Neue Trends - die wichtigsten Whiskys in diesem Herbst

Der Whisky-Boom ist ungebrochen, und auch in der zweiten Hälfte des Jahres stehen uns unzählige neue Abfüllungen ins Haus. Dass man seine Kunden immer häufiger  mit neuen Produkten überrascht, gehört ja inzwischen zum festen Ritual in der Branche, und manchmal fühle ich mich fast wie ein Mode-Blogger, der aufpassen muss, dass er die neuen Trends nicht verpasst. Werfen wir also einen Blick auf die neuen Modelle dieser Herbstsaison.



Alter

Die größte Überraschung gab es diesen Sommer bei Macallan, die eine neue Abfüllung mit Altersangabe auf den Markt bringen werden.

Der  12jährige "Macallan Double Cask 12 years" besteht aus einer Kombination von sherry-getränkten Fässern aus amerikanischer und europäischer Eiche. Zusammen mit den bisherigen Abfüllungen "Sherry Oak 12" und "Fine Oak 12" bildet er die sogenannte "Trilogie". Der Double Oak soll bis zum Ende des Jahres auch in Deutschland erhältlich sein. Ob auch Sherry Oak und Fine Oak wieder auf den deutschen Markt zurückkehren oder mittelfristig durch den Double Cask ersetzt werden oder ob sie tatsächlich die NAS-Reihe "1824" ersetzen werden, wie viele Fans bereits frohlocken, bleibt abzuwarten. Edrington, in dessen Portfolio sich die Brennerei Macallan befindet, hat in den vergangenen Jahren immer wieder für große Überraschungen gesorgt und sich dabei jedes Mal als Trendsetter erwiesen. Gut möglich, dass der schlimmste Teil der Durststrecke bereits hinter uns liegt und wir in Zukunft wieder vermehrt Whisky mit Altersangabe erhalten werden.

Auch bei  Bowmore setzt man scheinbar wieder auf Altersangabe und hat gleich zwei entsprechende Whiskys auf den Markt gebracht: noch bis Ende des Jahres wird es den "Bowmore 10" in den Duty-Free-Shops an europäischen und asiatisch-pazifischen Flughäfen geben, zum Preis von ca. 65 Euro für die Einliter-Flasche. Reifen durfte der Whisky in ehemaligen Rotwein- und Oloroso-Sherry-Fässern. Ebenfalls als limitierte Ausgabe wird der neunjährige "Bowmore 9" derzeit über den Fachhandel bzw. Online-Handel vertrieben; er besteht zum überwiegenden Teil aus sherryfassgereiftem Whisky, der mit Whisky aus Ex-Bourbon-Fässern gemischt wurde.

Tomatin bringt gleich vier neue Abfüllungen mit Altersangabe in den Travel Retail: Tomatin 8, 12, 15 und 40 Jahre. Die Preise reichen von 35 Euro (Tomatin 8) bis 1.250 Euro (Tomatin 40).



Alt und teuer

Tomatin ist nicht die einzige Brennerei, die in diesem Herbst mit uraltem Whisky überzeugen will. In der Rubrik "alt und teuer" kann auch Laphroaig  mit seinem "Laphroaig 30" punkten - er ist leider nicht ganz billig. Auch Brora ist schon längst kein Schnäppchen mehr. Für einen 38 Jahre alten Brora aus der Reihe  "Special Release 2016" von Diageo, die in wenigen Tagen erhältlich ist,   muss man etwa 1.700 Euro hinlegen. Dafür hat man dann aber auch etwas besonderes.

Ardbeg hat ebenfalls nach langen Jahren der Wartezeit endlich wieder einen alten Whisky  am Start: in wenigen Tagen erscheint ein 21 Jahre alter Ardbeg, gereift in Ex-Bourbon-Fässern. Ganz so teuer wie Brora wird der Ardbeg Twenty One nicht werden, doch man sollte ein paar hundert Euro im Geldbeutel übrig haben. Für Committee-Mitglieder gibt es die Abfüllung ab 21. September.  (update: weltweit werden 689 Neun-Liter-Kisten erhältlich sein, was in etwa 8.000 Flaschen entspricht. Das sollte doch hoffentlich bis Weihnachten reichen...)

Glenfarclas hat gleich zwei alte Whiskys im Rennen: Glenfarclas 30 und Glenfarclas 40. Beide kommen in einem wunderschönen roten Holzkistchen daher, das den Türen eines Lagerhauses nachempfunden wurde. Wie meist bei Glenfarclas sind auch bei diesen besonderen Bonbons die Preise  relativ moderat.

Vergleichsweise günstig erscheinen angesichts solcher Preise diverse  Abfüllungen, die derzeit bei dem unabhängigen Abfüller Whisky Agency erscheinen, wie beispielsweise der 38 Jahre alter Speysider "Bottled Letters" aus einem Refill Sherry Fass für 300 Euro oder der 31 Jahre alte Glen Esk, der unter dem Label Cooper's Choice/Whisky Fair schon im Mai erschienen ist und knapp 360 Euro kostet. Glen Esk wurde bereits 1992 geschlossen, Abfüllungen dieser Brennerei sind extrem selten. Auch bei Sansibar findet sich mit dem Speyside Region 1975 ein 40 Jahre alter Malt zu einem attraktiven Preis.

