Tasting Notes: Seven Stills

Whiskys aus stillgelegten oder abgerissenen Brennereien sind heißbegehrte Raritäten, und echte Maltheads müssen unbedingt auch einen Littlemill, Convalmore oder Rosebank getrunken haben. Von Brora gar nicht zu reden. Doch wer von euch hat schon mal einen Parkmore im Glas gehabt?


Die Stadt mit der höchsten Brennerei-Dichte der Welt ist wahrscheinlich Dufftown. Sieben Brennereien waren bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in der schottischen Kleinstadt entstanden, und bis heute kennt fast jeder Whisky-Fan das Sprichwort: "Rome was built on seven hills, but Dufftown was built on seven stills". Sechs dieser Brennereien sind mittlerweile weltbekannt: Mortlach (1823), Glenfiddich (1886), Balvenie (1892), Convalmore (1894, geschlossen 1985),  Dufftown (1896) und  Glendullan (1897). Die siebte Brennerei jedoch ist fast in Vergessenheit geraten: Parkmore.

Parkmore wurde 1894 gegründet, aber bereits 1931 wieder geschlossen und die Lager-Bestände angeblich vernichtet. Das Stillhaus existiert nicht mehr, aber die Lagerhäuser sind noch immer gut erhalten und befinden sich derzeit im Besitz von Edrington. Doch sie beinhalten keinen Whisky von Parkmore mehr.

Anzeige für Seven Stills 1902, S. 1325 (65)

Whisky aus der Brennerei Parkmore ist entsprechend schwer zu finden.  Es gab allerdings einen Blended Malt, der angeblich alle Malts dieser sieben Brennereien aus Dufftown vereinigte: "Seven Stills". Und auch Parkmore soll in diesem Blend enthalten sein. Abgefüllt wurde Seven Stills von der Firma Cockburn & Murray, die heute zum unabhängigen Abfüller Ian Macleod gehört.

Wann genau Cockburn & Murray von Macleod übernommen wurde, habe ich nicht herausfinden können. Da Ian Macleod 1933 gegründet wurde, kann die Übernahme erst nach der Stilllegung von Parkmore stattgefunden haben.

Doch die Firma Cockburn & Murray ist deutlich älter. Bereits 1902 erschien eine Anzeige für Seven Stills im damaligen "Post Office Directory". Im  "Highland Light Infantery Chronicle" von 1914 (Jan.-April) konnte ich ebenfalls eine großzügige Anzeige für den Blended Malt entdecken.  Offensichtlich hat man keine Mühen gescheut, Seven Stills im In- und Ausland bekannt zu machen. Und vielleicht hat ja so manche Flasche mit den berühmten sieben Malts von Dufftown den Soldaten bei einem langen Marsch in den weiten Gefilden des Britischen Imperiums Mut und Trost gespendet.

Werbe-Anzeige 1914
Die Anfänge der Firma Cockburn & Murray liegen wahrscheinlich im  Jahr 1855, als erstmals der Tee-, Wein- und Spirituosenhändler J.&G. Cockburn ein Geschäft in der South Castle Street 21 eröffnete. Damals war Mortlach die einzige Brennerei in Dufftown, der große Whiskyboom stand noch bevor. Zwei Jahrzehnte später führte George Cockburn die Firma unter seinem Namen alleine weiter und erweiterte sie um den Bereich des Wein- und Brandyimports, ehe er schließlich nach der Jahrhundertwende mit William Murray zu Cockburn & Murray verschmolz.

In späteren Jahrzehnten, unter Ian Macleod, wurde unter dem Namen Cockburn & Murray vor allem Whisky für den Export (nach Italien) abgefüllt. Ob auch in den Nachkriegsjahren noch Whisky von Parkmore in diesem Blend enthalten war, vermag ich nicht zu beurteilen. Und ich weiß auch nicht, aus welchem Jahrzehnt die Flasche wohl stammte, die ihren Weg auf die Whisky-Fair in Limburg gefunden hatte, der Verkäufer war leider recht wortkarg.

Doch der Gedanke, dass ich vielleicht tatsächlich ein paar Tropfen Parkmore (und Convalmore) getrunken habe, ist überaus reizvoll. Und wenn nicht - ein Stückchen spannende Whsiky-Geschichte war auf jeden Fall im Glas. Und mein Dank gilt an dieser Stelle ganz besonders Willi für diesen Tipp.

Meine Tasting Notes:

Seven Stills, Blended Malt (vatted), Cockburn & Murray,  5 Jahre, 75 cl, 43%, Italien-Import


Aroma: Aromen von saurem Wein, Malz und Minze mischen sich mit Vanilleduft und braunem Zucker, er wirkt recht süß und überraschend frisch, aber auch etwas dünn und abgewetzt. Als hätte sich die Mehrzahl der süßen Früchtchen schon längst aus dem Staub gemacht und überwiegend das unreife, halbgrüne Zeug zurückgelassen. Nach einer langen, langen Zeit werden dann doch noch die Sommerblumen wach und recken ihre süßen Köpfchen aus dem Glas. Wasser? lieber nicht.


Geschmack: extrem ölig, wachsig, und sehr mild, aber auch dumpf wie ein alter Küchenschrank im Keller. Grapefruchtschalen und Blätter von grünem Tee. Ein bißchen flach und träge kommt er an, als hätte er seine beste Zeit schon hinter sich.

Nachklang: kurz, die Grapefruit-Schalen bleiben auf der Zunge liegen.


MargareteMarie meint:

Ein leichter, wenig komplexer und trotz seinem Alter immer noch gut trinkbarer Blended Malt, der seine jugendliche Frische im Lauf der Jahre verloren hat. Der Reiz liegt vor allem in der Geschichte, die er zu erzählen hat. Und wer weiß, vielleicht ist ja wirklich noch etwas Parkmore enthalten.
 

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