Adventskalender: Imperial 1997


Seit ihrer Gründung im Jahr 1897 war die schottische Speyside-Brennerei Imperial wohl öfter  geschlossen als in Produktion. Der Grund für diese negative Bilanz liegt in der Größe der 4 Brennblasen: mit einer Kapazität von jeweils 36.000 l waren sie riesig, und die Inbetriebnahme lohnte sich nur dann, wenn auch eine riesige Menge Whisky gebrannt werden sollte.  Vor der  Jahrtausendwende wurde sie zum letzten Mal geschlossen, und 2005 schien  ihr Abriss beschlossene Sache.  Jetzt soll sie in neuem Glanz auferstehen. 



Millionenschweres Investment-Programm



Seit 2005 gehört Imperial zu Chivas Brothers, die wiederum zur Pernod-Ricard-Gruppe gehört. Dieser Großkonzern ist nach Diageo der zweitgrößte Whisky-Produzent in  Schottland  mit derzeit 18 Destillerien.  Am bekanntesten sind The Glenlivet, Strathisla, Aberlour, Scapa und Longmorn.  Ebenfalls zum Konzern gehören Glenburgie, Miltonduff, Tormore, Glenallachie, Glentauchers, Braeval, Allt-a-Bhainne, Caperdonich, Glen Keith, und die mittlerweile abgerissene Lochside.


Im Oktober 2012 hat Chivas Brothers ein 40 Millionen Pfund schweres Investment-Programm für seine Speyside-Distillerien bekannt gegeben.  Die  Brennereien Longmorn, Tormore, Glenallachie und Glentauchers werden derzeit erweitert, in Paisley wurde eine brandneue Abfüllanlage in Betrieb genommen. Bereits  2010 hatte man The Glenlivet erweitert und seine Kapazität um 75 % gesteigert.
Im Juni 2013 wurde die 1999 stillgelegte Brennerei Glen Keith wiedereröffnet. Die Brennerei wurde modernisiert und vieles wurde erneuert. Die Kapazität von Glen Keith wurde dabei um 50% gesteigert,  aber die alten Brennblasen blieben erhalten.

An artist's impression of how the new distillery might look.
Neue Brennerei geplant

Für die Imperial-Brennerei  werden die Veränderungen weitreichender sein. Die Bauarbeiten auf dem Gelände von Imperial haben bereits begonnen, 2014 will man mit der Produktion beginnen. Ein Teil der ehemaligen Gebäude wird in die neue Anlage integriert, doch das alte Brennhaus wurde abgerissen. Angeblich stand es mitten in einem Kröten-Wanderweg, und in jedem Frühjahr sollen die Kröten zum Hintereingang hinein, dann quer durch das Gebäude und zum Vordereingang wieder hinaus gewandert sein. Die Kröten werden die alte Gebäudeanlage wohl nicht vermissen, aber den Whisky-Geeks wird die Brennerei fehlen. Denn die alten Brennblasen werden nicht wieder benutzt, und die neue Brennerei soll auch einen neuen Namen bekommen.
Imperial gehört für immer der Vergangenheit an.

Bei Imperial wurde entweder gar nicht gebrannt oder in großen Mengen. Originalabfüllungen gibt es kaum, aber bei unabhängigen Abfüllern findet man ihn noch recht häufig. Mein heutiger Adventskalender-Malt  wurde 1997 destilliert und von Slijterij  Wijnhuis Zeewijck abgefüllt für das Whisky en Rum aan Zee Festival 2010.


  

Hier meine Tasting Notes:

Imperial  1997/2010, Cask 104, 46%, Slijterij & Wijnhuis Zeewijck für Whisky & Rum aan Zee 2010

Farbe: 
etwas blass

Aroma:
Malzig, floral, fruchtig.  Passend zur Jahreszeit riecht er nach  Lageräpfeln im Winter, die seit Wochen  im Keller liegen und diesen typisch pelzigen Geruch von dicker Schale entwickeln. Andere helle Früchte kommen dazu, Pfirsich und Birne, dezente Vanille... der typische Geruch eines Ex-Bourbon-Fasses, das schon einige Refills hinter sich hat. Angenehm süß, mild, keine störenden Neben-Töne. Mit etwas Wasser noch samtiger.

Geschmack:
Cremig, leicht ölig, grasig-floral,  ausgewogen. Ein bißchen blass, vielleicht. Einer dieser  sanften Speysider, die so angenehm duften aber etwas leise daher kommen. Ideal für heiße Nachmittage auf  der Terrasse, dann gerne auch on the rocks, das macht ihn herber. Oder als Begleitung zum   kleinen Snack, wenn Besuch kommt. Am besten mit Salzstängchen und weichem Käse.

Nachklang:
Mild, sanft, mittellang. 

Mein Tip: 
Die Tage von Imperial sind gezählt. Noch gibt es genug. Aber es wird kein Nachschub mehr kommen. Trinkt ihn also, solang noch was da ist. Oder hebt euch was auf  für spätere Zeiten.


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