Das Preisschnäppchen der Saison war wohl der Blended Malt Timorous Beastie 40 von Douglas Laing, der unter anderem Whisky der Highland Brennereien Dalmore und Glen Garioch beinhalten soll und der für unter 300 Euro angeboten wurde. Er war innerhalb weniger Tage ausverkauft.

Und Lagavulin will zum Abschluss seines Jubiläumsjahres noch einmal mit einem Lagavulin 25 Glanz in die Hütte bringen. 8.000 Flaschen soll die limitierte Auflage umfassen. Gereift wurde er im Ex-Sherry-Fass, der Preis wird wohl vierstellig werden.

Rauch

Nach wie vor erfreuen sich rauchige Whiskys großer Beliebtheit. Auch Brennereien, die traditionell nicht-rauchigen Whisky produzieren, strecken ihre Fühler in dieses Marktsegment aus. Doch statt mit geräuchertem Malz zu arbeiten, setzt man zunehmend auf rauchige Fässer: Kavalan hatte bereits im Frühsommer einen "Kavalan peaty cask" auf den Markt gebracht, Glenlivet bringt in diesem Herbst ein  neues Batch des  "Glenlivet Nadurra peated whisky cask", der in kleinen Auflagen bereits seit vergangenem Jahr erhältlich ist. In beiden Fällen entsteht die Rauchigkeit dadurch, dass (rauchfreier) Whisky in Fässern gelagert wurde, die zuvor stark rauchigen Whisky enthalten haben.

Prämiumisierung

Trendsetter ist die taiwanesische King Car Brennerei nicht nur in Sachen rauchige Fässer. Auch den Trend zur sogenannten Prämiumisierung des Whiskys hat man dort frühzeitig erkannt. Die "Kavalan Solist" Abfüllungen werden inzwischen als besondere Prämium-Whiskys verkauft und  haben in den vergangenen Monaten eine drastische Preissteigerung erfahren. Vielleicht hat man sich da etwas von Diageo inspirieren lassen, deren "Special Release" Abfüllungen in den vergangenen Jahren  immer teurer wurden. Auch in diesem Jahr ist nicht unbedingt ein Schnäppchen dabei. Verkaufsstart der Special Release ist am 27. September.

Japan

Whisky aus Japan gilt seit ein bis zwei Jahren auch als Prämium-Getränk. Alle Marken haben in jüngster Vergangenheit drastische Preissteigerungen erfahren und besondere Abfüllungen sind nur schwer oder gar nicht zu erhalten. Japanische Whiskys mit Altersangabe sind nach wie vor Mangelware. Spitzenreiter auf der nach oben offenen Preisskala sind auch in diesem Herbst die Whiskys von Karuizawa und Hanyu.

Obwohl Karuizawa bereits 2011 geschlossen wurde, gibt es noch immer Restbestände. Der französische Anbieter La Maison du Whisky bringt in diesem Herbst seine letzten Fässer auf den Markt, und auch über Sansibar Whisky sind seit kurzem neue Karuizawa-Abfüllungen erhältlich. Für Sammler ist wohl vor allem ein 35 Jahre alter Karuizawa von 1980 interessant. Schon eher zum Trinken geeignet sind die Cask Strength Abfüllungen, von denen derzeit Batch 4 und 5 erhältlich sind, sowie die wunderschönen Geisha-Label Ausgaben "Karuizawa Geisha in Cherry Blossom 1999" und "Karuizawa Geisha in Ocean Blue 2000", beide jeweils im Ex-Sherry-Fass gereift. Man sollte allerdings über ein üppiges Taschengeld verfügen, die Preise für diese neuen Abfüllungen liegen derzeit zwischen ca. 1.100 und 1.450 Euro pro Flasche. Dafür hat man dann aber auch eine Legende im Glas.

Noch teurer wird es, wenn man eine der letzten Flaschen der ebenfalls geschlossenen Hanyu-Brennerei ergattern will. Da werden schnell Summen bis zu 4.000 Euro pro Flasche fällig. Eine preiswerte Alternative bietet die Abfüllung "Ichiro's Malt Double Distilleries" aus der Chichibu-Brennerei. Ichiro Akuto, dessen Großvater die Hanyu-Brennerei einstmals gegründet hatte, besitzt scheinbar noch immer einige Restbestände aus der inzwischen abgerissenen Brennerei. Für die Abfüllung "Double Distilleries" hat er angeblich Whisky aus seiner neu gegründeten Chichibu-Brennerei mit Whisky von Hanyu gemischt. Die Abfüllung ist derzeit noch - oder wieder- erhältlich. Ebenfalls in der Reihe  erschienen sind eine Abfüllung aus dem Mizunara-Fass sowie ganz neu eine Abfüllung, die im Rotwein-Fass reifte.

