Lost Distilleries: Elizabeth Harvie and the Paisley Connection. Schluss

1811 baut Daniel Macfarlane eine neue Brennerei am Glasgow Canal in Port Dundas. Zwei Jahre später baut John Gourlay ebenfalls eine Brennerei direkt daneben. Und irgendwann kommt mit Dundashill die dritte Brennerei dazu. Die enge Nachbarschaft hat einen guten Grund: Die Besitzer kennen sich seit vielen Jahren. Und sie verbindet mehr als nur geschäftliche Beziehungen. Letzter Teil meiner Reise zu den Wurzeln der Macht.

Clyde

Als Daniel Mcfarlane am Forth-and-Clyde-Canal in Port Dundas seine Brennerei errichtet, dauert es nicht lange, bis er Gesellschaft bekommt. Nur zwei Jahre später zieht auch John Gourlay an den Glasgower Kanal. Die beiden Männer sind alte Bekannte: sie haben zuvor viele Jahre in Paisley ihre Brennereien betrieben, und seit mehr als einem Jahrzehnt träumen sie von großen Brennblasen. Und noch etwas verbindet die beiden: sie haben in die gleiche Familie geheiratet, und sind über ihre Frauen Mary und Janet mit John Harvey, Esquire of Garthamlock, verschwägert. Ihm gehört die Yoker Brennerei in der Nähe von Portnaud.

Auch die Kinder kennen sich gut. So gut, dass man am Ende mehrfach untereinander verschwägert ist:  Daniels Sohn Robert heiratet die Tochter von John Harvey, dessen Sohn heiratet eine Tochter von John Gourlay, dessen Sohn wiederum eine Tochter von Daniel Macfarlane heiratet... immer noch alles klar? In der dritten Generation wird das Spiel dann wiederholt: Helen H. Gourlay heiratet William Harvey, Elizabeth MacFarlane heiratet Robert Gourlay. Am Ende wissen sie wahrscheinlich selbst nicht mehr so genau, wie oft sie eigentlich untereinander verwandt sind.

Port Dundas Distillery
Mcfarlane's Distillery

Die Besitzverhältnisse zwischen den verwandten und verschwägerten Familien sind schon bald recht verwoben und kompliziert. Als Robert Macfarlane 1825 frühzeitig stirbt, ist seine Frau Marion die Haupterbin und übernimmt mit  ihren Brüdern John, Robert und William Harvey unter dem Namen M. M'farlane and Company die Mcfarlane-Brennerei. Bruder Robert wird Manager der Brennerei.

Marion Mcfarlane or Harvey war 1785 in Yoker geboren und in der Brennerei aufgewachsen. Sie gehört zu jener Generation Frauen, die das Geschäft  von der Pike auf kannten. Marion (oder auch Marian) bieb 21 Jahre lang die Hauptaktionärin, und hat Port Dundas nie verlassen. Auch in den Zensusunterlagen von 1851 und 1861 finden wir sie wohnhaft in Cowlair's House, nur wenige Schritte entfernt von ihrer Brennerei. 



Schon 1831 wird in der Mcfarlane Distillery nur noch Grain gebrannt. Im Verlaufe der 21jähriger Herrschaft von Marion sollte aus der ehemaligen Zuckerdestille eine der größten Grain-Brennereien von Schottland werden. Doch Marion wagte es nicht, ihren Namen auszuschreiben. Die Tatsache, dass die Brennerei von einer Frau geleitet wird,  versteckte man dezent hinter einem Buchstaben.

Die Firma wurde im Oktober 1846 neu strukturiert und von Marians Söhnen Daniel und John Harvey Mcfarlane übernommen. Bruder John brannte allderweil in der nur sieben Meilen entfernten Yoker-Distillery mit 3 Wash- und 3 Spirit-Stills nur noch reinen Single-Malt. In einer Befragung am 26.9.1831 vor einer Parlaments-Kommission bestätigt er, dass die McFarlane Brennerei seiner Schwester Marion gehört.

