Tasting Notes: Ardbeg Twenty Something or the Road to Paradise Island

Endlich ist er da: In wenigen Tagen wird der Ardbeg Twenty Something erscheinen. Reifen durfte er 23 Jahre lang in ehemaligen amerikanischen Bourbon-Fässern und spanischen Oloroso-Fässern. Ab 2. November ist die limitierte Abfüllung exklusiv für Mitglieder des hauseigenen Fan-Clubs, dem sogenannten Ardbeg-Committee, erhältlich. Ob er seinen hohen Preis auch wert ist? Hier meine Tasting Notes:




Der Ardbeg Twenty Something war ja schon eine ganze Weile inoffiziell angekündigt, und auf dem letzten Ardbeg-Tag in Berlin hatte ich das große Glück, dass ich mich mit Dr. Bill Lumsden, dem Director of Whisky Distillation bei Ardbeg, über die neue Abfüllung unterhalten konnte. Wie schon für die Vorgänger-Abfüllung, den Ardbeg Twenty-One, besteht auch diese Abfüllung aus Fässern, die Lumsden vom Vorbesitzer der Brennerei zurück kaufen mußte.

Laut Dr. Lumsden handelt es sich dabei um ein anderes Kontigent als jene Fässer für den Ardbeg 21, der letztes Jahr auf den Markt kam. Die diesjährige Abfüllung enthält 23 Jahre alten Whisky aus Ex-Bourbon- und Ex-Sherry-Fässern.

Einem eingefleischten Ardbeg-Fan muss man die Geschichte "seiner" Brennerei eigentlich nicht mehr erzählen. Doch vielleicht ist ja der ein oder andere von euch nicht so ganz in der Historie der Brennerei bewandert. Lenken wir also für einen kurzen Augenblick unsere Blicke auf jene Zeit, als der New Make für diese Abfüllung in die Fässer gefüllt wurde.

Eingeschränkte Produktionszeiten

1994 war für Ardbeg eine schwierige Zeit. Nach einer langen Phase der Schließung zwischen 1981 und 1989 wurde zwar wieder produziert, doch nur wenige Monate im Jahr. Die Firma Allied Domecq PLC, die Ardbeg zwei Jahre zuvor übernommen hatte, war gleichzeitig auch Besitzer der Laphroaig Distillery, und gab letzterer den eindeutigen Vorzug. Die Mälzerei von Ardbeg blieb geschlossen, das Malz bezog man nunmehr aus der Port Ellen Mälzerei. 1996 war auch der eingeschränkte Betrieb vorbei, die Brennerei wurde komplett geschlossen.

1997 brachen jedoch wieder bessere Zeiten für die kleine Brennerei an der Südküste der schottischen Insel Islay an, als die Glenmorangie Plc. Ardbeg erwarb. Seither wird wieder regelmäßig produziert, und die Brennerei hat weltweit eine riesige Fan-Gemeinde erworben. Ganz besonders treue Freunde von Ardbeg sind Mitglieder im sogenannten Ardbeg Committee, dem hauseigenen, kostenlosen Fan-Club der Brennerei.

Leider machen sich inzwischen diese Lücken in der damaligen Produktion negativ bemerkbar, aus den Jahren von 1981 bis 1989 gibt es überhaupt keinen Ardbeg, und von 1989 bis 1996 sind die verfügbaren Mengen sehr gering. Zudem kommt erschwerend hinzu, dass viele Fässer aus der damaligen Produktion im Besitz von Allied Domecq verblieben.

In den vergangenen Jahren hat Dr. Lumsden deshalb immer wieder Fasskontingente aus jenen Jahren vom Vorbesitzer erworben (damals Allied Domeqc, die inzwischen von Pernod Ricard übernommen wurden). So schön dieser Umstand für uns heute ist, so traurig ist die Situation gleichzeitig: denn aus jenen Jahren steht Ardbeg nur in eingeschränkten Mengen zur Verfügung.

Vielleicht wird in 10 Jahren die Situation wieder anders sein, die Brennereien lassen sich ja nicht gerne in die Karten für das Geschäft von morgen gucken. Freuen wir uns also derzeit an dieser Abfüllung, die es ohne die Kooperation von Pernod Ricard gar nicht geben würde. Doch wir sollten uns keine Illusionen machen: allzu viele Fässer werden es nicht gewesen sein.

Hier meine Tasting Notes:

Ardbeg Twenty Something, 23 Jahre alt, 46.3%, 70 cl

Aroma:

OMG, I love it! Süßer Rauch und frische Ozonluft aus dem Jacuzzi strömen mir als erstes entgegen. Doch anders als bei jungen Ardbegs ist der Rauch hier viel milder und weicher, und versinkt beinahe unter den üppigen Fruchtnoten von frischen Orangen, süßen Aprikosen, saftigen Kirschen, Limetten, Krokantstreusel, Vanilleeis und Karamelbonbons. Dazu der Geruch von trockener Haut an einem warmen Sommertag. In der Ferne ein Pinienhain. Darunter verborgen ein paar kleine Ölflecken, die an der Kaimauer auf den Wellen tanzen.

Geschmack: 

Angenehm mild, seidenweich, aber nicht schwach. Auch hier die saftige Süße und Zigarettenasche, Schokolade, Röstaromen und Grapefruit-Weiß. Ölig, cremig, und üppig, mit einem sehr angenehmen Mundgefühl. Im Untergrund ein Hauch von Holzstaub.

Nachklang:

mittellang, mit einer ganz dezenten Trockenheit

Fazit:

Der Ardbeg Twenty Something ist reifer als seine jüngeren Brüder, besonnener. Die Zeit hat ihm die Ecken und Kanten abgeschliffen, und ihn ruhiger werden lassen. Dafür hat er an inneren Werten gewonnen, er ist alles andere als langweilig. Hier waren viele erstklassige Fässer im Spiel. Ardbeg als Fruchbombe - I love it!

Wenn ich eine Flasche Ardbeg mit auf die berühmte einsame Insel nehmen sollte, dann wäre es diese hier. Leider habe ich keine Insel. Der hohe Preis rückt die Abfüllung für mich in weite Ferne.

Hinweis: Ardbeg Twenty Something (46.3%/70cl) ist ab dem 2. November 2017 exklusiv und äußerst limitiert für Ardbeg Committee Mitglieder über Ardbeg.com für 480,-- Euro erhältlich.

Ich danke Moet-Hennessy für die Probe.

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