Nachreifung im "Schnellen Brüter": Mortlach 1989 Octave, Duncan Taylor, PE

Die schottische Whisky Association (SWA) wacht sehr streng darüber, was mit Schottischem Whisky erlaubt ist, und was nicht. So ist es beispielsweise nicht zulässig, Single Malt mit fremden  Aromen anzureichern. 

Das mag auf den ersten Blick einfach erscheinen, doch ist die Grenze zwischen Erlaubt und Unzulässig nicht immer einfach zu ziehen. Denn ein Großteil der Aromen im Whisky entsteht durch das Holzfass, in dem das Destillat gelagert wird. 

Mit anderen Worten: Holz hat einen gewaltigen Einfluss auf den Geschmack von Whisky, und steuert strenggenommen "fremde" Aromen bei. Doch wieviel Holz ist im Whisky eigentlich erlaubt?
 


Traditionell wird schottischer Whisky in gebrauchten Fässern aus Eichenholz gelagert. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Die Zugabe von frischen, getoasteten Holzstücken oder Holzlatten, um den Geschmack zu verbessern, ist in Amerika erlaubt, und wird beispielsweise bei Maker's Mark 46 angewandt. In Schottland hingegen ist dies unzulässig. Die Firma Compass Box, die vor einigen Jahren bei einem ihrer Blended Malts  diese Methode anwandte, geriet in Konflikt mit der SWA und musste besagten Whisky vom Markt nehmen.

Nicht verboten ist jedoch das Umfüllen von Whisky in andere Fässer oder das Austauschen von Fassdeckeln, um dem Whisky noch einen zusätzlichen Aroma-Kick zu geben. Denn diese Methode wurde auch früher oft angewandt, wenn ein Fass undicht wurde oder die Deckel zerbrochen waren.

Die ersten Brennereien, die die Methode des Umfüllens gezielt zur Veränderung des Geschmacks einsetzten, waren vor mehr als 20 Jahren Glenmorangie und The Balvenie. Heute wird dieses Verfahren von fast allen Brennereien eingesetzt, und auch einige unabhängige Abfüller bedienen sich dieser Methode.

Fast schon Klassiker auf dem Gebiet des Wood-Finishing, also der Nachreifung in einem anderen Fass, sind neben den 12jährigen Abfüllungen von Glenmorangie auch der Auchentoshan Three Wood, die Distillers Edition bei den Classic Malts of Scotland  oder der Laphroaig Quarter Cask. 

Foto: MargareteMarie

Auch der unabhängige Abfüller Duncan Taylor hat vor einigen Jahren eine eigene Serie herausgebracht, bei der Single Malt und Grain Whiskys eine solche Nachreifung in einem zweiten Fass erhalten. Die Besonderheit hierbei: es handelt sich dabei um eine sogenannte Octave, also ein sehr  kleines Fass, das zuvor mit Sherry befüllt war.

Je kleiner das Fass, desto größer der Kontakt des Holzes mit seinem flüssigen Inhalt. Der Reifeprozess läuft folglich in einer kleinen Octave sehr viel schneller ab als in einem achtmal so großen "Sherry Butt", das etwa 500 Liter fasst.

Bei den Verbrauchern ist die Methode nicht unumstritten. Für viele Single Malt Fans stellen Wood Finishes eine zusätzliche Veredelung dar, die den Whisky deutlich aufwerten kann. Für echte Puristen hingegen bedeuten sie ein "nachträgliches" Verändern des ursprünglichen Geschmacks, eine Art "Schminke", mit der das eigentliche Produkt nur übertüncht wird.

Ein Wood-Finish ist tatsächlich nicht ganz unproblematisch, es muss zum Whisky passen und erfordert viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Und nicht immer ist das Ergebnis wirklich eine Bereicherung. Die hohe Kunst des guten Make-up will halt gelernt sein.

Eine liebe Seele aus Wien hat mir kürzlich ein Sample des Mortlach 1989 Octave zukommen lassen. Zusammen mit Peter, dem ich so manche Rarität zu verdanken habe (wie etwa den Mosstowie), habe ich ihn vor ein paar Tagen verkostet.  Wie hat uns also der alte Mortlach mit einem Finish aus dem "Schnellen Brüter" geschmeckt? Hier unsere Tasting Notes:

Foto: margaretemarie

Mortlach 1989, Duncan Taylor Octave, Fass Nr. 794088, 53.4%, Potstill Edition,  62 Flaschen.



Farbe:

sattes goldgelb

Aroma:

Schon der erste Eindruck ist zwiespältig. Einerseits wunderbare Süße und Honignoten, die jedoch durchwoben sind von dunkleren Gerüchen nach altem Schrank und Omas Speisekammer. Mal sind die hellen Düfte oben, mal die dunkleren, mal treten die jungen Aromen nach vorne, mal wirkt er abgestanden und alt. Reife Birnen, Rosinen und Vanille wechseln sich ab mit muffiger Erde, Waldpilzen, Essiggurken und Gewürzpotpourri. Es ist ein Wellengang der Aromen, wir fahren regelrecht Achterbahn. Darüber hinaus ist es ein typischer Mortlach, schwer und ölig.

Geschmack:

Die süßen Fruchtnoten sind jetzt völlig verschwunden, was bleibt, ist die dunkle Seite. Sehr ölig, würzig, eher bitter, ein bißchen Grapefruit, keine Spur mehr von einer "Birne Helene", stattdessen grüne Blätter, und die Zunge trocknet aus. Am Ende nur noch  Ohrenschmalz und alter Lappen. Schokolade schmeckt anders. Und dann, nach einer kurzen Weile, fließt der Speichel wieder, doch ein Hallelujah ist es nicht.

Nachklang:

Er bleibt dunkel auf der Zunge liegen,  in der Kehle kommt schon nichts mehr an.

MargareteMarie meint:

Der Mortlach 1989 Octave lässt uns etwas ratlos zurück. Die Aromen im Glas gleichen einer wilden Achterbahnfahrt, als könne er sich nicht entscheiden, wohin er denn nun will. Vielleicht haben sich das junge und das alte Fass auch nicht so ganz vertragen.
Die Zugabe von Wasser lässt ihn frischer und fruchtiger wirken und betont die süßere Seite, Holz und Karamell treten stärker zutage.

Auf der Zunge zeigt sich die ganze ölige Schwere des Alters, aber ehrlich gesagt, hätte er für mich etwas früher aus dem Fass gedurft.

Für Mortlach-Fans ein Muss. Für alle anderen eine interessante Option.

Punkte: 7.8 (von 10)

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