Wie der Kavalan Peaty Cask nach Deutschland kam

Die taiwanesische King Car Distillery muss man keinem Whisky-Fan mehr vorstellen. Vor allem ihre Einzelfass-Abfüllungen unter dem Namen "Solist" genießen einen ausgezeichneten Ruf und wurden mehrmals in Folge international hoch dekoriert.

2015 wurde die Abfüllung Kavalan Solist Vinho Barique bei den World Whiskies Awards zum "Weltbesten Single Malt" gekürt, 2016 gewann Kavalan mit seinem Solist Amontillado Sherry Cask die Auszeichnung als weltbeste Single Cask Abfüllung. Und erst vor wenigen Tagen gewann der Solist Ex-Bourbon Cask bei der ISC eine sogenannte "Trophy"  für herausragende Qualität.

In Limburg hat Kavalan in diesem Frühjahr offiziell eine weitere, preisverdächtige Abfüllung auf den Markt gebracht: den zart rauchigen Kavalan Solist Peaty Cask. Als ich ihn am Stand von Andrea Caminneci probieren konnte, war ich jedenfalls ganz hin und weg. Doch die Geschichte, wie es zu dieser ganz besonderen Abfüllung kam, ist fast noch besser als der Whisky selbst. Denn der Kavalan Peaty Cask ist eine Abfüllung, die es eigentlich gar nicht hätte geben sollen. 



Wann genau der Master Distiller von Kavalan, Ian Chang, die Idee mit den rauchigen Fässern von Islay hatte, lässt sich so genau wohl nicht mehr feststellen. Vielleicht gab den Ausschlag auch tatsächlich eine ungeplante Fehllieferung von rauchigen Fässern, wie mitunter gemunkelt wird. Und Ian Chang verrät auch nicht, woher die Fässer letztendlich kamen. Doch 2007 konnte er eine kleine Anzahl Fässer befüllen, die zuvor rauchigen Islay-Whisky enthalten hatten.

Sechs Jahre später wurde erstmals ein Kavalan peated cask abgefüllt. Und weil es nur so wenige Fässer gab, waren auch die Flaschen besonders klein: 300 ml enthielten sie nur. Wer ihn haben wollte, musste bis nach Taiwan fahren. Denn  für den internationalen Markt war dieser rauchige Kavalan nie vorgesehen. Er war nur als Distillery Reserve, als Distillery-Abfüllung von Ort erhältlich.


Jana Schneider, Sales Managerin Kavalan Deutschland

Dass es den Kavalan Peaty Cask vier Jahre später dann doch in Deutschland gibt, haben wir einem Urgestein der deutschen Whisky-Szene, "Whisky-Kanzler" Werner Hertwig aus Berlin, zu verdanken. Denn 2014 war Hertwig auf der Suche nach einer besonderen Messeabfüllung für den Berliner Whiskyherbst und fragte auch bei Kavalan nach. Sales Managerin Jana Schneider (damals noch Jana Schiewer) forderte die notwendigen Fass-Proben in Taiwan an. Auch ein peated-Cask Sample war dabei.

Als Hertwig dann genau dieses Fass erwerben wollte, machten die Taiwaner zunächst einen Rückzieher: die rauchigen Fässer seien nicht verkäuflich. Doch sie hatten nicht mit der Hartnäckigkeit und dem Verhandlungsgeschick von Jana gerechnet. Und am Ende wurde dann tatsächlich ein Fass des rauchigen Kavalan nach Berlin geschickt, und die dortigen  Messe-Besucher kamen in den Genuss einer Abfüllung, die es eigentlich gar nicht hätte geben sollen.

Der Whisky-Kanzler, ganz in seine Arbeit vertieft...

Jetzt wollten auch andere ein "peaty cask" haben, und 2015 erschienen dann Abfüllungen bei Whisky-Nerds, bei LMDW in Paris und vielleicht auch noch die ein oder andere Abfüllung, die mir noch nicht bekannt ist.

Bei Kavalan hatte man schließlich ein Einsehen: das peaty cask muss raus in die Welt. Im April wurde in Limburg dann endlich eine offizielle Abfüllung präsentiert. Ob es in Zukunft auch genügend Fässer geben wird, bleibt abzuwarten. Wollen wir es hoffen!

Im Herbst steht uns ein weiteres Fass-Wunder von Kavalan ins Haus: eine Abfüllung aus dem Brandy-Fass. Ich bin schon sehr gespannt.

Hier meine Tasting-Notes:

 Sample 1: Fassnummer R070409010,  52,4% Vol

Aroma:

Der Kavalan Peaty Cask entfaltet sofort eine unglaublich starke Präsenz im Glas und erinnert im ersten Augenblick an eine Kreuzung aus Bourbon und Bowmore. Intensive Fruchtaromen und Blütenduft steigen sofort in die Nase: reife Äpfel, süße Birnen, Mandarinen, Mango, Fanta und Orchideen.  Süß und schwer. Vanille-Duft und Honigsyrup verraten das ehemalige Bourbon-Fass.

Geschmack: 

Schon beim ersten Schluck spürt man deutlich dezenten Asche-Geschmack auf der Zunge. Dunkle Früchte, Leder, Erdnüsse. Kein Holz. Vollmundig und süffig, leicht trocken, insgesamt sehr gut ausbalanciert.

Nachklang: 

lang und intensiv


  
Sample Nr. 2: Fassnummer G070716098,  50,8% Vol

Allzu große Unterschiede lassen sich zwischen den beiden Abfüllungen nicht feststellen. Im Aroma geben sich beide Sample kaum etwas, wobei Sample Nr. 1 vielleicht noch eine Idee intensiver riecht, was am höheren Alkoholgehalt liegen könnte. Sample 1 ist trockener, Sample 2 ist pudrig-süßer.

Auch im Geschmack unterscheiden sie sich nur wenig: Sample Nr. 1 wirkt trotz des höheren Alkoholgehaltes etwas milder und runder, Sample 2 ist pfeffriger und schärfer, aber auch öliger und wachsiger. Welchem Fass man den Vorzug geben sollte, ist wohl eine Frage des persönlichen Geschmacks. 

MargareteMarie meint:

Ein schweres, vollmundiges Aromen-Paket, das  Nase und Gaumen sofort überwältigt. Nichts zum Philosophieren, sondern ein schöner Whisky zum Schwelgen und Genießen.

Wer auch im Sommer einen rauchigen Whisky sucht, sollte unbedingt den Kavalan Peaty Cask versuchen. Seine fruchtig-schwere Aromenfülle passt wunderbar zu heißen Tagen, die Asche bleibt dezent im Hintergrund. Wer sich mit Bourbon schwer tut, sollte jedoch vorsichtig sein und erst einmal probieren, ehe er eine ganze Flasche kauft.


















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