. Man sollte für diesen Preis aber auch keine Wunder erwarten.


Hinweis: Ich danke an dieser Stelle niemandem....

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