Highland Park: Dark Origins

Die schottische Brennerei Highland Park hat in der jüngeren Vergangenheit einige neue Whiskys ohne Altersangabe auf den Markt gebracht, die nordischen Göttern und Legendengestalten gewidmet waren. Von den Fans wurden sie mit unterschiedlicher Resonanz aufgenommen. 

Im September wird ein weiterer "Themen-Whisky" die Core-Range dauerhaft ergänzen: "Dark Origins". Mit ihm sollen die Ursprünge der Brennerei auf den Orkney-Inseln beschworen werden. Die Idee ist reizvoll. Doch kann er auch im Geschmack überzeugen? 
 
Pressefoto
Wie so häufig bei NAS-Whiskys, also Whiskys ohne Altersangabe, gibt die Pressemitteilung interessante Hinweise auf die Fässerauswahl: Dark Origins wird  "aus doppelt so vielen neuen, first-fill Sherry-Fässern abgefüllt wie der Klassiker Highland Park12 Jahre".

Nun mag diese Mengenangabe zwar nicht allzu präzise sein, doch die dunklen, schweren, würzigen Aromen werden beim Dark Origins ganz bewußt in den Vordergrund geschoben. Und mit einer netten Geschichte aus den dunklen Gründertagen der Brennerei verbunden:  gegen Ende des 18. Jahrhunderts gelang es Magnus "Mansie" Eunson, der als Begründer von Highland Park gilt,  den Steuereintreibern der damaligen Zeit immer wieder zu entgehen, indem er seinen illegal gebrannten Whisky unter der Kanzlei seiner Kirche versteckte. Ob der gute Mansie bereits die wohltuende Wirkung von First-Fill-Sherry-Fässern kannte, liegt jedoch im Dunkeln der Geschichte verborgen...

Dark Origins, Highland Park, NAS, nicht kältefiltriert, 46.8%



Highland Park. Dark Origins.        Foto: MargareteMarie

Aroma:
Wow. Dark Origins kommt sofort wuchtig und nachdrücklich in der Nase an. Zarte Rauchnoten nach kalter Asche harmonieren angenehm mit dunklen Sherry-Tönen, die den Whisky dominieren. Dark Origins hat kaum Süße, und es dauert mehr als eine Viertel Stunde, ehe auch leichte Vanille und Honig-Noten wahrnehmbar werden. In Vordergrund stehen vielmehr würzige, kräftige, weinige Noten, auch dunkle Trockenfrüchte, die von frischen und nussigen Aromen begleitet werden. Wenig Holz, viel frisches Ozon. Man mag die Nase gar nicht mehr aus dem Glas nehmen.

Geschmack:
Kräftig. Zarter Rauch legt sich sofort auf die Zunge, dazu kommen Leder, Tabak, Schokolade, und geröstete Nüsse.

Fazit:
Dark Origins kann die Erwartungen, die sein Name weckt, auch erfüllen. Er ist insgesamt sehr ausgewogen, mit kräftigen, intensiven Sherry- und Rauch-Aromen, die Assoziationen wecken an ein wärmendes Herdfeuer der letzten Nacht, an rauen Seegang und an schweigsame, starke Kerle aus vergangener Zeit. Eine sehr gelungene Komposition.




MargareteMarie meint:

Der Hinweis in der Pressemitteilung legt den Vergleich mit dem 12jährigen nahe. Und in der Tat, der Dark Origins fällt deutlich intensiver und fülliger im Aroma und im Geschmack aus als der Highland Park 12, den er locker in den Schatten stellt.

Die jugendliche Frische, die ihm anhaftet, legt jedoch die Vermutung nahe, dass er überwiegend aus jüngeren Fässern besteht, vielleicht durchschnittlich zwischen 8 und 10 Jahren. Doch das fehlende Alter wird durch die gesteigerte Aromenfülle mehr als wettgemacht.

Ich bin mir sicher, dass in einer Blindverkostung die Mehrzahl der Teilnehmer dem Dark Origins den Vorzug geben würden. Auch mich und meinen Mit-Tester hat er überzeugen können. Obwohl er vermutlich insgesamt jünger ist als der 12jährige, hat er uns deutlich besser geschmeckt.

Dark Origins entwickelt im Glas und auf der Zunge eine wunderbare Präsenz und Ausgewogenheit und  gehört ganz klar  in die Reihe jener NAS-Whiskys, die durch ihre Wucht und ihre Fülle begeistern können.

Dark Origins  übertrumpft den 12jährigen allerdings auch deutlich im Preis: die offizielle Preisempfehlung liegt bei 80 Euro. Geschmack hat scheinbar seinen Preis.

9 Punkte (von 10)

Highland Park. Dark Origins.             Foto: MargareteMarie

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