Ein schwarzer Gesell: The Glenlivet Alpha


Noch eine schwarze Flasche. Nach Bowmore und Bruichladdich hat jetzt auch The Glenlivet eine schwarze Sonder-Edition auf den Markt gebracht und damit für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Denn der Kunde tappt im Dunkeln: Es gibt bisher keinerlei Informationen darüber, was sich in dieser schwarzen Flasche verbirgt. Kein Alter, keine Fassangabe, keine Geschmacksbeschreibung, nichts. Der Kunde wird aufgefordert, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen und mit Nase, Mund, Augen und Zunge die Geheimnisse des Whiskys zu ergründen.
Diese Geheimniskrämerei ist Teil der Marketing-Kampagne für den The Glenlivet Alpha, der vor wenigen Tagen auf den Markt kam. Parallel dazu wurden auf der Webseite der Brennerei kleine Video-Clips eingestellt, die Hinweise und Tipps geben sollen, was sich denn nun in dieser Flasche befindet.

Diese Kurzvideos werden nach und nach zur Ansicht freigegeben, und dann, als Abschluß, wird am 6. Juni der Master Distiller bei The Glenlivet, Alan Winchester, online verkünden, was der Kunde  da eigentlich gekauft hat.
Doch nur wenige Kunden werden von diesen online-Enthüllungen profitieren können, lediglich 3.350 Flaschen wurden abgefüllt. Weltweit. Wie viele Flaschen da wohl den deutschen Markt erreichen?
Innerhalb weniger Stunden waren die Flaschen bei einem englischen Internet-Anbieter bereits ausverkauft, nur zwei Tage nach offizieller Markteinführung standen die ersten Flaschen schon bei ebay. Soweit so gut, wenn das Angebot knapp ist, geht der Preis nun mal hoch.
Doch wieso ist das Angebot eigentlich knapp?
The Glenlivet gehört zu einem der größten Spirituosen- und Weinkonzerne weltweit. Die Brennerei ist hinter Glenfiddich der zweitstärkste Single-Malt-Produzent der Welt mit einer Jahres-Produktionskapazität von über 9 Millionen Litern Reinalkohol. Im Jahre 2010 hat man über 10 Millionen Pfund in einen Erweiterungsbau investiert, zu dessen Einweihung sogar HRH Kronprinz Charles eingeflogen wurde. Dieser Erweiterungsbau war für Glenlivet ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur weltweiten Marktführerschaft, denn man will unbedingt an Glenfiddich vorbeiziehen und die Nummer eins werden.
Und diese Brennerei, die weltweiter Marktführer für Single Malt werden will, soll plötzlich zu wenig Fässer haben?  3.350 Flaschen, das sind gerade mal 2.345 Liter oder ungefähr 10-12 Standard-Fässer. Mehr Fässer soll es tatsächlich für diese Abfüllung nicht gegeben haben? Wer’s glaubt...




Margaretemarie meint:
Also ehrlich. Ich mag guten Wisky. Ich mag gute  Konzepte und gute Projekte. Und ich mag  Menschen, die sich tagtäglich engagieren, um die Einzigartigkeit ihres Produktes zu beweisen. Aber diese Flasche begeistert mich nicht. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich mag The Glenlivet, ich trinke ihn gerne und er steht auch in meiner Vitrine. Und ich bin mir sicher, der Alpha wird - auch ohne Altersangabe - gut sein. Philip Reim von "EyeforSpirits" hat ihm in einer Verkostungsnotiz sogar die Höchstpunktzahl gegeben. Aber ein künstlich verknapptes Angebot, eine sinnfreie schwarze Umhüllung und ein paar kostengünstige Internet-Enthüllungen rufen bei mir keine Begeisterung hervor.

Im Gegenteil: die angekündigten Online-Challenges zum „Austausch“ ärgern mich schon jetzt,  weil viel zu wenig Malt-Liebhaber eine Flasche des Alpha erhalten werden. Wem soll diese online-Aufklärungs-Kampagne eigentlich nutzen? Der Brennerei? Dem Konzern? Den Whisky-Jägern? Dem Verbraucher nutzt sie gewiß nicht, denn es gibt ja so gut wie keine Abfüllungen. Ein solches Projekt braucht niemand, und frau schon gar nicht. Eine No-Age-Abfüllung hätte man auch anders einführen können. Bleibt nur zu hoffen, dass Beta, Gamma und Delta bessere Kerle sein werden als dieser schwarze Gesell.

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