Finch. Schwäbischer Highland Whisky


Tief im Herzen der Schwäbischen Alb, eingebettet zwischen goldenen Kornfeldern und Jahrhunderte alten Gehöften, liegt die kleine Marktgemeinde Nellingen. Hier, hinter einem traditionellen Landgasthof versteckt, befindet sich eine der größten und modernsten Whisky-Brennereien in Deutschland: Finch. 


Besuch bei Finch


Es war ein schöner, heißer Tag Ende August, als ich auf die Schwäbische Alb hinauffuhr. Nach einem Kurzurlaub an einigen Bayerischen Seen war ich auf dem Weg nach Hause, als ich mich für einen kurzen Umweg entschied und bei Finch hereinschaute.

Von außen wirkt die Brennerei Finch schwäbisch, beschaulich, behäbig. Doch wer den Weg ins Innere findet, wird staunen. Denn die Brennanlage im Hinterhof spricht eine ganz andere Sprache. Hier wird nicht gekleckert. Hier werden Visionen für die Zukunft verwirklicht.

Obwohl ich unerwartet kam, wurde ich vom Besitzer der Brennerei, Hans-Gerhard Fink, sehr herzlich empfangen und er zögerte nicht, mir seine Brennerei zu zeigen.

Und die ist mehr als beeindruckend.


Die brandneue Brennblase hat eine Kapazität von mehr als 3.000 Litern und über 3.000 Fässer werden in drei verschiedenen Hallen gelagert. Und jedes Jahr kommen mehr Fässer dazu. Wenn die Produktion in vollem Gange ist, sind eine halbe Million Flaschen pro Jahr  möglich. Im Jahr 2014 produzierte Finch 108.600 Liter reinen Alkohol. Die Engel sind durstig in dieser abgelegenen Region mit strengen Wintern und kargen Böden: mehr als 9.000 Liter Alkohol gehen im Laufe eines Jahres verloren.

Brennblase bei Finch. Foto: MargareteMarie


Whisky und Liebe


Hans-Gerhard Fink, Inhaber der Finch Brennerei, stammt aus einer Bauernfamilie. Als er von seinem Vater den Hof übernahm, waren es gerade mal 30 Hektar. Heute sind es mehr als 400 Hektar. Aber er hätte sich wohl nie um Whisky geschert, hätte ihn nicht die Liebe getroffen.

Im Jahr 1999, als er seine zweite Frau Eva-Maria heiratete, brachte sie eine "Mitgift" in die Ehe, von der die meisten Männer nur träumen können: Eva-Maria besaß einen Landgasthof und eine kleine Brennerei.

Anstatt nur Obst zu destillieren, entschied Hans Gerhard Fink sich dafür, seine eigene Ernte zu verwenden: Weizen, Gerste, Dinkel und Emmer. Er mietete das einsame "Hofgut Aglishardt", ein historisches Anwesen mit einem schönen Herrenhaus, richtete die Brennerei an diesem abgelegenen Ort ein und begann Whisky zu machen.

Drei Jahre später, als der erste "Finch" Whisky auf den Markt kam, wurde er auf Anhieb ein Erfolg. 2014 kam der bisherige Höhepunkt: sein Whisky wurde zum "Best German Whisky" bei den deutschen Whisky Awards gekürt.


Foto: R. Battefeld

Als ich die Brennerei im August besuchte, erwartete ich eine jener kleinen süddeutschen Holstein Brennblasen zu sehen, wie sie typisch sind für den Süden Deutschlands. Doch weit gefehlt!

In einer anderen Liga


Vor drei Jahren hat Hans Gerhard Fink beschlossen, in einer anderen Liga zu spielen. 2012 hat er deshalb die bisher größte und modernste Brennanlage in Deutschland installiert. Statt eine schottische oder irische Pot Still zu kopieren, entschied er sich für etwas völlig Neues. Zusammen mit Spirituosen-Experte Dr. Klaus Hagmann entwickelte er seine ganz eigene Brennblase mit einer Kapazität von über 3.000 l.


