Im Glas: Octomore 6.3 mit 258 ppm

Er gilt als der rauchigste Whisky aller Zeiten: Octomore. Seit 2008 begeistert er alljährlich die Fans der rauchigen Superlative, und mit jeder Abfüllung ist seither der Phenol-Gehalt gestiegen. 
In diesem Jahr wurde erneut eine Höchstmarke erreicht: der neue Octomore 6.3 wurde mit einem Phenol-Gehalt von unglaublichen 258  ppm abgefüllt.
 




Als 2008 der erste Octomore auf den Markt kam, war die Sensation groß. Üblicherweise hatten besonders rauchige Whiskys bis dahin einen Phenol-Gehalt von etwa 35-40 ppm. Der 6jährige Octomore brachte stolze 131 ppm in die Flasche.

Seither ist der Phenol-Gehalt kontinuierlich gestiegen: Octomore 2 erreichte bereits 140 ppm, Octomore 3 kam auf 152 ppm, Octomore 4.1 auf 167 ppm und 2012 erschien Octomore 5.1 mit 169 ppm. Seit 2011 gibt es auch eine Variante, die im französischen Fass reifte.


Die sechste Auflage des Octomore bringt Bruichladdich gleich in drei verschiedene Varianten heraus:

Octomore 6.1 ist 5 Jahre alt, hat 167ppm, 57,0 % und reifte in einem amerikanischen Eichenfass.

Octomore 6.2 hat ebenfalls 167 ppm, wurde in Fassstärke abgefüllt und lagerte in einem süd-französischen Fass aus Limousin-Eiche.



Die Sensation in diesem Herbst ist jedoch Variante 6.3:  Sie erreicht sagenhafte 258 ppm. Und noch eine weitere Besonderheit zeichnet den Octomore 6.3 aus: es wurde ausschließlich Gerste von Islay eingesetzt. Geerntet wurde diese Gerste laut Website der Brennerei auf einem einzigen Feld, das dem Bauern James Brown gehört.

Nun würde sich wahrscheinlich niemand sonderlich für diesen Bauer auf Islay interessieren, wenn es mit seinem Feld nicht eine besondere Bewandnis hätte. Angeblich befand sich genau auf diesem Acker einstmals eine kleine Farm-Brennerei, die wahrscheinlich von 1816-1852 in Betrieb war und die zum Namensgeber wurde für diesen rauchigen Kult-Whisky: Octomore.

Die Gerste für den Octomore 6.3 stammt also streng genommen aus Octomore. Irgendwann im Laufe des Monats soll der Octomore 6.3 auch in Deutschland auf den Markt kommen. Während der Whisky-and-Tobacco Days in Hofheim bestand die Gelegenheit, diesen "Octomore of Octomore" bereits zu probieren. Hier sind meine Tasting-Notes:


Octomore 6.3, 100% Islay Barley, 258 ppm, 64%.


Aroma:

Große Überraschung: ich rieche viel weniger Rauch als erwartet. Stattdessen dominieren kräutrige Süße und der typische "Islay-Duft" nach Meeresluft. Dazu ein bißchen Karamell und Werkstatt-Aroma und kalte Zigaretten-Asche. Wer lange genug wartet, kann auch leichte Holz-Noten entdecken. Mild, harmonisch, fast zart. Sehr angenehm.


Geschmack:

Wow! Jetzt ist er da, der Aschenbecher. Und ich habe voll hineingebissen! Asche, Asche, Asche! Dazu gesellt sich eine angenehme Mischung aus süß und salzig, und eine kräftige Würze. Mehr grasig als fruchtig. Insgesamt jedoch durchaus markant, und trotz der 64% überraschend mild. Ein paar Tropfen Wasser schaden aber nicht. Er ist nicht allzu komplex, das kann man von einem 5jährigen auch nicht unbedingt erwarten. Doch insgesamt ist er sehr harmonisch, kräftig und gut ausbalanciert.

Nachklang:

der Octomore 6.3 läuft angenehm und warm die Kehle hinunter. Der Rauch bleibt dick und lange auf der Zunge liegen. Sehr lange!


MargareteMarie meint:

Durchaus ein Whisky mit einem interessanten Charakter. Im Gegensatz zu der ein oder anderen früheren Abfüllung werden hier die Aromen nicht durch den Rauch erschlagen, sondern sie werden vom Rauch getragen. Den würde ich gerne noch einmal probieren, wenn er ein paar Jahre älter ist.

Doch darum geht es beim Octomore nicht. Seit Jahren übertrumpft Bruichladdich alle anderen und sich selbst immer wieder mit noch mehr Rauch, mit noch mehr Phenol. Beim Octomore 6.3. kommt noch eine nette Geschichte dazu von der heimischen Gerste und einem bedeutsamen Acker. Noch mehr Terroir, schottische Heimatverbundenheit und rauchige Islay-Romantik kann man kaum bekommen. Doch so viel Individualismus hat ihren Preis. Bei  ca. £ 150 , die der Octomore 6.3  zur Zeit in Großbritannien kostet, ist er wohl eher für die Fans der rauchigen Superlative und streng limitierten Auflagen gedacht.



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Abomination: wie abscheulich ist die Abscheulichkeit?

Unter die Lupe genommen #4: Marketing-Märchen (The real Glenlivet)

Irish Renaissance: Wo kommt der ganze Whiskey her?

Unter die Lupe genommen # 1: Finishing (Tomatin 14 Port Casks)

Tasting Notes: Glenallachie, 8 Jahre, Best Dram, 1st fill Sherry butt

Tasting Notes: Ardbeg Twenty Something or the Road to Paradise Island