Tasting Notes: The Glover 18, Blended Malt, Adelphi

Zu den interessantesten Blended Malts der jüngeren Zeit gehört der "Glover" von Adelphi. Schon im vergangenen Jahr kamen der "Glover 22 " und "Glover 14" auf den Markt, jetzt wurde die Reihe um den "Glover 18" ergänzt. Adelphi wagt damit ein Cross-Over und mischt schottischen Malt Whisky mit Malt Whisky aus der inzwischen abgerissenen Hanyu-Brennerei in Japan. In Deutschland war der Glover 18 am Erscheinungstag bereits innerhalb von wenigen Minuten ausverkauft.


Adelphi ist mit ihrer Serie "The Glover" ein besonderes Marketing-Kunststück gelungen. Malt Whisky aus der 2004 abgerissenen Hanyu Brennerei gehört inzwischen zu den teuersten der Welt. Noch gibt es Restbestände, die der Enkel des Hanyu-Gründers, Ichiro Akuto, rechtzeitig sicher stellen konnte. Adelphi gelang es, eines dieser Fässer zu erwerben und verkaufswirksam mit schottischem Malt zu einem interessanten Blend zu mischen.

Dabei darf natürlich eine schöne Geschichte nicht fehlen, und so wurde dieser Whisky einem gewissen Thomas Blake Glover gewidmet. Thomas war gebürtiger Schotte und als junger Mann reiste er in das damals noch unbekannte Japan, um Handelsbeziehungen mit seiner Heimat aufzubauen. Er ließ sich in Nagasaki nieder und wurde bald zu einer wichtigen Figur bei den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Japan und dem Britischen Imperium. Seine Verbindung zu Samurai Clans brachte ihm zuhause den Spitznamen "Scottish Samurai". 1908 erhielt er als erster Ausländer den "Orden der Aufgehenden Sonne".

Ich liebe solche Geschichten über beeindruckende Persönlichkeiten, wenngleich ich mich natürlich gefreut hätte, wenn ein Whisky mal zur Abwechslung nach einer Frau benannt worden wäre. Möglichkeiten gäbe es da viele. Isabella Christie zum Beispiel, die als junge Frau im prüden Viktorianischen Zeitalter die Welt bereiste und von japanischer Gartenkunst so angetan war, dass sie 1907 im fernen Schottland einen japanischen Garten anlegen ließ, der wegweisend für die japanische Gartengestaltung in Europa war. Auch über Frauen lassen sich wunderbare Geschichten erzählen...

Aber kehren wir wieder zum Glover zurück. Für den Glover 18 wurde Malt Whisky aus den Brennereien Longmorn und Glen Garioch mit Malt Whisky aus der Hanyu Brennerei gemischt. Wie hoch der Anteil an Hanyu-Whisky ist, wird nicht verraten. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die Menge allzu groß war. Abgefüllt wurde mit 48.6%, die Auflage betrug nur 1.448 Flaschen.


Tasting Notes: Glover 18, 48.6%, Blended Malt, Adelphi, 1.488 Flaschen


Aroma: dunkles Sauerteigbrot, Grapefruit und süße Pink-Lady-Äpfel bilden einen harmonischen Mix. Dazu kommt aromatisches Holz, reife Birnen, Mandarinen, Vanille und Limetten. Geduld wird belohnt, nach einer Weile öffnet sich dieser Malt wie eine Blüte und der betörend süße Duft von Orchideen und Lilien strömt aus dem Glas. Insgesamt ist das Aroma nicht allzu schwer, aber sehr rund und samtig.

Geschmack: sehr cremig und ölig, leicht grasig, nur wenig süß, dafür aber viel dunkles Brot, grüner Tee  und Grapefruitschale. Insgesamt sehr ausgewogen und vielschichtig.

Nachklang: mittellang


MargareteMarie meint: Glover 18 ist ein wunderschöner, komplexer Blended Malt, der so harmonisch und abwechslungsreich wie ein japanischer Garten ist. Er schmeckt nicht nur gut, sondern stellt auch eine Reminiszenz an Hanyu und die japanische Destillierkunst dar.

Ich kann nur hoffen, dass Adelphi in Zukunft noch viele weitere Hanyu/Glover Ausgaben herausbringen wird. Denn es hat nun einmal einen ganz besonderen Reiz, dass sich in jedem Glover auch ein paar Tröpfchen des letzten Malts von Hanyu befinden.

Und ein ganz dickes Dankeschön an Sascha, der mich diesmal rechtzeitig mit einem Sample versorgte.

Punkte: 87 (von 100)

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