Im Glas: Talisker Storm





Über die Besonderheit der Fassauswahl für den Talisker Storm habe ich ja schon [hier] berichtet. Doch kann sein Geschmack auch den hohen Erwartungen gerecht werden? 


Schon die Verpackung macht Lust. Sturmwolken und  Meeresgischt werden effektvoll in Szene gesetzt und man ahnt, dass dieser Whisky anders sein will als andere. Jünger. Spritziger. Stürmischer.   

 Farbe: Im Glas leuchtet er in einem satten Gold, allerdings wurde hier wohl etwas nachgeholfen. Schade eigentlich, das hätte er gewiss gar nicht nötig.    

 Aroma: zarter, aber intensiver Rauchduft steigt sofort auf, wie von einer leichten Zigarette, gepaart mit dem fetten Aroma von Schickenspeck, leider etwas säuerlich, nicht so ganz mein Fall. Doch dann verschwindet der Schinken, das Aroma wird herrlich frisch, und erinnert an die jodhaltige Luft einer Saline, oder auch eine Seebrise beim Strandspaziergang, und man mag gar nicht mehr aufhören, diese Frische einzuatmen. Unter dieser Rauch-Jod-Meerluft-Mischung verbirgt sich, kaum spürbar, eine verhalten-süße Fruchtigkeit,  Zitrusnoten, etwas Ingwer, ein bißchen wie eine Ritter-Sport-Schokolade im Sommer, und dann, schließlich, ganz deutlich, macht sich Malz breit im Glas. Nach einer Weile gesellt sich auch etwas Eichenholz dazu, und am Ende bleibt der milde Rauchgeruch von kalter Tabakasche, und immer noch die frische Meeresbrise.        

Geschmack: er schmeckt deutlich dunkler als er riecht, auf der Zunge breitet sich sofort dieser angenehme Zigarettenrauch aus, mild und sanft im ersten Augenblick, doch dann, hoppla, es bitzelt auf der Zunge nach Chillischoten und Pfefferkörnern, und etwas Leder kommt hinzu.   

Das Finish ist angenehm mild, der zarte Rauch bleibt lange auf der Zunge.      

Fazit: Talisker Storm ist weder komplex noch kompliziert, aber ausdrucksstark, mit einer milden, sehr angenehmen Rauchigkeit, die die verhaltenen Anklänge von Metall und Schwefel geschickt überdeckt. Er ist kein stürmisches Herbstunwetter, sondern eher die milde  Sommerzyklone, der Strandspaziergang nach einem heftigen Sommergewitter.  Ein idealer Tea-Time-Whisky, der Frische-Kick am Nachmittag. Wer einen rauchigen Whisky für die Sommerzeit sucht – hier ist er!

Kommentare

  1. Ein schöner Artikel mit witzigen Tasting-Notizen. Das Aroma von Schinkenspeck habe ich beim Verkosten jetzt nicht direkt geschmeckt, aber werde beim nächsten Mal noch mal gezielt nachschmecken. ;-) Im Vergleich zum Talisker 10 Jahre hat uns der Storm allerdings insgesamt nicht ganz so überzeugt - der Klassische ist doch noch etwas komplexer. Ist aber wie immer natürlich Geschmackssache!
    Viele Grüße vom Alkoblog aus Berlin

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    1. Hallo Alkoblog;-)
      ich kann dir nur zustimmen, der Storm ist für mich ein idealer Einsteiger und Sommerwhisky. Die Preisgestaltung bezüglich Storm und Talisker 10 kann auch ich nicht ganz nachvollziehen...

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