Berliner Nacht: Immertreu und Schwarze Traube


Berlin gilt seit geraumer Zeit als die heimliche Cocktail-Hauptstadt Deutschlands, und die Zahl der Cocktail-Bars ist inzwischen beachtlich.  Als Tourist kann man da schon mal den Überblick verlieren.  

Vor einigen Wochen hatte ich Glück und wurde von Fachleuten mit auf nächtliche Tour genommen. 
Zwei Top Adressen standen auf  unserem Programm, und natürlich haben mich vor allem die Whisky-Cocktails interessiert. 
 
Bild: MargareteMarie

Unsere erste Adresse  am Prenzlauer Berg gefällt mir schon allein wegen des Namens. Immertreu, in der Christburger Str. 6. Hach, wie schön. Daß es so was heute noch gibt. Immertreu. Der Eingang ist unscheinbar, fast wäre ich daran vorbeigelaufen. Leider sind alle Sessel belegt, so dass wir uns an die meterlange Theke setzen. Die Auswahl fällt mir schwer, denn auf der Karte finde ich so manches  Highlight.


Bild: MargareteMarie
Auf die Idee, einen Blood and Sand mit Ardbeg zu mixen, bin ich vor einigen Monaten selbst gekommen [siehe hier], aber auch einen  Sazerac oder Rapscallion findet man nicht überall. Der kleine Tunichtgut ist die schottische Variante eines Manhattan, der hier mit Talisker, Pedro-Ximenez-Sherry und etwas Absinth gemixt wird. Dieser smoky Manhattan ist ganz nach meinem Geschmack, der Talisker kann sich sehr gut behaupten und verbindet sich mit den anderen Zutaten zu einem richtigen Rauch-Sherry-Monster. Auch hier gilt das gleiche wie beim Single Malt: wer verschiedene Cocktails trinken möchte, sollte den Rapscallion besser ans Ende schieben, er ist der ideale Absacker-Cocktail.

Bild: MargareteMarie

Danach geht es mit dem Taxi weiter nach Kreuzberg in die schwarze Traube. Hier regiert Atalay Atkas, einer der weltbesten Mixologen und derzeit offiziell Deutschlands bester Barkeeper. Als wir in der Wrangelstr. 24 ankommen, ist der Andrang so groß, dass wir ein paar Minuten draußen warten müssen, aber dann wird doch noch eine gemütliche Sesselrunde  frei und zwischen Neo-Barock und Edeltrash fühle ich mich richtig wohl.

Bild: MargareteMarie

Eine Karte sucht man in der schwarzen Traube vergeblich, denn Atalay mixt alles, was das Herz begehrt, und der Kellner hilft im persönlichen Gespräch, das passende Getränk zu finden.

Bild: MargareteMarie

Ich habe immer noch den Talisker auf der Zunge und entscheide mich für einen Whisky Sour mit Elias Craig Bourbon, 12 Jahre, Eiweiß, Zuckersyrup und Zitronensaft.

Bild: MargareteMarie

Der Whisky Sour ist nach dem Rapscallion genau das richtige, und auch diesmal bin ich begeistert von dem ausgezeichneten Mischungsverhältnis, die Fahrt nach Kreuzberg hat sich gelohnt.

Bild: MargareteMarie

Das genau Rezept für den Whisky Sour von Atalay erfahre ich nicht, aber zwei seiner Interpretationen  für klassische Whisky-Cocktails findet man auch im Internet, weshalb ich sie hier gerne wiedergebe:

Salvatore's Old Fashioned
3cl Zacapa 23 Rum
2cl Talisker 10 Whisky
2cl frischer Pink Grapefruitsaft
2cl Creme de Mure
1 Barlöffel Zuckersirup

Speakeasy Bootleg Martini
6 cl Tanqueray 10 mit Rose, Jasmin und Macis infusioniert
1,5 cl Lillet Blanc
1 Barlöffel Johnnie Walker Platinum

Bild: MargareteMarie


Atalay Aktas beim Mixen zuzuschauen ist ein Genuß, und ich hätte ihn zu gerne um ein Interview gebeten. Aber mitten in der Nacht bei Hochbetrieb und mit zwei Cocktails im Blut hat mich dann doch der Mut verlassen. Vielleicht beim nächsten Mal.

PS: Und vielen Dank an Achim, Alexander und die anderen Jungs für diese wunderbare Berliner Cocktail-Nacht.



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