 

Glasgow Distillery Company

Um 1823 kommt ein neuer Nachbarn nach Port Dundas: Thomas Harvey/Harvie errichtet hier die Dundashill Distillery, oder auch Glasgow Distillery Company, wie sie am Anfang genannt wird. Ihre Ursprünge sind etwas vernebelt, und es befand sich an dieser Stelle bereits eine kleine, ältere Anlage, die John Haig erbaut hatte. Als Haig stirbt, wird das Gelände an der Nordseite des Kanalbeckens zwischen Mai 1821 und Oktober 1822 mehrmals zum Verkauf angeboten. Dazu gehört auch ein großes Grundstück am Hundred Acre Hill.


Thomas Harvie hat bald danach das Gelände übernommen, und zwei komplette Brennereien darauf errichtet: eine für Malt, eine für Grain. Auch eine Getreidemühle, Kornspeicher, und Lagerräume gehörten dazu. Das Areal war über fünf Acres groß.

Thomas  war Wein- und Spirituosenhändler, und mit den Harvey's aus der Yoker Brennerei verwandt. Doch ebenso unvermittelt und rätselhaft, wie er aus dem Nebel aufzutauchen scheint, verschwindet er auch schon bald wieder aus den Chroniken. Wer ist dieser Thomas?

Gehen wir wieder ein paar Jahre zurück. 1809 finden wir in alten Gerichtsunterlagen einen Thomas Harvey, der gemeinsam mit John Harvey unter den Firmennamen "John and Thomas Harvie" sowie "Thomas Harvie and Company" die Yoker Distillery betreibt.

Nicht immer läuft alles glatt, und als 1809 ein Fass angeblich nicht ordnungsgemäß geliefert wird, landet der Fall vor Gericht. Aus den Unterlagen geht hervor, dass ein Daniel Macfarlane fünfzehn Jahre lang als Lieferant im Dienste der Yoker-Brennerei tätig war. Irgendwie war wohl schon damals alles ein großer Familienbetrieb.

Im gleichen Jahr taucht John Harvey junior auch erstmals in Glasgow auf. Er hat drei Jahre zuvor angefangen, in der Firma seines Vaters zu arbeiten und betreibt jetzt den "Spirit Cellar" der Yoker-Distillery in der Trongate Straße 78. Zwei Jahre später ist er zusammen mit Thomas in der Dunlop Street, wo sie auch die nächsten Jahre bleiben. Ab 1815 betreibt Thomas den "Spirit Cellar" alleine. Als der alte John Harvey 1817 stirbt, übernimmt John junior die Firma. Thomas trennt sich 1821 geschäftlich von der Yoker-Destillerie und  gründet bald darauf die Dundashill-Distillery. 
Whisky-Karriere

Doch berühmt wurde er wegen einer ganz anderen Geschichte.  1821 hat Thomas Harvie bei einer Versteigerung das Anwesen "Westthorn" erworben. Westthorn lag direkt am Fluß, und ein Fußweg entlang des Ufers verlief über sein Grundstück. Harvie ließ hohe Mauern errichten, um diesen Fußweg zu blockieren. Doch Glasgow ist nicht Paisley, in der Stadt am Clyde tobt damals der Klassenkampf. Am 21. Juli 1823 kommt es hier zum Aufstand. Eine große Menschenmenge hatte sich versammelt, unter ihnen viele Bergleute aus den nahegelegenen Kohlegruben. Mit Pickelaxt und Sprengpulver rücken sie Harveys Mauer zu leibe. Polizei und Militär greifen schließlich ein, es kommt zu großen Tumulten, aber zum Glück wird niemand verletzt. 43 Personen werden verhaftet. Über Thomas brach ein wahrer Shit-Storm herein.

Das Ereignis goß Öl in das politische Klima der Stadt, man bildete eine Front gegen Harvie. Die Bürger von Glasgow sammelten öffentlich Geld, um gegen ihn zu prozessieren, und riefen lautstark zum Boykott von Harvie's Whisky auf. Seine Geschäfte in der Innenstadt waren über Nacht wie leergefegt, die Kunden blieben aus. Andere Whisky-Händler warben damit, dass sie "None of Tam Harvey's whisky", keinen Whisky von Tam Harvey, verkauften. Auch die Presse hetzte gegen ihn. "Lang Tam Harvey" war zur geächteten Person geworden. Wenn er durch die Stadt fuhr, wurde er von Passanten beschimpft und ausgebuht. Der Geschäftseinbruch war dramatisch.