Blended Malts

Nicht nur Ichiro Akuto setzt derzeit auf Blended Malts, eine Reihe von Unabhängigen Abfüllern hat ebenfalls den Reiz der Mischung entdeckt. Adelphi hat vor kurzem mit der Serie "The Glover" drei verschiedene Abfüllungen herausgebracht, die Whisky der japanischen Hanyu-Brennerei beinhalten. Adelphi war dabei mutig und hat den Cross-Over gewagt: der Rest der Mischung soll aus den schottischen Brennereien Longmorn und Glen Garioch stammen. Als schottischer Whisky darf sich dieser Blended Malt nicht bezeichnen, dennoch war der neue "Glover 18" innerhalb weniger Minuten in Deutschland ausverkauft. Da wird wohl mehr als eine Flasche bei ebay landen.

Blended Malts aus dem Sherry-Fass sind in diesem Jahr besonders beliebt, wie beispielsweise Adelphis "Glenborrodale", diverse Abfüllungen der Whisky Agency wie beispielsweise "Blended Malt XO" oder auch "Dark Secret" von Best Dram. Compass Box ist noch einen Schritt weitergegangen und hat mit "Circus" einen Blended Whisky der Ultra-Premium Klasse herausgebracht. Douglas Laing hat mit seiner diesjährigen  "Big Peat Christmas Edition" einen rauchigen Blended Malt erschaffen, der sämtliche Whiskys der Insel Islay vereint. Auch Port Ellen soll in die Mischung hineingeflossen sein.

Wood Finishing

Weiterhin im Trend liegen Whiskys mit Wood-Finishing. Nach wie vor sind Sherry-Finish sehr beliebt, doch die Kunden interessieren sich zunehmend auch für Finish aus anderen Fässern, wie Madeira, Rum und Port. Stellvertretend will ich hier nur auf den Tawny Port Wood Finish  21  von Benriach hinweisen oder den Glenfiddich IPA, der ein Finish im Indian Pale Ale Bierfass erhielt. Ganz besonders trendy in diesem Jahr ist jedoch das DIY-Finish. Dazu kauft man sich einfach selbst ein kleines  Fass und finischt  nach Lust und Laune damit herum.

Cool and Fancy

Bahnbrechende Neuerungen sind von Diageo in diesem Herbst nicht zu erwarten. Hatte man in der Vergangenheit noch mit Dalwhinnie's Winter Gold, Oban Little Bay oder Talisker Port Ruighe interessante und lohnenswerte NAS-Whiskys auf den Markt gebracht, will man sich bei dem Getränke-Giganten nun vermehrt auf die Bar-Szene der amerikanischen Großstädte stürzen. Die große Neuheit im September heißt Johnnie Walker Blenders' Batch Red Rye Finish und besteht aus Malt- und Grain-Whisky, der in First-Fill-Fässern reifte und dann ein Rye-Finish erhielt.

Neu ist die Idee mit dem Rye Cask Finish nicht, bereits im vergangenen Herbst war der 10 Jahre alte Johnnie Walker Select Cask Rye Finish auf dem Markt erschienen und als Beginn einer neuen Serie angekündigt worden. Scheinbar hat man das Konzept modifiziert und kräftig abgespeckt. In Zukunft sollen auch Johnnie Walker Blenders’ Batch Bourbon Cask and Rye Finish sowie Johnnie Walker Blenders’ Batch Triple Grain American Oak  die Reihe ergänzen. Für den modernen Barkeeper ergeben sich damit natürlich sensationell neue und bisher ungeahnte Möglichkeiten. Bei so viel Innovation und schöpferischer Kreativität wird mir ganz schummrig, da muss ich jetzt erst mal ein Cola drauf drinken.


Neue Brennereien

Abfüllungen von neuen Brennereien bleiben weiterhin ein Thema. Wolfburn strahlt in diesem Herbst mit "Wolfburn Aurora", der zu zwanzig Prozent Whisky aus Sherry-Fässern beinhalten soll. Die schwedische Box Distillery hat mit viel Marketing-Getöse ihre vielversprechende "2nd Step Collection" herausgebracht und in Irland versuchen West Cork Distillers, sich mit preisgünstigen Single-Malt-Abfüllungen einen Namen zu machen. Und Mitchell's Glengyle Distillery in Campbeltown hat endlich ihren ersten 12jährigen Kilkerran Single Malt herausgebracht.

Einzelfass-Abfüllungen und  Limited Edition

Auffällig ist auch in diesem Herbst die zunehmende Anzahl an Einzelfass-Abfüllungen und Limited Editions. Dabei ist jede Abfüllung einzigartig, und jede Edition nur sehr begrenzt erhältlich, und es befinden sich auch echte Juwelen darunter. Doch bei aller Begeisterung für das Einmalige und Besondere sollte man nicht vergessen, dass in Schottlands Lagerhallen derzeit etwa 20 Millionen Fässer schlummern. Wenn die zukünftig alle mit einem besonderen Wood-Finish oder als ganz besonderer Blend in Kleinstauflagen und als Einzelfass auf uns zukommen, dann haben wir Blogger auch in Zukunft ganz schön viel zu tun.


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