Interwhisky Frankfurt 2016

Es war vielleicht nicht die spannendste, aber mit Sicherheit die schönste Interwhisky der letzten Jahre. Wer am vergangenen Wochenende den Weg in das Gesellschaftshaus des Frankfurter Palmengarten fand, wurde reich belohnt. Ein verändertes Raumkonzept bot Platz für alle, es war voll, aber nicht zu voll, und sowohl die Gäste als auch die Mitarbeiter erlebten drei Tage entspannten Genuss und ein reichhaltiges Angebot.

Interwhisky 2016. Foto: MargareteMarie



In den vergangenen Jahren war ein Besuch der Frankfurter Interwhisky immer gleichbedeutend mit langen Schlangen, überfüllten Gängen und viel Gedränge. Doch in diesem Jahr führte eine andere Raumaufteilung und weniger Stände erstmals zu einer entspannten Situation. Gerangel und Geschubste gab es lediglich oben auf der Empore, wo es in Stoßzeiten noch immer sehr eng zu ging. In der Haupthalle hingegen war genug Platz für alle. So entspannt konnte man die Messe schon lange nicht mehr genießen. 

Interwhisky 2016. Foto: MargareteMarie

Doch die Interwhisky ist mehr als nur ein Plauder-Treffpunkt der regionalen Whisky-Fans. Sie ist auch ein Stell-Dich-Ein der internationalen Whisky-Szene und das Aufgebot an erstklassigen, internationalen Referenten war in diesem Jahr wieder enorm: Sayumi Oyama (Nikka) stellte Whisyks aus Japan  vor, Krish Kumar (Paul John) präsentierte Whisky aus Indien, Andy MacDonald (Glenmorangie), Ronnie Cox (Glenrothes), John Campbell (Laphroaig), Jan Beckers (Douglas Laing) und Shauna Jennens (Dalmore) waren von Schottland angereist, Tony Vanaria (Hudson Whisky) kam aus Paris und Jennifer Nickerson (Tipperary), Jason Stubbs (Barr an Uisce) und Shane Fitzharris (Writer's Tears) kamen eigens aus Irland, um nur einige zu nennen. Das Angebot an hochkarätigen Master Class Tastings war dementsprechend auch in diesem Jahr beeindruckend.

Interwhisky 2016. Foto: MargareteMarie


Beim Whisky setzt sich der Trend der vergangenen Jahre fort: alte Abfüllungen werden zunehmend seltener und werden bei dem ein oder anderen Stand nur noch als Bückware gehandelt. Gleichzeitig steigt das Angebot an neuen und jüngeren Abfüllungen, die oft mit einer überraschend guten Qualität auf sich aufmerksam machen können.

Interwhisky 2016. Foto: MargareteMarie


Japanischer Whisky leidet noch immer massiv unter Engpässen, ältere Abfüllungen sind nach wie vor nur sehr schwer zu bekommen, jüngere Abfüllungen ohne Altersangabe sollen die Lücke schließen. Doch die traditionellen Brennereien Nikka und Suntory tun sich damit noch etwas schwer, während Brennereien wie Akashi und Chichibu zur Zeit die Nase vorn haben. Eines meiner persönlichen Messe-Highlights war in diesem Jahr das "Whisky Talk and Dinner Japanese Whisky", das im Restaurant des Gesellschaftshauses La Fleur stattfand. 7 verschiedene Japanische Whiskys, drei Fachvorträge und ein traumhaftes Vier-Gänge-Menü wurden geboten. Mein Favorit war an diesem Abend der Yamazaki 18, dicht gefolgt von Hibiki 12 und Akashi Single Malt. 

Interwhisky 2016. Foto: MargareteMarie


Highlight Nummer zwei war ein Besuch am Stand von Beam Suntory, wo ich das große Vergnügen hatte, zusammen mit Brand Ambassador Mark Armin Giesler einen Highland Park Single Cask for Germany zu trinken. Nur ein einziges Fass wird es davon für Deutschland geben, das Theater um die wenigen, verfügbaren Flaschen wird entsprechend groß sein. Brennereien wie Kavalan oder Highland Park haben die Single Cask Abfüllung  für sich entdeckt, ich bin gespannt, ob dieser Trend in Zukunft auch von anderen Brennereien aufgegriffen wird.

Interwhisky 2016. Foto: MargareteMarie


Unabhängige Abfüller haben schon seit jeher mit Einzelfass-Abfüllungen unsere Herzen erfreut. Mein drittes Messe-Highlight habe ich Gregor Haslinger (Whisky-Spirits Frankfurt) zu verdanken, der für die Sharing Angels ein Sonder-Tasting der Extra-Klasse bot und uns gleich mit drei besonderen Abfüllungen aus dem Fasslager von Andrew Symington verwöhnte: ein 28 Jahre alten Single Grain Whisky aus der seit vielen Jahren geschlossenen und  mittlerweile abgerissenen Brennerei Caledonian Distillery, ein 24 Jahre alter Ben Nevis von Signatory aus einem Sherry Butt und das neue, 8 Jahre alte Edradour-Ballechin-Cuvée, das sich aus einem Edradour Sherry Cask und drei Ballechin (peated) Bourbon Casks zusammensetzt. Der Edradour-Jungspund hatte es in dieser altehrwürdigen Gesellschaft dann doch etwas schwer, mein Geschmacks-Favorit war der Ben Nevis, während der Caledonian Grain der Preis-Leistungs-Sieger war.