Als Folge konzentrierte Thomas sich zunächst auf die Kohlegruben, die sich auf den ausgedehnten Ländereien befanden, die zu Westthorn gehörten. Kohle war damals unerlässlich zum Betreiben der Dampfmaschinen, und auch die Brennereien hatten einen großen Bedarf.

Kohle-Gruben

Als die Grubenbesitzer Glasgows 1826 die Löhne senkten, stieg der Unmut der Arbeiter, 1827 kam es zum Streik. Auch Thomas Harvey betrieb seine Gruben jetzt mit Arbeitern, die von außerhalb Glasgows hergeholt wurden. Die Arbeiter aus Glasgow werden ihn dafür noch mehr gehasst haben als ohnehin schon.

Die Unruhen in den Kohlegruben haben möglicherweise dazu geführt, dass Thomas sein Geld in eine neue Brennerei investiert. Seinen verhassten Namen versteckt er dabei hinter dem anonymen Begriff  "Glasgow Distillery Company", deren alleiniger Teilhaber er ist.

In der Saison 1825/1826 produziert Thomas 846.830 Gallonen Bierwürze zum Brennen. Seine Nachbarn Macfarlane und Gourlay produzieren in der gleichen Saison 891.988 bzw. 1.031.176 Gallonen. In dieser Gruppe ist er der kleinste.

Dundashill (Glasgow Distillery Company)


Doch die Freude währt nicht lange. Die Whisky-Krise Ende der 1820er Jahre führt dazu, dass er 1831 die Produktion einstellt. Zu allem Überfluss brennen im gleichen Jahr auch die ausgedehnten und gut gefüllten Malt-Kiln seiner Brennerei ab. Ein Jahr später steht Thomas Havie mit dem Rücken zur Wand und geht mit über £60.000 Schulden spektakulär in den Bankrott hinein. Sein kompletter Besitz wird 1836 zum Verkauf angeboten.

Thomas gelingt es offensichtlich, die Firma zu konsolidieren, er betreibt bis 1840 die Brennerei wieder unter eigenem Namen, danach wird sie von John, William und Robert Harvey übernommen. Bis zum Tode von John 1847 führen sie unter dem Namen John and Robert Harvey & Company die Dundashill Distillery weiter. Eine große Milchfarm mit 1.050 Kühen am Hundred Acre Hill gehört ebenfalls dazu.

Port Dundas. Im Hintergrund die Mastbäume der Schiffe auf dem Kanal.


Als Alfred Barnard die Brennerei 1887 besucht, umgehen die Firmenerben die Frage nach dem Gründer der Brennerei geschickt und weisen darauf hin, dass ihre Firma 1770 von John Harvey (senior) gegründet wurde - und beziehen sich dabei mit großer Wahrscheinlichkeit auf das Gründungsjahr der Yoker-Destillery. Mit dem unbeliebten Thomas wollen sie wohl lieber nicht in Verbindung gebracht werden.

Unter dem Firmennamen John and William Harvey & Company betreiben John, Robert und William seit dem Tod ihres Vaters auch die alte Yoker-Brennerei weiter. Als John 1847 stirbt, werden alle drei Firmen neu strukturiert. Das gemeinsame Büro für Yoker und die Port Dundas Brennerei befindet sich später in der Maxwell Str. 76.

McFarlane's Distillery (links) und Gourlay's Distillery (rechts) in Port Dundas. Rechts oben Pinkton House. Ca. 1858


Gourlay's Distillery (Cowlairs)

Kurz nach der Pleite von Thomas Harvie trifft es auch die Gourlays. 1834 werden “John Gourlay, jun., of Cowlairs, distiller, und Robert Gourlay, of Port Dundas, Lanarkshire, distiller and partners,”  für bankrott erklärt. 

Erst wenige Jahre zuvor, im August 1829, war bei einem Feuer die halbe Brennerei zerstört worden. Maschinenhaus, Kornspeicher und Lagerhallen konnten gerettet werden, aber für das Brennhaus, einschließlich der Fermentier-Behälter, kam jede Hilfe zu spät.

In dieser Zeit taucht auch Henry Hoey in Port Dundas auf, der 1831 die Glenfyne Distillery gegründet hatte. In sein Familienalbum habe ich noch nicht hineingeschaut, aber vielleicht ist er ja auch irgendwie mit den Harveys verschwägert. Belegt ist, dass er eine Zeitlang Teilhaber der Gourlayschen Brennerei war, wahrscheinlich seit 1834.

