Adventskalender: Ardmore very clouy, 2008/2016, Un-Chillfiltered Collection, 40%

Signatory Vintage hat in der Vergangenheit schon öfter "naturtrübe" Whiskys auf den Markt gebracht, doch das Interesse war bisher eher verhalten. Vielleicht wird sich das mit dem neuen "Ardmore very cloudy" ändern, der vor einigen Tagen erschienen ist. Denn diese Art der Abfüllung hat durchaus ihren besonderen Reiz.



Whisky-Abfüllungen mit 40% sind in Fachkreisen eher verpönt. Doch warum eigentlich?
Die Alkohol-Reduktion auf das gesetzliche Mindestmaß macht den Whisky nicht nur günstiger, sondern auch milder auf der Zunge - zwei Aspekte, die durchaus positiv zu werten sind. Dennoch hält sich hartnäckig die weit verbreitete Meinung, dass 46% die bessere Wahl sei.

Un-chillfiltered - nicht kältefiltriert


Die neue Abfüllung von Signatory "Ardmore very cloudy" in der Reihe "un-chillfiltered collection" zeigt eindrucksvoll, warum das so ist. Wird mit weniger als 46% abgefüllt, dann stellt sich eine sichtbare Trübung ein. Verantwortlich dafür sind Trübstoffe wie Fettsäuren, Ester und  Proteine, die ihm Whisky enthalten sind. Soll der Whisky auch bei 40% klar in der Flasche brillieren, muss er einer sogenannten  "Kältefiltration" unterzogen werden.


Dabei wird die Spirituose auf  Temperaturen zwischen -4 und 0° abgekühlt. Durch die Kälte fallen diese Trübstoffe aus und lassen sich so zusammen mit anderen Kleinstpartikeln durch einen Filter entfernen. Doch die Ester, Proteine und Fettsäuren sind auch Geschmacksträger. Durch ihre Entfernung bleibt der Whisky zwar hübsch klar, verliert jedoch an Geschmack. 

Ein Verzicht auf Kältefiltration bedeutet also ein gesteigertes Geschmackserlebnis. Damit das Auge nicht zu kurz kommt, und der Whisky in der Flasche brillieren kann, muss mit 46% oder mehr abgefüllt werden.



Mit dem Ardmore "very cloudy" verzichtet Signatory auf  den optischen Glanz  und bringt den Whisky mit milden, preiswerten 40% ungefiltert in die Flasche, der dennoch einen vollen und sehr cremigen Geschmack hat. "Naturtrüb" hat auch Vorteile.

meine Tasting-Notes:

Ardmore 2008/2016,Un-chillfiltered Collection, very cloudy, 40%, Ex-Bourbon-Barrel, Fass-Nr. 800139, 800140, 800141, 1075 Flaschen


Aroma: ganz viel frisches Zitrusaroma, auch ein bißchen Nashi-Birne und Mandarinen, ein Hauch von frischer Minze, eine leichte Salznote, die sich unter zuckriger Sirupsüße  versteckt.

Geschmack: sehr cremig und mild, leicht speckig, mit einer zarten Rauchnote, leicht trocken, insgesamt eher robust

Nachklang: mittellang


MargareteMarie meint: Trotz der 40% durchaus ein voller Geschmack, robust und sehr cremig. Bei einem Preis von unter 40 Euro eine sehr gute Preis-Leistungs-Relation. Für Fans von Ardmore ein "Muss".

PS: Wer sich für die Reihe "Very Cloudy" von Signatory interessiert, kann zur Zeit noch fündig werden. Weitere "naturtrübe" Abfüllungen sind derzeit noch im Netz erhältlich.


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Abomination: wie abscheulich ist die Abscheulichkeit?

Unter die Lupe genommen #4: Marketing-Märchen (The real Glenlivet)

Irish Renaissance: Wo kommt der ganze Whiskey her?

Unter die Lupe genommen # 1: Finishing (Tomatin 14 Port Casks)

Tasting Notes: Glenallachie, 8 Jahre, Best Dram, 1st fill Sherry butt

Tasting Notes: Ardbeg Twenty Something or the Road to Paradise Island