Interwhisky 2016. Foto: MargareteMarie

Eine der Besonderheiten von Whisky ist, dass man ihn oft bei besonders schönen Gelegenheiten trinkt, und dann für immer die Erinnerung daran mit diesem Whisky verbunden bleibt. Mein viertes Messe-Highlight war ein Wiedersehen mit Andy MacDonald, dem Brennerei-Manager von Glenmorangie, den ich vor einigen Jahren bei einem VIP-Empfang der Brennerei im National Museum of Scotland kennenlernte. Das letzte Mal hatte ich mit Andy zusammen einen Quarter Century getrunken, doch die Abfüllung wird eingestellt und in Zukunft durch eine 25jährige Vintage-Abfüllung ersetzt, den "Glenmorangie 1990". Leider ist die Abfüllung noch nicht erhältlich, und so habe ich mit Andy zusammen einen "Glenmorangie Midwinter Night's Dram" getrunken. Eigentlich sollte diese NAS-Abfüllung die Standard-Range kurzfristig ergänzen und zur Weihnachtszeit einen schönen Whisky ohne Altersangabe im unteren Preissegment (unter 45 Euro) bieten. Die deutschen Whisky-Flipper haben aber wieder einmal zugeschlagen und dafür gesorgt, dass die Abfüllung in Windeseile vergriffen war - um jetzt bei ebay zu vollkommen überzogenen Preisen versteigert zu werden. Der Midwinter Night's Dram zeigt deutlich die Misere, die derzeit bei uns herrscht: beim Whisky will inzwischen jeder mitverdienen, und diejenigen, die am lautesten schreien, sind am schlimmsten.


Interwhisky 2016. Foto: MargareteMarie

Interessant war wieder einmal das breite Angebot an deutschen Whiskys, dem auf keiner anderen Messe so viel Raum eingeräumt wird wie auf der Interwhisky. Bereits am Freitag Abend fanden die Germany's Best Whisky Awards statt, über die ich bereits [hier] berichtet hatte. Sieger war in diesem Jahr der Hillock 14 in Fassstärke aus der Brennerei Habbel, der eine Doppelreifung im Islay-Sherry-Butt (4 Jahre) und im Cognac-Fass (10 Jahre) erfahren hat. Wobei ich schon wieder bei einem meiner Highlights wäre: denn mit einer solchen Frau von Format wie Michaela Habbel zusammen mit den Sharing Angels den Besten Deutschen Whisky des Jahres genießen zu können, war das pure Vergnügen.

Interwhisky 2016. Foto: MargareteMarie


Nicht nur der deutsche Whisky ist zur Zeit sehr lebendig, auch in Irland tut sich einiges. Am Stand von Mareike (Irish-Whiskeys.de) traf ich nicht nur Jason Stubbs (Barr an Uisce) wieder, sondern auch Jennifer Nickerson, Markenbotschafterin des Tipperary Whiskey und Mitbesitzerin der zukünftigen Brennerei gleichen Namens. Ihr Tipperary Knockmealsdown hat mir nicht nur wegen des Namens gut gefallen. Auf ihren eigenen Whisky werden wir noch etwas warten müssen.


Interwhisky 2016. Foto: MargareteMarie

Auch auf den Whiskey der Walsh Distillery werden wir noch drei Jahre warten müssen. Ihren Writer's Tears Whiskey bringen Bernard and Rosemary Walsh bereits seit 2009 auf den Markt. Am Stand des Bremer Spirituosen Contors konnte man den Writer's Tears Red Head probieren. Die limitierte Auflage ist in Oloroso Sherryfässern gereift und bietet ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Am Ende des Wochenendes war ich wieder einmal ganz betrübt, dass ich vieles immer noch nicht probiert hatte - die Auswahl war einfach zu umfangreich. Großen Ansturm hatte es am Stand von Bruichladdich gegeben, die ihr neues, 10jähriges Whisky-Trio präsentierten, und auch Bowmore zog mit seiner Vault Editon die Fans an.

Dennoch darf nicht verschwiegen werden, dass in diesem Jahr einige Aussteller gefehlt hatten. Auch wenn das Whisky-Angebot mehr als reichlich war - wer einen Talisker, Glenlivet oder Wolfburn suchte, suchte vergebens. Die Interwhisky ist die einzige Whisky-Messe in Deutschland, die genügend Strahlkraft hat, um im Internationalen Vergleich bestehen zu können und internationalen Referenten eine interessante Plattform zu bieten. Ob sie diese Position auch in abgespeckter Form beibehalten kann oder ob gänzlich neue Konzepte auf den Tisch kommen, wird die Zukunft zeigen. Ich bin sicher, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

Interwhisky 2016. Foto: MargareteMarie


Kommentare

  1. ... wie immer schön geschrieben, Danke!

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  2. Schöner Artikel.... aber Messen wie The Village in Nürnberg, Finest Spirits in München oder vor allem der Whiskyfair in Limburg die "Strahlkraft" abzusprechen, auch hochkarätige internationale Referenten anzuziehen, finde ich denn doch etwas verwegen.... Schöne Grüße aus Meckenheim

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    1. Hallo Andrea,
      ich verstehe, was du meinst. Ich will die anderen Messen auch nicht schmälern, ich finde die Messen in Nürnberg und München toll. Die Whiskyfair Limburg ist eine ganz andere Kategorie, das ist ein Mekka der Freaks, da brauche ich keinen Glenlivet und kein Glenmorangie. Aber wenn die Distillery Manager aus Schottland zehn oder 20 Tage im Jahr auf Messe-Tour rund um den Globus gehen, dann wollen sie nicht sämtliche Messen in Deutschland abklappern. Die Frage lautet nicht "Nürnber oder München oder Frankfurt", die Frage lautet "Paris oder Singapur oder Taipeh oder..." In der internationalen Konkurrenz haben Nürnberg oder Schwetzingen es vielleicht doch etwas schwerer, die "Big Boys and Girls" nach Deutschland zu bringen. Aber das ist nicht in Stein gemeißelt, und vielleicht ändert sich das in Zukunft ja auch.

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