1838 wird die Partnerschaft zwischen Henry Hoey, John Gourlay und Robert Gourlay aufgelöst, und  Henry Hoey ist jetzt mit einer eigenen Firma in Port Dundas angesiedelt. 1840 ist auch er bankrott.

Im Zuge der folgenden Neustrukturierung werden die Firmen Port Dundas Distillery Company sowie John Gourlay and Company gegründet oder neu strukturiert, Teilhaber sind in beiden Fällen  Mathew Brown Gourlay und Robert Gourlay. Die Gourlays waren also auch mit Matthew Brown aus Paisley verwandt, Mathew Brown Gourlay hat den Mädchennamen seiner Mutter geerbt. 

 

Mit dem Tod von Robert Gourlay 1841 werden die Karten wieder neu verteilt. Robert Gourlay hatte erst 1838 geheiratet - und zwar  Elizabeth Mcfarlane, Tochter von Robert Macfarlane und Marian Harvey. Sie sollte ihren Mann um mehr als vier Jahrzehnte überleben. Nach nur drei Jahren Ehe starb Robert Gourlay, sein kleiner Sohn starb 1849 noch im Kindesalter. Einzige Erbin ist jetzt Töchterchen Marion Harvie Gourlay.

Auch Elizabeth Gourlay finden wir in den Zensus-Unterlagen von 1851 und 1861 in Cowlairs House. Hier wohnt sie gemeinsam mit Mutter Marian Mcfarlane, Tochter Marion Harvie Gourlay, ihrer Schwester Margaret Mcfarlane, und ihren Bruder John Harvie Mcfarlane.

Die Gourlays ziehen sich zunehmend aus der Destillation zurück, Elizabeths Bruder wird Manager der Brennerei. Die beiden Firmen werden de facto von jetzt an unter einem Dach verwaltet.

1850 wird die Partnerschaft  der Port Dundas Distillery aufgelöst. Im April 1865 wird das Gelände der Gourlay/Cowlairs Distillery zum Verkauf angeboten, und die bisher getrennten Firmen John Gourlay / M. Mcfarlane werden offiziell fusioniert. Die Mcfarlane Distillery in Port Dundas ist jetzt neben der Caledonian Distillery Schottlands größte Brennerei.

Auch mit den Harveys waren die Gourlays doppelt verwand: Margaret, die Schwester von Robert Gourlay, hatte John Harvey (junior) of Garthamlock geheiratet, der bereits bereits 1847 verstorben war. Zu seinen  Nachlassverwaltern gehörte auch ein gewisser James Harvie, Spirituosen-Händler aus Paisley. Mit ihm schließt sich der Kreis jetzt, und wir kehren zurück an unseren Ausgangspunkt, nach Paisley. Denn dort sind die Harvies seit Jahrzehnten im Whisky-Geschäft zu hause.


6. James Harvie & Company. 

James Harvie junior ist das Schlusslicht in unserer Runde der Brennereien in Paisley im Jahre 1799, und über ihn und seine Brennerei ist kaum etwas bekannt. Auf der Zusammenkunft der Brenner im Januar hält er sich - ebenso wie Peter Wright - zurück, er will den Platzhirschen wohl nicht in die Suppe spucken. Mit Wright ist er freundschaftlich verbunden, und vertritt ihn auf dem Brenner-Treffen in Edinburgh.

Die Parlamentsunterlagen verraten, dass James schon 1798 das Brennen eingestellt hatte, weil die Verkaufszahlen zurückgingen, und seine Lager reichlich gefüllt waren. Die jüngste Steuererhöhung  hatte wohl auch ihm zu schaffen gemacht. Ebenso wie Peter Wright hat er in den folgenden Jahren das Whisky-Brennen ganz aufgegeben.

