Praban na Linne - der gälische Whisky



Praban na Linne – schon mal gehört? Wohl eher nicht. Ganze drei Abfüllungen befinden sich im Portfolio dieser schottischen Firma mit dem gälischen Namen, ein Vatted (Blended) Malt namens Poit Dhubh, und zwei Blended Whiskies, Te Bheag (peated) und Mac Na Mara. Über den unabhängigen Abfüller „The Gaelic Whiskies“, wie Praban na Linne sich auf Englisch nennt, stolpert man meist nur zufällig. Nämlich dann, wenn man Whisky auf der schottischen Isle of Skye sucht. Hier ist Praban na Linne zuhause – auf der Heimatinsel der berühmten Talisker-Brennerei.

Vielleicht war es ja der Ruf des schon fast legendären Talisker-Whiskys, der Sir Ian Andrew Noble im Jahre 1972 nach Skye führe, wo er 20.000 Morgen Land kaufte, die sich zuvor im Besitz des Macdonald-Clan befanden. Eine halb verfallene Farm gehörte ebenfalls zu diesem Besitz. Doch statt Highland-Rinder zu züchten, gründete Noble auf seinem neu erworbenen Landbesitz das erste Gälische Kolleg in Schottland zur Erhaltung der Gälischen Sprache. Und weil ihm das Gründen von gälischen Einrichtungen so viel Spaß bereitete, gründete er auch noch gleich ein gälisches Hotel, das "Eilean Iarmain", und „Praban na Linne“, die gälische Whisky-Firma. Wer hier arbeiten will, muss Gälisch sprechen. Oder es lernen. 

Noble war auch der erste, der sich dafür einsetzte, dass gälische Ortsnamen auf allen Straßenschildern benutzt werden - was heute wie eine Selbstverständlichkeit erscheint, war damals ein harter Kampf. 2003 hat seine Popularität jedoch einen ernormen Dämpfer erlitten, als er sich in einer öffentlichen Rede für eine Engländer-freie Insel Skye aussprach...

Wer den gälischen Whisky trinken will, muss gottseidank über keinerlei gälische Sprachkenntnisse verfügen, er wird auch ins englisch-sprachige und sonstige Ausland verkauft. Der größte Markt für dieses Nischen-Produkt ist Frankreich und Kanada, die Abfüllungen sind aber auch in Deutschland erhältlich.

Seit einigen Jahren hat Praban na Linne große Pläne: eine neue Destillerie (Torabhaig) soll gegründet werden. Es wäre neben Talisker dann die zweite auf Skye. Und die erste schottische Brennerei, in der alle Arbeitnehmer Gälisch sprechen müssen. Doch während  andere Gegenden Schottlands gerade einen Boom von Destillerie-Neugründungen erleben, bleibt es ruhig auf Skye. Vielleicht findet man ja nicht genügend Bauarbeiter mit Gälischkenntnissen. Ob die Pläne für eine neue Brennerei je umgesetzt werden, scheint fraglich. Sir Ian Noble wird es  nicht mehr erleben. Er verstarb vor 2 Jahren.


Wer Interesse hat, die gälische Sprache auf Skye zu lernen - hier ist ein Clip über das Gälisch-Kolleg von Sir Ian Noble. Natürlich auf Gälisch;-)


Wer einfach nur wissen will, wie der gälische Name dieser Whiskys korrekt ausgesprochen wird, dem empfehle ich einen Schnellkurs bei einem meiner Lieblings-Reviewer: Ralfy.com - hier sind die Clips dazu. Die Verkostung und Besprechung der Whiskies gibt es bei Ralfy natürlich auch.



 


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