Glenmorangie Taghta. So gut wie damals.

Über ein Jahr habe ich auf ihn warten müssen, jetzt ist er endlich da: Glenmorangie Taghta, der Sieger aus dem Cask Masters Programme von Glenmorangie.
In mehr als 30 Ländern hatten Whisky-Fans auf der ganzen Welt diesem Glenmorangie aus dem Manzanilla-Fass ihre Stimme gegeben. So viele Menschen können nicht irren, oder? 
 
foto: margaretemarie



Das Cask Masters Programme von Glenmorangie ist für mich eines der interessantesten Marketing-Konzepte des vergangenen Jahres, und es hat mir Spaß gemacht, daran teilzunehmen. Über die genauen Hintergründe dieses Programms hatte ich ja bereits [hier] berichtet.

Als Dr. Bill Lumsden, "Chefnase" bei Glenmorangie und Ardbeg, im vergangenen Jahr in Frankfurt zu Besuch war, hatte ich ihn im Rahmen meines Ardbog-Interviews auch nach dem Taghta gefragt. Hier ist noch einmal die betreffende Passage:


"MM: Es ist interessant, dass Sie die salzige Note der Manzanilla-Fässer erwähnen. Auch bei Glenmorangie, ihrer zweiten Brennerei, wird derzeit viel über Manzanilla-Fässer gesprochen. Es fällt mir schwer, mir einen Glenmorangie mit einer Salznote vorzustellen.
   
Dr. Bill:  Bei Glenmorangie haben wir sozusagen den Gegenpart. Die Manzanilla-Fässer für Glenmorangie habe ich ungefähr zur gleichen Zeit gekauft wie jene für Ardbeg, vor etwa 10 Jahren. Ich habe allerdings reifen Whisky hineingegeben, es war eher als ein Experiment gedacht. Sie haben wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Cask-Masters-Programme davon gehört. Es ist meine Lieblings-Variante, weil dieser Whisky so ganz anders ist. Vielleicht nicht der schönste Glenmorangie, den ich jemals gemacht habe, aber ganz anders und interessant."


Vor ein paar Tagen war es dann so weit, der Glenmorangie Taghta ist endlich im Verkauf offiziell erhältlich. Hier meine Tasting-Notes:

Glenmorangie Taghta, Manzanilla-Finish, 12.000 Flaschen, 46%



Pressefoto

Farbe: 

altes Kupfer

Aroma: 

Er beginnt relativ "hell", mit Aromen von Malz, Apfelkompott, eingeweckte Birnen, Karamell, Zuckerrübensirup und Zitrone. Doch nach einer Weile verändert er sich, er wird immer "dunkler" und kräftiger, die Sherry-Noten treten stärker in den Vordergrund, es riecht nach getoasteter Eiche, Oliven, kandierten Orangen und Gewürzen, und man denkt unwillkürlich an Mahagoni-Holz.

Geschmack:

Er ist nur wenig süß, fast salzig und herb. Im Mund ist er  leicht ölig und nussig, aber mit  Biss. Der kräftige Antritt passt gut zu den herben Aromen im Glas, er ist insgesamt sehr vollmundig, dicht und rund. Ein paar Tropfen Wasser lassen ihn noch fülliger werden. Sehr harmonisch. Wenig Holz, viel Leder.

Nachklang:

etwas kurz, er verschwindet schnell hinter der Kehle.

Fazit:

Der Taghta hat uns  beeindruckt. Die lange Nachreifung in Manzanilla-Fässern zeigt uns einen  Glenmorangie von einer ganz anderen Seite. Er fängt leicht und harmlos an, doch er entwickelt sich zusehends im Glas. Man sollte sich Zeit für ihn nehmen. Die kindliche Leichtigkeit eines Sonntagnachmittags bei Oma im Garten, die den Taghta zu Beginn kennzeichnete,  ist bald verschwunden,  und  am Ende ist ein ernstzunehmender Tropfen mit viel Charakter im Glas.


Wir vergleichen ihn schließlich mit einem jungen Mann, der seine Kindheit hinter sich gelassen hat, in die Stadt gezogen  ist und maßgeschneiderte Anzüge trägt. Und am Wochenende fährt er manchmal  mit seinem Jaguar XF in ein Haus am Meer, und es gibt Omas Klöße, so wie damals.

Er ist ein reifer Herbstwhisky, und passt bestimmt gut zu kräftigen Speisen wie Sauerbraten und selbstgemachten Klößen nach Omas Rezept. Oder auch zu Serrano-Schinken und eingelegten Oliven.

Auch dieser Glenmorangie ist ein moderner NAS-Whisky, und über sein Alter kann man nur spekulieren. Doch er gehört zur gehobenen Klasse und man kann ihn getrost auf den Tisch stellen, wenn gute Freunde kommen. Oder einfach selber trinken. Die Flasche wird so oder so viel zu schnell leer sein.

Punkte: 8.9 von 10



foto: margaretemarie

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