James Harvie ist das "missing link", das uns bisher noch gefehlt hat. Denn er hat noch eine Gemeinsamkeit mit Peter Wright. Auch James Harvie stammt aus einer alten Brenner-Familie. Schon 1788 hat ein Thomas Harvie in Paisley, Abbey Parish, Whisky gebrannt. War er ein Bruder vom alten John Harvey, der 1770 nur wenige Meilen entfernt die legendäre Yoker Distillery gegründet hat? War am Ende unser unglücklicher Thomas Harvie of Westthorn einer seiner Söhne? So ganz werden wir die Verhältnisse wohl nicht klären können, doch wir können mit Sicherheit behaupten, dass die Harvies aus Paisley mit den Harveys aus Yoker und Port Dundas sehr eng verwandt sind.

Familien-Bande:  Harvey in Port Dundas und Paisley

Damit sind wir am Endpunkt unserer Reise an die Wurzeln der Macht angekommen. Wir haben dabei einige bedeutsame Männer der ersten und zweiten Stunde getroffen, die den Grundstein legten für ein weltumspannendes Whisky-Imperium unserer Zeit: Daniel Macfarlane of Canalbank, John Gourlay of Cowlairs, und Robert Menzies aus Paisley. Sie haben schon 1799 bei ihrer Zusammenkunft die Visionen von Größe und Wachstum gehabt, als sie nach großen Brennblasen riefen. Und nicht zu vergessen John Harvey of Garthamlock. Sie alle haben 1810 Zucker gebrannt. Ihre Brennereien haben sich später zu den größten in Schottland entwickelt, und sind bis heute berühmt: Yoker, Dundashill, Port Dundas, Cowlairs, Saucel.  Und wir sind auch den Frauen begegnet, die gemeinsam mit ihren Männern nach oben gespült wurden:



Marion Macfarlane, geborene Harvey, Mutter von sieben Kindern und die große Matriarchin der Familie. Sie war 1785 in Yoker geboren, und hat später in Cowlairs House gelebt. Sie wußte noch, wie man Whisky macht. Nach dem frühen Tod ihres Mannes führte sie die Brennerei unter dem Firmennamen M. Mcfarlane & Company weiter, die unter ihrer 21 Jahre langen Herrschaft eine der größten Grain Distilleries in Schottland wurde. Sie war 44 Jahre lang das Oberhaupt der Familie, ehe sie 1869 im Krankenhaus von Glasgow-Maryhill starb. Sie besaß große Anteile an der Firma ihres Mannes. Sohn Robert hat später die Scapa Distillery mitbegründet.

Elizabeth Gourlay, geborene Macfarlane. Sie war die Tochter von Marion Macfarlane geborene Harvey. Ihr gehörte Cowlairs House/ Pinkston. Nach dem frühen Tode ihres Mannes Robert Gourlay war sie die Haupterbin der Gourlayschen Distillery. Wie groß ihr Einfluss war, lässt sich nur schwer einschätzen. Aber auch sie wohnte 1861 noch immer in Cowlairs House, also in unmittelbarer Nähe zur Brennerei. Es ist anzunehmen, dass sie über die Aktivitäten in der Brennerei bestens informiert war.

Margaret Harvey of Garthamlock, geborene Gourlay. Sie war die Schwägerin von Marion Macfarlane. Auch sie war mit einer Brennerei aufgewachsen, und hat ihren Mann um viele Jahre überlebt. Margaret war 34 Jahre lang das Oberhaupt der Familie und besaß einen goßen Teil der Firmenaktien von Yoker und Port Dundas.  Ihre Urenkel haben später Bruichladdich gegründet.

Die vier Fräulein MacFarlane of Canal Bank, die nach dem Tode ihres Vaters 1849 bis mindestens 1862 die Bankier Distillery besaßen, und die mit Sicherheit auf keinem Wohltätigkeitsbasar in Paisley fehlen durften. Sie kamen aus dem gleichen Familien-Kreis und waren die Schwägerinnen von Marion und Elizabeth. Später haben sie die Brennerei verkauft und sind sie nach Edinburgh gezogen.

Und natürlich auch Elizabeth Harvie at Gallowhill, mit der unsere Reise begonnen hat. Kleine Brennblasen wollte sie an jenem kalten Januartag 1799 haben, damit "die Industrie nicht in die Hände von einigen wenigen gerät", wie sie sagt.

Protokoll von 1799: Elizabeth hat die Entwicklung der Whisky-Giganten vorausgesehen. Sie hat nachdrücklich davor gewarnt, aber verhindern konnte sie es nicht.