Trotz der außergewöhnlichen Optik funktioniert die Brennblase nach dem gleichen Prinzip wie eine traditionelle Pot Still. Das Destillationsverfahren ist periodisch, doch man arbeitet in Kombination mit einer nachgelagerten Kolonne. Dadurch ist die Anlage viel effizienter und energiesparender als herkömmliche Brennblasen, und der Mittellauf besteht aus beeindruckenden 80%.



Foto: R. Battefeld

Zusammen mit Brennmeisterin Laura Assenmacher arbeitet Fink in zwei Schichten und sieben Tage in der Woche. Da sind verdammt viele Fässer nötig, um das Destillat zu lagern.

Anfänglich hat Hans Gerhard Fink seine Fässer in den mittelalterlichen Kellern von Aglishardt gelagert, aber bald war ein zweites Lager außerhalb des Dorfes erforderlich. Vor kurzem kaufte er noch eine alte Scheune direkt hinter Landgasthof seiner Frau, die bis 2018 in ein traditionelles „Rack Warehouse“ umgewandelt werden soll. Noch in diesem Jahr soll ein neues Lager in Oppingen fertig werden. Mit Blick auf die Menge von Whisky, die die neue Finch Brennerei produzieren kann, bin ich ziemlich sicher, dass es nicht das letzte Lager für Finch sein wird.

Foto: R. Battefeld

Wo der Whisky schlafen darf


Der Rundgang durch all diese unzähligen Reihen von Hunderten von Fässern war sehr beeindruckend. Und genau hier traf mich plötzlich die Erkenntnis, warum Finch eine der erfolgreichsten Brennereien in Deutschland geworden ist: Es gibt keinen Grund zur Eile. Wenn es um Whisky geht, ist die Zeit ein sehr wichtiges Element. Hans Gerhard Fink ist entschlossen, sich diese Zeit zu nehmen. Whisky muss lagern, und er baut Halle um Halle, um seinen Fässern auch Zeit zu geben. Doch Zeit ist Geld. Rund eine Million Euro pro Jahr muss die Brennerei derzeit investieren. Bei so viel gebundenem Kapital braucht man starke Visionen und eine ebenso starke finanzielle Rückhand, um diese Zeit auch finanzieren zu können.

Der älteste Whisky bis heute ist eine acht Jahre alte Version, aber die meisten Whiskys sind zwischen 5 und 8 Jahren. Ich hatte an diesem Tag Glück, denn ich konnte einige der Whiskys direkt vom Fass probieren. Meine Favoriten waren ein fünf Jahre alter Emmer und ein drei Jahre alte Mais-Whisky, der als Bourbon auf den Markt kommen soll - ich freue mich schon auf die endgültige Version.

Foto: R. Battefeld
Auch gut gefallen hat mir die zweifach gereifte Variante aus Bourbon und Sauternes Fässern sowie ein Whisky aus Portwein-Fässern. Die waren sehr empfehlenswert.

German Craft


Der Begriff „Craft Whisky“ hat in jüngster Vergangenheit ja leider an Glanz verloren. Dabei ist Fink einer jener deutschen Whiskys, die diesen Ausdruck tatsächlich verdient haben: er wird "vom Feld ins Glas" produziert. Die privat geführte Brennerei verwendet ihre eigenen Produkte, die auf der Schwäbischen Alb angebaut werden, destilliert sie in ihren eigenen Räumlichkeiten, und füllt auch dort ab. Das Endprodukt ist ein regionaler Whisky mit viel „Terroir“, viel Herzblut und viel Aroma. Und er basiert auf einer jahrhundertealten Handwerkskunst, zu der sich moderne Effizienz gesellt.

Bisher ist die Geschichte von Finch eine Erfolgsgeschichte gewesen. Die Zeit wird zeigen, ob die Geschichte weiter geht.


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Foto: R. Battefeld

 

 





Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen Post. Hans-Gerhard und sein Team haben alle Öffentlichkeit für ihre beeindruckende Arbeit verdient. :-)

    Liebe Grüße aus Delitzsch!

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