Elizabeth hat die Entwicklung vorhergesehen. Aber sie hat sie nicht verhindern können. Die Steuerregulierungen der Regierung boten in den folgenden Jahren nur wenige Möglichkeiten. Peter Wright, James Harvie junior und James Macfarlane haben bei dem Brenner-Treffen im Januar 1799 geschwiegen. Ihre Brennereien verschwinden schon bald im Dunkel der Geschichte. Und sie sind nicht die einzigen. William Fleming, James Bachop, William McLeod, Duncan Macgrigor, John Neilson, Archibald Yool, William Ramsay - sie wurden alle hinaus gekegelt.

Nur wer mit hohem Einsatz spielte, kam damals durch die Schlupflöcher hindurch. Für die Mehrzahl der Klein-Händler und Farm-Pächter blieben die Türen zu. Die Lowlands waren nach nur einer Generation fest in den Händen der Whisky-Oligarchen. Als die Regierung 1823 endlich dieser Entwicklung entgegen steuerte, war es schon zu spät.

Elizabeth hat die Kehrtwende nicht mehr erlebt. Sie ist 1817 gestorben, ihr Sohn ist Brauer in Saucel geworden. Reich wurden andere. Ihre Farm wurde später von dem Textilfabrikanten Peter Kerr gekauft, der 1869 das prachtvolle Gallow House erbauen ließ. Fotos davon findet ihr hier.

Nicht nur Whisky. Yoker 1873

1877 schließt sich die Macfarlane Distillery mit 5 weiteren Lowland-Brennereien zur Distillers Company Limited (DCL) zusammen, um gemeinsam den Preismarkt besser kontrollieren zu können. 1914 gelten sie als der größte Whisky-Produzent weltweit. DCL sollte später die Keimzelle des heutigen Getränke-Giganten Diageo werden. Die Grain Distilleries der Lowlands versorgen heute die ganze Welt.




Gallowhill House
In den Highlands hingegen bricht 1823 für die Whisky-Brenner ein neues Zeitalter an.

Anfang verpaßt? Hier geht's zu Teil 1

Anschluß verpaßt? Hier geht's zu Teil 2

Fortsetzung verpaßt?: Hier geht's zu Teil 3

Kommentare

  1. Wow... ähm... hmm... ich bin jetzt total verwirrt ob all der Macfarlanes, Gourlay und Harveys, der Schließungen, Gründungen und Fusionen, der Kinder, Schwager und Ehefrauen.

    Nichtsdestotrotz, das ist eine richtig spannende Geschichte, die uns mit Diageo heute immer noch berührt. Richtig gut erzählt. Und wohl auch richtig gut recherchiert - aber das kann ich am Ende nicht wirklich beurteilen.

    Hast du mal drüber nachgedacht, einen Stammbaum zu zeichnen? Mit Familienverbindungen und geschäftlichen Eckdaten.

    PS: Was wurde denn aus Elizabeth Philips?

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  2. Hallo Stefan, ich hab mir auch erst mal einen Stammbaum erstellen müssen, um den Überblick zu behalten ;-)
    Ich habe wochenlang an dieser Geschichte recherchiert, und mich auch immer wieder mit Jens besprochen, um Fehler auszuschließen. Es ist mittlerweile sehr viel Material aus jener Zeit in diversen Online-Archiven einsehbar.
    Das ein oder andere Fragezeichen ist noch geblieben, aber ich glaube, dass ich ganz gut die Entwicklung herausarbeiten konnte, die die Whisky-Industrie innerhalb von nur zwei bis drei Generationen genommen hat. Mir ging es vor allem um die Zeit von 1799 bis 1823. Dass ich hier so viele Frauen entdecken konnte, hat mich aber selbst überrascht.
    Ein Stammbaum wäre mit Sicherheit hilfreich, ich weiß aber nicht, ob meine PC-Kenntnisse reichen, um den im Blog darstellen zu können.
    Und Elizabeth Philips kommt auch noch. Hab noch etwas Geduld....

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  3. Geduld habe ich, ich freu' mich nur schon auf die Fortsetzung.

    Und ja, mit den beschriebenen Familienbanden muss ein Stammbaum sicher dreidimensional werden... wenn da mal nicht auch eine gute Portion Inzest im Spiel war ;-)

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